Red Sparrow - Joel Edgerton und Matthias Schoenaerts im Gespräch

Matthias Schoenaerts in Loft - Tödliche Affären und Joel Edgerton in Midnight Special
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Seit dem 01.03.2018 läuft Red Sparrow von Regisseur Francis Lawrence (Die Tribute von Panem - Mockingjay) in den deutschen Kinos. Im Mittelpunkt des Agententhrillers steht Ballerina Dominika (Jennifer Lawrence), die ihren Beruf nach einem tragischen Unfall an den Nagel hängen muss und durch ihren Onkel Vanya (Matthias Schoenaerts) die Chance erhält, als verführerische Spionin beim KGB ein neues Leben zu beginnen. Ihr erster Auftrag ist die Überwachung des CIA-Agenten Nathaniel Nash (Joel Edgerton) - doch der verläuft ganz anders als zunächst geplant.

Anlässlich des Kinostarts von Red Sparrow habe ich mit den Darstellern Joel Edgerton und Matthias Schoenaerts telefoniert und mich mit ihnen über den Film, Spionage sowie ihre zukünftigen Projekte unterhalten.

Die Herausforderung eines fremden Akzentes

Joel Edgerton kommt in Red Sparrow die wohl bedeutendste Rolle nach Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence zu. Sein Agent Nathaniel Nash ist gleichzeitig knallhart und verletzlich, eiskalt und menschlich. Auf die Frage, was ihn an diesem Filmprojekt reizte, vor allem aber an der von ihm verkörperten Figur, verrät Edgerton:

"Ein Grund war, dass ich mit Jennifer zusammenarbeiten konnte. Ein weiterer meine Kindheitsfantasie, ein Spion zu sein. Was aber den Charakter betrifft, so bewunderte ich Nathaniel für seinen Idealismus. Er tut alles für seinen Job, glaubt an die Ehrlichkeit der Menschen und ihren Willen, die Welt besser zu machen. Er ist ein guter Kerl."

Für die Verkörperung des US-Amerikaners Nash musste der Australier Joel Edgerton seinen markanten Akzent verbergen, den er im Gespräch mit mir noch vollständig ausbreitete. Das fällt dem erfahrenen Schauspieler jedoch mittlerweile nicht mehr schwer:

"Es ist ein wenig wie ein Schalter. In Australien fahre ich ja auch auf der linken und in den USA auf der rechten Seite. Beim Akzent ist es ähnlich, ich schalte hin und her. Dennoch nehme ich es sehr ernst, es ist schließlich ein Teil meines Kostüms."

Schwerer hatten es da seine Kollegen Jennifer Lawrence, Matthias Schoenaerts und Jeremy Irons, die in Red Sparrow allesamt russische Figuren verkörpern und sich aus diesem Grund auch einen breiten russischen Akzent antrainieren mussten. Das bestätigt auch Matthias Schoenaerts:

"Wir haben lange mit einem Dialog-Coach trainiert. Irgendwann kommt dann der Punkt, wo man ein Gespür dafür hat." Der Dialog-Coach sorgt dann schließlich auch mit dafür, dass die Kontinuität des Akzents gewahrt wird: "Er greift ein, falls doch mal irgendwas falsch läuft und der Akzent sich anders anhört als zuvor", verrät der belgische Schauspieler.

Ebenso wenig, wie es für Joel Edgerton ein Problem ist, seine Aussprache zu kontrollieren, war es für ihn übrigens auch der Dreh einer brutalen Folterszene, bei der man als Zuschauer schon mal die Augen zukneifen möchte:

"Ich mag es, wenn es physisch wird. In Szenen, in denen man kämpfen muss oder eben gefoltert wird, ist keine wirkliche Schauspielerei erforderlich, man erlebt die Situation in gewissem Maße wirklich. In diesem besonderen Fall hatte ich zum Beispiel einen Knebel im Mund, war an einen Stuhl gefesselt und musste meinen Würgereflex zurückhalten. Dagegen sind Szenen, in denen es emotional wird, in denen sich Menschen näherkommen, deutlich anspruchsvoller und schwieriger zu drehen."

