"Spoilern ist scheiße. Und in meinem Fall sehr teuer": Guardians of the Galaxy 3-Star Fahri Yardım im Interview

11.05.2023 - 10:55 UhrVor 10 Monaten aktualisiert
Guardians of the Galaxy Vol. 3
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In Guardians of the Galaxy Vol. 3 ist Rocket so wichtig wie in keinem Marvel-Film zuvor. Doch wie erweckt man einen sprechenden Waschbären zum Leben? Das verrät Synchronsprecher Fahri Yardım im Interview.

Guardians of the Galaxy Vol. 3 wartet mit mehreren Hollywood-Stars in den Hauptrollen auf, angefangen bei Chris Pratt über Zoe Saldana bis hin zu Bradley Cooper, der dem animierten Waschbären Rocket Raccoon seine Stimme leiht. Wenn ihr den Film in Deutschland im Kino schaut, ist die Wahrscheinlichkeit jedoch groß, dass ihr von Cooper gar nichts mitbekommt. Denn der ist nur in der Originalversion zu hören.

Guardians of the Galaxy Vol. 3: Fahri Yardım im Interview über Rocket und den Abschluss der Marvel-Trilogie

In Deutschland wird Rocket seit dem ersten Guardians of the Galaxy-Film von Fahri Yardım gesprochen. Im dritten Teil nimmt der krawallige Waschbär die mit Abstand wichtigste Rolle ein. Yardıms Stimme ist der emotionale Kern des großen Guardians-Finales. Wir haben den Schauspieler und Synchronsprecher in Berlin zum Interview getroffen.

Moviepilot: Als dir damals jemand gesagt hat, dass du die Rolle eines sprechenden Waschbären übernimmst. Was ware deine erste Reaktion?

Fahri Yardım: Empörung. Wut. Widerstand. Ich habe an allem gezweifelt, vor allem aber an mir selbst. Irgendwann kamen ein paar Freunde, die sich mit Guardians of the Galaxy auskannten und sagten: "Das musst du machen!“ Als ich den ersten Teil gesehen habe, war ich nach fünf Minuten schockverliebt. Inzwischen bin ich dankbar und demütig und würdige den Vorschuss an Vertrauen. Aber als mir damals jemand gesagt hat, dass ich einen gebrochenen Waschbären spielen soll, der im Kopf kaputt ist, war ich natürlich schwer pikiert.

Hier könnt ihr den Trailer zu Guardians of the Galaxy Vol. 3 schauen:

Guardians of the Galaxy 3 - Trailer (Deutsch) HD
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Was wusstest du damals über das Marvel-Universum?

Ich hatte schon einige Comics zu Hause, nur Guardians of the Galaxy kannte ich nicht. Bei mir in der Familie war jemand, der in einem Comic-Lager gearbeitet hat und mich mit allen möglichen Marvel-Sachen versorgt hat. Ich war schon Fan, bevor es mit den Filmen losging.

Wann wirst du ins Boot geholt, wenn es um die Synchro-Arbeit bei einem neuen Guardians of the Galaxy-Film geht?

Der Film befindet sich da in der Endphase des Schnitts. Mit jeder neuen Fassung, die Rocket betrifft, latsch ich erneut in die Kabine. Teilweise sind die Szenen und das Bild noch nicht fertig. Viele CGI-Effekte fehlen und auch besondere Spoiler werden nicht verraten. Die ganzen Cameos und Geheimnisse des Marvel-Universums sind meistens geblurrt. Manchmal bleibt nur der Mund einer sprechenden Figur.

Moment, was heißt, dass du nur den Mund siehst?

Das ganze Bild um den Mund einer Figur ist ausgeblendet. Du siehst einen kleinen Kreisausschnitt und da spricht eben dieser Mund. Da die Marvel-Filme so beliebt und eng miteinander verzahnt sind, werden die Geheimnisse behütet wie ein Schatz. Auch meine Neugier wird nicht befriedigt. Insofern bin ich gleichzeitig Zuschauer und Mitmacher.

Du kriegst dann vorher vermutlich auch kein komplettes Drehbuch?

