Der dritte Mann - Kritik

The Third Man

GB · 1949 · Laufzeit 108 Minuten · FSK 12 · Kriminalfilm, Thriller, Drama · Kinostart
  • 9 .5

    Ein Film-Noir wie er sein muss.
    Eine rätselhafte Geschichte, eine packende Atmosphäre und eine geniale Inszenierung (die schräge Kamera hat einfach was). Die Aufklärung des Mordes an Harry Lime zieht einen sofort in seinen Bann und sorgt dank vieler Wendungen für ständige Spannung und großartige Momente. Alleine schon die Verfolgungsjagd in der Kanalisation von Wien ist ein Meisterwerk für sich.
    "Der dritte Mann" ist genau deswegen und auch dank seines weltberühmten Zitter-Themas ein Klassiker der Filmgeschichte geworden.

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    • 9 .5
      Jimmy.Valmer 22.10.2015, 15:53 Geändert 22.10.2015, 15:57

      Es gibt doch nichts, über die alten Schwarzweißfilme. Der Film Noir: Das klassizistische Wien, bei Nacht, Spärliche Lichter, lange Schatten, die schräge Kameraeinstellung, schnelle Verfolgungsjagden und eine Exhumierung.

      Eigentlich haben wir es inhaltlich mit einem relativ einfachen Politthriller/Krimi zu tun. Durch die künstlerische Aufbereitung erzeugt der Film eine paranoide Grundstimmung. Die Erzählmittel sind auch relativ einfach gehalten. Martins, der in eigener Sache Recherchen zu seinem verstorbenen Freund Harry durchführt, stößt immer wieder auf grobe Andeutungen, diverse Ungereimtheiten, auf eine Mauer des Schweigens, subtile Drohungen und sogar auf scheinbare Gespenster. Wem kann man trauen? Sogar die klassische Femme Fatale darf nicht fehlen.

      Der Schwarzhandel mit Penicillin dient dabei als Metapher für die wachsenden politischen Spannungen zwischen dem Ostblock und dem Westblock, das kalte Katz-und-Maus-Spiel der Geheimagenten, der Handel mit dem Schicksal von Millionen.

      Die Verfolgungsjagd zum Schluss in der Kanalisation findet sogar eine Reminiszenz in der japanischen Mangaverfilmung "Jin-Roh". Aus meiner Sicht jedenfalls.

      Ich weiß kaum, wo ich den Film einsortieren soll. Einer der besten Filme, den ich je gesehen habe. An Symbolgewalt und Atmosphäre kaum zu übertreffen. Aus dem Bereich Film Noir der Klassiker schlechthin.

      Der kriegt von mir nicht weniger als 9,5!

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        exterminatethemall 12.10.2015, 01:42 Geändert 12.10.2015, 01:43

        Warum findet die Polizei es nicht suspekt, wenn die einzigen Zeugen von Harrys Tod dessen Komplizen sind? Warum fertigen sie einen Bericht über den Unfall an, sind aber unfähig, das Gesicht des Toten mit Bildern von Harry zu vergleichen?

        Warum läd Harry Holly nach Wien ein, wenn er weiß, dass er untertauchen muss? Wenn er will, dass Holly ihn bei seiner Arbeit unterstützt, warum kontaktiert er ihn nicht, sondern lässt Holly ihn finden?

        Warum soll mir Harry, der mehrere Menschen auf dem Gewissen hat, am Ende leidtun (vgl. die Hände aus dem Gullideckel)? Und warum denkt Anna nicht ein einziges Mal darüber nach, ob Harry ihre Liebe verdient hat?

        Der dritte Mann gilt natürlich als Klassiker, dazu ist er technisch und ästhetisch zu gut. Aber über gewisse Fehler kann man nicht hinwegsehen, deswegen nur 9/10.

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          sachsenkrieger 06.10.2015, 23:29 Geändert 06.10.2015, 23:30

          HARRY: Denk dran, was Mussolini gesagt hat: In den 30 Jahren unter den Borgias hat es nur Krieg gegeben ... Terror, Mord und Blut. Aber dafür gab es Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe. 500 Jahre Demokratie und Frieden. Und was haben wir davon? Die Kuckucksuhr...

