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The Days of the Doctor - Die Evolution einer Serie

In 900 years of time and space, I’ve never met anyone who wasn’t important.
© BBC / moviepilot
In 900 years of time and space, I’ve never met anyone who wasn’t important.

“That’s not his name. Who is he? Doctor Who? Perhaps if we knew his name we might have a clue to all this.” (Ian Chesterton in der ersten Doctor Who-Folge An Unearthly Child, November 1963)

Sämtliche an der Produktion von Doctor Who beteiligten Menschen könnten morgen kündigen. Alle Produzenten, Autoren und Schauspieler, jeder der irgendetwas damit zu tun hat, könnte morgen weg sein und dennoch würde das Doctor Who nicht stoppen. Dieser wohl einzigartige Fall ist Teil des Erfolgsrezepts, das dafür gesorgt hat, dass die britische Science Fiction-Serie am Samstag ihr fünfzigstes Jubiläum feiert und das mit mehr Fans als je zuvor. Der aktuelle Chefautor Steven Moffat sagte einmal, Doctor Who wäre „die Serie, die man unmöglich töten kann“ und die Geschichte gibt ihm Recht. Schon einmal war Doctor Who dem Tod nahe – und kämpfte sich wieder aus dem Grab, zurück in die Herzen der Zuschauer und zu Bekanntheitsgraden weit über die britischen Inseln hinaus.

Aber der Reihe nach. Am 23. November vor fünfzig Jahren, die Medien waren noch voll mit Berichten über den Mord an John F. Kennedy, zeigte die BBC die erste Folge einer neuen Serie, die wohl für damalige Zuschauer mit zum Merkwürdigsten gehört haben muss, was sie jemals im Fernsehen vorgesetzt bekamen. Eine psychedelisch-merkwürdige Titelmusik, deren elektronische Klänge für die damalige Zeit etwas geradezu Revolutionäres waren, ein abweisender alter Mann, der sich der Doctor nennt, eine Notrufzelle auf einem Schrottplatz namens TARDIS, die innen größer ist als außen… und dann eine plötzliche Reise durch Raum und Zeit. In den ersten 25 Minuten Doctor Who wurde nicht nur eine der bizarrsten Serienprämissen aller Zeiten vorgestellt, es wurde – ohne dass die Produzenten es gewusst hätten – Fernsehgeschichte geschrieben.

Denn im Grunde genommen fasst diese erste Folge immer noch sehr gut zusammen, worum es bei Doctor Who geht, auch wenn sich seit 1963 natürlich einiges geändert hat. Aus Schwarzweiß- wurde Farbfernsehen, aus schummrig beleuchteten Sets wurden fantastische und bizarre Welten, aus dem grummeligen alten Mann auf dem Schrottplatz wurden, Einer nach dem Anderen, zehn neue Männer, zehn neue Inkarnationen eines Aliens mit menschlichem Körper, eines Verrückten mit einer blauen fliegenden Kiste, zehn weitere Gesichter des Doctors. Und in dieser Zeit durchlebte die Show wieder und wieder drastische Änderungen und Neuinterpretationen.

Wenn man das Erfolgsrezept von Doctor Who auf den Punkt bringen möchte, dann ist es der Mut zum Wandel und zur Weiterentwicklung. 1966 wurde das Konzept der – damals noch als Verjüngung bezeichneten – Regeneration eingeführt, die es dem Doctor ermöglicht, bei drohendem Tod seine Gestalt zu ändern und einen völlig neuen Körper zu bekommen. Es stand plötzlich ein ganz anderer Mann im Raum und war der Doctor. 1970 war Doctor Who plötzlich in Farbe, fand ausschließlich auf der Erde und ohne TARDIS statt und zeigte Anlehnungen an James Bond. Auf der Höhe der Friedensbewegung Mitte der Siebziger Jahre fanden immer mehr umweltschützende Botschaften ihren Weg in die Geschichten, gegen Anfang der Achtziger viel absurder Humor.

Wie die Serie sich auch veränderte, wie stark sie sich auch von den vorherigen Staffeln unterschied, sie lag immer genau am Puls der Zeit. Der Hauptgrund für die vorläufige Absetzung von Doctor Who im Jahr 1989 war, dass die Show das erste Mal seit ihrer Einführung stagniert hatte und niemand so recht wusste, in was für eine Richtung das alles gehen sollte. Auch waren viele Folgen düsterer und brutaler, was der Serie, die immer als Familiensendung gegolten hatte, enorme Imageprobleme einbrachte. Schließlich blieb Doctor Who, bis auf einen misslungenen Wiederbelebungsversuch 1996 vorerst von den Bildschirmen der Welt verbannt.

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Lovely, in a fluffy, moist kind of way.
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