Unorthodox: Starke neue Netflix-Serie basiert auf wahren Begebenheiten

Shira Haas als Esty Shapiro in UnorthodoxAbspielen
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Shira Haas als Esty Shapiro in Unorthodox
28.03.2020 - 14:35 UhrVor 2 Monaten aktualisiert
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Die Miniserie Unorthodox mit Shira Haas ist neu auf Netflix verfügbar. Sie basiert auf wahren Begebenheiten. Berlin habt ihr zudem selten so vielfältig gesehen, am ehesten noch in Babylon Berlin.

Unorthodox ist die Geschichte einer Befreiung. Am Anfang steht Gehorsam und Fügsamkeit, es folgt eine Phase von Aufbegehren und Trotz, danach ein folgenschwerer Befreiungsschlag. Die seit gestern verfügbare vierteilige Miniserie auf Netflix wird so zur modernen Heldinnengeschichte, die uns die Flucht aus einer unbekannten Parallelwelt zeigt.

Die Handlung von Unorthodox, der Netflix-Serie von Maria Schrader

Esther "Esty" Shapiro (Shira Haas) lebt in Williamsburg, eine Nachbarschaft im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Hier ist die 19-jährige Frau Teil einer streng orthodoxen Gemeinde von chassidischen Juden. Die Regeln der Glaubensgemeinschaft schränken ihre Freiheit enorm ein. Das ändert sich auch nicht, als sie mit Yakov (Amit Rahav) verheiratet wird. Liebe kommt zwischen den beiden nicht auf, der Vollzug der Ehe führt zu enormen Schmerzen und der Druck, ein Kind zu empfangen, wird für Esty unerträglich.

Die junge Frau will weg aus ihrer Community, so weit wie möglich. Sie flieht nach Berlin, um bei ihrer Mutter unterzuschlüpfen. In der deutschen Hauptstadt entdeckt sie eine vollkommen andere und offenere Welt. Erstmals lernt sie, was Selbstbestimmung bedeutet. Doch ihre Vergangenheit holt sie schon bald ein, als Yakov ebenfalls nach Berlin kommt und sie zur Rückkehr bewegen will.

Die Netflix-Serie Unorthodox beruht auf wahren Begebenheiten

Autorin der Vorlage zu Unorthodox ist Deborah Feldman. Ihr Romandebüt ist autobiografisch. Sie wuchs in Williamsburg in der ultraorthodoxen jüdischen Glaubensgemeinschaft der Satmarer auf, die aus Ungarn ins Land eingewandert waren. Diese lehnen eine Modernisierung ihrer Lebensweise und Ideologie kategorisch ab.

Besonders die Momente vor der Flucht von Esty nach Berlin entsprechen dem Roman. Deborah Feldman wurde ebenfalls streng nach den Regeln der Satmarer erzogen. Sie wurde im Alter von 17 Jahren verheiratet, brachte einen Sohn zur Welt, konnte aber mit den Verboten und Regeln nicht leben. Mit 24 Jahren trennte sie sich von ihrem Mann und der Gemeinschaft. Heute lebt sie mit ihrem Sohn in Berlin. Ihr Roman wurde 2012 in den USA zum Bestseller, 2016 erschien er in deutscher Sprache.

Hochzeit in Unorthodox

Der Berliner Teil der Geschichte von Unorthodox dagegen ist eher fiktiv. Weder gibt es das Musikkonservatorium in dieser Form, noch war Deborah Feldman derart musikalisch. Trotzdem passt Berlin hervorragend in die Geschichte, denn die Vergangenheit des Ortes spiegelt sich in der Gegenwart der Hauptfigur Esty.

Hervorragende Hauptdarstellerin Shira Haas

Unorthodox wird durch die Hauptdarstellerin Shira Haas getragen. Wie die knapp 25-jährige Schauspielerin die Veränderungen von einer ängstlichen zu einer selbstbewussten jungen Frau darstellt, ist preisverdächtig. Sie ist in Israel geboren und jüdischen Glaubens. Seit 2017 steht sie auch in Hollywoodfilmen vor der Kamera, etwa in Die Frau des Zoodirektors und Maria Magdalena. Ihre Leistung in Unorthodox dürfte Shira Haas für noch größere Rollen empfehlen.

Auch weitere Castmitglieder sind gut ausgewählt, so etwa Amit Rahav, der den naiven Ehemann von Esty spielt, oder der deutsche Schauspieler Jeff Wilbusch, der Esty auch mit Drohung und Gewalt in die Community zurückholen soll. Hervorstechend ist zudem der detailgetreue und authentische Blick auf die chassidische Gemeinschaft in Williamsburg. Dass Unorthodox stellenweise in Jiddisch gedreht wurde, trägt zur Glaubwürdigkeit enorm bei.

Berlin ist wie schon in Babylon Berlin eine weitere Hauptdarstellerin

Wer ein diverses Berlin sehen will, ist in Unorthodox genau richtig. Menschen aus den verschiedensten Regionen leben in Berlin. Gespiegelt wird dies in einer Gruppe von Musikstudenten eines Kammerorchesters: Sie kommen aus Deutschland, Israel, Nigeria, sind Juden, Christen oder Moslems und spielen hier gemeinsam deutsche Klassik, erfüllen sich ihre Lebensträume.

Unorthodox

In der Netflix-Serie wird nicht wie sonst das hippe, touristische Berlin mit seinen Clubs und dem Nachtleben gezeigt, sondern eher das alltägliche Berlin der kleinen Plätze und des normalen Lebens. Gedreht wurde unter anderem

  • in den CCC Studios in Spandau,
  • in einem Pfarrhaus in Reinickendorf,
  • in einem palästinensischen Festsaal in Moabit,
  • an und in einem Wohnhaus am Winterfeldtplatz,
  • am Potsdamer Platz,
  • an und in der Berliner Philharmonie,
  • am Kudamm und Unter den Linden sowie am Brandenburger Tor,
  • im Club "Loftus Hall" am Maybachufer,
  • am Gendarmenmarkt,
  • am und im David Friedländer Haus an der Kaiserin-Augusta-Allee,
  • auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee,
  • am Strandbad Wannsee.

Fotografiert wurde die Stadt wunderbar von Wolfgang Thaler, der mit der Regisseurin Maria Schrader bereits bei Vor der Morgenröte zusammen arbeitete. Unorthodox ist somit eine der nächsten großen Serien wie schon Babylon Berlin oder 4 Blocks, die uns Zuschauer ganz unterschiedliche Facetten der Hauptstadt präsentieren.

Podcast für Netflix-Nutzer: Wie gut sind Elite und Haus des Geldes?

In der neuen Folge Streamgestöber - auch bei Spotify  - prüfen wir die gehypten spanischen Serien Elite und Haus des Geldes und beantworten, ob sie sich lohnen:

Mit Haus des Geldes und Elite kommen zwei der derzeit angesagtesten Netflix-Serien aus Spanien. Warum ausgerechnet Spanien bei Netflix boomt, wie gut Elite und Haus des Geldes wirklich sind und welche spanischen Serien und Filme sich sonst noch lohnen, ergründen Andrea, Esther und Jenny.

Seid ihr neugierig auf Unorthodox geworden? Schaut ihr euch die Serie auf Netflix an?

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