Um jeden Preis günstiger als Netflix: Wie Disney und Apple Streaming verändern

Wer entscheidet über den Streaming-Preis?
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Surfer Rosa Hendrik Busch
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Redakteur bei Moviepilot. Glaubt, dass Netflix sich irgendwann noch durchsetzen wird und schreibt deshalb hauptsächlich über VOD und Streaming. Schöner als Sport sind nur Filme darüber.

Ihr habt es vielleicht nicht mitbekommen, aber gerade laufen die Wochen, die die Zukunft des Streamings entscheiden. Vor einigen Tagen stellte eins der bekanntesten Tech-Unternehmen der Welt seinen Streaming-Dienst vor. In zwei Wochen zieht das bekannteste Unterhaltungsunternehmen der Welt nach. Disney und Apple steigen in das Streaming-Geschäft ein und ihre Pläne klingen toll, sie entfachen Begeisterung unter Aktionären und Neugierde unter potentiellen Nutzern. Mit anderen Worten: Die PR-Kampagnen tun, was PR-Kampagnen weltbekannter Unternehmen eben tun.

Viel heiße Luft bei Apple TV+?

Aber baut Apple seinen zahlreichen Jüngern ein Luftschloss? Apples Streaming-Dienst definiere sich immer noch über das, was wir nicht von ihm wissen, als über tatsächliche Merkmale und Informationen, schreibt etwa Vox. Ähnlich hart geht das deutsche DWDL mit der sparsamen Informationspolitik von Apple ins Gericht. DWDL hatte nach dem Besuch der Präsentation in Cupertino mehr Fragen als vorher. Und Heise fühlte sich von Apple TV+ einfach nur mit viel heißer Luft zugeblasen.

Streaming-Phantome: Was wir über Apple TV+ und Disney+ (nicht) wissen

Apple TV+ und Disney+ sind die größten Netflix-Konkurrenten, obwohl es sie noch gar nicht gibt. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Disney und vor allem Apple werfen mit Versprechungen und Verheißungen nur so um sich, irritieren Interessierte aber gleichzeitig mit zurückgehaltenen Informationen. Beide eint: Wir wissen nicht, was wir für Disney+ und Apple TV+ zahlen werden. Die wichtigste Information für den Konsumenten fehlt.

Warum Disney und Apple mit dem Preis nicht herausrücken: 3 Vermutungen

  • Disney und Apple wissen noch nicht, was den Kunden ein weiterer Streaming-Dienst wert ist.
  • Sie wissen nicht, was im Detail sie Ihren Kunden überhaupt anbieten können - auch weil Rechtesituationen nicht geklärt und viele Content-Deals noch nicht abgeschlossen sind.
  • Sie wissen das alles, wollen es aber nicht verraten - den Kunden nicht und Netflix nicht, das seine Preise zu Beginn des Jahres erhöhte und den Zeitpunkt bestimmt nicht willkürlich gewählt hat.

Der Preis für Streaming-Abos wird dieses Jahr neu verhandelt

Natürlich fällt neuen Streaming-Diensten die Formulierung einer Kostenstrategie schwer. Die Streaming-Revolution hat da viel durcheinandergebracht. Der Preis für Heimkino-Unterhaltung war wohl noch nie so dynamisch - und noch nie so fluide. Die Einzelpreise, früher ein guter Gradmesser, sind aufgeweicht, Standard-DVDs und Blu-rays werden uns im Elektronikfachmarkt hinterhergeworfen.

Beim Streaming geben Netflix und Amazon Prime Video den Pegel vor. Ihre Flatrate-Preise zahlen die Kunden gerne und bereitwillig. Auch, weil sie es nicht anders kennen. Der Preis für Streaming entwickelt sich ja noch. Wir arbeiten mit Schätzungen. Was Streaming den Kunden wert ist, erfahren wir wahrscheinlich erst mit Apple TV+ und Disney+, wenn der Wettbewerb den Preis formt.

Die schönen Streaming-Zeiten sind vorbei und auf dem Markt wird es jetzt ernst und immer enger. Die nächste Phase im Wettbewerb um den Streaming-Kunden bricht an und die üblichen Marktwirtschaftsgesetze beginnen zu greifen. Nicht nur die Kunden, auch die Anbieter müssen sich auf die neuen, unübersichtlichen Verhältnisse einstellen. Drängen jetzt ständig weitere Anbieter auf das Feld, wirkt sich das auch auf den Preis für Streaming-Abos aus.

