Marvel-Chef Kevin Feige wird Star Wars den Todesstoß versetzen

Daisy Ridley in Star Wars 8
© Disney
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Was für eine mutige und originelle Idee: Kevin Feige macht Star Wars, der Marvel Studios-Chef bekommt sein eigenes Sternenkriegsabenteuer. Aus Sicht von Disney wirkt die Nachricht so einleuchtend, dass sie beinahe wieder absurd erscheint. Endlich ist auch das letzte bisschen Souveränität der zumindest nach außen hin autonom auftretenden Disney-Tochtergesellschaft Lucasfilm passé.

Star Wars in der Krise

Zu Star Wars wird Kevin Feige, Präsident von Marvel Studios seit 2007, offenbar nach Abschluss der Skywalker-Saga stoßen. In Sprache und Struktur des Konglomeratsexperten übersetzt, wäre das zugleich der Anfang einer neuen Ära, die Erfolgsproduzent Feige wohl Phase II nennen würde – mit dem Ziel, eine als unerschütterlich geltende und trotzdem ins Straucheln geratene Marke zu konsolidieren.

Reibungslos nämlich läuft die 2012 erworbene Lucasfilm-Maschine für Disney nicht. Star Wars 7: Das Erwachen der Macht hat Geld ohne Ende und die Fans glücklich gemacht, besitzt aber auch den Ruf, ein Film bloßer sentimentale Reflexe zu sein. Als die Wiedersehensfreude verflogen war, gab es beim Nachfolger keinerlei Gnade mehr. Star Wars 8: Die letzten Jedi zog ähnlich viel Hass auf sich wie die seinerzeit legendär unbeliebte Episode 1.

Jene für sich stehenden Spin-offs wiederum, die Disney zur Kinodauerbeschallung in Sachen Star Wars nebst fortgesetzter Skywalker-Saga orderte, hatten mit Produktionsschwierigkeiten wie Nachdrehs und Regiewechseln zu kämpfen. Den Turbulenzen von Rogue One folgten die finanziellen Verluste des jungen Han Solo. Ein unprofitabler Star Wars-Film galt bis dato als undenkbar, nun war er Realität.

Ein neuer Kurs für Star Wars

Gewiss verspricht Disney sich vom Marvel-Mastermind und derzeit einflussreichsten Strategen des Blockbuster-Kinos eine Kurskorrektur, die Star Wars im besten Fall so wenig störanfällig macht wie das MCU. Der Konzern selbst gibt noble Gründe für die Zusammenarbeit an. Kevin Feige sei ein "absoluter Fan", heißt es in der offiziellen Erklärung laut Variety, als wäre das Fan-Sein von Star Wars außergewöhnlich oder schon ein Wert an sich.

Jemand wie Kevin Feige wird freilich nicht engagiert, um an der grundsätzlichen Ausrichtung etwas zu ändern. Als Problem gilt für Disney nicht das Überangebot von Star Wars, die Omnipräsenz einer Marke also, welche Gründervater George Lucas immer wieder jahrelang ruhen ließ, sondern ihre Vermittlung. Kevin Feige wäre ideal, um Star Wars auf dem geschmeidigen Weg der endgültigen Irrelevanz zu begleiten.

So bringt der Marvel-Produzent erstens eine Vorliebe für Regietalente mit, deren Stile er bravourös unkenntlich zu machen versteht – bislang ging noch die prägnanteste visuelle Stimme in der gewünschten ästhetischen Anspruchslosigkeit des MCU unter. Zweitens kann der volksnahe Kevin Feige die Gefühlswelten der ihm schrecklich am Herzen liegenden Fans womöglich besser einschätzen als Kathleen Kennedy, die künftig in ihrer Rolle als Lucasfilm-Präsidentin geschwächt werden dürfte.

Kevin Feige, das nächste Gesicht von Star Wars?

Denn so angesehen und mächtig Kathleen Kennedy sein mag, ist sie doch ein Überbleibsel der Ära Lucas – die Repräsentantin eines Kinos, dessen Formeln nicht mehr ohne weiteres greifen. George Lucas, der sie noch vor dem Verkauf in die Chefetage seines Unternehmens holte, machte dieses Generationengefälle deutlich, als er Disney öffentlich für die neue Ausrichtung von Star Wars kritisierte, zu sehen bei Youtube ("eine Wunde, die zurückbleibt").

Kevin Feige gilt als großer Bewunderer von George Lucas, steht jedoch, anders als Kathleen Kennedy, für eine neue Produzentenschule. Er weiß um die Verdienste seines Idols und teilt dessen berufsbedingte Geschäftstüchtigkeit, besitzt aber weder das filmhistorische Bewusstsein noch die Risikobereitschaft von George Lucas, der abseits seiner Sternenkriege kleine Projekte produziert sowie Kinomuseen erbaut und Filmrestaurationen finanziert hat.

Im damaligen Moviepilot-Filmcheck stellte Kevin Feige nicht nur den ödesten Filmgeschmack der Welt unter Beweis, sondern wirkte neben MCU-Regisseur Alan Taylor fast verloren. Während dieser über Filme von Andrei Tarkowski und Wim Wenders schwärmte, zog Feige ein Gesicht, als beobachte er die Landung von Außerirdischen. Kino, das nicht zuallererst Milliarden scheffeln soll, überschreitet offensichtlich sein Vorstellungsvermögen.

Dem künstlerisch längst tot anmutenden Star Wars wird dieser Mann allenfalls noch das Begräbnis organisieren.

Freut ihr euch auf den Star Wars-Film von Kevin Feige?

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