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Selbstzensur

Kinderhandel-Drama Operation Zucker zu düster für ARD

16.01.2013 - 19:00 Uhr
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Operation Zucker heute ARD um 20.15 Uhr (zensiert)/00.20 Uhr (unzensiert)
© BR/ARD/DEGETO/Sperl Productions/Stephan Rabold
Operation Zucker heute ARD um 20.15 Uhr (zensiert)/00.20 Uhr (unzensiert)
Die ARD zeigt heute Abend das Thrillerdrama Operation Zucker, das im Milieu des Kinderhandels spielt. Dabei greift die ARD jedoch direkt zur Zensur und bringt die angeblich zu hoffnungslose Version erst nachts. Die zensierte Variante läuft zur Primetime.

Heute Abend zeigt die ARD das Thrillerdrama Operation Zucker, das sich intensiv mit dem internationalen Kinderhandel beschäftigt. Anscheinend ist die Atmosphäre und das Ende des Films aber zu deprimierend für die jüngeren Zuschauer. Nach der Prüfung der Freiwilligen Selbstkontrolle Kino (FSK) für eine DVD-Veröffentlichung wurde der Film auf FSK 16 eingestuft und muss somit gekürzt zur Primtime oder später am Abend gezeigt werden. Die ARD reagierte, indem sie die gekürzte Fassung um 20.15 Uhr ausstrahlt und die ungekürzte Version jeweils ab 22 Uhr in der online Mediathek verfügbar ist bzw. um 00.20 Uhr in derselben Nacht gezeigt wird.

Im Film wird die zehnjährige Fee (Paraschiva Dragus) aus einem Berliner Nachtclub befreit. Die ermittelnden Komissare Wegemann (Nadja Uhl) und Hansen (Anatole Taubman) nehmen sich des Falles an und entdecken, dass Fee, die aus Rumänien stammt, durch einen internationalen Kinderhändlerring nach Deutschland gekommen ist. Im Sumpf des Kinderhandels und der -prostitution erhalten sie nach anfänglichen Schwierigkeiten Unterstützung von Staatsanwältin Lessing (Senta Berger) und ermitteln unter anderem gegen einen Richter, der Kunde im Nachtclub war.

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ARD-Programmdirektor Volker Herres sagte bei der Bekanntgabe der Kürzung am Montag: “Die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Kinderhandel und Kinderprostitution ist uns außerordentlich wichtig. Der Film ist auch in der leicht gekürzten Fassung äußerst wirkungsvoll und ein wichtiger Appell.” Die dreiminütige Kürzung betrifft wohl lediglich das Ende, das jüngere Zuschauer überfordert hätte. Hier wird durch den Kinderstrich noch einmal die Machtlosigkeit der handelnden Personen und der Behörden, die jungen Mädchen vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren, verdeutlicht.

Für das Drehbuch des Films haben die Produzenten intensive Recherche bei Streetworkern, sozialen Organisationen, Insidern und dem Visa-Ausschuss des Bundestages betrieben. Das haben sie wohl gut gemacht, denn offensichtlich enthält der Film so viel Wahrheit, dass er jüngeren Zuschauern nicht zuzumuten ist.

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