Der dritte Mann - Kritik

GB 1949 Laufzeit 108 Minuten, FSK 12, Kriminalfilm, Thriller, Drama, Kinostart 06.01.1950

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    brucelee76 26.08.2015, 19:59 Geändert 28.08.2015, 14:06

    Hi Leute,

    noch nie habe ich eine bessere Location für einen Film gesehen wie hier, in "Der Dritte Mann". 1949 Wien, so wie es war zur Nachkriegszeit.

    Ein toller und zugleich düsterer Anblick wird dem Zuschauer über die Zustände während der Besatzung zugeteilt.

    Mein Fazit: Carol Reed zeigt Wundermann Orson Welles, in einem zeitlosen Katz und Maus Spiel und den kriminellen Machenschaften unter den Besatzern.

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      Dem allseits hochgelobten Film noir-Klassiker mit Orson Welles, konnte ich beim besten Willen nicht sonderlich viel abgewinnen. Das vom Krieg geschundene Stadtbild Wiens, als Schauplatz des Geschehens, fand ich hingegen, ebenso wie die Schattenspiele und Kameraarbeit, wirklich prima. Die Geschichte birgt im Kern gewiss seine Reize, wird mir aber insgesamt zu pomadig umgesetzt. Und was die berühmt-berüchtigte Zither-Filmmusik anbelangt, würde ich diese als grundsätzlich interessant bezeichnen, aber eben auch phasenweise etwas unpassend – zumindest was die Verfolgungsjagden betrifft.

      Mal sehen, vielleicht werde ich mich an diesem vermeintlichen Meisterwerk nochmals zu einem späteren Zeitpunkt versuchen. Auf Anhieb hat mich "Der dritte Mann" jedoch ziemlich enttäuscht, ohne dass ich eine überzogene Erwartungshaltung gehabt hätte.

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      • 7 .5

        Gilt völlig zu Recht als Klassiker seines Genres. Vor allem die großartige Kamera hat es mir angetan, das ist wahre Handwerkskunst! Vom kongenialen ZIther-Thema mal ganz zu schweigen. Der Film an sich ist ein bedächtig erzählter, nichtsdestrotrotz immer spannender Krimi alter Schule. Für 1949 sind die Verfolgungsjagden beeindruckend inszeniert, die Action stimmt also. Geschliffene Dialoge runden das Gesamtbild ab.

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        • 9 .5
          Zloid61 10.05.2015, 10:53 Geändert 10.05.2015, 15:31

          Toller, toller Film. Für die damalige Zeit extrem virtuos inszeniert, und damit reduzieren ich dieses nicht nur auf die kongeniale Kameraarbeit und Lichtgestaltung Robert Krasker´s. So rund wie ein Kreis, sanft wie Watte, und hart wie Stein. Von der Regie über Darsteller bis zur musikalischen Untermalung nahezu perfekt besetzt, bietet dieser Film von Spannung bis zur letzten Prise Humor alles was ein Werk dieses Genres haben muss.

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            Splashy 31.01.2015, 14:41 Geändert 31.01.2015, 14:43

            Erstsichtung: 13.01.2015
            Vorhersage 7 --> Bewertung 3

            Leider ist "Der dritte Mann" absolut hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Erwartet hatte ich einen spannenden Krimi im Nachkriegswien mit extrem guter Story. Bekommen habe ich einen relativ langweiligen Film mit lahmer Story, der jeden Anflug von Spannung sofort selbst wieder in den Wind schießt.
            Das einzigst bemerkenswerte am dritten Mann war für mich die launige Zithermusik und die beeindruckenden Kulissen eines zerstörten Wien. Auch der viel zu kurz kommende Wiener Schmää konnte den Film schlussendlich nicht mehr retten.

            "Den hams abdreht, mitm Messer!" ^^

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              "Offen gestanden, ich habe das alte Wien nicht gekannt, das leichtlebige Wien des Walzertraums. Konstantinopel lag mir näher. Ich lernte Wien erst nach dem Zweiten Weltkrieg zur Zeit des Schwarzen Marktes kennen, auf dem mit allem geschoben wurde, was die Leute brauchten, vorausgesetzt, dass sie es bezahlen konnten. [...] Wer etwas von der Branche verstand, konnte reich werden."
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              https://www.youtube.com/watch?v=2oEsWi88Qv0
              Die Zither, die spielt so fein,
              ein gespaltenes Wien soll der Schauplatz sein.
              Schriftstellerei, ach, eine brotlose Plackerei,
              bei gerissenem Handel wird man klüger und reicher sein.

              Skrupel? Liebe? Anstand?
              Alles Laster, die man bei ihm nicht fand.
              Gewitzt und charmant
              war es nur sein Schatten, der ihn bekannt.

              Eine Freundschaft, ob die sie einst verband?
              Oder gab es dort schon immer Abstand?
              Und das Ende, das kommt durch des Freundes Hand?

