Wie alles bei Laurent Cantet begann: Die Klasse

Die Klasse
© Concorde
Die Klasse

Die Klasse unter der Regie von Laurent Cantet ist der Gewinner des letzten Filmfestivals in Cannes. Von Kritikern hochgelobt kommt Film, der mit Laiendarstellern entstand, an diesem Donnerstag in die Kinos. Der Regisseur erzählt …

… wie alles begann…
Vor den Dreharbeiten zu In den Süden hatte ich die Idee, einen Film über das Leben in der Schule zu machen. Ein Film, der innerhalb des Schulgeländes spielen sollte. Das war die Zeit, in der die Leute die Schule gerne zu einem Heiligtum hochstilisierten. Ich dagegen wollte sie zeigen wie einen Klangkörper, einen Mikrokosmos, in dem es ganz konkret um Chancengleichheit und Chancenungleichheit geht, um Arbeit und Macht, um kulturelle und soziale Integration und um Ausgrenzung. Ich hatte sogar schon eine Szene entwickelt über einen Disziplinarausschuss als eine Art “schwarze Box” der Schule.

Nach dem Start von In den Süden traf ich François Bégaudeau, der gerade sein neues Buch “Entre les Murs” präsentierte. Seine Ausführungen standen im Gegensatz zu den sonstigen Strafpredigten gegen die Schule von heute: Ein Lehrer schrieb sich nicht den Zorn vom Leib und zeichnete Schüler als undisziplinierte Wilde oder Dummköpfe. Als ich das Buch las, hatte ich das Gefühl, dass es in zwei Richtungen etwas zu meinem Projekt beitragen könnte. Zum einen Material und die dokumentarische Unterstützung die ich brauchte, und zum anderen Inspiration durch die Persönlichkeit von François Bégaudeau, seine sehr direkte Beziehung zu den Schülern. In ihm wurden die unterschiedlichen Aspekte der Lehrer, wie ich sie mir vorgestellt hatte, zusammengefasst und personalisiert.

Wir wollten nicht sofort einen narrativen Faden, sondern dass sich die Figuren sukzessive entwickelten, ohne dass man diese Entwicklung voraussehen konnte. Der Film ist zuallererst eine Geschichte über das Leben einer Schulklasse: eine Gemeinschaft von 24 bunt zusammen gewürfelten Individuen, die es für ein Jahr miteinander aushalten und miteinander arbeiten sollen. Souleymane ist anfänglich nicht mehr als einer der Schüler dieser Klasse, unterscheidet sich nicht von den anderen. Nach ungefähr einer Stunde wendet sich die Handlung und er wird zum Zentrum einer Geschichte. Erst rückblickend merkt man, wie alles schon darauf angelegt war.

Wir schrieben eine ursprüngliche Synopsis, das Rückgrat des Films. Die konnte während des Vorbereitungsjahres geändert und modifiziert werden, wie ich es schon bei jobkiller-eine-moerderische-karriere versucht hatte. Die Ausgangsidee war, eine real existierende Schule zu nehmen und während des Filmemachens alle am Schulleben-Beteiligten zu integrieren. Unsere erste Anlaufstelle war die François Bégaudeau Dolto-Schule im 20. Pariser Bezirk und sie entpuppte sich sofort als die richtige (nur die Bauarbeiten hinderten uns, dort auch zu drehen). Alle Kids im Film sind Schüler dieser Einrichtung, alle Lehrer unterrichten dort, auch Julie Athénol als Vertrauenslehrerin und Direktor-Assistent Monsieur Simonet. Alle außer Souleymanes Mutter, die am meisten fiktionalisierte Rolle, sind im Film die echten Eltern.

Copyright: Mit Material von Concorde / Das Interview führte Philippe Mangeot

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