Game of Thrones - 6. Staffel, 1. Folge im Recap

Game of Thrones
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

Eine Runde Applaus für Brienne, bitte! Nach vier Staffeln Game of Thrones, in denen die Tochter Tarths ein ums andere Mal ihres menschlichen Polarsterns beraubt wurde, nimmt Sansa ihren Antrag auf Dienerschaft endlich an. The Red Woman, die 1. Folge der 6. Staffel, fühlt sich in vielerlei Hinsicht wie ein Epilog an. Jons Leiche wird gefunden, Cersei erfährt vom Tod ihrer Tochter Myrcella und Ramsay sinniert über die effiziente Entsorgung seiner verstorbenen Gespielin. Doch von allen Figuren in dieser Game of Thrones-Folge macht Brienne den weitesten Satz, obwohl sie im Grunde nur auf die Knie fällt. Dem kann auch der Staatsstreich der Sand Snakes nichts anhaben, der weniger wie die logische Weiterentwicklung eines Handlungsstrangs wirkt denn wie rücksichtslose Schadensbegrenzung nach einem Story-GAU. Wer dachte, dass Ciarán Hinds' Mance Rayder zu schnell entsorgt wurde, sollte mal mit dem Agenten von Alexander Siddig einen Kaffee trinken gehen.

Ein bisschen Hoffnung zwischen Tod und Verderben
Als wir die Reise nach Westeros und darüber hinaus vor fünf Jahren begannen, trafen wir auf eine Familie, die nicht von ungefähr ein Stark im Namen trug. Game of Thrones wurde jedoch von ihrer Zerstreuung angetrieben, erst der räumlichen Trennung, dann der schrittweisen Ermordung ihrer Mitglieder. Andere Familien, etwa die Lannisters, Baratheons und nun die Martells, implodierten im Verlauf der Serie. Doch keine davon verkörpert wie die Starks die Idee, dass ein loyales Zusammensein in dieser grausamen Welt möglich war - und vielleicht noch ist. Vor diesem Hintergrund und dem der vielen Verbrechen, deren Zeuge wir im Verlauf der Staffeln wurden, lässt sich erst die Bedeutung des Schwurs erfassen, den Brienne (Gwendoline Christie) und Sansa (Sophie Turner) einander leisten. Er funktioniert naturgemäß nicht auf Augenhöhe und ist seinem Wesen nach platonisch. Flankiert von den zwei (Trau-)Zeugen Theon (Alfie Allen) und Pod (Daniel Portman), wird der Vorgang trotzdem überhöht und zum ideellen Gegenentwurf der vielen mörderischen Hochzeiten und vergifteten Küsse dieser Serie. Kathartische Szenen, die sich weder auf triumphierende Rache noch triumphierende Wortsalven beschränken, machen sich in der Serie rar. So sehr Brienne und Kick-Ass-Pod als Retter in der Not begeistern, ist Game of Thrones selten befriedigender als in Szenen, die eine Figur nach mehreren Staffeln Odyssee ihr moralisches Ithaka finden lassen. Dieser narrative Quantensprung könnte natürlich schon in der nächsten Folge von einer Ramsay-förmigen Singularität verschluckt werden. Das lässt sich bei David Benioff, D.B. Weiss und natürlich George R.R. Martin nie mit Sicherheit vorhersagen. Generell kommen Sansas Entwicklung jedenfalls willensstarke, dominante Mentorfiguren wie Littlefinger oder dessen Antithese Brienne entgegen. Eintönige Sadisten wie Joffrey und Ramsay handhabten die Autoren zuletzt mit entnervender Redundanz.

Briennes Schwur hebt sich in vielerlei Hinsicht vom Rest der Episode ab, gerade weil The Red Woman im Schatten des Todes abläuft. Ser Alliser (Owen Teale) gab in der letzten Folge den Longinus neben Ollys Brutus, um den rechtmäßigen Lord Commander Jon Snow (Kit Harington) zu ermorden. Die blinde Loyalität des alten Nachtwächters gegenüber den Ressentiments seines Bundes kreiert jedoch ein Geschwür im Zentrum von Castle Black. Er hat mit dem Mord den Geist der Night's Watch ebenso pervertiert wie einst die Meuterer in Craster's Keep; eine Deutung, die man auf Allisers allzu flexibel geschriebene Motivation innerhalb der Serie zurückführen kann. Mit dem Onion Knight Davos (Liam Cunningham), den Wildlings und möglicherweise auch Melisandre (Carice van Houten) nahe der Wall scheinen seine Tage gezählt. Ob der auffällig lang aufgebahrte Leichnam Jons dabei per Magie wieder mit Leben gefüllt wird oder nicht: Ein von Stannis "befreiter" Davos kann mit seinem besonnenen Tatendrang nur Gutes für den nördlichsten aller Handlungsstränge bedeuten.

She’s good meat, feed her to the hounds.

Davos und verbliebene Loyale halten bei Jons Leichnam Wache, Ramsay (Iwan Rheon) verabschiedet sich von Myrandas (Charlotte Hope) Überbleibseln und Cersei (Lena Headey) wird der tote Körper ihrer Tochter überbracht. Wir haben diese Szenen so oder so ähnlich schon gesehen, dafür sind im Verlauf von Game of Thrones genügend Figuren über den Jordan gegangen. Dennoch scheint es passend, dass in dieser Brückenepisode zwischen Staffel 5 und 6 angesichts der Opfer der unüberschaubaren Intrigen innegehalten wird. Selbst Ramsay wirkt da für ein paar Sekündchen menschlich, bevor er Myranda als "Fleisch" an die Hunde verfüttern lässt. Im Wiedersehen von Cersei mit ihrem Bruder Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) rekreieren die Autoren zudem eine der umstrittensten Szenen der 4. Staffel, um diesmal einen anderen Ausgang zu wählen. Der Tod und noch viel Schlimmeres kündigt sich in allen Ecken und Enden dieser Folge an, da klammern sich einige Verbliebene noch viel fester an ihre metaphorische Holztür im eisigen Ozean. Margaery (Natalie Dormer) fragt verzweifelt nach ihrem Bruder Loras (Finn Jones), während Jaime den Verlust seiner Tochter mit seinem eigenen destruktiven Schwur beantwortet:

Fuck prophecy, fuck fate, fuck everyone who isn't us. We’re the only ones who matter, the only ones in this world. And everything they’ve taken from us, we’re going to take back and more. We’re going to take everything there is.
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