Ashton Kutcher vs. Michael Fassbender

Wer ist der bessere Steve Jobs?

© Concorde/Public Domain/Universal Pictures
Steve Jobs und seine Filmversionen
21.11.2015 - 09:00 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Danny Boyles Steve Jobs ist nicht die einzige Adaption der Biografie des verstorbenen Apple-CEO. Schon 2013 wurde die Lebensgeschichte des Milliardärs mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle verfilmt. Wir haben uns die beiden Steve Jobs genauer angeschaut.

Letzte Woche startete das neue Biopic Steve Jobs des oscarprämierten Regisseurs Danny Boyle in den deutschen Kinos. Der Film über den 2011 verstorbenen Apple-CEO basiert auf der offiziellen Biografie von Walter Isaacson und ist bereits der zweite Steve Jobs-Film innerhalb von drei Jahren. Schon 2013 wurde dem berühmten Geschäftsmann unter dem Titel jOBS - Die Erfolgsstory von Steve Jobs eine Filmbiografie gewidmet. Damals übernahm Ashton Kutcher (Two and a Half Men) die Hauptrolle, in Boyles Werk wird Jobs von X-Men-Star Michael Fassbender porträtiert. Wir haben uns die Unterschiede beider Steve Jobs-Darstellungen einmal genauer angeschaut.

Steve Jobs als cholerischer Hippie

Die Verfilmung der Steve Jobs-Story von 2013 stammt aus der Feder des Newcomers Matt Whiteley und wurde von dem fast ebenso unbekannten Regisseur Joshua Michael Stern adaptiert. Der Film legt den Fokus auf die Entstehungsgeschichte von Apple und den Aufstieg des Collegeabbrechers Steve Jobs zum milliardenschweren CEO. Zu Beginn des Films wird Jobs als barfüßiger, mit Drogen experimentierender Hippie charakterisiert. Der junge Jobs ist vorlaut und hat gute Ideen, kann aber, auch wegen seiner entspannten Einstellung zur Körperhygiene, nicht gut mit anderen Leuten zusammenarbeiten.

Zusammen mit seinem Freund Steve Wozniak (Josh Gad) gründet er aus der Garage seiner Adoptiveltern heraus die Computerfirma Apple. Dabei arbeitet Jobs immer fokussierter, wird aber auch immer aggressiver und rücksichtsloser gegenüber seinen Freunden. Ashton Kutcher sieht dem echten Jobs erstaunlich ähnlich und hat auch seinen Gang und seine Aussprache dem verstorbenen Apple-Boss angepasst. Kutchers Jobs schreit und weint viel, streitet die Vaterschaft seiner Tochter Lisa vehement ab und ist in Konfrontationen mit seinen Mitarbeitern laut und unnachgiebig.

Die Kritiker waren von Kutchers Darstellung insgesamt positiv überrascht. Die große Ähnlichkeit des Schauspielers mit dem realen Steve Jobs und Kutchers ambitionierte Performance wird immer wieder hervorgehoben wie hier in einer Kritik des Rolling Stone Magazine :

Kutcher trifft den Nagel auf den Kopf. Er fängt mit seiner dezenten aber umwerfenden Darstellung das Genie und den Narzissmus ein.

Allerdings fiel es vielen Kritikern schwer, Kutchers Comedy-Vergangenheit vollständig auszublenden. Auch die Schwächen im Drehbuch habe Kutchers Engagement nicht wettmachen können. Während es dem Schauspieler gelang, den immer stärker werdenden Ehrgeiz und Perfektionismus seines realen Vorbilds körperlich und mimisch auszudrücken, habe das Skript nicht mithalten können, heißt es beispielsweise bei Indiewire .

Steve Jobs als verkorkstes Adoptivkind

Danny Boyles Steve Jobs legt den Fokus komplett anders als jOBS. Der Film ist in drei Akte aufgeteilt, die jeweils in Echtzeit vor wichtigen Produktpräsentationen spielen. Diese besondere Dramaturgie bedeutet, dass der Protagonist ausschließlich in extrem angespannten Situationen gezeigt wird. Er gerät von einer Konfrontation in die nächste und wird ununterbrochen als herablassend, besessen, irritierend oder paranoid bezeichnet. Auf der anderen Seite erlaubt der größere Fokus auf die soziale und persönliche Seite von Steve Jobs einen tieferen Einblick in die Psyche der Figur.

