Sherlock - Staffel 4, Folge 1 im Recap

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Sherlock
04.06.2017 - 08:55 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Nach Jahren des Wartens wurden unermüdliche Fans gestern mit der 1. Folge der 4. Staffel Sherlock belohnt. Wir haben für euch reingeschaut.

Wenn Game of Thrones-Fans über ein ganzes Jahr Wartezeit bis zur neuen Staffel jammern, winken Sherlock-Fans nur müde lächelnd ab. Doch selbst das ewige Warten auf die neue, 4. Staffel der britischen Erfolgsserie um den berühmtesten Meisterdetektiv der Welt hat irgendwann ein Ende. The Six Thatchers heißt die 1. Folge der 4. Staffel, die die bislang düsterste der Serie darstellen soll. Dieses Versprechen halten die beiden Fadenzieher Steven Moffat und Mark Gatiss.

Achtung, es folgen Spoiler zu Sherlock: Auf den Großteil der anderen Verheißungen müssen wir aber noch warten. Moriarty-Fans müssen zurückstecken. Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und das Ehepaar John (Martin Freeman) und Mary (Amanda Abbington) Watson sollen sich dafür in diesem Staffelauftakt erstaunlich weit von dem entfernen, was sich für einen leidenschaftlichen Sherlock-Fan vertraut und sicher anfühlt.

Feuer und Flamme für einen neuen Fall.

Zu Beginn von The Six Thatchers fällt das noch nicht besonders auf. Der Start ist die erwartete Rückkehr in die Baker Street. Moriartys letztes Spiel scheint mit den Worten "Did you miss me?" begonnen zu haben und Holmes freut sich wie wir auf das, was Jim wohl so geplant hat. Doch als Zielscheibe heißt es für Holmes erst einmal warten und er vertreibt sich die Wartezeit in gewohnter Manier mit Fällelösen. Klienten gehen ein und aus, Türen werden vor den Nasen hilfloser Polizeiinspektoren zugeschlagen und John bloggt. Bis sich ein mysteriöser Fall in den Vordergrund drängt. „Something really weird happened“, eröffnet Greg Lestrade (Rupert Graves) und sowohl Sherlocks Mundwinkel als auch die des geneigten Zuschauers schnellen nach oben. Etwas ungewohnt ist bloß, dass dieser „wirklich seltsame“ Fall innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen wird. So kurz ist er, dass er trotz seiner Schrägheit kaum den Platz in einem Recap wert ist.

Immerhin erwartet uns zum Vertrösten ein mit der frischgebackenen Familie Watson überforderter Sherlock. Töchterlein Rosamunde Mary treibt den Detektiv auf liebenswerte Art in den Wahnsinn, die Notwendigkeit einer Taufe und seines Patendaseins erschließt sich dem Denker nicht so recht. Die Dynamik der Watsons mit dem hochfunktionalen Soziopathen verleiht der Serie bei aller analytischen Cleverness menschliche Wärme und erweitert einen der Schlüsselaspekte der Serie: Die Freundschaft zwischen John und Sherlock. Sie ist schließlich die Seele der Serie. Das Idyll wirkt jedoch fast zu perfekt und Kennern eines Steven Moffat drängt sich bald eine unterschwellige Sorge um die kleine Familie auf. Zu verlockend wäre es, einfach wie in einer HBO-Produktion die Tore der Drama-Hölle zu öffnen. Doch wir sind hier immer noch bei Sherlock, hier gibt es keine Roten Hochzeiten.