              Zumindest der mir eleganteste Klassiker, den ich bis dato erstand. :)
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              So, jetzt aber Schluss mit dem lapidaren Geschreibsel. Vermutlich verkaufen sich Holly Martins' wohl ebenfalls mehr zweitklassigen Wildwestromanen besser als jenes.
              Ich gestehe auch, dass ich angesichts der vielen schon vor mir verfassten Kommentaren, die den Film u.a. schon analytisch genau unter die Lupe genommen haben (allein im Internet finden sich dergleichen ebenso en masse; alles in eigenen Worten in einen Kommentar hier unterzubringen würde den Rahmen sprengen), nicht allzuviel zu sagen habe, mir der Film und insbesondere Anton Karas' Zither jedoch so gut gefallen und beschwingt zurückgelassen haben, sodass ich hier ein paar Zeilen zurücklassen muss. DER DRITTE MANN ist einfach ein Klassiker, an dem für mich alles stimmt: wunderbare Figuren, die man vom Charakter her schnell zu kennen glaubt, sich dem Griff des Zuschauers mit fortgeschrittener Laufzeit trotzdem entziehen; eine stilvoll inszenierte und spannende Geschichte (wobei ich sagen muss, dass sich die Spannung für mich aus dem zeitgeschitlichen Setting des Nachkriegswiens, sowie der ethischen Fragen des Schwazmarkthandels und der Beziehung zwischen den von Joseph Cotten und Orsen Welles verkörperten Figuren aufbauten), die durch großartige und süchtig machende Bilder unheimlichen Eindruck hinterlässt - und ein wunderbares Ende, wie man es geschickter nicht hätte erzählen können und bei mir den Nachgeschmack hinterließ, wer hier eigentlich (schon wieder) (ewiger?) Gewinner und Verlierer dieser Männerverbindung zwischen Holly Martins und Harry Lime ist.
              Ein einzigartiger Film, der trotz seiner eher pessimistsischen und dunklen Themen etwas sehr Beschwingtes hat und ein Film, wie er mir einfach Spaß macht - auch wenn ich nur nach Unterhaltung suche.
              Mit bestem Dank an Carol Reed und seine fantastische Crew!

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                DER DRITTE MANN war von der technischen Seite her sehr interessant. Das Spiel mit der Beleuchtung wurde hier geradezu gekonnt auf die Spitze getrieben. Die Schatten, und das Spiel mit ihnen sind genial. Ebenso die Kameraarbeit, die die Bilder oft aus einer schrägen Perspektive wiedergibt. Zudem ist die mit ungewohnter aber toller Zither Musik eingefangene Atmosphäre des Nachkriegs Wien toll eingefangen.

                Einzig die Spannung fehlte mir persönlich etwas. Das mag aber auch daran liegen, das ich probiere, mich erst wieder langsam beim Thema Klassiker zu resozialisieren. Aber die Riesenfreude habe ich bisher noch nicht daran gefunden. Ich bin aber eh nicht der Fan von Krimis.

                Fazit: Technisch sehr starker Film, der mich von der Geschichte her leider nicht so gepackt hat. Die Verfolgungsjagd in der Wiener Kanalisation ist toll!

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                • 9 .5

                  Endlich mal wieder eine Filmperle in s/w - mit einem verdammt guten Cast, guter Story, einem ästhetisch-zerbombten (wenn es das gibt dann nur im Film) Wien und guter Musik (das ich Zithermusik mal gut finde hätte ich auch nicht gedacht - erstaunlicherweise funktioniert es hier jedoch). Und ich glaube hier das erste Mal Orson Welles lächeln gesehen zu haben...Hab irgendwo gehört, dass daraus ein Musical gemacht werden soll?! Oh Bitte nicht!

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                  • 7 .5

                    Wie man einen eigentlich hochspannenden und dramatischen Film künstlich ausbremsen kann: Spielt einfach durchgehend Zither-Musik. Das killt die Spannung um den Faktor 10.

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                    • 6

                      Ein weiteres Beispiel dafür, dass ich nicht das Publikum für die ganz alten Klassiker bin. Bis auf wenige Ausnahmen kommt bei mir meist keine Begeisterung auf. Klasse ist hier, das Setting. Die Handlung im Nachkriegswien zu drehen, gibt dem Film eine schöne historische Nuance. Toll ist vor allem auch Orson Welles, obwohl er nur wenige Szenen hat, reißt er den Film an sich. Wenig beeindruckend finde ich die Inszenierung. Alles läuft viel zu lahm und ohne besondere optische Eindrücke ab. Mir ist klar, dass dies dem Film gegenüber ungerecht ist. Für die damaligen Verhältnisse ist die Verfilmung möglicherweise besonders gelungen. Ich betrachte Der Dritte Mann allerdings aus heutiger Sicht und vergleiche ihn mit Filmen, die eine ansprechendere Dramaturgie und ansehnlichere Optik aufweisen. Zudem gehöre ich auch zu der Gruppe an, welche den Soundtrack eher ablehnt. Das Thema selbst ist eigentlich toll und darf auf keinem Sampler der alten Klassiker fehlen. Zudem passt es natürlich perfekt zum gewählten Setting in Wien. Allerdings geht es mir mit der Zeit dann doch gehörig auf die Ketten, dass es mehr oder weniger nur dieses eine Thema ist, dass höchstens mal im Tempo variiert.

