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Felina

Wir schauen Breaking Bad - Staffel 5, Folge 16

02.10.2013 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Breaking Bad
© AMC
Breaking Bad
Mittlerweile dürften alle Tränen getrocknet und somit der ideale Zeitpunkt gekommen sein, um das große Breaking Bad-Serienfinale Revue passieren zu lassen. Ein letztes Mal.

Nun ist es also vorbei. Nach jahrelangem Spekulieren, welches Ende Walter White nach all dem Auf und Ab finden wird, konfrontiert uns Vince Gilligan mit einem denkwürdigen Finale, das die Gemüter wohl kaum spalten, dafür aber Breaking Bad endgültig einen besonderen Platz in den Fanherzen sichern wird. Wir blicken zurück auf ein Serienfinale, um welches bereits im Vorfeld ein unvergleichlicher Hype generiert wurde und welches die TV-Landschaft wohl auch nicht so schnell vergessen wird.

Was ist passiert?
Walter White (Bryan Cranston) kehrt zurück nach Albuquerque, um seinen ursprünglichen Masterplan doch noch so gut es geht in die Tat umzusetzen. Vollkommen im Heisenberg-Modus setzt er Elliot und Gretchen so unter Druck, dass sie sich darum kümmern werden, dass sein Geld Skyler (Anna Gunn) und die Kinder erreicht, sobald Walt weg ist. Bevor er aber zum großen Vergeltungsschlag ausholt, verabschiedet er sich von Frau und Tochter; für Flynn (RJ Mitte) hingegen muss ein Blick aus der Ferne reichen. Dann beginnt das, worauf wir alle gewartet haben: Während Lydia (Laura Fraser) durch das Rizin langsam zu Grunde geht, trifft Walt sich mit Todd (Jesse Plemons) und den Nazis, um sie alle auszuschalten. Er richtet ein Blutbad sondergleichen an, vermag es aber, Jesse aus seiner Gefangenschaft zu befreien. Nicht aber, ohne einen Preis zu zahlen: Seinem ferngesteuerten Kugelhagel kann Walt selbst nicht unversehrt entkommen und so erliegt er seiner Verletzung im Methlabor.

Was wurde im Vorfeld nicht alles spekuliert. Die wildesten Theorien reichten sich die Klinke in die Hand, von der kompletten Ausrottung der Familie White bis hin zur Einbindung von Gretchen und Elliot in Meth-Machenschaften war den Fans kein Ausgang der Serie unvorstellbar oder zu radikal. Überraschenderweise entschied sich Gilligan dann doch für eine denkbar simple Auflösung. Das Autorenteam hat sich in den fünf Staffeln durch zahlreiche unvorhersehbare Wendungen in eine Position manövriert, von der es aus Sicht vieler Fans (mich eingeschlossen) nicht möglich war, das Finale so zu gestalten, wie wir es gesehen haben. Dieses Ende ist entgegen den Erwartungen ein nicht sehr gewagtes; es geht ganz offensichtlich auf Nummer sicher und wird wohl auch nicht so polarisieren, wie Vince Gilligan es angekündigt hatte. Dafür ist es dann doch zu harmlos. Ich kann nicht leugnen, dass mich dieser Umstand im ersten Moment ein wenig verblüfft zurückgelassen hat. Das heißt nicht, dass ich die 55 Minuten nicht in vollen Zügen genossen habe. Und überhaupt wird Felina immer besser, umso mehr ich darüber nachdenke: Gilligan macht in vielerlei Hinsicht so viel richtig, dass es unmöglich ist, das Finale ernsthaft als unbefriedigend zu empfinden.

Der schönste Fakt vorneweg: Jesse lebt. Nach all den Tiefschlägen, die er in Vergangenheit einstecken musste, wäre sein Tod auch ein vollkommen unverdientes Ende gewesen. Dass Erfreuende an seinem Überleben ist vor allem die Art und Weise, wie er sich aus der Serie verabschiedet. Vor Freude schreiend, endgültig von all dem Bösen erlöst, was so lange an ihm haftete. Es ist ein wundervoller, zutiefst erwärmender Moment, ihn in diesem Zustand davonfahren zu sehen, in der leisen Hoffnung, dass er seine Vergangenheit ein für alle Mal hinter sich lassen kann.

Doch nun zu unserem geschätzten Heisenberg. Wenn Gretchen und Elliot abends nach Hause kommen und durch ihre Villa gehen, während wir Walt im Hintergrund wie einen Geist umherwandern sehen, ist das ein inszenatorisches Feingefühl, das Seinesgleichen sucht. Der packende Suspense entblößt nervenzerrend langsam Walters Intention seines Besuchs, die für uns als Zuschauer nicht wirklich klar ist und offenbart schlussendlich seine letzte Hoffnung, das viele Geld doch noch zu seiner Familie bringen zu können. Überhaupt sollte jemand Vince Gilligan für diese letzte Regiearbeit mal auf die Schulter klopfen: Anstatt das Finale – wie es viele sicherlich erwartet hätten – in rumpelndem Getöse zu ertränken, lässt er es zwar mit stoischer Ruhe ausklingen, verliert aber in keinem Frame die Intensität, die es dem Zuschauer verbietet, auch nur zu blinzeln. Zudem schlägt dieses verblüffend leise Finale den perfekten Bogen zu der Entwicklung seines Protagonisten, doch dazu später mehr.

Den womöglich schönsten und befriedigendsten Moment der gesamten Episode erleben wir in Skylers neuer Unterkunft. Walter steht ihr gegenüber und beide ahnen, dass es ihr letztes Gespräch sein wird. Jeder gesprochene Satz ruft Schmerzen hervor, bevor Walter White zum ersten Mal die reine Wahrheit spricht und zugibt, dass er alles nur für sich getan hat. Bis zu diesem Moment habe ich ernsthaft geglaubt, dass Walt die Folge lebend verlässt, doch nach diesem kurzen, trockenen Geständnis war sein Schicksal eindeutig. Dieser Mann hat seine Maskerade, die er so vehement und mit allen Mitteln versucht hat aufrechtzuerhalten, über Bord geworfen. Spürbarer könnte Resignation nicht sein, vor allem da er in diesem Moment eher wirkt, als würde er zu sich selber sprechen. Niemanden hat er je so erfolgreich belogen wie sich selbst. Mit diesem einen Satz hat er den Frieden mit sich selbst geschlossen und erstmals den Mut gefasst, sich selbst einzugestehen, wer er wirklich ist. Zu so einem Akt kann nur ein Mann in der Lage sein, der bereits dem Tod ins Auge blickt.

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