Eine (noch) glückliche Familie

Also geht es mit dem Fall weiter. Halt. Der wurde ja schon abgeschlossen. Aber neue Fragen sind schnell gefunden, neue Antworten wollen gesucht werden: In der Stadt wurden Maggie-Thatcher-Büsten gezielt zerstört, also wird wieder ermittelt. Das Gefühl einer runden Folge will sich nicht so recht einstellen. Statt eines einzelnen Rätsels vor dem Hintergrund des großen Spiels (wie etwa Ein Fall in Pink oder Ein Skandal in Belgravia) wirkt The Six Thatchers etwas zusammengestückelt. Denn die Büsten führen uns plötzlich zu Mary Watsons Spionage-Vergangenheit. Ein gnadenlos schiefgegangener Auftrag und ein einzelnes Codewort von vor sechs Jahren sollen große Spannung erzeugen. Doch die kommt nicht wirklich auf. Nicht zuletzt weil Sherlock bei all seinen Beziehungsschwierigkeiten zu den Watsons seinen Mind-Palace und einen wirklichen Gegenspieler verloren hat. Es entstehen mehrere kleine Handlungsbögen mit viel Umhergestürze (inklusive neuem, nur kurz zu sehendem Begleiterhund Toby), das selbst für Sherlock-Verhältnisse unübersichtlich wird.

Diese verquere Erzählweise erstreckt sich auf die Charaktere. Immer wieder fallen die geliebten Protagonisten mit untypischem Verhalten auf. Ein fremdflirtender John will so überhaupt nicht ins Bild passen, ebenso wenig ein bescheidener Sherlock. Wer hingegen ein angenehmer Fixpunkt bleibt, ist der von Mark Gatiss gemimte Mycroft Holmes. Er gibt dem wild herumhetzenden Sherlock immer wieder eine Anlaufstelle, die zu einer gewissen Normalität zurückführt. Die brauchen Sherlock und wir auch, denn die Düsternis nimmt zu. Und es kommt, wie es kommen musste.

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The Six Thatchers endet mit einem Paukenschlag. Das Ermitteln rückte zuvor weit in den Hintergrund. Da ein großes Rätsel im Holmes-Stil ohnehin verworfen wurde, erfolgt auch nicht die große, befriedigende Auflösung dessen. Stattdessen wird fast schon überstürzt die Fadenzieherin der verjährten Mary-Geschichte enthüllt. Aber wir bekommen unseren Showdown. Denn letztendlich kommt es doch zu dem Moment, vor dem sich jeder mitleidende Zuschauer schon gefürchtet hat: Familie Watson wird zerstört. Der ewige Bund zwischen Sherlock und Watson bricht, wir und die Protagonisten stehen vor einem Scherbenhaufen.

Es ist eben kein Spiel mehr. Das wurde uns versprochen, das klang herrlich spannend, aber das fühlt sich als einzelne erste Erfahrung unangenehm an. The Six Thatchers ist kein Folgen-Einzelstück wie ihre Vorgänger, sie ist eine bloße Exposition zu dem, was Moffat und Gatiss sich so zurechtgelegt haben mögen. In einem größeren Kontext kann die Geschichte der 4. Staffel immer noch eine großartige werden, denn sollte sich hier tatsächlich ein letzter großer Moriarty-Coup verstecken, könnte die neue Erzählweise neue Möglichkeiten eröffnen. Doch für den Moment fühlen sich Fans vermutlich eher überrumpelt. Einen Charaktertod als Motivator zu nutzen ist für Sherlock zwar ein wirkungsvoller, aber beinahe billiger Handgriff. Dieses Verfallen in Game of Thrones-Dynamiken sieht der Serie nicht ähnlich und steht ihr ohne den größeren Kontext nicht gut zu Gesicht. Auch wurde ihr mit der 1. Folge die oben genannte Seele der Sherlock-Watson-Beziehung abrupt genommen. Und zu allem Überfluss haben sich weder Moriarty noch der von Toby Jones verkörperte Mr. Smith blicken lassen. Denn seien wir ehrlich: Wir haben Jim Moriarty und Andrew Scott vermisst.

Jetzt haben wir unseren Auftakt. Fragt sich nur, zu was.

Wie hat euch die 1. Folge der 4. Staffel Sherlock gefallen?

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