Walk of Punishment

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 3, Folge 3

Better Call Dany
© HBO
Better Call Dany

Walk of Punishment, die dritte Episode von Staffel 3, ist eine klassische Game of Thrones -Folge. Damit ist weniger ihr Eingang in einen Kanon gemeint (wobei das Ende darauf drängt). Vielmehr führt Walk of Punishment vor, wie Game of Thrones seine verschiedenen Herausforderungen zu meistern sucht, namentlich die der populären Unterhaltung, seriellen Erzählung und der Wahrung des Quality-TV-Stempels, der mit dem grieseligen HBO-Vorspann einhergeht. Über weite Strecken gelingt dies mit der Souveränität, die wir nach den vergangenen Folgen erwarten können. An manchen Stellen äußert sich aber auch der spürbare Kampf mit einem Unterhaltungsformat, das ebenso sehr von der Ausschlachtung von Gewalt und Sex wie der (jeweils vom Kontext abhängigen) Anprangerung derselben lebt. Andererseits ist diese Widersprüchlichkeit Game of Thrones mit den ersten Minuten von Winter is Coming zu eigen und füttert die Anziehungskraft der Serie in nicht unbeträchtlichem Maße.

Was passiert: An der Wall… nicht viel. Mance Rayder bereitet sich auf den Krieg vor, um dann aus der Episode zu verschwinden. Dafür besteht Sam Tarlys Handlungsstrang diesmal nicht allein aus dem Wunsch zu sterben. In Craster’s Keep trifft er wieder auf Gilly, die einen Jungen zur Welt bringt und alle, die nicht mehr wissen, was Craster mit Jungen macht, wollen es gar nicht erfahren. Außerdem geht Blitzmerker Craster als wahrscheinlich erste Figur im gesamten Game of Thrones-Universum auf, dass Sam dick ist. “Why don’t you dine on him?”, schlägt er vor. Ja, warum eigentlich nicht?

Weiter im Süden wird Theon von seinem mysteriösen Kerkerburschen™ befreit, reitet verwirrt durch die Pampa, wird eingefangen, um schon wieder von dem mysteriösen, aber deutlich badassigeren Kerkerburschen™ gerettet zu werden. In Riverrun wird Catelyns Vater beigesetzt, was ihr Bruder Edmure als Chance nutzt, seine Unfähigkeit auf jede erdenkliche Weise zu demonstrieren. Drei Pfeile versenkt er im Wasser, bis sich Cats Onkel Brynden the Blackfish der Sache annimmt, einen Blick auf die Windrichtung wirft und das in der Ferne verschwindende Boot mit dem Leichnam entzündet. Edmure wird als nächstes durch Robb zusammengefaltet, weil er einen Befehl missachtet hat. Richard Madden im vollen Autoritätsmodus zu sehen, war Edmures eklatante Dummheit wert, allerdings scheint mir Tobias Menzies (Brutus aus Rom) ein wenig überqualifiziert für diese Rolle. Gerade in Hinsicht auf Edmure fällt der narrative Verlust auf, den Cats aus der Story gestrichener Vater bedeutet, besteht ihre Rolle nur noch darin, um ihre Kinder zu trauern, was für den Zuschauer, der um deren wahres Schicksal weiß, auf Dauer redundant wirkt. Aber immerhin dürfen wir uns über den Blackfish mit seinem schuppigen Kostüm freuen, neben Thoros of Myr ein weiterer kerniger Neuzugang zur Serie.

Daenerys verhandelt immer noch über die Unsullied Super-Sklaven-Armee. Ihr Angebot an den beleidigenden Händler, der sie in (Hoch?)Valyrisch zuplappert, ist eines, das niemand mit gesundem Menschenverstand ablehnen könnte: ein Drache gegen mehrere Tausend Soldaten. Kurzum: Die in bisher zwei Episoden ausgefochtenen Feilschereien mit dem schmierigen Sklaventreiber sind lebendiger, witziger und für ihre Story relevanter als 95 Prozent aller Daenerys-Szenen in Staffel 2. Dabei wurde die mögliche Dynamik um die beiden Ratgeber Jorah und Barristan höchstens angekratzt. Für die Lannisters wendet sich diese Episode von Game of Thrones dagegen vom harmlosen Spaß ins grausame Gegenteil, als Jaime seine Hand abgehackt wird, was herzlose Stark-Anhänger vielleicht verzückt (Schande über euch!). Der Schrei des Kingslayers ist es, der aus dieser Folge in Erinnerung bleibt.

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