Game of Thrones - 6. Staffel, 2. Folge im Recap

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Noch nicht von Ramsay den Hunden vorgeworfen: Bran Stark
03.05.2016 - 10:16 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Die Game of Thrones-Autoren beweisen in der 2. Folge der 6. Staffel ausgiebig, dass sie sich von Figuren trennen können, bevor sie Jon Snow von den Toten zurück in die Kälte des Nordens holen.

Hand hoch, wer wirklich schockiert war von Jon Snows Wiederauferstehung in Game of Thrones! Vielleicht hatte der ein oder andere mit einer späteren Auflösung gerechnet, doch die Rückkehr des ermordeten Lord Kommandanten (Kit Harington) war das am schlechtesten gehütete Geheimnis des vergangenen Serien-Jahres. Der gewaltige Twist, den gerade nach The Red Woman jeder, wirklich jeder hat kommen sehen, also auch Ned Starks verrotteter Schädel, liegt nun hinter uns. In Rückschau auf die Episode Home aus der 6. Staffel erschließt sich deshalb, warum die Autoren die 2. Folge nach dem gemächlichen Anfang so vollstopfen mit Morden, Drachen und Tyrion-Varys-Screwball-Dialogen.

Tyrion: "I make eunuch jokes, he makes dwarf jokes"
Varys: "I do not make dwarf jokes."
Tyrion: "You think them though."

Die Auferstehung totgeglaubter Figuren gehört schließlich zu den schwierigsten Drahtseilakten im Seriengeschäft. Manchmal brennt sie sich bei Erstausstrahlung als ikonischer TV-Moment ins Gedächtnis ein, etwa als Marcia Cross' überraschend lebendige Kimberly in Melrose Place ihre Perücke abnimmt und eine riesige Narbe entblößt : Der (vorgetäuschte) Tod beim echten Unfall wird als transformierendes Ereignis inszeniert und nur wir wissen über den psychopathischen Charakter der Wiedergeborenen Bescheid. Es hat jedoch einen Grund, dass wir nostalgisch lieber auf die schockierenden Serientode als die schockierenden Wiederauferstehungen zurückblicken. Oft genug verliert die Serie bei letzteren jede Glaubwürdigkeit. Der hyperemotionalen Atmosphäre von Seifenopern dienen sich solche Twists an, doch schon eine Fantasy-Serie mit einem Mindestanspruch an psychologischem Realismus und Hodor läuft Gefahr, auf dem Rücken eines magisch wiederbelebten Nachtwächters über einen Hai zu springen. Zweierlei Faktoren kommen hier Game of Thrones entgegen und nur einer davon unterliegt gänzlich der Kontrolle von David Benioff und D.B. Weiss.

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Die Episode selbst endet zwar mit Jons aufgeschlagenen Augen und damit einem Paukenschlag. Davon abgesehen werden die Wiederbelebungsversuche von Melisandre (Carice van Houten) und Regisseur Jeremy Podeswa ohne viel magisches Getöse inszeniert. Ein paar Sprüche, ein paar Miyagi'sche Reinigungsübungen , dann regelrecht schematisch die Enttäuschung kurz vor dem erwartbaren Triumph. Man mag das lustlos nennen oder eben schlau. Jons Wiederauferstehung wird nicht weiter dramaturgisch aufgebauscht als nötig, weil weder die Autoren noch viele Zuschauer noch - so fühlte sich die 1. Folge an - die Serie daran glaubte, dass er tot bleibt. Immerhin, und man notiere sich hier Faktor 2, liegt die undankbare Aufgabe hinter den Machern, 10 Monate inklusive Freiluft-Dreh ohne "Leak" zu bewältigen. Da mussten wiederholte verbale Bemühungen eines bemitleidenswerten Kit Harington scheitern. Doch der verminderte Überraschungseffekt war vielleicht das beste, was der Serie an dieser Stelle passieren konnte: Melisandre vollbringt, eventuell unter Mithilfe von Direwolf Ghost, das Nötigste und danach heißt es für den Plot im Norden: Get on with it !

Game of Thrones

Was die Autoren von Fragen nach der Motivation von Davos (Liam Cunningham) allerdings nicht entbindet. Selbst wenn er nicht genau weiß, wie Shireen Baratheon ums Leben gekommen ist, verblüfft seine plötzliche Akzeptanz der Magie Melisandres. Natürlich können wir seinen Gedankengang nachträglich hinzudichten (Jon als Mittler zwischen Nachtwache und Wildlings scheint unverzichtbar). Indem die Autoren in Home keinerlei Anstalten machen, Davos' Entscheidung für einen zutiefst unnatürlichen Akt herzuleiten, scheinen sie ein weiteres Mal in dieser jungen Staffel den Plot über alles zu stellen, auch die Glaubwürdigkeit.

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