Interview mit Ben Verbong

TV-Politthriller will mit Vorurteilen gegen Muslims aufräumen

Takiye - Spur des Terrors
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Takiye - Spur des Terrors

In Takiye – Spur des Terrors gerät die Hauptfigur Metin (Erhan Emre) unverschuldet in kriminelle Machenschaften und muss zusehen, wie seine Familie durch den Terrorismus zugrunde geht. Regisseur Ben Verbong erzählt im Interview, welche Beweggründe er für den Film hatte, der ein objektiveres und vorurteilsbefreites Bild von Muslimen und deren Kultur zeichnen soll.

Herr Verbong, was hat Sie daran gereizt, die Regie bei diesem Film zu übernehmen?
Ben Verbong: Ein entscheidender Grund, diesen Film zu inszenieren, war für mich zu zeigen, dass es nicht DEN Muslimen gibt, wie er inzwischen in der Öffentlichkeit doch überwiegend gezeichnet wird. Ausgelöst durch die Geschehnisse am 11.September 2001 und durch andere islamistische Terroranschläge werden die Muslime an sich, wird der Islam generell in ein negatives Licht gerückt. Wir zeigen in unserem Film aber, dass die meisten Muslime in Deutschland, den Niederlanden oder Belgien genau das Gleiche wollen wie wir: ein friedliches Familienleben, ohne Gewalt, ohne Konflikte. Dass der Alltag dieser Kultur anders aussieht, das ist, glaube ich, für viele befremdlich. Wenn dieser Film es schafft, Vorurteile gegenüber Menschen abzubauen, die dem Islam verbunden sind, dann würde mich das sehr freuen, dann ist für mich ein Ziel des Films erreicht.

Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. War Ihnen das Thema vorher bekannt?
Ben Verbong: Dass es diese kriminellen Machenschaften um dubiose Wirtschaftsfonds gab, war mir nicht fremd – bei uns in den Niederlanden gab es sie auch. Aber das Ausmaß war mir nicht bekannt. So erzählen wir am Beispiel unserer Hauptfigur Metin das Schicksal, das denjenigen widerfährt, die völlig naiv in diese Falle getappt sind und in ein bedrohliches Netzwerk hineingezogen werden, dessen Macht und Mechanismen sie völlig unterschätzen, als sie sich verteidigen. Bei Metin spielt natürlich auch noch die Ehre, die Verpflichtung des Mannes seiner Familie gegenüber, eine wichtige Rolle. Und wir geben einen Einblick in das Leid, das die Leute erfahren, die ihre ganze Hoffnung in diesen Fond setzten. So ist der Film Politthriller und Familiendrama zugleich oder ein Familiendrama vor dem Hintergrund politischer, krimineller Machenschaften.

Stand von Anfang an fest, den Cast mit deutschen und türkischen Darstellern zu besetzen?
Ben Verbong: Auf jeden Fall, denn wir möchten ja auch türkische Zuschauer erreichen, und da der Film auch in den türkischen Kinos läuft, ist es unbedingt notwendig, diese Geschichte mit Schauspielern aus beiden Ländern zu erzählen. Für mich war das Drehen mit den türkischen Darstellern trotz Sprachbarriere kein Problem: Wenn man jemanden nicht versteht, sieht man besser, was er spielt, man wird nicht vom Dialog abgelenkt.

Sie haben einige Tage in der Türkei gedreht.
Ben Verbong: … und dort den tiefsten Winter erwischt. Das gefiel mir, denn ich wollte eine kühle Atmosphäre erzeugen. Außerdem war das Drehen dort eine neue Erfahrung für mich: Es klappte alles wunderbar, aber es wird doch viel mehr improvisiert als bei uns.

Wenn ihr euch Takiye – Spur des Terrors anschauen wollt, schaltet einfach am 25. August um 20:15 Uhr das Erste ein. Ihr habt aber auch die Möglichkeit, in unserem Fernsehprogramm zu schauen, was sonst noch so läuft.

Mit Material vom WDR.

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