Marvel hat Millionen gezahlt, damit ihr den besten Fantastic Four-Film nicht seht

Fantastic Four aus dem Jahr 1994
Constantin Film/New Horizons
Fantastic Four aus dem Jahr 1994
19.11.2022 - 11:00 UhrVor 15 Tagen aktualisiert
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Die drei großen Filme mit den Fantastischen Vier kosteten zusammen Hunderte Millionen Dollar. Der nur eine Million US-Dollar teure Film aus dem Jahr 1994 steckt sie aber alle in die Tasche!

Drei große Filme mit den Fantastic Four sind den meisten Marvel-Fans bekannt: Fantastic Four (2005), Fantastic Four: Rise of The Silver Surfer (2007) von Constantin und der Reboot Fantastic 4 (2015) von 20th Century Fox. Doch keiner kam bei den Fans richtig gut an, auch weil die Änderungen im Vergleich zu den ursprünglichen Comics viel zu stark waren. Aus dem gigantischen Wesen Galactus etwa, dem Weltenverschlinger, der in den Comics mit seiner imposanten Figur über Städten seine todbringenden Maschinen aufbaut, wurde im Film aus dem Jahr 2007 eine schnöde Wolke.

Originaltreue, wie man sie heute von den Filmen und Serien aus den Marvel Studios kennt, war bei anderen Studios nicht unbedingt ein Kriterium. Drei teure Filme, drei Chancen, es richtig hinzukriegen, aber allesamt Rohrkrepierer – und das nicht nur in kreativer Hinsicht.

Doch tatsächlich gibt es noch einen vierten Fantastic Four-Film, der allerdings nie offiziell erscheinen durfte. Und der ist mittlerweile nicht nur auf YouTube gelandet, sondern auch fast so gut wie seine Entstehungsgeschichte.

Ein deutscher Produzent will die Fantastic Four ins Kino bringen und dreht seinen eigenen Low Budget-Film

Heute mag es merkwürdig erscheinen, aber Comic-Adaptionen waren in den 1990er Jahren abseits von den Batman-Filmen Low-Budget-Angelegenheiten. Die Technik existierte nicht, um die Bilder der Comics adäquat ins Medium Film zu übertragen. Einer wollte es dennoch versuchen: der deutsche Produzent Bernd Eichinger.

Das Team

Eichinger hatte schon zur Mitte der 1980er Jahre die Filmrechte an Fantastic Four ergattert – für die vergleichsweise mickrige Summe von 250.000 Dollar. Aber er fand kein großes Studio, das den Film produzieren wollte. Angesichts der notwendigen Effekte schreckten die Studios vor den immensen Kosten zurück, wie aus dem Buch Forsaken - The Making and Aftermath of Roger Corman’s Fantastic Four hervorgeht. Eichinger hatte ein Problem: Er besaß die Verfilmungsrechte, aber die hielten nicht ewig. Wollte er sie nicht verlieren, musste er mit einem Projekt in Produktion gehen.

  • Wer spielte die Fantastic Four im Jahr 1994? Zur kompletten Besetzung
Der Plan sah vor, einen günstigen Film zu machen, mit dem er die Rechte an den Fantastic Four behalten konnte, um so später einen teuren Film nachzuschieben. Im Jahr 1993 wurde die eine Million US-Dollar teure Produktion unter Regie von Oley Sassone angekündigt. Aber dann, nach nur einer Vorführung auf der San Diego Comic Convention, verschwand Fantastic Four und die Schauspieler:innen wurden mittels eines anwaltlichen Schreibens darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie keinerlei Werbung mehr für den Film machen durften.


Was war passiert?