Ne, ich darf mir nur den unfertigen Film anschauen. Immerhin!

Weißt du dann überhaupt, wie der Film endet?

Wie er sehr wahrscheinlich enden wird. Und bestimmte Geheimnisse werden auch den deutschen Synchronsprecher:innen einfach nicht mitgegeben. Ich könnte ja auch eine Plaudertasche sein.

Kannst du Beispiele aus den letzten zwei Teilen nennen?

Im zweiten Teil erkannte ich Sylvester Stallone an seinem eben auch sehr charakteristischen Mund und hab dann mein eigenes Maul in der Öffentlichkeit lieber gehalten. Spoilern ist scheiße. Und in meinem Fall sehr teuer.

Fahri Yardım in Tatort: Kopfgeld

Mit wem arbeitest bei der Aufnahme zusammen. Ich nehme an, du hast keinen Kontakt zu James Gunn?

Nein.

Wer ist dann dein Regisseur? Wer leitet dich kreativ an?

In diesem Fall Björn Schalla, ein wunderbarer Dialogregisseur und selbst erfahrener Sprecher. Dazu sitzt eine Cutterin an meiner Seite, die direkt auf Längen und Hebungen achtet. Und schließlich jemand von der Tonmischung. Also ein Team, dass mich begleitet, wenn es um Rhythmen, um Lebendigkeit und um Energie geht. Und natürlich höre ich mir Bradley Coopers Version jedes Mal vorher an.

Hast du ihn mal getroffen?

Nein.

Weiß er, dass du ihn sprichst?

Ich behaupte das zumindest immer, aber ich befürchte, das interessiert ihn nicht die Bohne. Ich hätte gerne mit ihm so eine kleine WhatsApp-Gruppe, behaupte auch die ganze Zeit, dass diese existiert. Im Moment ist es eine Gruppe mit nur einer Person.

Schickst du dir selbst Nachrichten?

Eigentlich schicke ich Bradley Nachrichten. Aber es kommt keine Antwort. Ich versuche immer, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Will mit ihm Insiderwissen aus der Sprecherkabine austauschen. Welche Lutschbonbons helfen, wenn es hinten im Hals anfängt zu kratzen. Aber da kommt nie was zurück. Ein sehr einsames Gespräch. Zu seiner Verteidigung, es wäre vermessen zu hoffen, dass Bradley Cooper weiß, wer ihn in all den verschiedenen Sprachen synchronisiert. Das nächste Mal, wenn ich ihn treffe, schreie ich ihn trotzdem an: "Antworte mir!"

Was war für dich bei den Aufnahmen der schwerste Satz?

Ich erinnere mich nicht an einen expliziten Satz. Im dritten Teil lag die Herausforderung in der Bandbreite der Emotionen. Rockets Geschichte rückt in den Mittelpunkt. Wir lernen neue Seiten von ihm kennen und tauchen in seine Vergangenheit ein. Und dann singt er auch noch! Ich bin wirklich nicht bekannt dafür, ein begnadeter Sänger zu sein.

Also hast du das Creep am Anfang selbst gesungen?

Ich musste! Toller Song! Also gesungen ist ein bisschen übertrieben, eher ein bisschen mitgegrummelt.

Guardians of the Galaxy Vol. 3

Wenn du deine Zeilen einsprichst, bist du da allein im Studio oder ist der Rest des Sprecher-Casts auch anwesend und ihr nehmt gemeinsam auf?

Das wird nacheinander aufgenommen. Ich hatte das Glück, dass viele Rollen schon gesprochen waren. Also konnte ich teilweise auf die Sätze der deutschen Kolleg:innen antworten. Nach und nach wird das alles zusammengesetzt. Die Aufnahme selbst findet aber im Alleinspiel statt.

Wie oft hörst du dir die Bradley Cooper-Version an?

