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In Gegenüber gibt's Schläge für Matthias Brandt

13.07.2009 - 07:56 Uhr
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Häusliche Gewalt wird in der Regel von Männern an Frauen verübt; in dem Debütfilm Gegenüber, den das Erste heute Abend ausstrahlt, ist es umgekehrt. Der Film wird zu einer Studie über Zorn und Gewalt. Sehenswert!

Das kleine Drama Gegenüber, von Jan Bonny als Debüt inszeniert, hat bei seiner Premiere beim Filmfestival in Cannes für Aufmerksamkeit gesorgt und wurde dort auch ausgezeichnet. Die Studie über häusliche Gewalt ist atmosphärisch inszeniert und schaut genau auf die zwei Hauptpersonen, die von Matthias Brandt und Victoria Trauttmansdorff überaus realitätsnah verkörpert werden. Heute Abend strahlt das Erste das Debüt um 22.45 Uhr aus. Wer Zeit hat, sollte sich den Film nicht entgegen lassen.

Immer ruhig und besonnen, so wird Streifenpolizist Georg (Matthias Brandt) von allen Kollegen geschätzt. Sein jüngerer Partner Michael (Wotan Wilke Möhring) bewundert Georg, auch für dessen scheinbar harmonische Ehe mit der attraktiven Grundschullehrerin Anne (Victoria Trauttmansdorff). Als Georg von seiner anstehenden Beförderung erfährt, verliert er zunehmend die Kontrolle über die sorgsam aufrecht erhaltene Fassade seiner heilen Familienwelt. In der Vorweihnachtszeit dringen die Konflikte, die Annes und Georgs Leben seit Jahren bestimmen, erstmals nach außen: Annes verzweifelter Kampf um Anerkennung, die gönnerhaften Respektlosigkeiten ihrer Eltern, das hilflose Wegschauen der erwachsenen Kinder, das Unverständnis der Kollegen, Georgs Versuche, es allen recht zu machen – und die kaum noch zu verbergenden Spuren körperlicher Gewalt. Denn Anne schägt ihren Ehemann …

Für Christian Buß im Spiegel verwandelt das Filmteam den brisanten Stoff in ein anrührendes Drama über Zorn und Zärtlichkeit. “Dass man hier überhaupt eintauchen mag, ist natürlich die große Leistung von Matthias Brandt und Victoria Trauttmansdorff, die jede Schmerzgrenze überschreiten, ohne auch nur einmal billige Gelüste zu befriedigen. Die zwei bewegen sich bei aller Selbstzerfleischung immer wieder traumwandlerisch aufeinander zu. Sie machen das Prügeldrama zur einer eigenwilligen Art von Lovestory: Der geballte Zorn, hier ist er lediglich pervertierte Zärtlichkeit.”

Das hässliche Thema zeigt der Regisseur für Christina Tilmann vom Tagesspiegel in aller kompromisslosen Härte. “Das eigentlich Schreckliche an Bonnys Film ist, dass es zwischen den beiden durchaus Momente der Zärtlichkeit gibt. Gerade die Liebe und das Gefühl, einander schonen zu wollen, erweisen sich als unheilvoll, weil sie die beiden stumm aneinanderbinden und verhindern, dass Dinge geklärt werden, die geklärt werden müssen. Die Diagnose, die Bonny dieser Ehe stellt und durch die Gewaltexzesse nur akzentuiert, gilt in Abstufungen für viele Beziehungen, in denen Schonung bloß Bequemlichkeit und Angst vor Konsequenzen heißt.”

Wenn Ihr wissen wollt, was sonst noch in auf dem Bildschirm läuft, dann schaut doch in unser Fernsehprogramm.

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