Marvel zahlt Millionen, damit der Fantastic Four-Film nicht erscheint

Es gibt verschiedene Versionen, die das Schicksal des ersten Fantastic Four-Films beschreiben. Stan Lee sagte 2005 in einem Interview, das in dem Buch Forsaken enthalten ist: Es war von Anfang an nicht geplant gewesen, den Film zu veröffentlichen. Fantastic Four sei lediglich ein Abschreibungsprojekt gewesen, mit dem die Verfilmungsrechte gesichert werden sollten. Was das den Verantwortlichen und Schauspieler:innen des Films anscheinend nicht mitgeteilt wurde.

Thing

Bernd Eichinger wiederum erklärte, man hätte durchaus vorgehabt, den Film einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Avi Arad, damals ein hoher Manager bei Marvel und später Gründer von Marvel Studios, sei aber der Meinung gewesen, dass ein derartiger Low-Budget-Film die Marke Fantastic Four beschädigen würde. Eichinger erhielt einen höheren Millionenbetrag, um den Film nicht zu veröffentlichen.

Wie der verbotene Marvel-Film doch noch an die Öffentlichkeit kam – und warum er überraschend gut ist

Schon in den 1990er Jahren fand der Film den Weg zum interessierten Publikum – und zwar in Form illegaler Kopien, die damals noch auf VHS-Kassette verkauft wurden. Die Grundlage dafür war eine Arbeitsfassung des Werks, die noch nicht gänzlich final war und die einer der am Film Beteiligten aufgehoben hatte. Wer den Film letztlich geleaked hat, ist aber unbekannt.

Verkauft wurden die Bootlegs auf Conventions und über einschlägige Mail-Order-Geschäfte. Mit dem Aufkommen des DVD-Zeitalters fand sich der Film auch auf Scheibe wieder und wurde in Sachen Bildqualität sogar aufgemotzt. Heutzutage könnt ihr ihn einfach bei YouTube sehen.
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Dieser Fantastic Four hält sich an die Entstehungsgeschichte der Held:innen. Als Schurken nutzt er Dr. Doom, der einst ein Freund von Reed Richards alias Mr. Fantastic war. Ebenso wird hier Alicia Masters eingeführt, die spätere Freundin von Ben Grimm alias das Ding. Mit dem zweiten Schurken, dem Jeweler, der Alicia zwangsheiraten will, wird zwar eine Figur eingeführt, die es im Comic nicht gibt, es schadet dem Film aber nicht. Denn hauptsächlich geht es darum, dass Dr. Doom New York vernichten will, und die Fantastic Four ihn stoppen müssen.

Dazwischen seht ihr die Transformation des Dings zurück zu Ben Grimm und dessen Hadern mit seiner Hilflosigkeit. Die Hochzeit von Reed und Sue Storm beschließt die Geschichte. Kurz gesagt: Hier sind viele Elemente vorhanden, die Comic-Fans kennen.

Der Film sieht natürlich sehr günstig aus. Die Flugszenen der menschlichen Fackel sind mit Zeichentrick realisiert worden, das Design des Dings ist aber eindrucksvoll, wird der Vorlage gerecht und ist besser als jede Version dieser Figur in den sündhaft teuren, späteren Filmen.

Thing

Natürlich kommen die Dialoge teils etwas holprig daher, und die Effekte sind nicht immer auf der Höhe. Aber der Film hat das Herz auf dem rechten Fleck. Mit ein bisschen mehr Investment in die Nachproduktion hätte das ein guter Start für eine günstige Filmreihe sein können, aber das wollte letztlich niemand. Und so ist Fantastic Four einer der wenigen Filme, die offiziell nie veröffentlicht wurden. Anders als der von Warner zurückgezogene Batgirl können wir Fantastic Four aber zumindest sehen, weil er den Klauen des Studios entkam.

Wer mehr über die turbulente und auch merkwürdige Produktionsgeschichte wissen will, dem legen wir die Dokumentation Doomed!: The Untold Story of Roger Corman’s The Fantastic Four (bei Amazon auf DVD erhältlich *) und das Buch Forsaken – The Making and Aftermath of Roger Corman’s Fantastic Four von William Nesbitt (bei Amazon erhältlich *) ans Herz.

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