moviepilot Speakers' Corner

W. - Das Crowdwriting-Projekt

incende quod adorasti
© sxc.hu/JosephHart / moviepilot
incende quod adorasti

“Ich weiß genau, was Sie jetzt denken, und Sie haben Recht.” (Magnum, 1984, Kaliber .44, Geschmack Mandel) Schon wieder der… Ist ja wahr… Nur noch dieses eine Mal. Versprochen! Na, vielleicht…

Was vor drei Wochen in der Speakers’ Corner noch nach einer Schnapsidee klang, ist inzwischen Wirklichkeit geworden, und damit ist für mich ein schon vor einem Jahr angestrebter Traum in Erfüllung gegangen: Seit 2 Wochen sitzt eine bunte Truppe aus 7 moviepiloten in einem virtuellen Schreibzimmer und schraubt gemeinsam an einer Genre-Serie, wie wir sie uns seit Jahren wünschen, und nicht bekommen – jetzt machen wir sie eben selber: W.

Das steht für mehr als nur den Ortsnamen (Woipating im Bayrischen Wald), es ist auch eine Ansage, eine Konzentration auf das Wesentliche. Viele Wörter stecken dahinter, und gleichzeitig ist es eine Karte, der Punkt ist unser Dorf, der Buchstabe daneben der dunkle Wald. Ein auf den Kopf gestelltes M, eine Mystery-Serie, die sich durch Mythen, Sagen und Legenden wühlt, und Dinge ans Tageslicht zerrt, die besser verborgen geblieben wären. Also geht weiter, hier gibt’s nichts zu lesen, springt zum nächsten Artikel, noch habt ihr die Chance. Wenn ihr weiter lest, dann auf eigene Gefahr, denn schneller als ihr es für möglich haltet, geratet ihr in den Sog dieser Geschichte, des “Ortes”, werdet gar ein Teil von ihr…

… denn ich hatte angekündigt, dass die Hilfe von weiteren moviepiloten willkommen ist. Wie soll das nun aussehen? Wieso sind nur sieben in der Schreibstube? Es gibt weit mehr Experimentierwillige, die sich nach dem Artikel bei mir gemeldet haben, und weitere, die ich noch gerne dabei hätte, aus der Community ebenso wie von außerhalb, die zum Teil noch gar nichts von ihrem “Glück” wissen. Wieso also nur sieben? Um den Überblick zu behalten, ein Gespür für die Dynamik zu entwickeln, und außerdem kann man nur sieben Dinge gleichzeitig im Gedächtnis behalten. Wie 7 Samurai oder glorreiche 7 – beides gleichzeitig geht nicht. Das muss als fadenscheinige Erklärung für die offensichtliche Willkür genügen. Jetzt sind wir aber bereits an einem Punkt, wo wir den Kreis gerne erweitern würden, in Maßen.

Dazu müssen wir aber zunächst etwas Wesentliches klären: Die Teilnahme an diesem Projekt/Experiment erfolgt rein freiwillig. Versprechen kann ich allen Teilnehmern (mindestens) eine namentliche Nennung, wer will kann auch anonym bleiben. Einen “Credit” verdient sich jeder, der etwas beisteuert, das in die Serie einfließt, oder dazu in sonstiger Form beiträgt. Dabei werde ich differenzieren (Buch, Recherche, Idee, Dank, etc.) so weit es sich aufschlüsseln lässt. Das Personal im Schreibzimmer ist insofern privilegiert, weil deren Mitglieder die “Schöpfung” (created by) gleichberechtigt mit mir teilen, niemand wird dabei bevorzugt genannt. Es ist durchaus möglich, dass wir die Mitgliederzahl dort noch aufstocken, oder eine Art Rotation einführen – wir passen uns den Gegebenheiten flexibel an, so gut es geht.

Dabei machen wir uns zu Nutze, dass “das Internet” nichts vergisst. Jeder Kommentar in der Datenbank (auf unserem Blog ebenso wie auf moviepilot) trägt automatisch einen “Zeitstempel”, nach dem ich mich in Zweifelsfällen richten werde. Geld sollte nicht eure Motivation sein, um an diesem Projekt Teil zu nehmen. Persönliche Profilierung und Pochen auf Urheberrechte ebenfalls nicht. Jeder Beitrag ist wichtig, jeder Kommentar, der uns auf einen “Bug” in unserer Geschichte hinweist, ist willkommen.

Es geht nicht darum den kleinsten gemeinsamen Nenner zu suchen, Kanten zu glätten und Ecken abzuschleifen, dafür sind die TV-Movies zuständig. Wir wollen zunächst fundiert sein, Wurzeln schlagen, damit uns später nichts umwirft. Darauf bauen wir auf, und das Ergebnis soll polarisieren, man wird sich daran verletzen, schneiden, weh tun können. Wenn man Schmerzen hat, weil die Geschichte gut ist, haben wir unser Ziel erreicht. Wer Schmerzen haben will, weil eine hanebüchene Geschichte schlecht erzählt wird, kann aus einem Überangebot die Qual seiner Wahl aussuchen.

Ich verstehe unsere Arbeit auch als eine Form von Protest gegen die Kreativitätsverhinderer in den Sendern, Redaktionen und Gremien. Die bleiben diesmal außen vor. Es kommt der Moment, da werden sie uns kaufen wollen, das Projekt einsacken und übernehmen, diese elenden Haffenlohers – wenn wir uns dann auf sie einlassen, können wir es gleich bleiben lassen. Keine Kompromisse. Wir lassen uns nicht vereinnahmen. Für keinen Preis der Welt. Wir sind Fans. Wir sind süchtig nach guten Geschichten. W. ist unser Manifest. W. vertreiben wir über das Netz, umsonst, in HD auf einem Portal (à la netflix) und vor Ort, in Kinos und wo immer man uns haben will. Als Happening. In echt. Zum anfassen. Auf Augenhöhe. Sektempfänge auf Festivals sind für den Arsch. Dann ist immer noch genug Zeit, um über Geld zu reden. Urheber sind wir alle, und Publikum gleichermaßen. Lasst uns das nicht kaputt machen, und nie wieder jemanden zwischen uns stellen. Schön, das wir das geklärt haben. Stoßen wir darauf an.

Was bleibt ist Prost.

So heißt der Blog, auf dem sich die Willigen fortan treffen, damit wir diese Kolumne nicht länger verstopfen. [Anmerkung von Kängufant: Verstopfen? Ich bin froh, wenn ich Neuigkeiten von euch berichten kann! :)] Wer Anregungen hat, ballert die dort bitte in die Kommentare. Hierher kehren wir dann gerne zurück, wenn wir die Geschichte im Sack haben, und der nächste Schritt ansteht, dann stellen wir sie euch im Detail vor, mit allem Pipapo, um uns anschließend gemeinsam in das Casting zu stürzen.

Bevor es so weit ist, kümmern wir uns ausgiebig um das, was gerne häufig vernachlässigt wird: Eine tief schürfende Recherche.

Wer hier weiter liest riskiert, dass er inhaltliches über die Serie erfährt, an der wir arbeiten. Davon ist noch nichts in Stein gemeißelt, weil wir alle Alternativen abklopfen, die uns nur in den Sinn kommen, um dann beim Vielversprechendsten zu bleiben. Dabei stoßen wir automatisch auf Probleme, die es zu lösen gilt. Mit Grips, Schweiß und Tränen. Blut kommt später. In Strömen.

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moviepilot Team
Kängufant Andreas Gerold
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Lovely, in a fluffy, moist kind of way.
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