Stolz und Vorurteil & Zombies - Das sagen die Kritiker

Stolz und Vorurteil & Zombies
© Universum Fim (UFA)
Stolz und Vorurteil & Zombies

Mit dem Buch Stolz und Vorurteil & Zombies hat Autor Seth Grahame-Smith (Abraham Lincoln Vampirjäger) ein ungewöhnliches Genre-Mashup hervorgebracht: Die beschauliche Welt von Jane Austen wurde von Zombies überrannt, die bei den Bennets für weitaus größere Probleme sorgten, als die Suche nach einem Ehemann für die fünf Töchter. Regisseur Burr Steers brachte dieses Mashup jetzt auf die Kinoleinwand und das Ergebnis, Stolz und Vorurteil & Zombies (OT: Pride and Prejudice and Zombies), startet heute in den deutschen Kinos.

So wie in Jane Austens Buchvorlage geht es auch hier um die Familie Bennet, allen voran Elizabeth (Lily James), die nichts von den Versuchen ihrer Mutter hält, ihr einen Ehemann zu verschaffen. Sie wies schon mehrere Anwärter ab, doch entwickelt eine gewisse Faszination für Colonel Darcy (Sam Riley), die sich aus anfänglicher Abscheu entwickelt. Insbesondere der gegenseitige Respekt voreinander und vor ihren Fähigkeiten, Untote effektiv zu erkennen und auszuschalten, zieht die beiden an. Und hier beginnt der Teil, der nicht mehr in Austens Buch zu finden ist ...

Zunächst einmal die harten Fakten:

  • 105 Community-Bewertungen mit einem Durchschnittswert von 5,3
  • 16 Kritiker-Bewertungen mit einem Durchschnittswert von 4,8
  • 10 Kritiken und 29 Kommentare
  • 3 x Lieblingsfilm und 3 x Hassfilm
  • 893 Vormerkungen, 30 sind nicht interessiert

Das sagen die deutschsprachigen Kritiker zu Stolz und Vorurteil & Zombies:

Birgit Roschy von epd-film fand den Kontrast befremdlich:

Nicht nur wegen der unterschiedlichen Zielgruppenerwartungen wird es diese Verfilmung wohl nicht leicht haben. So entsteht die Komik meist schlicht durch die überraschende Dichotomie, durch den schockierenden Kontrast von Empire-Kleidchen und verwesten Gesichtern, von Galanterie und Gewalt. In der Inszenierung wird konsequent nicht nur jeder parodistische Klamauk vermieden; auch das verschwörerische Augenzwinkern zum Publikum kommt selten vor. Als Karikatur angelegt ist, wie bei Austen, lediglich die Figur des aufgeblasenen Mr. Collins.
So viel fröhlicher Quatsch, mit derart ernsten Gesichtern vorgetragen: Diese höhere Ironie müssen junge Zuschauer, denen der Roman »Stolz und Vorurteil« womöglich total unbekannt ist, erst einmal verdauen.

Christopher Diekhaus von Kino-Zeit hatte auf mehr Splatter gehofft:

Wer sich auf einen deftig-abgedrehten Splatter-Streifen freut, sei gleich gewarnt. Zwar werden Köpfe weggeschossen und Blutspritzer auf der Kameralinse verteilt. Hartgesottene Horrorfreunde dürften allerdings ernüchtert sein über die Zurückhaltung, die Steers in seiner Inszenierung zumeist walten lässt. Das Maskenbild fällt insgesamt ordentlich aus. Und einige jump scares verfehlen ihre Wirkung nicht. Von echter Grusel- oder Endzeitstimmung ist der Film jedoch ein gutes Stück entfernt, weil er zu viel auf einmal will. Die Bedrohung durch die Untoten wirkt lange Zeit wie schmückendes Beiwerk, gerät in der hektisch zusammengebastelten zweiten Hälfte aber plötzlich in den Fokus. [...]

