Finanz-Groteske

Gier 2 - Ulrich Turkur am Kap der langen Weile

Traue nie einem singenden Investment-Profi
© ARD Degeto
Traue nie einem singenden Investment-Profi

Der zweite Teil von Gier machte da weiter, wo der erste Teil aufhörte: bei der Strapazierung der Zuschauer-Geduld durch die endlose Wiederholung des Musters Verwehrung – Forderung – Vertröstung. Wer es schaffte die ersten 80 Minuten durchzuhalten, bekam als Belohnung ein abruptes und lahmes Ende, dessen einziger lobenswerter Punkt war, dass es den Zweiteiler zum Abschluss brachte.

Foto-Show: die Bilder zu Dieter Weldels Gier

Für ein Paar Minuten zu Beginn des zweiten Teiles von Gier kam sogar etwas Hoffnung auf: Der Titel Die Rache lies auf eine finale Abrechnung hoffen, auf den großen Schlagabtausch zwischen dem verzweifelten Kleinanleger Andy Schroth (Devid Striesow) und dem Betrüger Dieter Glanz (Ulrich Tukur). Sogar die Staatsanwaltschaft kündigte entschiedene Schritte und Winkelzüge an, die dem Betrüger endlich das Handwerk legen sollten. Aus irgendeinem Grund traf allerdings nichts von alledem ein: Die Staatsanwaltschaft schaute weiterhin nur tatenlos zu und Andy Schroth ließ sich weiter vertrösten – nur eben etwas mürrischer als im ersten Teil. Die einzig erkennbare Steigerung versuchte Regisseur Dieter Wedel dadurch herbeizuführen, dass er plötzlich jedem eine Pistole in die Hand drückte, wodurch er den verworrenen Plot allerdings endgültig der Lächerlichkeit preisgab.

Was bleibt nach insgesamt rund 180 Minuten Gier für den Zuschauer an Erkenntnis übrig? Dass die gierigen Reichen verdammt blöd waren und die hoffnungsvollen Kleinanleger, die sich für ihr Investment ruiniert hatten, ziemlich arm dran. Tiefer konnte oder wollte Dieter Wedel nicht schürfen. Warum wir die vorhersehbare Abwärtsspirale also unbedingt in zwei Teilen genießen mussten, wird das Geheimnis von Dieter Wedel und der ARD-Sparte Degeto bleiben, für die das Konzept Zweiteiler anscheinend schon zum Selbstzweck geworden ist.

Immerhin schmeichelte die schöne Kulisse Südafrikas dem Auge, hatte aber auch einen unangenehmen Beigeschmack. Ein Film wird nun einmal nicht besser, nur weil er vor paradiesischem Hintergrund abläuft. Diesmal war die Handlung von Gier beinahe komplett im sonnigen Süden angesiedelt und erinnerte damit unangenehm an die üblichen Schmonzetten unter blauem Himmel, die wir sonst aus dem Hause Degeto kennen. Wenn dann in einer Szene der Staatsanwalt den Fall Glanz als dankbare Gelegenheit nutzt, um ein paar Tage auf Staatskosten die südliche Sonne zu genießen, so spricht ihm wahrscheinlich das schlechte Gewissen des Regisseurs aus der Seele.

Am Ende von Gier geschah natürlich das, was der Zuschauer von Anfang an wusste: Dieter Glanz wanderte ins Gefängnis, die Opfer gingen (meist) leer aus. Dies geschah in den letzten Minuten derart unvermittelt und unbegründet, dass die wenigsten Zuschauer darüber aus ihrem Tiefschlaf erwacht sein dürften. Dabei hätte der Stoff der beiden Teile zusammen durchaus einen unterhaltsamen 60-Minüter hergeben können.

Und was meint ihr: Konnte euch der zweite Teil von Gier überzeugen?

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Aus den Nouvelle-Vague-Kinos Frankreichs über die Gipfel der amerikanischen Blockbuster bis zu den Sternen der DEFA-Science-Fiction.
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