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                      • 9

                        Bester Wien...pardon Weingut!
                        Als ich diese Kostbarkeit aus meinem "Filmkeller" holte, wurde ich von einem prickelnden Gefühl befallen. Ob dieser 1949 Jahrgang genauso schmecken würde, wie das erste Mal, als ich ihn probierte? Bei den ersten Duftnoten, war ich perplex. Er korkte nicht, non, non!!! Sein Terroir war auch deutlich zu erkennen: Wien nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Stadt ist in Besatzungszonen der vier Siegermächte USA, Sowjetunion, Frankreich und Großbritannien aufgeteilt. Das Bouquet ließ trotzdem auf sich warten. Ich dachte, naja, er hat mit den Jahren an Körper verloren, seine Farbe "noir" ist etwas blasser geworden, ins "Rosé" übergegangen. Aber dann kam die erwartete Explosion im Gaumen: Die leuchtende Erscheinung von Orson Welles in einem Hauseingang, das Schattenspiel, die Begegnung am Riesenrad im Wiener Prater, das gemalte Herz auf dem Fenster, die Musik, Annas Frage "Wissen Sie was ein Achtgroschenjunge ist?", die Flucht in die alle vier Sektoren Wiens verbindende Kanalisation, das Kanalgitter, durch das der sterbende Harry Lime seine Finger zwängt. Und dann dieser runde Abgang: Die Perfektion! Ich war erleichtert und glücklich. Dieser außergewöhnliche Jahrgang war gut gelagert und hatte an Größe gewonnen, denn je länger der Nachgeschmack, desto besser die Qualität.

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                          Perfekt und zeitloses Meisterwerk der Schatten/Licht und Schnitttechnik.

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                          • 8 .5

                            Nach Kriegsende wird der amerikanische Groschenromanautor Holly Martins von seinem alten Freund Harry Lime ins besetzte Wien eingeladen. Als er in der teilweise zerbombten Stadt ankommt, muss er feststellen, dass sein Gastgeber tödlich verunglückt ist. Jedoch machen ihn die widersprüchlichen Zeugenaussagen skeptisch und er beginnt nachzuforschen... Carol Reed ließ sich für seinen Schwarzweiß-Thriller sowohl vom amerikanischen Film Noir als auch vom deutschen expressionistischen Stummfilm beeinflussen, was im häufigen Spiel mit Licht und Schatten und dem Einsatz von Dutch Angles zum Ausdruck kommt. Die kontrastreichen Bilder werden von Anton Karas ungewöhnlicher Zither-Musik (die Titelmelodie ist auch über den Film hinaus bekannt) gekonnt untermalt. Joseph Cotten spielt den erfolglosen Schriftsteller, der eigentliche Hauptdarsteller ist jedoch Wien: Ruinen und Trümmerfelder liegen dicht beieinander mit alten, erhaltenen Prunkbauten und opulenter Architektur. Solche Kontraste fängt die Kamera in imposanten und prächtigen Bildern ein. Die Geschichte um Holly Martins, der sich in Limes trauernde Freundin verliebt und letztendlich in ein Dilemma gerät, basiert auf dem Drehbuch des renommierten Autors Graham Greene. Zugegeben ist die Handlung ein wenig vorhersehbar, kann aber bis zum Ende fesseln. Ergänzt von einem tollen Cast und genialen Auftritt von Kino-Genie Orson Welles ist "Der dritte Mann" ein atmosphärischer, packender Filmklassiker in starken Bildern plus einer berühmten Verfolgungsjagd durch Wiens Kanalisation.

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                            • 8

                              Sehr schöner Film Noir. Die Geschichte ist natürlich stark, gerade die erste Hälfte ist sehr packend. Das Setting hat mir gut gefallen, gerade die nicht übersetzten deutschen Passagen in der OV wirken authentisch. Das Theme finde ich nicht ganz so legendär wie alle anderen. Irgendwo kurz nach der Halbzeit hat mir der Film ein kleines bisschen an Drive verloren, aber gegen Ende zieht er wieder an. Sollte man mal gesehen haben...

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                              • 9

                                Eine Filmperle! Muss man gesehen haben. Topp-Tipp: wer nach Wien geht, UNBEDINGT eine "Dritte-Mann-Tour" machen! Es werden natürlich die Drehorte besucht und man wird mit vielen Anekdoten und Hintergrund-Infos zum Film gefüttert!
                                Es gibt eine Expertin (die auch Touren gibt), die hat ein großes Buch verfasst über diesen Film. Es lohnt sich.

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                                • 8 .5

                                  [...] Das vom Krieg zerstörte und durch die Besatzermächte aufgeteilte Wien ist nicht nur eine eindrucksvolle Kulisse, sie wird zudem von Kameramann Robert Krasker wirkungsvoll eingefangen. Dunkle Gassen, zerbombte Ruinen, der Prater und natürlich das legendäre Finale mit einer minutenlangen Hetzjagd durch die Kanalisation. Wien ist kein beliebiger Schauplatz, nirgendwo anders könnte "Der dritte Mann" eine solche Atmosphäre erzeugen und neben dem eigentlichen Plot noch so viel Zeitgeschichtliches erzählen. Über illegale Schieberein, mit denen sich die verarmte Bevölkerung die Existenz und sogar das reine Überleben sichern muss, über das Misstrauen und der Furcht vor der übermächtigen Polizei der Alliierten, über Geheimnisse, Lügen und Betrug. Die Geschichte rund um den mysteriösen Unfall des Amerikaners Harry Line und den unbekannten dritten Mann scheint nur Eine von Vielen zu sein, die sich zu der Zeit dort abspielten. Eine Stadt, deren Bewohner eigentlich befreit und dennoch gefangen wirken. Eine Zeit des Umbruchs, nach dem Krieg, der Diktatur, doch noch lange nicht frei und autonom. Der optimale Nährboden für geheime Machenschaften, zwielichtige Gestalten und krumme Geschäfte. [...]