Maichklang von OFDb war von Action-Gehalt und Darstellern enttäuscht:

Ansonsten geht es leider kaum drunter und drüber, da lang gezogene Dialogpassagen massiv dominieren und die solide Ausstattung in Form von Kostümen und Schmuck nur anfangs von diversen Defiziten ablenken kann. Hierzu zählt in erster Linie die mangelnde Chemie zwischen den vermeintlich Verliebten, nur unter den Geschwistern ist die gute Laune zuweilen spürbar. Auch darstellerisch werden Mankos sichtbar, denn Sam Reily kommt zu keiner Zeit über einen Gesichtsausdruck hinaus, während sich Lily James zwar müht, jedoch zu wenig Präsenz mitbringt. Charles Dance als Vater und Lena Headey als mysteriöse Amazone bringen mit ihren eher kurzen Auftritten wesentlich mehr Charisma ins Spiel.
Und jenes weiß eben zu keiner Zeit mitzureißen, da die Romanze relativ seelenlos abgespult wird und das Konfliktpotenzial kaum ausgeschöpft wird, während die Zombies zur Randerscheinung verkommen und diesbezüglich keine markante Action zu verzeichnen ist.

Das sagen die englischsprachigen Kritiker zu Stolz und Vorurteil & Zombies:

Paul Mount von Starburst Magazine kritisiert das Ungleichgewicht der beiden Bestandteile:

Was, fragen Sie sich vielleicht, hat das Ganze eigentlich mit Zombies zu tun? Um ehrlich zu sein, nicht so viel, wie sie erwarten würden. Die untote Bedrohung stolpert durch den Hintergrund und wird nur selten angesprochen, und uns wird erzählt (und fairerweise, kurz gezeigt), dass London gefallen ist und Zombie-Horden immer näher an die einzig verbliebene Grenze zwischen Chaos und einer zivilisierten Gesellschaft mit Tee rücken. Das alles klingt absolut wahnsinnig, aber das größte Problem für Horror-Fans (und das ist nun wirklich kein Horrorfilm), ist, dass Stolz und Vorurteil gegenüber Zombies einen weitaus höheren Stellenwert einnehmen. [...] Von den bisherigen Mashup-Filmen ist Stolz und Vorurteil & Zombies vermutlich der beste [...] - der Film ist an einigen Stellen sehr witzig und nimmt sich nie zu ernst – aber es scheint, als müssten wir noch eine Weile auf den Film warten, der klassische Drama und High-Concept-Fantasy optimal miteinander vermischt.

Mark Demetrius von Film Ink fühlte sich insgesamt gut unterhalten:

Ein Film - in diesem Fall einer mit Buchvorlage - kann sich in seiner Beschreibung kaum kürzer halten, als seine Idee mit dem Titel zu definieren. Und man würde vielleicht erwarten, dass ein so limitiertes Konzept sich für einen 5 Minuten langen Comedy-Sketch besser eignet als für einen Spielfim. Aber Stolz und Vorurteil & Zombies überbrückt diese Zeit, indem es - trotz der absurden Grundidee - sich nicht direkt als Komödie präsentiert. Der Film ist nicht sehr gut, aber auch nicht furchtbar.
Für Craig Mathieson vom Sydney Morning Herald gab es nicht genug Material, um 90 Minuten zu füllen:
Was der Film bräuchte, ist ein junger Peter Jackson zu Zeiten von Brain Dead oder The Frighteners, so bringt er einen überraschend ernsten Ton an den Tag und wirkt wie eine interessante Sketch-Idee, die auf Spielfilmlänge gestreckt wurde.

Fazit:
Die meisten Kritiken für Stolz und Vorurteil & Zombies sind eher mittelmäßig ausgefallen. Ein Punkt, der häufig angesprochen wird, ist die ungleiche Verteilunge der beiden Bestandteile, mit wesentlich mehr Stolz und Vorurteil als Zombies. Besonders die Gewalt wird als zu zahm beschrieben, als dass es ein Horrorfilm sein könnte. Auch bei den Darstellern scheiden sich die Gemüter, oft werden sie als nicht facettenreich genug für ihre Buchfiguren gesehen. Trotzdem, wer auf nichts weiter als kurzweilige und seichte Action-Unterhaltung hofft, dürfte mit dem Film seinen Spaß haben.

Wie klingt das für euch? Werdet ihr euch Stolz und Vorurteil & Zombies ansehen?

moviepilot Team
Thunderdrome Sebastian Wienecke
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