Warum der neue Ghostbusters 3 eine filmgewordene Midlife-Crisis wird

Ghostbusters in der Midlife-Crisis
© Sony Pictures/Paramount Pictures
Ghostbusters in der Midlife-Crisis
moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
folgen
du folgst
entfolgen
Schaut zu viel ins Internet.

Jason Reitman dreht einen neuen Ghostbusters-Film. Diese Meldung sorgte am Mittwoch in der Filmwelt für Aufruhr, als verkündet wurde, dass sich die Wiederbelebung des Franchise als Fortsetzung zu den Originalfilmen mit Billy Murray und Co. versteht. Im Sommer 2020 sollen die Geisterjäger wieder mit dem Ecto-1 durch New Yorks Straßen fahren, wobei der kurze Zeit später veröffentlichte Teaser-Trailer zu Ghostbusters 3 ein ländliches Setting in Aussicht stellte. Ausgehend von der Atmosphäre hatte dieses mehr mit dem Retro-Charme von Stranger Things gemein als mit Paul Feigs ambitionierten Reboot, das 2016 für humorvolle Unterhaltung in den Kinos sorgte. Doch wie fügt sich nun Jason Reitman in das Ghostbusters-Franchise?

Ghostbusters 3 als Familienprojekt von Vater und Sohn

Jason Reitman ist der Sohn von Ivan Reitman, seines Zeichens Regisseur von Ghostbusters - Die Geisterjäger und Ghostbusters 2, und damit geradezu prädestiniert für den Job. Im großen Entertainment Weekly-Bericht zur spektakulären Enthüllung des heimlich vorbereitete Sequels wird Jason Reitman als Junge umschrieben, der die hochbudgierten Komödien seines Vaters verehrte und - wie jedes Kind in den 1980er Jahren - komplett besessen von den Abenteuern der Geisterjäger war. "Ich liebe alles, was mit [Ghostbusters] zu tun hat. Die Ikonografie. Die Musik. Den Tonfall", schwärmt Jason Reitman und tatsächlich liest sich das Narrativ von Ghostbusters 3 bisher wie die längst Überfällige Zusammenarbeit von Vater und Sohn.

Erinnerungen an Solo: A Star Wars Story werden wach, der ebenfalls ein filmschaffendes Vater-Sohn-Gespann vereinte: Star Wars-Veteran Lawrence Kasdan schrieb gemeinsam mit seinem Sohn Jonathan das Drehbuch, wodurch die Übergabe des Staffelstabs nicht nur vor der Kamera, sondern auch hinter den Kulissen des Films stattfand. Junge Helden bestimmen heutzutage alte Filmreihen. Im Fall von Ghostbusters 3 fühlt sich die Zusammenführung der zwei verwandten Generationen allerdings eher wie Gatekeeping an. Das Franchise soll in der Familie bleiben, was den Fans aus unterschiedlichen Gründen mehr Zuversicht spendet als der frische Wind, mit dem Paul Feig vor zwei Jahren festgefahrene Strukturen aufrütteln wollte. Bereit war die Welt dafür offenbar noch nicht.

Jason Reitman hat Ghostbusters längst hinter sich gelassen

Was außerdem verblüfft: Wo Jonathan Kasdan bisher immer noch dabei ist, auszutesten, wie er sich als Regisseur und Drehbuchautor in der Filmlandschaft positionieren will, hat Jason Reitman längst seine eigene Stimme gefunden. Er ist ein etablierter Filmemacher, der nicht mehr im Schatten seines Vaters steht. Im Gegenteil: Selbst wenn seine Filme in den letzten Jahren kaum noch an den Kinokassen zu überzeugen wussten, zieht sich ein klarer roter Faden an thematischen Schwerpunkten durch sein Werk, wobei sämtliche Erkennungsmerkmale in seinen ersten zwei Langfilmen verborgen sind: Thank You for Smoking und Juno. Hier vereinen sich die bissigen, frechen und schwarzhumorigen Aspekte seines Schaffens mit einem aufrichtigen Interessen an dem zerrissenen Innenleben seiner Figuren.

Jason Reistmans Filme sind süß und knuddelig, extrem kurzweilig und stets mit dem perfekten Soundtrack verknüpft, wie es Up in the Air vormacht. Mitunter sind sie aber auch unglaublich düster und abgründig. Der Balanceakt zwischen den zwei auf den ersten Blick unvereinbaren Seiten einer Geschichte zeichnet die plötzliche Schwangerschaft der jungen Juno genauso aus wie den Werdegang des skrupellosen Lobbyisten Nick Naylor, der den Menschen im härtesten Kontrast zum neu geborenen Leben den Tod verkauft. Selbst wenn sich eine Tendenz zur Juno-Ecke in Reitmans späteren Werken entdecken lässt, schlummert auch in Labor Day etwas unheimlich Bedrohliches, während Young Adult und Tully zu keiner Sekunde davor zurückschrecken, die ungemütlichen Facetten des Erwachsenseins zu illustrieren.

Ghostbusters 3 als ultimative Midlife-Crisis

Schon in Juno kündigte sich dieser Konflikt an, der Jason Reitman bis heute beschäftigt. In allen Phasen seiner Karriere existiert sie, diese gewisse Hässlichkeit, die Charlize Theron weder in ihren 30ern (Young Adult) noch in ihren 40ern (Tully) mit Schminke verdecken kann und will. Zynisch ziehen Jason Reitmans Filme mit ihren Figuren jedoch nie ins Gericht, vielmehr stürzen sie gemeinsam mit ihnen ins Chaos, das in einem vorzugsweise von Diablo Cody geschriebenen Drehbuch steht. Drei von Reitmans besten Werken hat Cody federführend begleitend und damit drei aufwühlende Lebensphasen abgedeckt, die auch den Regisseur an einen Punkt gebracht haben, wo sich ein Ghostbusters-Film wie die Rückkehr an einen Ort anfühlt, den er hinter sich gelassen hat.

Geisterjäger in der Midlife-Crisis wäre fraglos ein verheißungsvolles Konzept für Ghostbusters 3, zumal sich Bill Murray spätestens seit Lost in Translation für Figuren empfiehlt, die ebenso bei Jason Reitman auftreten könnten. Die bisher bekannten Informationen lassen allerdings einen Film erwarten, der Reitman in eine nostalgische Ecke drängt, der er als Sohn seines Vaters sicherlich nicht abgeneigt ist, die ihn trotzdem nicht weiterbringt. Vielleicht aber ist Ghostbusters 3 auch einfach nur die Midlife-Crisis von Jason Reitman, der in der Scheune seiner Eltern des Ecto-1 entdeckt hat und die nächsten eineinhalb Jahre damit verbringt, den Motor zu reparieren, ehe er bereit dafür ist, gemeinsam mit Charlize Theron und Diablo Cody das Leben mit 50 in Angriff zu nehmen.

Was haltet ihr von Jason Reitman als Regisseur für Ghostbusters 3?

moviepilot Team
Beeblebrox Matthias Hopf
folgen
du folgst
entfolgen
Schaut zu viel ins Internet.
Deine Meinung zum Artikel Warum der neue Ghostbusters 3 eine filmgewordene Midlife-Crisis wird
7e6a21fcc9834fa18caaf9d33a576b09