Als ich vor drei Jahren in einem Kino im japanischen Fukuoka saß, um Godzilla Minus One zu schauen, war eines klar: Dieser Film würde ganz sicher nicht der Endpunkt der langlebigen Reihe sein, eher im Gegenteil. Das Prequel, das wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg spielt, war zwar nicht der beste Godzilla-Film seit dem Millennium, aber eine offensichtliche Erneuerung mit dem Potenzial zur direkten Fortsetzung. Fast 70 Jahre nach dem ersten Kinofilm wirkte die Monster-Echse immer noch frisch. Godzilla Minus Zero soll dieses Kunststück in wenigen Wochen erneut unter Beweis stellen.
Godzilla Minus Zero spielt wenige Jahre nach dem letzten Film
Dabei hat Godzilla Minus One ordentlich vorgelegt. Godzilla ist eigentlich ein (verstrahltes) Kind der 1950er. Autor und Regisseur Takashi Yamazaki verlegte die Handlung seines Films jedoch in die 1940er Jahre und erzählte vom gescheiterten Kamikaze-Piloten Kōichi (Ryunosuke Kamiki), der sich im vom Krieg zerstörten Tokio ein neues Leben aufbauen will. Seine Pläne werden jedoch von der gewaltigen Monster-Echse Godzilla zertrampelt, die in der eindrucksvollsten Szene des Films das Vergnügungsviertel Ginza dem Erdboden gleichmacht. Wie in den meisten Godzilla-Filmen aus Japan finden die Menschen einen Weg, das Monster zurückzuschlagen.
"Minus One" sorgte beim Start 2023 mit seinen exzellenten Effekten für Aufsehen und überraschte mit einer eher charaktergetriebenen Story, die Monster-Action und Familiendrama verband. Mit 10 Millionen Dollar Budget landete der Film ein weltweites Einspiel von 116 Millionen und gewann 2024 den Oscar für die besten visuellen Effekte – zweifellos der Höhepunkt der japanischen Godzilla-Reihe aus internationaler Sicht. Entsprechend groß sind die Erwartungen nach über 70 Jahren Franchise-Geschichte immer noch.
Für Godzilla Minus Zero kehren Regisseur und Darstellende zurück. Die Fortsetzung spielt 1949, zwei Jahre nach den Ereignissen des letzten Films. Kōichi hat sich mittlerweile ein schönes Leben aufgebaut, aber natürlich bleibt es nicht lange dabei.
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In dem neuen Godzilla-Film spielt auch der Sci-Fi-Aspekt eine größere Rolle
Godzilla Minus One war eine "Back to the Basics"-Neuorientierung, die Godzilla wieder eng mit dem Motiv der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki verband. Dieses historische Trauma, das aus dem Angriffskrieg des japanischen Kaiserreichs im Pazifik hervorging, speiste bereits den allerersten Godzilla-Film von Ishirô Honda. Das Monster und seine Gelegenheitsbekanntschaften wurden derweil in den Folgejahren immer wieder zu Symbolträgern zeitgenössischer Krisen. Man denke etwa an das Smog-Monster in Godzilla vs. Hedorah oder die Bezüge zur Atomkatastrophe von Fukushima in Shin Godzilla.
In ihrer langen Geschichte tendierte die Reihe deswegen mal mehr, mal weniger zur Science-Fiction – je nachdem, wie eng sich der jeweilige Film mit der Realität auseinandersetzte. Godzilla Minus One schraubte diese Elemente zurück. In Godzilla Minus Zero – so viel kann ich nach der Sichtung spoilerfrei verraten – spielen die Sci-Fi-Elemente wieder eine größere Rolle. In jedem Fall würde ich allen mit Interesse an dem neuen Godzilla-Film von Toho empfehlen, den letzten Teil nachzuholen, falls das noch nicht geschehen ist.
Godzilla Minus Zero startet am 5. November in den deutschen Kinos.