          Da mein alter Herr autodidaktischer Uhrmachermeister war, hatten wir ja immer mal wieder so eine kleine Nervensäge an der Wand hängen, die alle paar Minuten wie ein Springteufel aus dem Dachfenster knallte und im günstigsten Fall was ähnliches wie "Kuckuckuckuckuckuckuckuckuckuck" rief. Aber ob ich stattdessen lieber eine dauerdebil vor sich hin grienende, ältere Dame oder ´ne Tischgesellschaft beim gemeinsamen Schmaus an der Wand hätte hängen haben wollen ... kann man das so sagen? ... ich weiß nicht.

          Trotzdem handelt es sich bei dem von Orson Welles gesprochenen Text um eines der unvergesslichen Zitate der Filmgeschichte aus einem der bekanntesten aller Filme, der selbst nach 66 Jahren nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Ich habe ihn zwar notgedrungen in Etappen gesehen, war aber trotzdem nach weit über 20 Jahren immer noch mächtig beeindruckt, was Carol Reed uns da auftischt. DER DRITTE MANN funktioniert als Thriller vielleicht heute nicht mehr ganz so gut, wie er es damals getan hat, aber er reiht eine denkwürdige Szene an die andere und einige der am Film Beteiligten werden wohl hier den Zenit ihrer Karriere erreicht haben.

          Die unverwechselbare Zithermelodie, die Kameraführung durch ein beängstigend düsteres Wien, der Schnitt, die wahnsinnig guten Schauspieler und wie die Faust aufs Auge passenden Laiendarsteller, die Verfolgungsjagd ... all das und mehr sind Elemente, die diesen Film zu einem machen, den man mindestens einmal gesehen haben sollte. Ganz witzig, das der Film nur einen Oscar bekam, ihn aber jedermann kennt, während der mit 6 Oscars bedachte ALLES ÜBER EVA und auch einige andere Oscarsieger des Jahres 1951, wohl nicht nur mir völlig unbekannt sind. Und dann war da noch ein dritter Mann...

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            KleineAnmerkung 29.09.2015, 22:01 Geändert 29.09.2015, 22:04

            "Und dann war da noch ein dritter Mann", sagt Paul Hörbinger als Portier. Hätte er besser nicht sagen sollen, denn wenig später ist er wegen dieses Satzes tot. Für den einigermaßen naiven, aber doch grundsympathischen Wildwest-Roman-"Schriftsteller" Holly Martins (Joseph Cotten) ein Grund, den angeblichen Tod seines Freundes Harry Lime (berühmtermaßen gespielt von Orson Welles - da weiß man auch schon, dass er gar nicht so tot sein kann) zu untersuchen.

