Warum Walter White Better Call Saul lieber fernbleiben sollte

Better Call Saul - S04 Trailer Comic-Con (English) HD
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Walter White vs. Jimmy McGill
25.07.2018 - 09:00 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Walter White kommt Better Call Saul gefährlich nahe - womöglich zu nahe, wenn wir Vince Gilligans Worten Glauben schenken dürfte. Besser wäre es jedoch, wenn Mr. Heisenberg dem Niedergang von Jimmy McGill fernbleiben würde.

Die San Diego Comic-Con war ein Fest für alle Fans von Better Call Saul und Breaking Bad. Während auf der einen Seite die neue Staffel rund um den von Bob Odenkirk verkörperten Anwalt Jimmy McGill mit allen erdenklichen Mitteln beworben wurde, gab es auf der anderen Seite zehn Jahre munteres Meth-Kochen zu feiern. Den größten Spaß hatte Breaking Bad-Schöpfer Vince Gilligan, der beide Serien langsam, aber sicher zusammenzuführen möchte. Abseits der üblichen Referenzen soll sich Better Call Saul in absehbarer Zeit mit den Geschehnissen der Mutterserie überschneiden, von einem Wiedersehen mit Walter White (Bryan Cranston) und Jesse Pinkman (Aaron Paul) ganz zu schweigen. Aller hinreißenden Verlockung zum Trotz sollte Heisenberg der Transformation von Jimmy McGill zu Saul Goodman aber fernbleiben, selbst wenn beide Schicksale später unmittelbar miteinander verknüpft sind.

Better Call Saul besitzt etwas, das viel wertvoller ist als Walter White

Zuerst sei an dieser Stelle erwähnt, dass Vince Gilligan nie verlegen war, eine frühere oder spätere Zusammenkunft von Better Call Saul und Breaking Bad in Aussicht zu stellen. Noch lange, bevor die erste Episode des Spin-offs überhaupt auf AMC ausgestrahlt wurde, meldete er sich mit kryptischen Andeutungen zu Wort, die Better Call Saul sowohl die Möglichkeit eines Prequels als auch eines Sequels gewährten. Zu diesem Zeitpunkt wusste er vermutlich aber selbst noch nicht, wie sich Jimmy McGills Niedergang genau entwickeln wird, wenngleich die Richtung von Anfang an vorgegeben war. Tatsächlich hat Better Caull Saul in den vergangenen drei Jahren das geschafft, was nur den wenigsten Vertretern seiner Gattung gelingt und trotz eines extrem prägenden wie erfolgreichen Vorbilds eine unverkennbare Stimme gefunden. So ist der Ableger zweifelsohne im Breaking Bad-Universum angesiedelt, folgt als Serie aber seinem eigenen Takt.

Better Call Saul

In einer Welt, in der Film- und Serien-Universen nicht nur hinsichtlich der Handlung, sondern auch in puncto Umsetzung kohärent bleiben sollen, ist es geradezu erstaunlich, wie sperrig sich Better Call Saul auf den ersten Blick im Gegensatz zu Breaking Bad anfühlt. Die Faszination um einen Antihelden wie Walter White lässt sich mit einem Blick auf die Seriengeschichte schnell erklären. Eine unendlich tragische Figur wie Jimmy McGill hingegen benötigt deutlich mehr Raffinesse und Fingerspitzengefühl im Buch und der Inszenierung, um sich aus dem Schatten der Mutterserie hinauszubewegen. Dazu kommt eine Verlagerung des Schauplatzes von der coolen improvisierten Meth-Küche im Wohnwagen hin zu den unterkühlten Räume einer Anwaltskanzlei - so selbstverständlich Better Call Saul in regelmäßigen Abständen auf seine Breaking Bad-Wurzeln verweist, so deutlich ist der Bruch mit den etablierten Mechanismen der Heisenberg-Saga.

Ein Spin-off muss nicht zur Mutterserie werden, um zu gewinnen

Gerade diese Verweise entpuppten sich als ideale Dosis, um einerseits den Bezug zum Vorgänger herzustellen und andererseits den steinigen Weg zu Saul Goodman vorzubereiten. Was Better Call Saul bisher aber dazwischen gelungen ist, gleicht mindestens einem Kunststück, gerade im Hinblick auf anderweitige Spin-offs, die sichtlich damit kämpfen, sich von ihrer Mutterserie zu emanzipieren. Als aktuell prominentestes und ebenfalls aus dem Haus AMC stammendes Beispiel kann hierfür etwa die Entwicklung von Fear the Walking Dead genommen werden: Stand anfangs noch eine Idee im Raum, die bewusst einen anderen Blickwinkel auf die Zombie-Apokalypse wählte, näherte sich die Serie zunehmend The Walking Dead an, sowohl auf inhaltlicher als auch stilistischer Ebene. Die Krönung erfolgte vor wenigen Monaten mit dem Übergang einer Hauptfigur, die das Spin-off endgültig in einen Klon des Originals verwandelte.

Breaking Bad

Better Call Saul hingegeben hat den Kontrast stetig ausgebaut, eine eigene Dynamik gefunden - und vor allem Figuren geschaffen, die so gut geschrieben sind, dass sie problemlos auch in jedem anderen Serien-Universum überleben würden. Es wäre zu schade, wenn durch die Dominanz einer ikonischen Figur wie Walter White dieser kostbare Diamant Better Call Saul, der noch lange nicht fertig geschliffen ist, seiner Chance beraubt werden würde, selbst Seriengeschichte zu schreiben. Nicht zuletzt funktioniert Breaking Bad rückblickend in seinen fünf Staffeln so gut, weil die Geschichte einen klaren Anfang und ein klares Ende hat - eine Rarität im Zeitalter der Reboots und Sequels.

Mehr: Neue Staffeln für Better Call Saul und Fear the Walking Dead

Natürlich bringt Walter Whites Rückkehr einige Reize mit sich, besonders dann, wenn die Möglichkeit der Parallelmontage greift. Unter der Aufsicht von Vince Gilligan und Co-Creator Peter Gould, die ihre Geschichten stets wohl überlegt konstruieren, dürfte außerdem gewährleistet sein, dass belangloser Fanservice kein Thema ist. Die Frage ist trotzdem, ob es sich dafür lohnt, ein souveräne Monument wie Better Call Saul einzureißen und den Übergang auszubuchstabieren, wo Jimmy McGills Niedergang alleine Stoff genug ist, um Herzen zu brechen und Gänsehaut am Ende der finalen Episoden zu garantieren.

Wollt ihr Walter White in Better Call Saul sehen?

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