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                                    Ich fasse mich mal kurz. Die Handlung ist recht vorhersehbar und ich fand den Plot wenig spannend, dennoch ist der Film ganz unterhaltsam. Was mir wirklich von anfang an auf die Nerven gegangen ist, ist diese penetrante "Soundtrack". Das sich ewig wiederholende Gezupfe kostet den Film bei mir mindestens 1 Punkt.

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                                      Arthaus Close-up: Orson Welles

                                      Teil 2/3: "Der dritte Mann"

                                      Immer, wenn ich mir einen alten Film ansehe und mir der Soundtrack auf Anhieb bekannt vorkommt, dann weiß ich bereits, dass es sich hier um etwas besonderes handeln muss! So ist es auch bei Carol Reeds "Der dritte Mann". Doch eine bezaubernde Zither macht noch lange keinen ganzen Film aus!

                                      Was ist also an diesem Werk noch absonderlich? Da wäre zunächst die Kulisse. Wir befinden uns in der Hauptstadt Österreichs. In einem besetzten Wien, eingeteilt in vier Besatzungszonen, einem zerbombten Wien. Ein Schauplatz, der hervorragende, expressionistische, erdrückende Bilder bietet, welche ausgezeichnet von Robert Krasker eingefangen werden. Insbesondere das Spiel mit dem Schatten wird hier beeindruckend dargestellt und seine schiefen Aufnahmen, welche die missliche Lage der Nachkriegszeit widerspiegelt. Ein perfekter Schauplatz für einen düsteren Krimi.
                                      Ebenfalls bemerkenswert ist hier die Tatsache, dass der Film nicht nur in Wien selbst gedreht wurde, sondern auch tatsächlich während der Zeit der Besetzung! Das allein macht den Film schon so einzigartig.

                                      Desweiteren wären da die großartigen Leistungen aller Schauspieler. Selbst die kleinste Nebenrolle wird perfekt umgesetzt und Joseph Cotten als Holly Martins schafft es, den Film zu tragen. Dennoch muss man hier sagen, dass Orson Welles als Harry Lime ihm eindeutig die Show stielt, auch wenn er nur knapp 15 Minuten zu sehen ist, so fesselt er den Zuschauer mit seiner Präsenz! Sein legendäres Lächeln am Türeingang, die erstklassige "Riesenrad-Szene" und die Hetzjagd in der Kanalisation bleiben einem im Kopf hängen. Da ist es schade, dass er nicht öfter zu sehen war!

                                      Ich bin mir absolut sicher, dass meine Bewertung bei weiteren Sichtungen noch steigen wird, denn "Der dritte Mann" ist wahrlich ein großer Film, ein echtes Meisterwerk.

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                                        Bereits im Prolog von "The Third Man", zeigt uns Carol Reed, dass die Menschen damals, in der vom Krieg geschwächten und verängstigten Welt doch voller Hoffnung waren, es waren "ganz brave Burschen", und unser Protgonist, der Amerikaner Holly Martins kommt "vergnügt wie eine Haubenlerche" im geteilten Wien an. Schnell jedoch zerstört Reed jeden Funken Hoffnung, er inszeniert das geteilte Wien als expressionistischen Albtraum, wo ein Menschenleben nichts Wert ist. Er dekonstruiert das kindlich naive Weltbild Holly Martins, der auf seiner Odyssee durch die Stadt mit der tristen Wirklichkeit konfrontiert wird.
                                        Reed zeigt uns Menschen, die, ganz gleich welche Handlungsoption sie wählen, zwangsläufig zum Scheitern verurteilt sind.
                                        Die genialen Bilder von Robert Krasker lassen die Kulisse des zerstörten Wien zu einem düsteren, beängstigenden Schattenreich werden, untermalt von der genialen Musik von Anton Karas, den Carol Reed durch eine glückliche Fügung in einer Gaststätte spielen hörte und ihn spontan engangierte.
                                        "The Third Man" ist brillantes, pessimistisches Nachkrigskino, und vermutich der beste englische Film aller Zeiten.

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                                          »Oh, I still do believe in God, old man. I believe in God and Mercy and all that. But the dead are happier dead. They don't miss much here, poor devils.«

                                          Carol Reed zieht uns mit »Der dritte Mann« ins Wien des Jahres 1949. Eine Zeit, in der Hoffnung zersprengt auf dem Boden vor sich hinvegetiert, die Dunkelheit regiert den Alltag, Finsternis umklammert jeden flüsternden Sonnenstrahl und die Stadt steht symbolisch für eine Welt, in der die Krater der Vergangenheit nicht nur oberflächlich abzusehen sind, diese Krater stecken auch in jedem Menschen, der die düsteren Straßen der österreichischen Bundeshauptstadt einst mit dem vertrauten Gefühl von Heimat assoziierte, von dem jetzt allerdings nur noch zerrüttete Erinnerungsfetzen vorhanden sind. Robert Kraskers preisgekrönte Kameraarbeit suggeriert und unterstützt diesen Eindruck: Das Leben in diesen Tagen ist aus den Fugen geraten, sowohl aus der pauschalisierten Gesellschaftssicht, als auch auf jeden zwischenmenschlichen Konflikt im Einzelnen bezogen. In diesem durch reale Bestandsaufnahmen authentisierten Trümmerhaufen versucht der Amerikaner Holly Martins auf Anfrage seines langjährigen Freundes Harry Lime irgendwie Fuß zu fassen, das Schreiben von abgegriffenen Groschenromanen war schließlich noch nie von seiner lukrativen Rendite gezeichnet, doch alles kommt anders. Was als atmosphärischer Film Noir mit expressionistischer Visualisierung beginnt, wird zur legendären Allegorie für das trügerische Abbild von Schein und Sein, Licht und Schatten, Moral und ihre maßlose Ambivalenz.