            Nun, es gibt meiner Meinung nach eigentlich nur positive Sachen über diesen Film zu sagen, er ist - ein Meisterwerk. Einfach mal zehn Gründe.
            1. Und es ist einer von den Filmen, die man auch sofort erkennt. Wenn ein Amerikaner rauchend und suchend durchs halbzertrümmerte Wien zieht und die Kamera so schief hängt, dass es quasi schon anzeigt, dass die Welt aus den Fugen geraten ist - dann kommt der Dritte Mann.
            2. Zur Unverwechselbarkeit dieses Filmes trägt sicherlich auch der vielzitierte Zither-Soundtrack bei. Die Musik ist so österreichisch - Da kann man kaum noch erkennen, dass der Film eigentlich aus Großbritannien kommt.
            3. Das authentische Bild von Wien nach dem Krieg: Da ist etwa die alte Hausbesitzerin, eine ehrwürdige alte Wienerin, die auf gutes Benehmen in ihrem erwürdigen Haus pocht, sich dann aber angesichst der schweren Zeiten mit zwei Zigaretten zufriedengibt und plötzlich schweigt.
            4. Ein Film zwischen Freundschaft und Pflicht. Was ist, wenn mein bester Freund/Geliebter schlimmer als ein Mörder ist? Soll man ihn verraten? Soll man ihn decken? Vor diesem Konflikt stehen Holly Martin (Harry Limes bester Freund) und Anna Schmidt (Harry Limes Geliebte). Beide entscheiden sich unterschiedlich und am Ende müssen dennoch beide Opfer beklagen. Überhaupt ist Der dritte Mann ein Film, der Illusionen zerstört - die Illusion eines besten Freundes, den man gut zu kennen scheint, und letztlich auch die Illusion einer Liebe. Eben nicht nur ein spannender Thriller, sondern ein menschlich berührendes Melodram.
            5. Ist "Der dritte Mann" ein Film noir? Viel diskutiert, doch die noir-typischen, wunderschönen Schattenspiele in den Trümmern sind vorhanden. Alleine schon für die Endszene hätte der Kameramann einen Oscar verdient gehabt.
            6. Die Riesenradszene mit dem Kuckucksuhr-Dialog: So sehr man Orson Welles' Harry Lime auch verabscheut. Hat er nicht recht? „In den 30 Jahren unter den Borgias hat es in Italien nur Krieg, Terror, Mord und Blutvergießen gegeben, aber sie brachten Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance hervor. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe, 500 Jahre Demokratie und Frieden. Und was hat es gebracht? Die Kuckucksuhr!" Damit will ich nichts gegen die Schweiz gesagt haben.
            Und im Riesenrad die ewige Frage: Wann will Harry seinen alten Freund denn endlich aus dem Riesenrad schmeißen?
            7. Die Charaktere sowie 8. Die Darsteller. Der Starautor Graham Greene hat in seinem Drehbuch wunderbare und sehr internationale Figuren entworfen, die man einfach lieben muss. Dann ziehen auch vielen komplexen, intelligenten und internationalen Figuren viel Aufmerksamkeit auf sich, nicht zuletzt weil sie so großartig gespielt sind. Während Orson Welles' Auftritt eines der besten Beispiele für die Kategorie "kurz und markant" ist, spielt sein (auch im echten Leben guter Freund) Joseph Cotten die Hauptrolle. Beide hatten ja bereits "Citizen Kane" (1941) miteinander gedreht, wo Cotten in der Rolle des idealistischen Reporters ja auch den zusehends moralischen Verfall seines Freundes Kane feststellen muss - und letztlich mit ihm bricht. (Dabei will ich wirklich nicht Charles Foster Kane mit einem kriminellen Schieber vergleichen).
            Dann sind da auch noch Trevor Howard, der in seiner Rolle des britischen Majors zunächst geradezu unangenehm wirkt und Bernard Lee als britischer Soldat (nach einigen Beförderungen später "M" in den James-Bond-Filmen); zudem Aida Valli in der geheimnisvollen weiblichen Hauptrolle, die den häufig vorkommenden Klischees in der Kategorie "Weibliche Hauptrolle" durch das gute Drehbuch entfliehen kann. Dann ja auch noch die deutschen oder österreichischen Schauspieler: Hörbinger-Clanvater Paul Hörbinger ist der gemütliche Österreicher als Pförtner, während Ernst Deutsch als exzentrisch dauerlächelnder "Baron" Kurtz sowie Erich Ponto (Professor Crey aus der Feuerzangenbowle) als geheimnistuerischer Dr. Winkel für sinister-komische Momente sorgen. Toll auch der kleine Junge mit seinem Ausruf "MÖRDER!!!".
            9. Ein Film, der sich Zeit lässt. Und das beginnt schon bei den Figuren. Holly Martins hat nichts anderes zu tun, als seinen Freund zu suchen (dabei könnte der Wildwest-Autor sich in der Zeit doch wenigstens das bei ihm fehlende literarische Wissen aneignen!) Aber auch die Szenen, etwa wenn eine Frau am Ende des Filmes 100 Meter geht und dem Zuschauer (zumindest mir) dabei nicht langweilig wird. Der Film treibt einfach dahin, lässt sich Zeit, kostet die Stimmungen aus ... das gibt es heute in unser schnellen Zeit selten noch.
            10. Die Frage, ob Regisseur Carol Reed und Autor Graham Greene mit dem Film eoine politische Botschaft über den beginnenden Kalten Krieg aussagen wollten, wie es einige Kritiker doch behaupten oder ob "Der dritte Mann" einfach "nur" ein einfacher Thriller ist.
            Wobei - selbst wenn er so einfacher Thriller wäre - er bliebe ein Meisterwerk. Also meiner Meinung nach.

