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Warum Spike Lees Do the Right Thing auch heute noch relevant ist

Do The Right Thing - Trailer (English)
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Do the Right Thing mit Bill NunnAbspielen
© Universal
Do the Right Thing mit Bill Nunn
26.09.2017 - 08:50 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Beinahe 30 Jahre nach dem Kinostart von Do the Right Thing ist die in Spike Lees Tragikomödie behandelte Thematik immer noch aktuell. Mein Herz für Klassiker erklärt euch, warum das so ist.

28 Jahre nachdem Do the Right Thing Premiere feierte und Spike Lee endgültig als Begründer des New Black Cinema zementierte, ist das Drama um Rassismus, Gentrifizierung und Polizeigewalt aktuell wie eh und je. Der kontroverse Filmemacher Lee gilt als Entdecker von Hollywood-Größen wie Samuel L. Jackson, Denzel Washington und Martin Lawrence. Allerdings hat Spike Lee sich während seiner über drei Jahrzehnte andauernden Karriere nicht nur Freunde gemacht. Häufig wird er ihm umgekehrter Rassismus angekreidet, der in Do the Right Thing zwar nicht so sehr zum Vorschein tritt, sich aber in späteren Werken öfter zeigt. Kritiker werfen ihm vor allem vor, zu stark mit rassistischen Stereotypen zu spielen und die Afroamerikaner als überlegen darzustellen. Dadurch widerspräche er seinen eigenen Aussagen gegen Rassismus. Mit seinem Einfluss auf afroamerikanische Filmemacher und dem Kampf für mehr Gerechtigkeit in Hollywood hat er sich seinen Ruf als großer Regisseur jedoch redlich verdient und konnte dafür 2015 auch einen Ehrenoscar einheimsen. Das Multitalent hat bei Do the Right Thing nicht nur Regie geführt und das Drehbuch geschrieben, sondern auch die Hauptrolle übernommen.

Mookie (Spike Lee) bei der Arbeit in Sals (Danny Aiello) Pizzeria

Eine Hitzewelle sorgt für aggressives Klima in Brooklyn
Es ist extrem heiß in New York City. Abgesehen davon scheint es in Do the Right Thing erstmal ein ganz normaler Tag zu werden. Pizzabote Mookie (Spike Lee) macht sich auf den Weg zur Arbeit für Sals (Danny Aiello) Restaurant, wo er sich wie immer mit Pino (John Turturro), dem rassistischen Sohn seines Chefs, rumschlagen muss. Mit steigenden Temperaturen steigt allerdings auch die aggressive Spannung in Bedford-Stuyvesant, dem Teil von Brooklyn, in dem Mookie und seine Freunde zuhause sind. Besonders stechen dabei die beiden Charaktere Buggin' Out (Giancarlo Esposito) und Radio Raheem (Bill Nunn) heraus. Nachdem ein Weißer, der sich in der Nachbarschaft ein Haus gekauft hat, Buggin' Out auf seine brandneuen Schuhe gestiegen ist, ist der sowieso schon auf 180. Seine Wut auf die voranschreitende Gentrifizierung der Nachbarschaft lässt ihn allerdings blöd ausschauen, als sich herausstellt, dass sein Gegenüber ebenfalls in Brooklyn aufgewachsen ist. Den angestauten Zorn lässt er dann an Sal aus, da der an seiner Wand in der Pizzeria nur Bilder berühmter Italiener hängen hat.

Buggin Outs Schuhe erreichten durch den Film Kultstatus und sind unter Sammlern heiß begehrt

Gemeinsam mit seinem Freund Radio Raheem, ein hochgewachsener Koloss, der in der ganzen Nachbarschaft respektiert wird, und Smiley, der Postkarten von Malcolm X und Martin Luther King verkauft, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, beschließt er, das Restaurant zu boykottieren. Die Lage spitzt sich zu, bis die Situation in der Nacht eskaliert.

Radio Raheem als Bild für den Zusammenhalt in der Nachbarschaft
Besonders bedrohlich wirkt der stille Riese Radio Raheem. Seinen Namen hat er dem Ghettoblaster zu verdanken, den er ständig bei sich hat, um die Nachbarschaft mit Rapmusik zu beschallen (passenderweise mit Public Enemys Lied Fight The Power, für dessen Musikvideo sich auch Spike Lee verantwortlich zeigt). Unter der harten Schale verbirgt sich aber ein smarter Kerl, für den das Gleichgewicht zwischen Liebe und Hass sehr wichtig ist. Diese Metaphorik zieht sich durch den ganzen Film, denn wenn Liebe und Hass im inneren Radio Raheems aus dem Gleichgewicht geraten, gerät die gesamte Situation außer Kontrolle. Radio Raheem wird von Spike Lee quasi als ein Bild für das friedliche Zusammenleben in Bed-Stuy eingesetzt, das heute beinahe vollständig gentrifiziert ist.

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Schräge Winkel und warme Farben verbildlichen die Spannungen im Viertel
Um die aggressive Grundstimmung und die unausstehliche Temperatur an diesem Tag in Brooklyn einzufangen, hat Spike Lee sich zahlreicher Tricks bedient. Um das Flimmern der Hitze darzustellen, stellte er brennende Tonnen in unmittelbarer Nähe der Kameras auf. Außerdem spielte er mit den Farben und wählte warme Farbtöne. Viele Charaktere tragen gelbe und rote Kleidung, der Orangestich im Bild wurde erreicht, indem der Weißabgleich auf den blauen Himmel eingestellt wurde. Um beim Zuschauer für Unbehagen zu sorgen, wurde auch viel mit Dutch Angles experimentiert: Die schief aufgenommenen Szenen wirken surreal und desorientieren das Publikum. Die Art und Weise, wie die Akteure in den überspitzten Szenen oft direkt in die Kamera sprechen, gibt dem Zuschauer auch das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Besonders auffällig ist das in der berühmten Szene, in der Charaktere unterschiedlichster Ethnien mit übertriebenen Vorurteilen spielen und sich gegeneinander aufhetzen.

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Do the Right Things Relevanz in der heutigen Zeit
Leider sind die von Spike Lee gezeigten Probleme auch im Jahr 2017 noch aktuell. Allen voran die Gewalt durch Polizisten, die in den vergangen Jahren für zahlreiche Tote und Aufstände sorgte. Auch die von Buggin' Out angesprochene Gentrifizierung ist noch ein Problem. Die im Film gezeigten Charaktere könnten sich ihre Wohnungen heute nicht mehr leisten, da Bed-Stuy, die Heimat zahlreicher berühmter Schauspieler und Musiker, langsam zum Szeneviertel mutiert. Auch wenn Spike Lee die Thematik spielerisch und humorvoll darstellt, steckt eine traurige Wahrheit dahinter. Umso schlimmer, dass diese Aspekte knapp 30 Jahre später immer noch so eine große Rolle im Alltag der USA spielen.

Was haltet ihr von Do the Right Thing?

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