                                          Wenn sich Hollys Ermittlungen auf eigene Faust nach und nach in eine klare Richtung lenken und der unschuldige, nach Wahrheit grabende Amerikaner tief in den Kreis von verbrecherischen Verhältnissen gerät, in der die abstoßende Korruption ihre Hochzeit erreicht hat und der eigene Vorteil immer über einem Menschenleben steht, erzählt auch »Der dritte Mann« eine Geschichte über Verlust, jedoch aus vielerlei Blickwinkel betrachtet. Es ist ein Film über den Schlusspunkt einer Freundschaft und ein Film über die zerplatzten Zukunftspläne, jeder ist hier ein subjektives Opfer dieser aussichtslosen Epoche. Menschen die sich mal nahe standen und Menschen, die die Chance auf eine Beziehung hatten, strafen sich letzten Endes mit ignorantem Schweigen, während unser Protagonist Harry Lime die einzige Person im Film bleibt, der man Aufrichtigkeit zusprechen kann und einen vertrauenswürdigen Blick in die von Trauer gezeichneten Augen schenken darf, denn seine charakteristische Loyalität hat dieser Mann nie verloren. Carol Reed hat einen fesselnden, aber darüber hinaus auch realistischen Film geschaffen, der die menschlichen Veränderungen im Angesicht der historischen Implosion vollkommen zeitlos entfaltet. Sollte man gesehen haben, gehört ohne Frage zur cineastischen Allgemeinbildung.

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                                            "Der dritte Mann" ist ein Krimi von Carol Reed aus dem Jahr 1949, der heute als Klassiker gilt.
                                            Der Schriftsteller Holly Martins reist in das vom 2. Weltkrieg gezeichnete Wien, welches in 4 Besatzungszonen geteilt ist. Sein alter Freund Harry Lime hat dort ein Job-Angebot für ihn. Recht bald wird Martins allerdings mitgeteilt, dass Lime durch einen Unfall ums Leben kam. Immer mehr Zweifel machen sich nach und nach bei Holly breit und so geht er den Spuren nach, um aufzuklären, ob Lime wirklich durch einen Unfall starb.
                                            Regisseur Reed fängt das Nachkriegs-Wien in bedrückenden Bildern ein. Passend zur tristen Schwarz-Weiß-Optik bekommt man viele düstere, zerfallene oder trostlose Settings zu sehen. Nicht viel besser sind die Menschen in diesem Film, die von Misstrauen gezeichnet sind, während sich Verbrecher auf dem Schwarzmarkt immer mehr behaupten können. Dazu kommen strenge Polizei-Maßnahmen aufgrund der Zonenaufteilung. Mitten in dieser trostlosen Welt muss sich Martins zurechtfinden, der nicht mal die deutsche Sprache wirklich versteht.
                                            Der Film nimmt früh Fahrt auf und es ist ziemlich spannend, wie Martins nach und nach neue Spuren erhält und diesen nachgeht, um das Rätsel um seinen verstorbenen Freund zu lösen. Joseph Cotten macht hierbei eine wirklich ausgezeichnete Figur in dieser Rolle. An einem gewissen Punkt nimmt der Film allerdings eine vor allem für Martins drastische Wendung, durch die er völlig neue Motive bekommt. Auch Orson Welles taucht dann ziemlich spät im Film auf und kann durch seine düstere Präsenz und gespitzte Dialoge punktet, mehr Screentime hätten ihm aber meiner Meinung nach noch besser getan. Am Ende schließt sich dann ein Kreis und es bleibt die schmerzhafte Erkenntnis, dass sich im Prinzip nichts verändern wird, nur weil eine kleine Geschichte von vielen ein Ende gefunden hat. Erwähnenswert ist übrigens noch die markante Musik des Films, die auf der Zither gespielt wurde und eigentlich gar nicht so richtig zu dem düsteren Stil passen will, genau deswegen aber so gut ist.
                                            "Der dritte Mann" ist ein fesselnder Krimi-Thriller, der durch die eindringlichen Bilder und die ausgezeichneten Darsteller ein authentisches Portrait einer trostlosen Zeit zeichnet.

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                                            • 9 .5

                                              Es scheint im Licht aktueller Ereignisse angebracht, mit einem Zitat des großartigen Roger Ebert zu beginnen: "I know that once you see Orson Welles appear in the doorway in 'The Third Man,' you will never forget his curious little smile." Und in der Tat, Orson Welles und sein einmaliges Minenspiel ist mit das Bemerkenswerteste an diesem Film. Was umso verwunderlicher scheint, wenn man bedenkt, dass Welles bei den mehr als sieben Wochen dauernden Dreharbeiten nur für knapp zwei Wochen anwesend war, und im Endprodukt wohl kaum länger als 15-20 Minuten zu sehen ist. Noch dazu spielt Welles einen Mann, der eigentlich tot sein sollte.