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              vanilla 29.09.2015, 16:03 Geändert 29.09.2015, 19:48

              So, nun hab ich mich doch mal wieder an einen Filmklassiker herangetraut und mal wieder bin ich nicht begeistert.
              Vielleicht sind es die vielen Jahre....mittlerweile über 65 Jahre alt!!!!!
              Vielleicht hab ich ein größeres Problem mit black and white Filmen, als ich gedacht habe.
              Vielleicht war ich nicht in der richtigen Stimmung??
              Wer weiß das alles so genau.
              Fakt ist, dass dieser Film BESONDERS ist.
              Die schräge Kamera (für damalige Verhältnisse MEGA!), die ironie-verbreitende Zither-Musik (köstlich), die Lichtspiele (selten so gut gesehen wie hier), der Kurzauftritt von Orson Welles (was für ein imposanter Darsteller/Regisseur), oder der geniale Schauplatz Wien (Zerbombt nach dem 2ten Weltkrieg, wirklich sehenswert), das alles ist BESONDERS!! und hat keine schlechtere Bewertung verdient.
              Allein die Szene im Riesenrad, oder die Jagd durch die Kanalisation, alles wunderbar gemacht.
              Leider war dann alles im Endeffekt viel zu lahm, zu langweilig und vor allem zu ALT.
              Im Vergleich zu anderen Noir-Thrillern der heutigen Zeit, einfach zu ALT und nicht konkurrenzfähig.
              Natürlich könnte man sagen, aber für die damalige Zeit, oder es war doch der Vorreiter.....diese Dinge zählen wenig Bares, wenn man ihn 2015 anschaut.
              Deshalb kann ich diesen auch nur großen Klassiker-Liebhabern empfehlen, die kein Problem mit alten, oder schwarz-weiß-Filmen haben.
              Oder den großen Filmkritikern, die Filme gerne auseinandernehmen wie ne Gans am Feiertag, die werden sicher auch heute ihren Spaß mit "The third Man" haben.
              Alle anderen Finger weg, sonst gibt´s eins mit dem Schachbrett!!;-))

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                ..mal wieder angesehen..und der Film hat was..allein die Schlusszene wo die Hände aus dem Gullydeckel sind....okay die Musik nervt zum Schluß

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                • 10
                  brucelee76 26.08.2015, 19:59 Geändert 28.08.2015, 14:06

                  Hi Leute,

                  noch nie habe ich eine bessere Location für einen Film gesehen wie hier, in "Der Dritte Mann". 1949 Wien, so wie es war zur Nachkriegszeit.

                  Ein toller und zugleich düsterer Anblick wird dem Zuschauer über die Zustände während der Besatzung zugeteilt.

                  Mein Fazit: Carol Reed zeigt Wundermann Orson Welles, in einem zeitlosen Katz und Maus Spiel und den kriminellen Machenschaften unter den Besatzern.

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                    Dem allseits hochgelobten Film noir-Klassiker mit Orson Welles, konnte ich beim besten Willen nicht sonderlich viel abgewinnen. Das vom Krieg geschundene Stadtbild Wiens, als Schauplatz des Geschehens, fand ich hingegen, ebenso wie die Schattenspiele und Kameraarbeit, wirklich prima. Die Geschichte birgt im Kern gewiss seine Reize, wird mir aber insgesamt zu pomadig umgesetzt. Und was die berühmt-berüchtigte Zither-Filmmusik anbelangt, würde ich diese als grundsätzlich interessant bezeichnen, aber eben auch phasenweise etwas unpassend – zumindest was die Verfolgungsjagden betrifft.

                    Mal sehen, vielleicht werde ich mich an diesem vermeintlichen Meisterwerk nochmals zu einem späteren Zeitpunkt versuchen. Auf Anhieb hat mich "Der dritte Mann" jedoch ziemlich enttäuscht, ohne dass ich eine überzogene Erwartungshaltung gehabt hätte.

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                    • 7 .5

                      Gilt völlig zu Recht als Klassiker seines Genres. Vor allem die großartige Kamera hat es mir angetan, das ist wahre Handwerkskunst! Vom kongenialen ZIther-Thema mal ganz zu schweigen. Der Film an sich ist ein bedächtig erzählter, nichtsdestrotrotz immer spannender Krimi alter Schule. Für 1949 sind die Verfolgungsjagden beeindruckend inszeniert, die Action stimmt also. Geschliffene Dialoge runden das Gesamtbild ab.

