Lasst Netflix mal ruhen: Das Kino ist der ideale Ort fürs Bingen

Margot Robbie in Once Upon a Time in Hollywood
© Warner Bros.
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.

Wenn ich erzähle, wie viele Filme ich an einem normalen Festivaltag wie heute im spanischen Sitges sehe, dann höre ich ein Stöhnen. Oder ein ungläubiges Wow. Ausgehend von den Reaktionen durchlaufe ich täglich einen Triathlon, besteige Berge oder rekapituliere alle Verwandtschaftverhältnisse in Dark aus dem Kopf. Nun gut, das ist ein wenig übertrieben. Bekanntlich kann niemand die Stammbäume in Dark ohne Spickzettel erklären.

Die Verwunderung verblüfft mich trotzdem. Kaum jemand würde aufstöhnen, wenn man an einem müden Wochenende so viele Filme in der Glotze schaut. Außer vielleicht Befürworter von Frischluft und Bewegung. Dabei ist das Kino der ideale Ort für den Binge, das Schauen am Stück. Erst recht seit es vermehrt Flatrates und aus dem Boden sprießende Festivals gibt, die sowas ermöglichen. Mein Vorschlag an euch: Lasst Netflix und Co. mal ruhen, wenn ihr die Chance habt, einen ganzen oder halben Tag im Kino zu verbringen.

Kino-Binge: Filme schauen from Dusk till Dawn

Vier Filme am Tag sind mein Minimum bei Festivals, die ich für die Arbeit (lies: Moviepilot) begleiten darf. Im Urlaub dürfen es auch mal sechs sein. Morgens zwischen 8 und 9 Uhr geht es in den ersten Film und Abends gegen Mitternacht wieder raus. Oder es wird noch später. Im spanischen Sitges starten am Wochenende gegen 1 Uhr nachts Marathon-Screenings mit Horrorfilmen. Bis zum Morgengrauen halten einen Zombies, Vampire und japanische Kettensägen-Mädels wach.

Für den Festival-Binge muss man nicht nach Spanien fahren oder eine Stange Geld für die Unterkunft in Cannes ausgeben. In Deutschland gibt es zahlreiche Filmbegeisterte, die kleine und große Festivals auf die Beine stellen. Das Festival des italienischen Genrefilms in Frankfurt am Main, Terza Visione, oder Karacho, das Festival des Actionfilms in Nürnberg, sind nur zwei Empfehlungen. Mit dem Exground, Nippon Connection und anderen könnte ich diese Liste noch ein paar Tausend Wörter lang weiterführen.

Solche Marathon-Sitzungen zwischen Sonnenauf- und -untergang sind natürlich etwas extrem und vor allem nicht für jeden zugänglich oder erschwinglich. Manchmal wünsche ich mir trotzdem, ich könnte die neuste Netflix-Serie oder andere exklusive Streaming-Inhalte im Kino bingen. Das ist eigentlich viel besser geeignet als die Couch daheim.

Das Kino ist der ideale Ort fürs Bingen

Zunächst einmal: Heimkino schön und gut, aber die große Leinwand und Verdunkelung sind nicht das einzige Argument fürs Kino. Das Kino ist ein sonderbarer Ort mit eigenen Regeln, die, wenn man Glück hat, auch eingehalten werden. Es ist zunächst einmal ein Ort der Konzentration.

Eine Gruppe Fremder findet sich zusammen, um gemeinsam das Unbekannte zu empfangen. Sie werden in Dunkelheit getaucht und richten ihren Blick auf das Licht vor ihren Augen. Nein, nicht das Smartphone-Display, sondern die Leinwand. Ablenkungen sind möglich, aber im Prinzip unerwünscht.

Oder auch: Es ist viel einfacher, das Handy im Kino zu ignorieren als daheim. Ich spreche aus Erfahrung. An besonders zerstreuten Tagen ist es ein Kampf, das Handy aus meinem Blickfeld zu verbannen, während ich daheim Filme oder Serien schaue. Manche Serien bei Netflix sind zwar darauf zugeschnitten, sie nur mit 50 (oder 20) Prozent Aufmerksamkeit zu konsumieren, viele andere aber nicht.

Kinos bieten eine befreiende Erfahrung

Kinobesuche und besonders Festivals sind deswegen eine befreiende Erfahrung, gerade weil sie einen einschränken. Das Smartphone bleibt stundenlang in der Tasche, der Blick gebannt auf den weißen Quader. Zumindest, wenn ich nicht einschlafe.

Falls ihr nicht unter vergleichbaren Konzentrationsproblemen leidet: Meinen Neid habt ihr. Selbst dann lohnt es sich aber, mehrere Filme hintereinander im Kino zu schauen. Die Meisterwerke werden euch noch Tage oder Wochen im Kopf herumschwirren, egal ob ihr einen, drei oder sechs Filme am Tag schaut.

Das Schauen am Stück hat zumindest bei mir den paradoxen Effekt, dass sich einzelne Filme besser herausschälen. Durch den Vergleich mit dem Vorangegangenen, durch überraschende Parallelen werden die Filme gewissermaßen fokussiert. Die Guten werden scharf gestellt und die Schlechten in den Hintergrund gerückt.

Schon ein Double Feature kann dafür sorgen, dass die Filme in eine Art Dialog treten, sich ergänzen oder widersprechen. Mein Vorschlag: Schaut, falls möglich, Joker und Ad Astra - Zu den Sternen hintereinander und lasst die beiden wütenden Herren mit ihren Vaterkomplexen einander die Hand reichen zwischen den Kinosälen. Es müssen ja nicht gleich vier Filme sein. Sonnenlicht tut auch gut, hab ich gehört.

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Habt ihr schon mal mehrere Filme hintereinander im Kino geschaut?

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