The Climb

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 3, Folge 6

Wenigstens wurde ihr nicht die Haut abgezogen...
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Wenigstens wurde ihr nicht die Haut abgezogen...

Bevor ich die Recap-Pflichten angehe, möchte ich alle (stillen) Leser darauf hinweisen, dass wir es hier mit einer Fernsehserie zu tun haben (D’uh), die wie jede andere Produktion nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Die Recaps und die Kommentare darunter bilden ein Diskussionsangebot, keinen Tempel der R’hllor-, äh, Game of Thrones-Verehrung, in dem Agnostiker, Atheisten oder Andersgläubige nicht zugelassen sind. Anders ausgedrückt: Einen Kommentar zu melden, weil er der eigenen Meinung nicht entspricht, würde Joffrey stolz machen. Und niemanden sonst.

Der Tod macht in Game of Thrones vor niemandem Halt, auch nicht vor Sexposition-Veteranen. Das und mehr lernen wir in Episode 6 von Staffel 3. Die trägt passenderweise den Titel The Climb, lässt sie doch Jon Snow auf Reinhold Messners Spuren wandeln und Littlefinger seine Lebensphilosophie des sozialen Aufstiegs preisgeben. The Climb bringt langersehnten Pfeffer in den Norden, aber die größte Freude entfaltet Game of Thrones wieder einmal, wenn wir zusehen können, wie die Schlingen politischer Machenschaften um die Hälse nichtsahnender Figuren gelegt werden. Dann gleicht die Serie einem Weltklasse-Snooker-Match, weshalb nur eine Frage offen bleibt: Welche Figur in Westeros führt den Queue wie Ronnie O’Sullivan?

Was passiert: Sam eröffnet diese Episode am Lagerfeuer mit Gilly, die den Lordling dank ihrer Outdoor-Skills vorm Erfrieren rettet. Dafür zückt Sam eine schwarze Speerspitze, auf die Buchleser sicher schon eine Weile gewartet haben. Auch Jon muss seine Überlebensfähigkeiten an den Tag legen. Ygritte weiß um seine Loyalitäten gegenüber der Night’s Watch und fordert einen neuen Schwur: unbedingte Treue ihr gegenüber oder er verliert essenzielle Körperteile. Als Bestätigung seiner Pflicht gibt er den Cliffhanger an der Wall und rettet ihr das Leben. Der finster dreinschauende Orell (Mackenzie Crook) hat da aber sicher auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Dass ein Schwur nur soviel wert ist wie das Säckchen Gold in der Hand, lernt Gendry auf die harte Tour. Zur Erinnerung: Der Bastardsohn von Robert Baratheon wurde einst gen Norden geschickt, um ihn vor den Lannisters zu schützen. Melisandre, die Hexengeliebte (ist das eine offizielle Jobbezeichnung?) seines Onkels Stannis, hat, in einer der stärkeren Abweichungen vom Buch, allerdings Verwendung für den jungen Schmied. Obwohl sich Gendry der Brotherhood Without Banners von Beric Dondarrion angeschlossen hat, wird er bei der ersten Gelegenheit verscherbelt. Da wir so gut wie nichts von den Guerilla-Aktivitäten der Bruderschaft sehen, stattdessen mit viel Gerede über den Willen des Lords of Light Vorlieb nehmen, scheint sie aus Aryas Sicht nur ein weiterer Haufen von Profiteuren des allgemeinen Chaos zu sein. Obwohl Thoros nämlich als zwiespältiger Sympathieträger aufgebaut wird, bleibt Beric seltsam leer, als würde vom Menschen unter den vielen Narben mit jeder Wiederbelebung weniger übrig bleiben.

Gendry kann sich indessen glücklich schätzen, nicht in Theons Schuhen (oder Fingerspitzen) zu stecken. Dessen anonymer Foltermeister macht sich einen Spaß darauf, ihm falsche Identitäten vorzuspielen (etwa: der Sohn von Rickard Karstark, der letzte Woche von Robb geköpft wurde). Wer seit Staffel 2 davon geträumt hat, wie Theon die Haut von den Fingern gezogen wird, kommt endlich auf seine Kosten. Alle anderen fragen sich womöglich, ob die seit mehreren Folgen anhaltende Quälerei irgendwohin führt oder nur die Eli Roth -Fans unter den Zuschauern zufriedenstellen soll.

Schon letzte Woche habe ich die Integration von Roose Bolton in der Serie gelobt, aber The Climb verlangt nach einer ausführlicheren Wertschätzung, schon allein weil Michael McElhatton einer der weniger bekannten Darsteller in Game of Thrones ist. Dieser Fakt gereichte ihm zum Vorteil. In ein paar Episoden von Season 2 tauchte Roose an der Seite Robbs auf, ohne für Nicht-Kenner der Bücher weiter hervorzustechen. Anstatt Roose entsprechend seiner gestiegenen Bedeutung in Staffel 3 neu zu casten (wie Beric), wird der neue Verwalter von Harrenhal sanft in den Vordergrund geschoben. Beim Mahl mit dem Kingslayer verspricht er, diesen zurück nach King’s Landing zu bringen. So etwas wie Nächstenliebe ist dem aalglatten, vom Typ her ein wenig an Charles Dance erinnernden McElhatton trotzdem zu keinem Zeitpunkt abzunehmen.

Robb derweil bemüht sich um das Wohlwollen der Freys, in dem er seinen Onkel Edmure (der Bogenschieß-Fail schlechthin) dazu zwingt, seine eigene Verfehlung wieder gut zu machen und eine der vielen Frey-Abkömmlinge zu ehelichen. Zwangsehen beschäftigen auch die Lannisters. In einem seltenen Moment geschwisterlicher Ehrlichtkeit finden die Schicksalsgenossen Tyrion und Cersei zusammen. Die Königinmutter gibt zu, dass er ihr bei der Schlacht um King’s Landing den Allerwertesten gerettet hat und dass es “nur” ihr Sohn und König Joffrey war, der ihm nach dem Leben getrachtet hat. Wie beruhigend. Sansas Mädchenträume von Loras werden von den Intrigen der Mächtigen verschluckt und so muss Tyrion ihr beibringen, dass sie den Imp zu heiraten hat: “This is going to be awkward.”

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the gaffer Jenny Jecke
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."
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