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                      • 9 .5
                        Zloid61 10.05.2015, 10:53 Geändert 10.05.2015, 15:31

                        Toller, toller Film. Für die damalige Zeit extrem virtuos inszeniert, und damit reduzieren ich dieses nicht nur auf die kongeniale Kameraarbeit und Lichtgestaltung Robert Krasker´s. So rund wie ein Kreis, sanft wie Watte, und hart wie Stein. Von der Regie über Darsteller bis zur musikalischen Untermalung nahezu perfekt besetzt, bietet dieser Film von Spannung bis zur letzten Prise Humor alles was ein Werk dieses Genres haben muss.

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                          Splashy 31.01.2015, 14:41 Geändert 31.01.2015, 14:43

                          Erstsichtung: 13.01.2015
                          Vorhersage 7 --> Bewertung 3

                          Leider ist "Der dritte Mann" absolut hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben. Erwartet hatte ich einen spannenden Krimi im Nachkriegswien mit extrem guter Story. Bekommen habe ich einen relativ langweiligen Film mit lahmer Story, der jeden Anflug von Spannung sofort selbst wieder in den Wind schießt.
                          Das einzigst bemerkenswerte am dritten Mann war für mich die launige Zithermusik und die beeindruckenden Kulissen eines zerstörten Wien. Auch der viel zu kurz kommende Wiener Schmää konnte den Film schlussendlich nicht mehr retten.

                          "Den hams abdreht, mitm Messer!" ^^

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                          • 10

                            "Offen gestanden, ich habe das alte Wien nicht gekannt, das leichtlebige Wien des Walzertraums. Konstantinopel lag mir näher. Ich lernte Wien erst nach dem Zweiten Weltkrieg zur Zeit des Schwarzen Marktes kennen, auf dem mit allem geschoben wurde, was die Leute brauchten, vorausgesetzt, dass sie es bezahlen konnten. [...] Wer etwas von der Branche verstand, konnte reich werden."
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                            https://www.youtube.com/watch?v=2oEsWi88Qv0
                            Die Zither, die spielt so fein,
                            ein gespaltenes Wien soll der Schauplatz sein.
                            Schriftstellerei, ach, eine brotlose Plackerei,
                            bei gerissenem Handel wird man klüger und reicher sein.

                            Skrupel? Liebe? Anstand?
                            Alles Laster, die man bei ihm nicht fand.
                            Gewitzt und charmant
                            war es nur sein Schatten, der ihn bekannt.

                            Eine Freundschaft, ob die sie einst verband?
                            Oder gab es dort schon immer Abstand?
                            Und das Ende, das kommt durch des Freundes Hand?

                            Zumindest der mir eleganteste Klassiker, den ich bis dato erstand. :)
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                            So, jetzt aber Schluss mit dem lapidaren Geschreibsel. Vermutlich verkaufen sich Holly Martins' wohl ebenfalls mehr zweitklassigen Wildwestromanen besser als jenes.
                            Ich gestehe auch, dass ich angesichts der vielen schon vor mir verfassten Kommentaren, die den Film u.a. schon analytisch genau unter die Lupe genommen haben (allein im Internet finden sich dergleichen ebenso en masse; alles in eigenen Worten in einen Kommentar hier unterzubringen würde den Rahmen sprengen), nicht allzuviel zu sagen habe, mir der Film und insbesondere Anton Karas' Zither jedoch so gut gefallen und beschwingt zurückgelassen haben, sodass ich hier ein paar Zeilen zurücklassen muss. DER DRITTE MANN ist einfach ein Klassiker, an dem für mich alles stimmt: wunderbare Figuren, die man vom Charakter her schnell zu kennen glaubt, sich dem Griff des Zuschauers mit fortgeschrittener Laufzeit trotzdem entziehen; eine stilvoll inszenierte und spannende Geschichte (wobei ich sagen muss, dass sich die Spannung für mich aus dem zeitgeschitlichen Setting des Nachkriegswiens, sowie der ethischen Fragen des Schwazmarkthandels und der Beziehung zwischen den von Joseph Cotten und Orsen Welles verkörperten Figuren aufbauten), die durch großartige und süchtig machende Bilder unheimlichen Eindruck hinterlässt - und ein wunderbares Ende, wie man es geschickter nicht hätte erzählen können und bei mir den Nachgeschmack hinterließ, wer hier eigentlich (schon wieder) (ewiger?) Gewinner und Verlierer dieser Männerverbindung zwischen Holly Martins und Harry Lime ist.
                            Ein einzigartiger Film, der trotz seiner eher pessimistsischen und dunklen Themen etwas sehr Beschwingtes hat und ein Film, wie er mir einfach Spaß macht - auch wenn ich nur nach Unterhaltung suche.
                            Mit bestem Dank an Carol Reed und seine fantastische Crew!