  • Er könnte sinken, weil Streaming-Dienste ihren Kunden ein immer kleineres, ergo schlechteres Angebot bereitstellen müssen.
  • Oder steigen, weil die Kosten für die Produktion von Filmen und Serien für Streaming-Dienste explodieren, wie der Netflix-CEO in einem Interview mit der SZ verriet. Filme von Streaming-Diensten gleichen sich Kinostandards an. Das Gleiche wird mit den Abo-Preisen passieren. Verschieben sich, wie in Deutschland, die verfügbaren Zuschauermassen vom Kino zu den Streaming-Anbietern, wandern auch die verfügbaren Finanzmittel, die Werbebudgets usw. usf. Es ist alles ein Kreislauf.

Hauptsache günstiger als Netflix

Einigkeit herrscht in der Branche darin, dass Disney und Apple ihre Dienste jeweils günstiger anbieten werden als Netflix, wie Recode schreibt. Beide Unternehmen verfügen über ausreichend Eigenkapital, um zunächst Verlust mit ihren Diensten zu machen und Kampfpreise anzubieten, die es Kunden leicht machen, sich für ein Schnupper-Abo zu entscheiden. Setzt sich das gerade getestete, günstige Netflix-Abo durch, wird es natürlich komplizierter.

  • In den USA zahlen Nutzer für das teuerste Abo-Modell von Netflix 16 Dollar ...
  • ... und Netflix bewegt sich damit schon an der Grenze des Ertragbaren.
  • Denn eine große Umfrage des Hollywood Reporter brachte hervor, dass US-Nutzer einen Abo-Preis zwischen 10 und 16 US-Dollar als "ideal" empfinden.
  • Darüber wird sich Apple nicht trauen und Disney auch nicht.

Schlechtes Angebot: Apple kann für sein Angebot nicht viel verlangen

Apple und Disney+ werden beide noch dieses Jahr starten, beide vermutlich im Herbst. Die Konturen für Disney+ wurden bereits gut ausgemalt (das Angebot steht sowieso fest). Disney+ wird, wie Warner, einen Streaming-Dienst mit scharfem Profil stellen. Dagegen wirkt Apple TV+ noch wie eine leere Skizze.

  • Apple hat keine Content-Basis: Die vorgestellten Serien sind zwar populär besetzt, Apple fehlt aber die Quelle für einen Grundstock an Filmen und Serien für eine attraktives Flatrate-Angebot.
  • Partnerschaften und Verträge mit großen Studios, die die Regale füllen könnten, existieren noch nicht, schreibt Heise. An Inhalte ist in diesen Zeiten schwer zu kommen.

Wird Apple TV+ überhaupt ein traditioneller Streaming-Dienst?

Viel kann Apple für seinen Streaming-Dienst nach jetzigem Stand also nicht verlangen. Eine Reese Witherspoon-Serie ist toll, aber allein davon lässt sich niemand zum Abschluss eines Abos verführen. Wahrscheinlicher ist ohnehin, dass Apple einen niedrigen Grundpreis verlangt, für den der Nutzer auf ein Basis-Angebot mit den Apple-Originals zugreifen darf.

Das eigentliche, echte Versprechen von Apple TV+ ist die Möglichkeit zur Bündelung der zunehmend verzweigten Streaming-Landschaft. Apple TV+, so die Utopie, führt die verirrten Nebenflüsse wieder zu einem breiten Delta zusammen. Bei Apple TV+ sehen wir ein paar Apple-Serien und, mit Aufpreis, alles was es sonst noch so gibt in zubuchbaren Channels, etwa Westworld im HBO-Channel und The Marvelous Mrs. Maisel im Amazon-Channel. (Aber was ist dann eigentlich mit den Channels von Amazon Prime Video? Ja, gute Frage.)

Apple TV+ wäre eher ein Hub als ein Streaming-Dienst wie Netflix und Disney+ mit ihren eigenen Handschriften und Philosophien. Es wäre in einer leuchtenden Apple-Fantasie der Retter in der Streaming-Hölle. Mit einem Haken: Wer wirklich alles sehen wollte, bräuchte immer noch drei Abos: Apple TV+, Netflix und Disney+.


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