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Die Fusion von Dramatik und Melancholie

Ramin Djawadi und die Stimme des Cellos

20.01.2017 - 18:20 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Westworld's Theme Intro
© HBO
Westworld's Theme Intro
Sein Name wird von mir sicherlich immer falsch ausgesprochen und dennoch war es dieser, der mir vom Intro zu "Game of Thrones" am meisten im Gedächtnis blieb. Nicht weil er so schön zu lesen ist, sondern weil ich mit ihm gleich etwas verband, was ich schon bei der ersten Sichtung als wunderschön empfand: Seinen Zugang zur Musik.

Wenn man den deutsch-iranischen Komponisten Ramin Djawadi fragt, woraus er seine Inspiration für seine Musik zieht antwortet er einfach nur:

Silence. I wake up in the morning, and when it's completely quiet, that's when I usually have my ideas. Because there is no other external influence.

Schon anfänglich, als er mit Game of Thrones immer bekannter wurde und letztendlich auch sein Name immer öfter über die Bildschirme im Intro flimmerte, veranlasste mich dies dazu mehr über ihn zu erfahren.


Der Anfang

Schon recht früh entschied er sich für die Musik. Neben Klavier und Orgel beherrscht er auch Gitarre und spielte in seiner Jugend in verschiedenen Rockbands, wo er schließlich bemerkte, dass die selbstgeschriebenen Stücke meist rein instrumental ihre bloße Vollendung fanden.

Recht verwundert war ich zu erfahren, dass er als Schützling in der Produktion bei Hans Zimmer unterkam. Er selbst sah es als glücklichen Zufall an, dass er schließlich nicht nur in Zimmer, sondern auch in Klaus Badelt (Fluch der Karibik) seine Mentoren fand. Die Erfahrung auch für große Produktionen für Film und Fernsehen Musik zu schreiben sollte aus diesem Arbeitsverhältnis entstehen und ihn schließlich beruflich nicht nur in diese Richtung schubsen, sondern auch persönlich weiterbringen.

Wusstet ihr, dass er der verantwortliche Komponist für Iron Man (präferiert: "Mark I" ) war? In seiner ersten großen Filmkomposition versuche er bewusst Rocksounds mit Orchester zu verbinden, um so den bekannten Charme und die Coolness von Tony Stark auch musikalisch rüber zu bringen. Ebenso wirkte er bei der Musik zu Batman Begins mit und kreierte neben Blade: Trinity auch die Klänge zu den Serien Prison Break und Person of Interest ("Listening with a Million Ears ").


Der Zugang

Doch ich fragte mich, was war so anders an der Musik zu Game of Thrones im Gegensatz zu den vorherigen, die mich einfach nicht loslassen wollte?

Anders als bei den meisten Fantasy-Verfilmungen spielt die Musik selbst, wie die Serie bekanntlich auch, in einer anderen Liga. Bewusst wurden mittelalterliche und auch moderne Elemente geschickt verbunden und mit einem essenziellen Leitinstrument verwebt, welches für seine melancholischen Töne und die aus der Tiefe kommende Sogwirkung recht bekannt ist: Das Cello.

Melisandre im eisigen Norden

Wenn man eines mit Sicherheit sagen kann, dann ist es wohl das, dass Djawadi den Celloklängen mehr als zugetan ist. Ebenso wie meine Wenigkeit.

Anders als bei üblichen, Tiefe erzeugenden Hintergrundmelodien in Orchesterkonstellation, wirkt hier das Cello definitiv wie der Leitfaden des Leidens, vielleicht sogar auch der alltäglichen Tragödien selbst. In einer Welt, die zweifelsohne unbarmherzig ist, ist das Cello ihre musikalische Konstante. Gerade das Lied "A Lannister pays always his dept " gehört gerade deswegen zu meinen allerliebsten des Soundtracks. Hört ihr, wie das Solocello langsam beginnt und erst später seine musikalischen Mitstreiter des Orchesters führt? Die Leitung wird generell nicht abgegeben, sondern weitergeführt. Einfach ein wunderbares Stück, dass sehr viel Emotion mit sich trägt, auch ohne Filmpartner.