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                            • 4

                              DER DRITTE MANN war von der technischen Seite her sehr interessant. Das Spiel mit der Beleuchtung wurde hier geradezu gekonnt auf die Spitze getrieben. Die Schatten, und das Spiel mit ihnen sind genial. Ebenso die Kameraarbeit, die die Bilder oft aus einer schrägen Perspektive wiedergibt. Zudem ist die mit ungewohnter aber toller Zither Musik eingefangene Atmosphäre des Nachkriegs Wien toll eingefangen.

                              Einzig die Spannung fehlte mir persönlich etwas. Das mag aber auch daran liegen, das ich probiere, mich erst wieder langsam beim Thema Klassiker zu resozialisieren. Aber die Riesenfreude habe ich bisher noch nicht daran gefunden. Ich bin aber eh nicht der Fan von Krimis.

                              Fazit: Technisch sehr starker Film, der mich von der Geschichte her leider nicht so gepackt hat. Die Verfolgungsjagd in der Wiener Kanalisation ist toll!

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                              • 9 .5

                                Endlich mal wieder eine Filmperle in s/w - mit einem verdammt guten Cast, guter Story, einem ästhetisch-zerbombten (wenn es das gibt dann nur im Film) Wien und guter Musik (das ich Zithermusik mal gut finde hätte ich auch nicht gedacht - erstaunlicherweise funktioniert es hier jedoch). Und ich glaube hier das erste Mal Orson Welles lächeln gesehen zu haben...Hab irgendwo gehört, dass daraus ein Musical gemacht werden soll?! Oh Bitte nicht!

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                                • 7 .5

                                  Wie man einen eigentlich hochspannenden und dramatischen Film künstlich ausbremsen kann: Spielt einfach durchgehend Zither-Musik. Das killt die Spannung um den Faktor 10.

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                                  • 6

                                    Ein weiteres Beispiel dafür, dass ich nicht das Publikum für die ganz alten Klassiker bin. Bis auf wenige Ausnahmen kommt bei mir meist keine Begeisterung auf. Klasse ist hier, das Setting. Die Handlung im Nachkriegswien zu drehen, gibt dem Film eine schöne historische Nuance. Toll ist vor allem auch Orson Welles, obwohl er nur wenige Szenen hat, reißt er den Film an sich. Wenig beeindruckend finde ich die Inszenierung. Alles läuft viel zu lahm und ohne besondere optische Eindrücke ab. Mir ist klar, dass dies dem Film gegenüber ungerecht ist. Für die damaligen Verhältnisse ist die Verfilmung möglicherweise besonders gelungen. Ich betrachte Der Dritte Mann allerdings aus heutiger Sicht und vergleiche ihn mit Filmen, die eine ansprechendere Dramaturgie und ansehnlichere Optik aufweisen. Zudem gehöre ich auch zu der Gruppe an, welche den Soundtrack eher ablehnt. Das Thema selbst ist eigentlich toll und darf auf keinem Sampler der alten Klassiker fehlen. Zudem passt es natürlich perfekt zum gewählten Setting in Wien. Allerdings geht es mir mit der Zeit dann doch gehörig auf die Ketten, dass es mehr oder weniger nur dieses eine Thema ist, dass höchstens mal im Tempo variiert.