                                              Aber alles auf Anfang. "The Third Man" erzählt die Geschichte von Holly Martins (Joseph Cotten), einem amerikanischen Autor von Western-Groschenromanen, der, einer Einladung seines alten Jugendfreundes Harry Lime (Orson Welles) folgend, nach Wien reist. Jedoch wird Martins kurz nach seiner Ankunft vom Unfalltod Limes informiert. Verwundert über einige Ungereimtheiten in der Beschreibung des Unfalls, beginnt Martins, eigene Nachforschungen anzustellen. Dabei trifft er auf Freunde, Bekannte und die Liebschaft Limes (Alida Valli als Anna Schmidt) und stellt schon bald fest, dass beim vermeintlichen Unfalltod einiges nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Schließlich entpuppt sich Martins' alter Freund als quicklebendiger Krimineller, und der Protagonist sieht sich zunehmend in einen Strudel aus Interessenkonflikten, Moralfragen und Loyalitäten hineingerissen: Wem vertraut er, wem glaubt er? Wem hilft er, wen verrät er?

                                              Diese Handlung also bildet den Hintergrund für einen der großen Klassiker unter den Thrillern. Und ein packend erzählter Thriller ist "The Third Man" allemal: Die Dialoge tragen die Handlung, sind glaubwürdig, knackig und auf den Punkt. Das Szenenbild wechselt so häufig, dass selbst für heutige Schleudergang-Sehgewohnheiten keine Langeweile aufkommt. Und der Plot zeigt sich, durch seine Vielzahl an Charakteren mit ihrer individuellen Agenda, überraschend unvorhersehbar, aber nie unplausibel. Vor allem das große Finale im Kanalisationssystem der Stadt wirkt auch heute noch atemlos spannend.

                                              Doch "The Third Man" ist mehr als nur ein gut gemachter Genrefilm. Ein Grund dafür ist wie gesagt die enorme Präsenz von Orson Welles. Selten bekommt man ihn zu Gesicht, aber wenn, dann ist es von entscheidender Bedeutung. Fast wirkt es, als sei Welles ein zu großer Schauspieler (oder Harry Lime ein zu großer Charakter), um sich in weniger bedeutsamen Szenen überhaupt auch nur zu zeigen. Tatsächlich wird dieser Eindruck bekräftigt durch die Tatsache, dass im Zuge der Dreharbeiten mehrere Doubles für Welles zum Einsatz kamen, da er selbst nur für so kurze Zeit zur Verfügung stand. So sieht man etwa in der zum allgemeinen Kulturgut gewordenen Szene, die den Schatten des fliehenden Harry Lime an einer Häuserwand zeigt, eigentlich den Schatten von Guy Hamilton (später u.a. Regisseur des 007-Streifens "Goldfinger"), der damals noch als Assistent für Regisseur Carol Reed arbeitete. Welles hingegen begnügt sich, so scheint es, mit jenen Szenen, in denen er seine schauspielerische Wirkmacht zu voller Entfaltung bringen kann: Ob das eingangs genannte wortlose Lächeln, das so lausbubenhaft wie tiefsinnig wirkt, ob sein selbstgerechter und -bewusster Auftritt auf dem Riesenrad, oder sein in Panik verzerrtes Gesicht während der Hetzjagd in der Kanalisation -- jede Szene mit Welles überzeugt, weil er wie kein anderer in der Lage ist, die innere Haltung seiner komplexen Figur nach außen zu transportieren und somit sichtbar zu machen, oftmals ohne Worte.

                                              Politisch und gesellschaftlich erzählt der Film, wenn auch Drehbuchautor Graham Greene und Regisseur Carol Reed derartigen Zuschreibungen eher ablehnend gegenüber standen, auf subtile und unaufdringliche Weise von den Folgen eines verheerenden Krieges. Die offensichtlichen wirtschaftlichen und sozialen Probleme bilden dabei nur den Ausgangspunkt, an den die Häuserruinen der vormaligen Prunkstadt Wien im Hintergrund jedoch immer wieder mahnend erinnern. Diese Bilder, die allesamt vor Ort in Wien aufgenommen wurden (womit "The Third Man" eine der ersten britischen Großproduktionen ist, deren Hauptdreharbeiten komplett "on location" stattfanden), erlangen ihre Wirkung durch ihre Authentizität, durch die Tatsache, dass sie niemals kulissenhaft scheinen. Ein beklemmender Eindruck von der blanken Zerstörungsgewalt des Krieges, der hier vor wenigen Jahren noch tobte, durchzieht so den gesamten Film.