Das Leben als Agent

Im Gegensatz zu den drei Panem-Filmen, die Regisseur Francis Lawrence zuletzt inszenierte, kommt Red Sparrow beinahe wie ein Anti-Blockbuster daher: Er ist ruhig erzählt, verzichtet auf überbordende Action-Sequenzen, setzt dafür auf unangenehme, gezielt eingesetzte Gewaltspitzen und versprüht vor allem eine authentisch-unterkühlte Atmosphäre. Dies rührt wahrscheinlich auch daher, dass die Buchvorlage Operation Red Sparrow aus der Feder des Ex-CIA-Agenten Jason Matthews stammt, der seine eigenen Erfahrungen einfließen ließ. Joel Edgerton, der den Roman während der Dreharbeiten las, verrät, dass der Autor das Set auch selbst besuchte:

"Ja, er war da. Ich hatte eine lange und interessante Konversation mit ihm, wir aßen zusammen zu Abend und ich löcherte ihn mit Fragen. Zumindest so lange, bis er mir leid tat. Der Beruf des Agenten übt eine solche Faszination auf die Menschen aus, dass er sich jedes Mal mit Millionen von Fragen konfrontiert sieht, wenn seine Vergangenheit zur Sprache kommt."

Weil er mir zuvor bereits verraten hatte, dass er als Kind von einem Leben als Spion träumte, fragte ich Joel Edgerton, ob er das ruhelose Leben eines Agenten, ohne Familie und richtiges Zuhause, tatsächlich leben könnte. Seine sich aus einem beherzten Lachen herausschälende Antwort:

"Das klingt exakt nach meinem jetzigen Leben! Ich wäre also der perfekte Spion. Aber ehrlich gesagt bin ich ein ziemlich schlechter Lügner und habe große Angst davor, entführt, eingesperrt und gefoltert zu werden. Im Moment bevorzuge ich daher das schicke Leben als Schauspieler."

Fiktionale Spionage

Die von Joel Edgerton erwähnte Faszination, die der Beruf eines Spions auf uns Menschen ausübt, sorgt dafür, dass der Agentenfilm eine lange Tradition besitzt. Auch abseits des Mega-Franchise um MI6-Spezialist James Bond brachte das Genre etliche Klassiker wie die Hitchcock-Thriller Sabotage (1936) und Topas (1969) sowie erfolgreiche, moderne Blockbuster wie die Kingsman- oder die Mission-Impossible-Reihe hervor. Ein besonderer Ritterschlag sind zudem die zahlreichen Parodien auf die Gattung des Spionagefilms: Von Casino Royale mit Peter Sellers (1967) über Mike Myers' Austin-Powers-Filme bis hin zu Rowan Atkinsons Johnny English oder sogar Agent Ranjid rettet die Welt mit Komiker Kaya Yanar. Und natürlich haben auch die Darsteller aus Red Sparrow einen Lieblingsfilm aus diesem Genre:

"Ich mochte Dame, König, As, Spion sehr gerne", verrät Matthias Schoenaerts, während Joel Edgerton seine Liebe zu Die Bourne Identität (2002) kundtut: "Ich bin ein großer Fan. Da ist etwas so Aufregendes an diesem Kerl, der sein Gedächtnis verloren hat und plötzlich herausfindet, dass er kämpfen und verschiedene Sprachen sprechen kann."

Aber auch ihre Bewunderung für die Figur James Bond bringen beide Schauspieler zum Ausdruck: "Vor allem in den letzten Filmen ist er sehr interessant. Aus ihm ist ein sehr vielschichtiger Charakter geworden", verrät Matthias Schoenaerts. Im Falle eines Falles würde er aber dennoch lieber einen Bond-Bösewicht als den Helden selbst verkörpern: "Es macht eigentlich immer mehr Spaß, den Antagonisten zu spielen und dem Protagonisten einen Strich durch die Rechnung zu machen."