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                                      Bester Wien...pardon Weingut!
                                      Als ich diese Kostbarkeit aus meinem "Filmkeller" holte, wurde ich von einem prickelnden Gefühl befallen. Ob dieser 1949 Jahrgang genauso schmecken würde, wie das erste Mal, als ich ihn probierte? Bei den ersten Duftnoten, war ich perplex. Er korkte nicht, non, non!!! Sein Terroir war auch deutlich zu erkennen: Wien nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Stadt ist in Besatzungszonen der vier Siegermächte USA, Sowjetunion, Frankreich und Großbritannien aufgeteilt. Das Bouquet ließ trotzdem auf sich warten. Ich dachte, naja, er hat mit den Jahren an Körper verloren, seine Farbe "noir" ist etwas blasser geworden, ins "Rosé" übergegangen. Aber dann kam die erwartete Explosion im Gaumen: Die leuchtende Erscheinung von Orson Welles in einem Hauseingang, das Schattenspiel, die Begegnung am Riesenrad im Wiener Prater, das gemalte Herz auf dem Fenster, die Musik, Annas Frage "Wissen Sie was ein Achtgroschenjunge ist?", die Flucht in die alle vier Sektoren Wiens verbindende Kanalisation, das Kanalgitter, durch das der sterbende Harry Lime seine Finger zwängt. Und dann dieser runde Abgang: Die Perfektion! Ich war erleichtert und glücklich. Dieser außergewöhnliche Jahrgang war gut gelagert und hatte an Größe gewonnen, denn je länger der Nachgeschmack, desto besser die Qualität.

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                                        Perfekt und zeitloses Meisterwerk der Schatten/Licht und Schnitttechnik.

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                                        • 8 .5

                                          Nach Kriegsende wird der amerikanische Groschenromanautor Holly Martins von seinem alten Freund Harry Lime ins besetzte Wien eingeladen. Als er in der teilweise zerbombten Stadt ankommt, muss er feststellen, dass sein Gastgeber tödlich verunglückt ist. Jedoch machen ihn die widersprüchlichen Zeugenaussagen skeptisch und er beginnt nachzuforschen... Carol Reed ließ sich für seinen Schwarzweiß-Thriller sowohl vom amerikanischen Film Noir als auch vom deutschen expressionistischen Stummfilm beeinflussen, was im häufigen Spiel mit Licht und Schatten und dem Einsatz von Dutch Angles zum Ausdruck kommt. Die kontrastreichen Bilder werden von Anton Karas ungewöhnlicher Zither-Musik (die Titelmelodie ist auch über den Film hinaus bekannt) gekonnt untermalt. Joseph Cotten spielt den erfolglosen Schriftsteller, der eigentliche Hauptdarsteller ist jedoch Wien: Ruinen und Trümmerfelder liegen dicht beieinander mit alten, erhaltenen Prunkbauten und opulenter Architektur. Solche Kontraste fängt die Kamera in imposanten und prächtigen Bildern ein. Die Geschichte um Holly Martins, der sich in Limes trauernde Freundin verliebt und letztendlich in ein Dilemma gerät, basiert auf dem Drehbuch des renommierten Autors Graham Greene. Zugegeben ist die Handlung ein wenig vorhersehbar, kann aber bis zum Ende fesseln. Ergänzt von einem tollen Cast und genialen Auftritt von Kino-Genie Orson Welles ist "Der dritte Mann" ein atmosphärischer, packender Filmklassiker in starken Bildern plus einer berühmten Verfolgungsjagd durch Wiens Kanalisation.

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                                          • 8

                                            Sehr schöner Film Noir. Die Geschichte ist natürlich stark, gerade die erste Hälfte ist sehr packend. Das Setting hat mir gut gefallen, gerade die nicht übersetzten deutschen Passagen in der OV wirken authentisch. Das Theme finde ich nicht ganz so legendär wie alle anderen. Irgendwo kurz nach der Halbzeit hat mir der Film ein kleines bisschen an Drive verloren, aber gegen Ende zieht er wieder an. Sollte man mal gesehen haben...

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                                            • 9

                                              Eine Filmperle! Muss man gesehen haben. Topp-Tipp: wer nach Wien geht, UNBEDINGT eine "Dritte-Mann-Tour" machen! Es werden natürlich die Drehorte besucht und man wird mit vielen Anekdoten und Hintergrund-Infos zum Film gefüttert!
                                              Es gibt eine Expertin (die auch Touren gibt), die hat ein großes Buch verfasst über diesen Film. Es lohnt sich.