Dieser Film-Jobs wurde sichtbar von seinen Erfahrungen als Adoptivkind geprägt, was sich in seiner Sturheit und dem Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen widerspiegelt. Insgesamt spielt die problematische Beziehung zu seiner Tochter eine sehr viel größere Rolle als in dem Film mit Ashton Kutcher. In Steve Jobs porträtiert Michael Fassbender den Apple-CEO als einen Mann, der sich trotz aller Härte und Arroganz immer wieder selbst hinterfragt und eine innige, auf scharfem Humor gründende Beziehung zu seiner Marketing-Managerin Joanna Hoffmann (Kate Winslet) pflegt. Danny Boyles Version der Geschichte erlaubt sich viele kreative Freiheiten, denn kaum eine der dargestellten Situationen hat tatsächlich so stattgefunden. Demnach muss auch der Erklärungsversuch für Jobs' Verhalten als Interpretation der Filmemacher angesehen werden.

Im Vergleich zu jOBS mit Ashton Kutcher fiel vielen Kritikern auf, wie wenig Ähnlichkeit Michael Fassbender mit Steve Jobs hat. Trotzdem sei Fassbenders Leistung ausgesprochen flüssig, mitreißend und wild. Fassbender fände die richtige Mischung zwischen intellektuellem Charme, beißendem Witz und starker, unnachgiebiger Persönlichkeit. Bei Variety  heißt es:

Fassbender überwindet die offensichtliche Casting-Hürde (er sieht überhaupt nicht wie Jobs aus, dessen arabisch-amerikanische Herkunft kurz angesprochen wird) und liefert eine packende Performance ab, die sehr gut in sein achtenswertes Resümee passt. Dass der Schauspieler in jeder Minute auf der Leinwand ist, ist umso besser, da es unmöglich ist, die Augen oder Ohren von ihm abzuwenden. Das ist ein Schauspieler, der genau weiß, wie man Sorkins Dialoge vortragen muss, mit der richtigen Betonung, Selbstbewusstsein und Autorität.

Das Fazit

Welches der bessere Film ist, lässt sich einfacher beurteilen als die bessere Steve Jobs-Interpretation. Beide Versionen verfolgen trotz unterschiedlicher Ansätze im Grunde das gleiche Ziel: Ein vielschichtiges Steve Jobs-Porträt, das die richtige Balance zwischen inspirierendem Genie auf der einen und arrogantem Egozentriker auf der anderen Seite findet. Ashton Kutcher gibt in jOBS sein Bestes, um genau das zu machen, trotzdem fehlt dem Film insgesamt eine menschliche Komponente, die dem Zuschauer einen Einblick in die Psyche von dem Apple-Boss gestatten würde. Während jOBS sicher die objektivere Darstellung von Jobs' Persönlichkeit ist und Ashton Kutcher dem echten Jobs visuell näher kommt, wird die konventionell erzählte Story dadurch nicht mitreißender.

Die intensive Darbietung Fassbenders lässt Steve Jobs am Anfang des Films grausamer und furchterregender erscheinen als Kutchers etwas karikaturartige Ausraster. Danny Boyle und Aaron Sorkin haben es zwar mit der Faktentreue nicht so genau genommen, der außergewöhnliche Aufbau des Films verhindert jedoch, dass den Filmemachern daraus ein Strick gedreht werden kann. Boyle ging es eindeutig nicht darum, das Leben und die Erfolgsgeschichte des Apple-Chefs haargenau nachzuerzählen. Der Fokus liegt viel eher auf dem Menschen Steve Jobs und bietet einen, wenn auch fiktionalen, Erklärungsansatz für seinen problematischen Charakter sowie die faszinierende Anziehungskraft des erfolgreichen Geschäftsmannes.

Ashton Kutcher oder Michael Fassbender - Wer ist der bessere Jobs?

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