Auch Joel Edgerton würde nicht direkt zusagen, wenn ihm die Daniel Craig-Nachfolge als Bond-Darsteller angeboten würde. Das hat vor allem einen Grund: "Ich glaube erstens nicht, dass das jemals passieren wird, aber auch wenn, müsste ich erstmal ausgiebig darüber nachdenken. Daniel Craig macht so einen fantastischen Job, er ist einer meiner absoluten Lieblings-Bond-Darsteller. Würdest du dich etwa nach Beyoncé auf die Bühne stellen und singen?"

Die nächsten Projekte von Joel Edgerton und Matthias Schoenaerts

Aber auch, wenn wir sowohl Joel Edgerton als auch Matthias Schoenaerts sobald nicht in einem Bond-Film sehen werden, haben sie einige spannende Projekte in Planung. So hat der 43-jährige Edgerton mit dem Coming-of-Age-Drama Boy Erased seit kurzem seine zweite Regie-Arbeit im Kasten. Lucas Hedges (Manchester by the Sea) spielt darin an der Seite von Russell Crowe, Nicole Kidman und Xavier Dolan einen 19-jährigen Jungen, der sich vor seinen Eltern als homosexuell outet und von ihnen daraufhin zu einer christlichen Reparativtherapie gezwungen wird, die ihn "heilen" soll. Für Regisseur, Autor und Darsteller Joel Edgerton war es ein wahres Herzensprojekt und eine einfache sowie anspruchsvolle Aufgabe zugleich:

"Ich war von der Buchvorlage so inspiriert, dass mir das Schreiben des Drehbuchs sehr leicht von der Hand ging. Wegen der Vorlage und meinem ersten Film als Regisseur (Anm. d. Red.: The Gift, 2015) konnte ich auch leicht erstklassige Darsteller überzeugen. Die Dreharbeiten und die Post-Produktion waren dann jedoch ein tägliches Auf und Ab, ein Puzzle, das es zusammenzusetzen galt. Aber ich denke, wir haben etwas sehr Besonderes geschaffen."

Auch in Zukunft dürfen wir uns wohl auf weitere Filme des Regisseurs Joel Edgerton freuen. Auf die Frage, ob er am liebsten schauspielere, schreibe oder inszeniere, antwortet er:

"Alle drei Dinge erfüllen mich auf verschiedene Art und Weise. Die Schauspielerei macht Spaß, das Schreiben gibt dir ultimative Freiheit und Regie führen fordert dich intellektuell am meisten. Und das ist es, was mir derzeit die meiste Befriedigung verschafft."

Leinwand-Kollege Matthias Schoenaerts wartet hingegen noch darauf, sein Regiedebüt feiern zu können. Bereits seit mehreren Jahren arbeitet er an der Dokumentation Franky über einen alten Freund, den einbeinigen MMA-Kämpfer Franky Van Hove. Die Arbeit daran ruht derzeit jedoch, weshalb er sich auch gut vorstellen kann, sich einem fiktionalen Regie-Projekt zuzuwenden: "Daran habe ich großes Interesse. Vielleicht wird das sogar was, bevor ich Franky fertigstelle", verrät der Belgier.

Zunächst wird Matthias Schoenaerts aber auf jeden Fall noch mehrmals als Darsteller auf der Leinwand zu sehen sein. Unter anderem bald an der Seite von Colin Firth, Léa Seydoux und Matthias Schweighöfer im Katastrophen-Drama Kursk von Thomas Vinterberg (Die Jagd), das sich derzeit in der Post-Produktion befindet. Darin spielt der 40-jährige Schauspieler Mikhail Kalekov den Kapitän des im Jahr 2000 gesunkenen russischen U-Boots Kursk. Dass er nach seiner Rolle in Red Sparrow erneut einen Russen verkörpert, erleichtert dies aber in keiner Weise, wie Matthias Schoenaerts abschließend berichtet: "Es sind zwei komplett unterschiedliche Filme und zwei komplett unterschiedliche Charaktere. Meine Erfahrung aus Red Sparrow hat da leider gar nichts erleichtert."

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