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                                              • 8 .5

                                                [...] Das vom Krieg zerstörte und durch die Besatzermächte aufgeteilte Wien ist nicht nur eine eindrucksvolle Kulisse, sie wird zudem von Kameramann Robert Krasker wirkungsvoll eingefangen. Dunkle Gassen, zerbombte Ruinen, der Prater und natürlich das legendäre Finale mit einer minutenlangen Hetzjagd durch die Kanalisation. Wien ist kein beliebiger Schauplatz, nirgendwo anders könnte "Der dritte Mann" eine solche Atmosphäre erzeugen und neben dem eigentlichen Plot noch so viel Zeitgeschichtliches erzählen. Über illegale Schieberein, mit denen sich die verarmte Bevölkerung die Existenz und sogar das reine Überleben sichern muss, über das Misstrauen und der Furcht vor der übermächtigen Polizei der Alliierten, über Geheimnisse, Lügen und Betrug. Die Geschichte rund um den mysteriösen Unfall des Amerikaners Harry Line und den unbekannten dritten Mann scheint nur Eine von Vielen zu sein, die sich zu der Zeit dort abspielten. Eine Stadt, deren Bewohner eigentlich befreit und dennoch gefangen wirken. Eine Zeit des Umbruchs, nach dem Krieg, der Diktatur, doch noch lange nicht frei und autonom. Der optimale Nährboden für geheime Machenschaften, zwielichtige Gestalten und krumme Geschäfte. [...]

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                                                • 6

                                                  Ich fasse mich mal kurz. Die Handlung ist recht vorhersehbar und ich fand den Plot wenig spannend, dennoch ist der Film ganz unterhaltsam. Was mir wirklich von anfang an auf die Nerven gegangen ist, ist diese penetrante "Soundtrack". Das sich ewig wiederholende Gezupfe kostet den Film bei mir mindestens 1 Punkt.

                                                  • 8

                                                    Arthaus Close-up: Orson Welles

                                                    Teil 2/3: "Der dritte Mann"

                                                    Immer, wenn ich mir einen alten Film ansehe und mir der Soundtrack auf Anhieb bekannt vorkommt, dann weiß ich bereits, dass es sich hier um etwas besonderes handeln muss! So ist es auch bei Carol Reeds "Der dritte Mann". Doch eine bezaubernde Zither macht noch lange keinen ganzen Film aus!

                                                    Was ist also an diesem Werk noch absonderlich? Da wäre zunächst die Kulisse. Wir befinden uns in der Hauptstadt Österreichs. In einem besetzten Wien, eingeteilt in vier Besatzungszonen, einem zerbombten Wien. Ein Schauplatz, der hervorragende, expressionistische, erdrückende Bilder bietet, welche ausgezeichnet von Robert Krasker eingefangen werden. Insbesondere das Spiel mit dem Schatten wird hier beeindruckend dargestellt und seine schiefen Aufnahmen, welche die missliche Lage der Nachkriegszeit widerspiegelt. Ein perfekter Schauplatz für einen düsteren Krimi.
                                                    Ebenfalls bemerkenswert ist hier die Tatsache, dass der Film nicht nur in Wien selbst gedreht wurde, sondern auch tatsächlich während der Zeit der Besetzung! Das allein macht den Film schon so einzigartig.

                                                    Desweiteren wären da die großartigen Leistungen aller Schauspieler. Selbst die kleinste Nebenrolle wird perfekt umgesetzt und Joseph Cotten als Holly Martins schafft es, den Film zu tragen. Dennoch muss man hier sagen, dass Orson Welles als Harry Lime ihm eindeutig die Show stielt, auch wenn er nur knapp 15 Minuten zu sehen ist, so fesselt er den Zuschauer mit seiner Präsenz! Sein legendäres Lächeln am Türeingang, die erstklassige "Riesenrad-Szene" und die Hetzjagd in der Kanalisation bleiben einem im Kopf hängen. Da ist es schade, dass er nicht öfter zu sehen war!

                                                    Ich bin mir absolut sicher, dass meine Bewertung bei weiteren Sichtungen noch steigen wird, denn "Der dritte Mann" ist wahrlich ein großer Film, ein echtes Meisterwerk.

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