                                              Aus dieser Ausgangslage des evidenten ökonomischen Elends nun entwickelt sich ein Netz aus Menschen, die dem moralischen Elend verfallen: Jeder nimmt, was er kriegen kann und verkauft, was zu verkaufen ist. Der Schwarzmarkt blüht, die Ordnungskräfte der alliierten Besatzung werden der Lage nicht Herr. Lebensmittel, Genussmittel und Medikamente werden zur Währung, selbst unter Leuten, die sich nicht auf ihre blanke Existenz zurückgeworfen sehen. An keiner Figur wird dieser moralische Verfall kristalliner als an Harry Lime: Nachdem er sich dem Handel mit gestrecktem Penicillin verschrieben hat, kümmert er sich weniger um die fatalen klinischen Folgen der Streckung, als um sein eigenes Wohlergehen. Die Schlüsselszene zu seinem Denken ist der Dialog zwischen ihm und Martins auf dem Riesenrad. Das Riesenrad auf dem Wiener Prater, einst Ausdruck purer, hedonistischer Lebensfreude, wirkt nun, unbelebt und inmitten eines zerbombten Stadtviertels, kalt und skeletthaft. Wie passend, dass Lime seinen alten Freund vor Fahrtbeginn informiert: "Kids used to ride this thing a lot in the old days. They haven't got the money nowadays, poor little devils." Doch teuflisch wirkt vor allem das Auftreten Harry Limes während der folgenden Fahrt. Selbstgerecht und ignorant gegenüber den moralischen und emotionalen Einwänden seines alten Freundes, zeigt er sich ohne jeden Willen zur Reflexion über sein Handeln, gibt offen zu, dass er in kriminelle Machenschaften verwickelt ist, dass er zudem noch seine Freundin an die Russen verraten hat, und eröffnet sogar die Möglichkeit, seinen unliebsam gewordenen Jugendfreund aus dem Weg zu schaffen. Erst gegen Ende der Szene schimmert ein tiefgreifender Zynismus durch, der womöglich als psychologische Ursache für die scheinbare Unmenschlichkeit Harry Limes' zu betrachten ist: "The dead are happier dead. They don't miss much here... poor devils", schließt Lime rhetorisch und inhaltlich den Kreis und bezieht sich auf eine Welt, die nicht mehr er-lebenswert scheint. Die Kameraarbeit von Robert Krasker (die man zurecht mit einem Oscar bedacht hat) verstärkt diesen Eindruck: Gleich der Welt, die aus dem Ruder geraten, die in Schieflage gelangt zu sein scheint, sind viele der Kameraeinstellungen drastisch angeschrägt.

                                              Es sind dies und viele weitere Details, die "The Third Man" mit Sicherheit immer wieder sehenswert machen. Was mich darüber hinaus völlig begeistert, ist vor allem die außergewöhnliche, nur auf den ersten Blick paradoxe, Mélange aus entschiedener Zeitbezogenheit und universaler Zeitlosigkeit. Als beispielloses Dokument einer Epoche, die sich wie ein Vakuum über Europa gelegt hat, stellt der Film so basale wie bedeutsame Fragen über die menschliche Natur und das Zusammenleben in der Gesellschaft. Das Zitherspiel von Anton Karas und die Bombenkrater von Wien als Merkmale deutlichster lokaler und zeitlicher Identifikation treffen auf den Untergrund - den städtebaulichen, den kriminellen, den menschlichen -, wie er zu jeder Zeit und an jedem Ort zu finden war, ist und sein wird. In dieser Hinsicht wird "The Third Man" nie an Bedeutung verlieren. Verdammt gut.

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                                              • 9

                                                Es ist wieder Zeit für einen Klassiker und "Der Dritte Mann" gehört ganz sicher in diese Kategorie. Der Vertreter des Film Noir spielt in der Nachkriegszeit des im 2. Weltkriegs schwer getroffenen Wiens und fängt in einer unglaublichen Weise das dortige Zeitgeschehen ein. Das düstere Setting gepaart mit den schwarz/weißen Bildern vermittelt die perfekte Stimmung für den Film. Und so komme ich zum Inhalt von Der Dritte Mann: Gezeichnet vom 2. Weltkrieg hat sich Wien verändert und wird nun von den 4 Besatzungsmächten beherrscht. Kriminelle Händler treiben auf dem Schwarzmarkt ihr Unwesen und haben eine beträchtliche Macht in der Stadt, in der sie wie Ratten in der Kanalisation umherschleichen. Genau in diese Stadt wird der eher durchschnittlich erfolgreiche Schriftsteller Holly Martins (Joseph Cotton) bestellt, da ihm sein alter Freund Harry einen Job anbieten möchte. Holly ist ein Jedermann, der gerne mal einen hebt, aber sehr prinzipientreu ist. Als er ankommt, muss er mit entsetzen festellen, dass Harry bei einem Verkehrsunfall umgekommen ist und bereits beerdigt wird. Erst durch die Zeugenaussage des Portiers kommen Holly langsam Zweifel, denn ein mysteriöser dritter Mann war wohl bei dem Unfall zu Gange.
                                                Die Geschichte kommt relativ schnell zu Potte und der Zuschauer befindet sich direkt in der stringenten Handlung. Leider verflacht die Story in der ersten Hälfte rapide, denn Regisseur Carol Reed tritt ordentlich auf die Bremse. Schade, für mich der einzig wirklich Kritikpunkt des Films! Natürlich braucht man aus heutiger Sicht seine Zeit um sich in die Geschichte einzufühlen, sobald man das allerdings erreicht hat erkennt man, dass der Film trotz seines düsteren Settings einige Momente zum Schmunzeln bereithält und so das Geschehen auflockert. Joseph Cotton trägt den Film und macht seine Sache ausgezeichnet. Bis, ja bis zu diesem einen Moment als das Licht in die dunkle Gasse fällt und Orson Welles auftritt. Obwohl er so wenig Screentime hat, beherrscht er jede Sekunde der Szenen in denen er auftritt, eine Aura die seines Gleichen sucht. Seine bösartig, aber fast philosophischen Lines sind einfach nur genial und als die "Ratte" dann entgültig in der Falle sitzt kann man die Angst fast selbst spüren. Für mich eine der besten Schauspielleistungen die ich jemals gesehen habe, v.a wenn man die kurze Screentime berücksichtigt. Der Score ist so paradox und dennoch so genial, denn die Zither untermalt den Film komplett, egal ob in freudigen oder traurigen Momenten. Der dritte Mann endet wie er begonnen hat, ob sich die Verhältnisse ändern oder nicht bleibt der Einschätzung des Zuschauers überlassen- ein perfektes, und irgendwie perfides Ende.

