Kommentar der Woche

Unter der Haut

08.11.2014 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Zum Aus-der-Haut-Fahren schön!
© moviepilot/Universum Film
Zum Aus-der-Haut-Fahren schön!
Diese Woche taucht der Kommentar der Woche ein in die verführende, verstörende und trotz allem begeisternde Offenbarung, die unter der Schwärze der Oberfläche von Under the Skin auf den Zuschauer lauert.
Im Kommentar der Woche stellen wir jeden Samstag einen Kommentar vor, der euch unter die Haut gegangen ist. Egal ob dieser Kommentar zu einem Film, der zum aus der Haut fahren ist, oder zu einem Schauspieler, der sich für jede Rolle aufs Neue häutet, einer News, die euch hautnah dabei sein ließ, oder einer Serie, bei der ihr euch in eurer eigenen Haut nicht mehr wohlfühlt: Wenn euch irgendwo ein Kommentar auf moviepilot Gänsehaut bereitet, sagt uns Bescheid! Am besten per Nachricht!


Kommentar der Woche

Von Zeit zu Zeit wandelt ein Film vollkommen unerkannt unter uns, hat hier und da vielleicht schon jemanden im Bekanntenkreis verführt - aber wenn wir ihn dann selbst sehen, reißt er uns trotzdem nahezo unerwartet mit, öffnet uns fast schon gnadenlos die Augen, zieht uns an und stößt uns ab, verstört und begeistert uns. Kurzum: er geht uns unter die Haut. So wie es lieber_tee mit Under the Skin gegangen ist:

Unter der oberflächlichen Hülle seelenloser Begegnungsfantasien findet das schwarze "Es" innere Schönheiten, Humanität, verwandelt sich in eine empathische "Sie" und schreit nach natur-mystischer Befreiung. Jonathan Glazers handlungsreduziertes, assoziatives Essay über die Innen- und Außenseite unserer (Geschlechter-) Gesellschaft ist Mitternachtskino par excellence. Der Motiv-Mix aus SF, Körperhorror, Alltagsdokumentation, Gender-Paradoxien, Experimentalfilm arbeitet clever mit optischen und inhaltlichen Verunsicherungen, Aussparungen um die Transformation in Menschlichkeit bis zur Selbstauflösung sinnlich erfahrbar zu machen. Emotionslos-grausame Szenen stehen neben liebevollen Momentaufnahmen, werden mit abstrakt-surrealen, träumerisch-poetischen Sequenzen kombiniert. Mit der Kraft von Kubrick, Lynch und von Trier erlebt ein für sperriges Kunstkino offener Zuschauer den ultimativen Kick. Der intensive audio-/visuelle Sog brennt seine Bilder für immer in die cineastische Hirnrinde. Wenn Arthouse, dann so. Meisterwerk.

Den Originalkommentar findet ihr übrigens hier.

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