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Filmfestival Cannes

Peters Cannes-Liebling - Taxi Driver

24.05.2012 - 08:50 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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Robert De Niro als Travis Bickle
© Columbia Pictures
Robert De Niro als Travis Bickle
Im Jahr 1976 gewann Martin Scorseses Taxi Driver die Goldene Palme des Filmfestivals von Cannes. Der Filmklassiker ist meine Wahl in der Sammlung unserer liebsten Cannes-Gewinner.

Bedarf es wirklich eines weiteren Beweises dafür, dass die Goldene Palme die deutlich coolere Schwester des Oscars ist? Taxi Driver von Martin Scorsese ist bei den Academy Awards trotz vier Nominierungen leer ausgegangen, als bester Film wurde stattdessen Rocky (!) ausgezeichnet. In Cannes hat er hingegen gewonnen. 1976 wurde Taxi Driver als bester Film des Festivals ausgezeichnet. Auch wenn sich über Geschmack streiten lässt und Pathos nervt – in diesem Fall hat die Geschichte der Cannes-Jury Recht gegeben.

Taxi Driver ist einer der großen Filmklassiker unserer Zeit. Die Hauptfigur Travis Bickle, verkörpert von Robert De Niro, ist mitsamt Irokesenschnitt und Armyjacke längst ein Teil der Popkultur geworden. Vor allem die Szene, in der der Taxifahrer in den Spiegel blickt und einen imaginären Gegner bedroht (‘You talkin’ to me?’) ist zigfach zitiert, parodiert und gefeiert worden. Dass der Einfluss des Films noch viel weiter reichte, zeigt das Beispiel von John Hinckley Jr. Dieser verübte, von Taxi Driver inspiriert, ein Attentat auf den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan.

Die Vorbereitungen auf den Film waren akribisch. Für das Drehbuch ließ sich Paul Schrader von den Tagebüchern Arthur Bremers – dieser war im Jahr 1972 verantwortlich für einen Anschlag auf den US-Präsidentschaftskandidaten George Wallace -, aber auch von den verstörenden ‘Aufzeichnungen aus dem Kellerloch’ des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski anregen. Um seiner Rolle gerecht zu werden, arbeitete Robert De Niro einige Wochen selbst als Taxifahrer. Auch von einem Müllmännerstreik zu Beginn der Dreharbeiten, ließ sich die Crew nicht aufhalten. In der Nachbetrachtung erscheint diese Arbeitsniederlegung sogar fast sinnbildlich für Travis Bickles Auffassungen über den Sündenpfuhl im Big Apple.

Der einsame Vietnamveteran Travis Bickle ist Taxifahrer in New York. Da er schlecht schläft, fährt er die Nachtschicht. Die Tage verbringt er, frei jeglicher sozialer Kontakte, in Pornokinos oder sinnlos herumfahrend. Durch seinen Beruf kommt er mit allerlei zwielichten Menschen in Kontakt und beginnt sich in seinen Hass auf den ‘Abschaum’, der New Yorks Straßen bevölkert, hineinzusteigern. Nachdem ihm auf Grund seines schwierigen Charakters auch seine zwei letzten losen Kontakte zu der Wahlkampfhelferin Betsy (Cybill Shepherd) und der minderjährigen Prostituierten Iris (Jodie Foster) abhanden gekommen sind, läuft er Amok.

Mit Hilfe der teils belanglosen, teils hasserfüllten Monologe schafft Martin Scorsese eine bedrückende Intensität, die die Unzufriedenheit des Taxi Drivers beinahe physisch greifbar macht. Im Gewaltausbruch scheint diese ihren geradezu natürlichen Klimax zu erreichen. Hervor sticht auch die Aussage des Films: Dass Travis Bickle am Ende als Held gefeiert wird, ist blanker Hohn. Die Geschichte zeigt, wie schmal der Grad zwischen Heldentum und gesellschaftlicher Verachtung sein kann.

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