So oft, wie ich es brauche. Es ist kein Versuch, die Klangfarbe zu kopieren. Es geht mehr um die Emotionen und den Stil. Ist es trocken? Ist es humoristisch? Ist es laut? Ist es wütend? Da gibt es so emotionale Kurven, die ich als Sprecher mitnehmen will. Aber am Ende ist Deutsch nicht Englisch und es kommt immer etwas Eigenes heraus. Bradley Cooper und ich sind nicht die gleiche Person. Und er hat auch nie auf meine Fragen bei WhatsApp geantwortet. Ich habe ihn oft um Rat gefragt. Aber wie gesagt: sehr einseitiges Gespräch.

Er hätte so viel Einfluss auf die deutschen Synchro haben können.

Ja, unprofessionell. Er ist einfach wahnsinnig unprofessionell.

Was ist dir über die Jahre am meisten von Rocket ans Herz gewachsen?

Was mich am meisten an ihm fasziniert, ist, dass egal wie krawallig und wütend er ist, wir dennoch mit ihm mitfühlen. Entgegen all der Aggressionen ist etwas Herzliches und Fürsorgliches geblieben. Er ist traumatisiert und doch wurde ihm auch bedingungslose Liebe zuteil. Diese Gleichzeitigkeit aus Knacks und Heilung macht ihn zu einer spannenden Figur.

Was hat dich in Teil 3 am meisten überrascht?

Wenn ich einen Marvel-Film schaue, denke ich zuerst an großes Popcorn-Kino und geile Unterhaltung. Da werde ich in den Sessel gepresst und gehe dann fröhlich-debil grinsend aus dem Kinosaal. Aber dass mich das Spektakel emotional so berührt – das war die größte Überraschung. Dieser Wechsel gelingt wenigen Superheldenfilmen so elegant. Dass sie es schaffen, vor dieser riesigen Marvel-Kulisse einen feinen und bewegenden Film zu drehen. Davor ziehe ich alle Hüte.

Guardians of the Galaxy Vol. 3

Hast du dir mal gewünscht, dass es solche Superheldenfilme auch aus Deutschland gibt?

Die Dimensionen sind hier andere. Marvel bedient einen Weltmarkt. Die haben andere Summen zur Verfügung. Deutschlands Absatz reicht nicht so selbstverständlich in die Welt. Wobei Im Westen nichts Neues gezeigt hat, dass mehr möglich ist. Dass Größe möglich ist. Obwohl ich nicht beteiligt war, bin ich richtig stolz, dass der mit so vielen Menschen resoniert. Ich wünsche mir, dass wir uns zumindest künstlerisch die große Welt zutrauen. Vermutlich eine kindliche Sehnsucht in mir.

Viele deutsche Marvel-Fans identifizieren deine Stimme sofort mit Rocket. Wenn James Gunn und die US-Stars auf Promo-Tour gehen und von einer großen Guardians-Familie sprechen, fühlst du dich als ein Teil davon?

Das wäre vermessen zu behaupten. Die sind monatelang zusammen und schwitzen gemeinsam. Mein Einsatz fällt da deutlich kleiner aus. Ich bin froh, dabei zu sein, und dankbar für das Vertrauen, diese Rolle zu sprechen. Aber als Teil der Familie würde ich mich nicht bezeichnen. Das wäre anbiedernd ... so wie ich es bei Bradley Cooper tue. Was ich wichtig finde, ist, dass man die Leidenschaft spürt. Es gibt so Promi-Synchronisationen, da wird offensichtlich, dass es nur wegen des Marketings gemacht wurde. Ich wünsche mich eher in die Reihe, wo Arsch auf Eimer passt, wie bei Otto und Sid in den Ice Age-Filmen oder Hape Kerkeling und Olaf in Die Eiskönigin.

Nach drei Guardians of the Galaxy-Filmen: Welcher ist für dich der definierende Song der Reihe?

Ich habe mich gefreut, dass Creep vorkommt, einer meiner Lieblingssongs. Aber der signature Guardians-Song ist für mich eigentlich gleich der allererste, Come and Get Your Love, wenn Peter Quill da in der Höhle eingeführt wird, auf den Ratten singt und sie dann fröhlich wegkickt. Das ist der Sound der Reihe.

Guardians of the Galaxy Vol. 3 läuft seit dem 3. Mai 2023 im Kino.

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