                                                Fazit: "Der Dritte Mann" ist wahrlich ein Klassiker, mit einer besonders herausragenden Kamera, die das Zeitgeschehen perfekt einfängt und einem Score, der zuerst befremdlich aber dann vertraut scheint, wie das alte Wien selbst. Bestechend gute Schauspielleistungen machen den Film besonders intensiv, einzig im ersten Teil der Geschichte mag die Story nicht so wirklich Fahrt aufnehmen und stagniert zu lange. Gewöhnt man sich an den Humor und die Sehgewohnheiten der damaligen Zeit, wird man von "Der Dritte Mann" schlichtweg begeistert sein.

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                                                • 6 .5

                                                  'Der dritte Mann' — klingt nach Hitchcock, hat aber seinen ganz eigenen Stil. Im Guten wie leider auch im Schlechten, so muss ich hier verschiedene Gesichtspunkte einzeln analysieren.

                                                  1. Selten haben mich Kameraeinstellungen in einem Film so begeistert wie genervt. Robert Krasker, der einen Oscar für die Kinematografie gewann, ist fast durchgängig sehr nah dran an den Figuren, erschafft dadurch eine hohe Intensität und setzt sich gleichzeitig ab von der Vielzahl an damaligen Produktionen, die Long Shots den Vorzug vor Close-Ups gaben und dadurch oft zu sehr ans Theater erinnern. Ein paar Szenen (Riesenrad, Schattenmann, Kanalisation) graben sich regelrecht ins Gedächtnis ein. Leider war Regisseur Carol Reed aber anscheinend auch ein vehementer Verfechter der Dutch Angle. Da ich auf den Begriff das erste Mal im Zusammenhang mit dem Scientology-"Film" 'Battlefield Earth' gestoßen bin, könnte man mir möglicherweise Befangenheit attestieren. Aber auch so ist diese ständig schiefe Bildperspektive in meinen Augen einfach unglaublich anstrengend. Natürlich wird Reid sich dazu etwas gedacht haben, durch die omnipräsente Verwendung kann sich die gewünschte Wirkung (Verwirrung? Entfremdung?) aber kaum einstellen, dafür ist das Stilmittel in seiner Penetranz einfach viel zu ablenkend. Soll heißen: Weniger wäre mehr gewesen.

                                                  2. Die allgegenwärtige Zithermusik reiht sich gleich hinter der Dutch Angle ein in puncto "WTF". 'Der dritte Mann' ist ein spannender Film, zumindest könnte er das sein, gerade in Kombination mit den Close-Ups, wenn mich dieses beschwingte Gedudel nicht ständig in einen Woody-Allen-Film versetzen würde. Ich steh auf kontrastierenden Stilmitteleinsatz und cineastischer Overkill à la Hans Zimmer muss ja auch nicht immer sein, und in zwei, drei Szenen war das hier auch irgendwie sehr passend, aber den Großteil der Spielzeit fühlte ich mich einfach nur extremst irritiert.

                                                  3. Die Story: joa. Antiheld tappt die meiste Zeit ahnungslos im Dunkeln, wird des öfteren getwistet, bleibt aber letztlich trotz Femme fatale der Held. Die unmittelbare Wiener Nachkriegskulisse weckt Interesse, der Rest nicht so wirklich.

                                                  4. Orson Welles! Alter! ♥! Ich kenne bisher nur 'Citizen Kane', da war er natürlich großartig. Aber wie mühelos er hier in seinen wenigen Szenen zum Showstopper avanciert, mit subtilem Charisma, mit Verschlagenheit, letztlich auch mit blanker Angst, und dabei den Hauptdarsteller Joseph Cotten selbst für schwarz-weiß-Verhältnisse blass aussehen lässt, das ist einfach nur groß. Ich bin schon unglaublich gespannt auf weitere Rollen.

                                                  5. Das Ende ist toll. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verspoilern.

                                                  Summa summarum also nicht leicht, solche Eindrücke in einer Zahl zu bündeln. Gerne würde ich diesem Kunstwerk — das es zweifellos ist! — mehr Punkte geben, dafür fallen die negativen Aspekte für mich aber zu gravierend ins Gewicht. Vielleicht würde eine Zweitsichtung daran etwas ändern. Empfehlen würde ich 'Der dritte Mann' aber so oder so.

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                                                  • 10

                                                    Ein absolut packender Film, der alles hat, was ein Klassiker braucht. Und auch wenn er bereits einige Jahre auf dem Buckel hat, hat er nichts von seinem Charme verloren.

                                                    Allein schon die Kulisse, Wien in der Nachkriegszeit, hat seinen ganz besonderen Reiz. Am berühmtesten ist natürlich die Verfolgungsjagd in der Kanalisation. Doch auch wenn die Kamera einfach nur durch die Gassen streift, bekommt man schon eine Gänsehaut. Auch die Szenen auf dem Riesenrad sind genial.

                                                    Man sollte etwas Geduld mitbringen, der Film entwickelt sich bedächtig, doch dann gibt es mittendrin einen überraschenden Kniff und alles wird auf den Kopf gestellt. Auf einmal nimmt der Film Fahrt auf und endet mit einem großen Finale.

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