Sicherlich könnte man hier auch noch das fantastische Stück "Light of the Seven"  (oder "The Children" ) nennen, seines Zeichens eines der prägendsten Musikstücke von der ganzen Serie, dass ohne großen Aufwand eine Spannung erzeugt, die man sonst nur mit stärkerem Fokus auf der Lautstärke schafft. Fokus liegt hier sicherlich auf dem Klavier, beklemmend und auch heimlich klar in Begleitung des Cellos während der steigernden Momente. Auch dieses kann ganz klar für sich allein stehen und könnte man durchaus auch bei anderen Gelegenheiten im Hintergrund laufen lassen.

Ramin Djawadi sagte , dass es ihm wichtig sei, dass die Musik auch ohne der Kombination mit Film bzw. Serie wirken und bestehen könne, um gut zu sein. Nun, ohne Zweifel tat sie das nicht nur bei diesem Stück, sondern auch im Intro, welches er selbst als sein liebstes Stück aus dem Soundtrack ansieht:

The visuals were just so inspiring, when I saw an early version of the visuals of the main title, that's when I sat down and wrote the theme. I wish I could take credit for the metal-shine sound on the sun in the introduction, but the mixers did it, it's not part of the music, unfortunately I can't take credit for that. But the rest of the music is all me.


Der Ausgangspunkt

Nach Game of Thrones kam allerdings noch eine Überraschung auf mich zu: Nicht nur mit seiner Gabe, die Stimme des Cellos anders und einprägsamer zu entfalten gewann er schließlich mein musikalisches Herz, sondern auch mit seinem Beitrag zu der erst letztes Jahr gestarteten Adaption des Klassikers aus den 70ern, Westworld.

Noch viel leichter fand ich Zugang zu dieser einprägsamen Melodie, die sich Moderne und Unbekanntes zu Eigen macht und dabei intelligent Menschliches mit Künstlichem fusioniert. Auf Streicher wird ebenfalls nicht verzichtet und dennoch ist es diesmal ein Tanz zwischen Klavier und ihrer vereinten Stimme, wie die Berührung von echten und konstruierten Schleifen.

Seh ich da einen Bogen?

Die Sogwirkung ist quasi perfekt geglückt. Mit jeder Folge wird man mehr von ihm vereinnahmt und man dürstet danach die Tonfarbe des "Intros"  erneut zu erleben. Nebenbei bemerkt, perfekt mit eindrucksvollen Bildern und beruhigender Langsamkeit untermalt, aber ich denke, dass habt ihr schon längst auch mit eurem Auge für euch entschieden.

Leichtfüßig entführt uns das Klavier, doch im Hintergrund verweben die Streicher eine doch unerwartete Tiefe mit der Handlung und stiften Verwirrung, erschaffen gar eine leichte Bedrohung? Nichts ist wie es scheint und genau das, ohne Erwartung steigen wir ein in eine Welt, die offenbar mehr bieten kann, als uns unsere Träume je erlaubt hätten.

Auch beispielsweise "Do they Dream"  scheint tatsächlich die tiefgründige, musikalische Frage zu sein, "Bicarmeral Minds " sucht melancholisch seinesgleichen.


Die Erwartung

Ich bin ohne Wissen, was die zukünftigen musikalischen Projekte von Ramin Djawadi angeht, allerdings vielleicht ist es auch besser ohne Erwartung zu verbleiben.

Auch wenn man schon bei seinen früheren Klanggemälden diese säuselnde Melancholie mit Eindruck schindender Stärke findet ist sie doch um einiges eindeutiger in seinen letzten beiden für HBO produzierten Soundtracks zu vernehmen. Sein Spektrum hat sich definitiv erweitert und doch findet man auch bei den weniger geglückten Filmen wie Warcraft: The Beginning ("Lothar" ) seine musikalischen Stärken wiedervereint.

....

Beim Hören der Melodie  zum Klassiker Die glorreichen Sieben von Elmer Bernstein begann eine Leidenschaft für Ramin Djawadi, der bereits jetzt für mich zu den stärksten Vertretern einer jüngeren Generation an Komponisten mit großem Potenzial gehört und etwas besitzt, was ich als besonders erachten kann. Eine Feinfühligkeit, die ich bei vielen Komponisten der westlichen Welt nur schmerzlich vermissen kann. Wir werden sehen was die Zukunft noch so bereit hält. Jedenfalls an diesem Punkt schon mal ein großes Dankeschön für deine Musik und nur weiter so.


Was sind eure Lieblingsstücke von Ramin Djawadi?

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