Kill the Boy

Wir schauen Game of Thrones - Staffel 5, Folge 5

Game of Thrones
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Game of Thrones
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

Die 5. Staffel von Game of Thrones hat ihre Halbzeit erreicht und genauso fühlt sich Kill the Boy als Episode an. Im Norden wappnet sich Stannis zum Kampf, Jon zur Versöhnung mit den Wildlings und Sansa für eine Hochzeit. Im Südosten lernt Daenerys auf eigenen Beinen zu stehen. Die von Jeremy Podeswa inszenierte 5. Folge bringt einige Handlungsstränge voran, ohne in den Einzelszenen so zu brillieren, wie es noch bei den vergangenen beiden Episoden der Fall war. Das liegt aber auch an der uns präsentierten Auswahl an Figuren. Dafür quillt die Folge vor episch fotografierten Momenten nur so über.

Der Kampf um die Macht: King's Landing legt in dieser Episode eine Pause ein (wie viel Bier wohl gerade jetzt - in diesem Moment - auf die Straßen gekippt wird?). Stattdessen konzentriert sich das Drehbuch von Bryan Cogman ganz auf die verschiedenen Parteien im Norden und in Essos. Einmal mehr werden dabei die Führungsmethoden von Daenerys und Jon als Vergleich und Rahmung herangezogen, speziell deren Evolution. In Erwartung des Abmarschs von Stannis' Truppen liegt es am Lord Commander, die Wall langfristig zu schützen. In der letzten Folge gingen Briefe ans Umland heraus, um neue Zwangsrekruten für die Night's Watch zu finden. Doch wenn es ein wiederkehrendes Motiv in Game of Thrones gibt, also neben den abgeschlagenen Köpfen und geleerten Weingläsern, dann das dauerignorierte Betteln um Hilfe für die Männer in schwarz. Also plant Jon, mit Hilfe von Tormund die verbliebenen Wildlings südlich der Mauer zu sammeln, ihnen Land zu schenken und so für die Verteidigung gegen die White Walker einzuspannen.

Genau wie Daenerys bewegt sich Jon zwischen zwei seit Jahrhunderten aufs Schärfste voneinander getrennten Welten: Hier die Bewohner der Sieben Königreiche, dort die "Barbaren", die außerhalb des feudalen Systems und dessen Herrschaftsstrukturen stehen und damit automatisch eine Bedrohung darstellen; hier die Herren von Meereen, dort ihre frisch befreiten Sklaven. Und wie die Mother of Dragons wird Jon in dieser Folge von Game of Thrones vor allem Vertrauen in sich selbst ans Herz gelegt. Er solle den Jungen in sich töten, meint Maester Aemon, letzter Targaryen auf Westeros, ungewohnt martialisch. Er solle endlich zum Mann werden. Für Jon bedeutet dies, über persönlichen Beweggründen zu stehen, wie etwa dem nachvollziehbaren Wildling-Hass seines Stewards Olly. Versöhnung zum Wohle aller lautet das Ziel. Also wird sich Jon mit Stannis' Schiffen aufmachen, um Wildling-Flüchtlinge gen Süden zu holen, alldieweil seine Machtbasis innerhalb der Night's Watch längst nicht gefestigt ist. Wer sich gefreut hat, dass Jon endlich - endlich - eine Staffel ohne Trip in den Norden auskommt, wird anscheinend bitterlich enttäuscht.

Wer hätte gedacht, dass der Tod von Ser Barristan Selmy sich derart positiv auf den Handlungsstrang in Meereen auswirkt? Sicher, die Liebesgeschichte um Grey Worm und Missandei interessiert vor allem als Idee, weniger in der Ausführung. Namentlich ist damit die Idee eines zur gefühllosen Tötungsmaschine ausgebildeten Sklaven gemeint, der die Freiheit kennenlernt. Anders als es einem After Earth glauben machen will, ist Furcht nicht immer eine Entscheidung, sondern durchaus ein Zeichen von Menschlichkeit. Grey Worm hängt an seinem Leben, weil die Freiheit ihm eine Perspektive geschenkt hat.

Daenerys wiederum entdeckt in dieser Episode die Notwendigkeit der Staatsräson, selbst wenn diese ihren persönlichen Wünschen entgegenstrebt. Aufgerüttelt durch den Abgang eines zweiten Beraters verlegt sie sich zunächst auf die Einschüchterung der Herren von Meereen mittels Drachen-Grillfest. Missandei hat allerdings zwischen ihren Abenteuern mit dem God's Eye Zeit gefunden, um Dany den wichtigsten aller Ratschläge zu geben: Manchmal weiß eine Mother of Dragons am besten, was eine Mother of Dragons zu tun hat. Selbst wenn dies eine Hochzeit mit einer Figur einschließt, die seit einer ganzen Weile zur Serie gehört, aber trotzdem niemanden so richtig interessiert. [1] Also entscheidet sich Daenerys dagegen, weiter mit Gewalt gegen die Herren von Meereen vorzugehen, und für die Versöhnung in Form zweier Traditionen: Der Wiedereröffnung der Fighting Pits und der symbolischen Allianz einer Vermählung. Indem Dany den knienden Hizdahr auserwählt, beweist die einstmals zwangsverheiratete Targaryen-Tochter eine für die Frauen von Game of Thrones seltene Entscheidungsgewalt. Zunächst vergleicht Daenerys das Herrschen mit der Disziplinierung innerhalb einer Familie. Zur "Frau" werden, um bei Maester Aemons Wortwahl zu bleiben, heißt in Meereen, ein Stück Freiheit abgeben. Statt maternalistische Maßregelung auf Maßregelung folgen zu lassen, wählt Daenerys ein öffentliches Zeichen des Respekts für eine Klasse, die sie mit ihrem Einmarsch um ihre Privilegien gebracht hat.

[1] Anders gesagt: Auf wen, außer Dany und ihrem hervorragend charakterisierten Nachwuchs, trifft dies in Meereen eigentlich nicht zu?

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