Shoah
Shoah (1985), FR Laufzeit 566 Minuten, FSK 12, Historienfilm, Dokumentarfilm
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7 Kommentare
Keine
von Claude Lanzmann,
Der französische Filmemacher Claude Lanzmann legte Mitte der 80er Jahre mit “Shoah” eine der radikalsten und umfassendsten Filmarbeiten über die Vernichtung des europäischen Judentums im Nationalsozialismus vor. 12 Jahre Arbeit, 350 Stunden Material, 9 1/2 Stunden Film gegen das Vergessen. Dabei verzichtet dieses epische Großprojekt auf Musik, auch auf jegliche Form des Kommentars und vor allem auf historisches Archivmaterial – auf die Bilder von Massengräbern, Gaskammern, von ausgemergelten Körpern. Im Mittelpunkt stehen nicht die Dokumente der Vergangenheit, sondern die Gegenwärtigkeit des Erinnerns. Lanzmann besuchte die Orte der Vernichtung, die “Todesfabriken” Chelmno, Belzec, Sobibor, Treblinka, Auschwitz und fand Orte vor, über die Gras gewachsen war. Daher die Insistenz, mit der er in Polen, in Israel, in den USA, in Deutschland letzte Augenzeugen der Katastrophe – seltene Überlebende der “Sonderkommandos”, Zuschauer und auch NS-Täter – ausfindig machte und zu Deportation und Lageralltag befragte. Das Erlebte aber drängt mit aller Kraft ins Vergessen. Es bedurfte eines hohen, psychologisch geschulten Aufwands und einer ausgefeilten Fragetechnik, um die Befragten zum Sprechen zu bringen und ihnen zu entlocken, was nicht bewältigt werden kann. Ohne chronologische Anordnung und bewusst fragmentarisch präsentiert, ergeben die Interviews ein subtil gewobenes Geflecht ineinander verschränkter Perspektiven auf das Unbegreifliche.
Cast & Crew
-
Claude Lanzmann
Regie
Schauspieler
- Genre
- Kriegsfilm, Ereignisdokumentation
- Zeit
- Zweiter Weltkrieg
- Ort
- Polen, Zug
- Handlung
- Ausrottung, Ethnische Säuberung, Genozid, Grab, Grausamkeit, Gulag, Holocaust, Jude, Jüdisch, Kindermörder, Kolaborateur, Kollaborateur, Konzentrationslager, Leiche, Leichenberg, Massengrab, Massenmord, Tempel, Todesschrei, Überlebender
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Filmdetails Shoah
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Kommentare (6) — Film: Shoah
Kommentar schreibenElMagico 2012/04/12 10:14:19
Kommentar löschenWas schreibt man da jetzt? Ein Thema, eine Intensität und auch eine Masse an Informationen die einen den Hals zuschnüren, aber auch gefühltes dünnes Eis, da man nicht weiss, ob selbst geringfügige Kritik angebracht ist. Da Lanzmann viele seiner Interviews unkommentiert lässt, gab es nämlich doch ein paar Momente, in denen ich dachte: So sollte man das nicht stehen lassen. Im Laufe der fast 10 Stunden Spielzeit werden diese Momente jedoch wieder relativiert, zeigt sich ein sehr ausgewogenes Bild und es werden eben dann doch die Interviewpartner entlarvt, die vieles Schönreden wollen.
Und so finde ich eben eigentlich nur eine Sache wirklich schade bei "Shoah": Das aufgrund der immensen Laufzeit wohl nur Menschen zu dieser Dokumentation finden, bei denen ideologisch wenig Gefahr einer Verharmlosung der Vergangenheit besteht. Ich weiss ja, dass Zwang nie wirklich gut ist, aber in diesem Fall würde ich mir wünschen, dass dieser Film einfach zum Lehrplan jeder Schule gehört. Einfach mal einen Tag alle anderen Fächer ausfallen lassen. Und wenn nur bei ein paar Jugendlichen etwas hängenbleibt, sich etwas bewegt oder irgendetwas angesprochen wird.
Ansonsten ist "Shoah" einfach eine unvergleichbare Erfahrung. Eine eindringliche, oft extrem bedrückende Dokumentation, die in keiner Situation nach Emotionen hascht, sondern einfach allein in ihren nüchternsten Momenten einfach für den normalen Menschenverstand unfassbar ist. Hinzu kommen aber auch menschliche Bilder, die eine Dokumentation meist so gar nicht einfangen kann. Besonders festgebrannt hat sich mir hier die Mimik von Simon Srebnik, während er auf die alten polnischen Einwohner des KZ-nahen Dorfest trifft. Während diese ungehemmt quasseln, scheint Srebnik sich völlig in sich zu verlirren, lächelt leer, während um ihn herum die Leute sich um Kopf und Kragen reden. In diesen Minuten sagt er durch sein Gesicht mehr als tausend Worte.
Und "Shoah" ist gespickt von solchen Momenten, die den Film manchmal erträglicher machen, meist einem aber etwas die Luft zum atmen rauben. Richtig abstossend und gruselig wird es aber immer, wenn SS-Unterscharführer Franz Suchomel zu Wort kommt. Alles, wirklich alles an ihm ist ekelhaft. Wie er sich gibt, wie und was er redet...purer Horror.
Sehr lange und bestimmt keine leichte Kost. Aber es lohnt sich so sehr. Man weiss einfach nicht was man sagen soll so recht, deshalb: Auch wenn das ein ziemlich oberflächlicher Kommentar ist (textlich tiefer einzutauchen trau ich mir einfach nicht zu), der Film ist es nicht und wenn nur 2,3 Leute sich diesen Brocken von Film stellen, dann waren die Worte ja auch nicht unnütz.
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moviessimo 2011/04/24 23:49:50
Kommentar löschenEs gibt keine mir bekannte filmische Auseinandersetzung mit dem Thema Shoah, die dem Dokumentarfilm von Lanzman auch nur das Wasser reichen könnte, vor ihm und nach ihm nicht. Man wird müde und abgestumpft von den Chroniken und Tausenden von Bildern von KZ-Opfern und Leichenbergen, Beknackte simple Unterhaltungsdokus von Guido Knopp, den Hitlers Bunkern und Schindlers Listen wo am Ende von all dem das Leben schön ist. Es gibt hier keine Handlung und keine Helden, keine Erklärungen, keine Statistiken und Deutungen. Nur Augenzeugen, Überlebende, die zu Wort kommen. Man hört ihnen zu und alles darüberhinaus Bestehende auf Zelluloid wird einfach überflüssig. Einfach niederschmetternd, beklemmend, beschämend.
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Framesurfer 2011/12/01 00:07:28
Antwort löschenLief der nicht in drei Teilen in den dritten Programmen?
Chrusuchopf 2011/03/28 20:10:44
Kommentar löschenDer Film vermag durch seine Interviews zu fesseln, die fehlende musikalische Untermalung vermisste ich nicht. Im Gegenteil, die Stille intensivierte das Betrachten und erzeugte eine depressive Grundstimmung. Und das Interview mit Abraham Bomba, dem Friseur von Treblinka, war etwas vom härtesten und emotionalsten was ich jemals gesehen habe.
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Herondas 2011/01/22 01:35:31
Kommentar löschenhm.
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Kubrick_obscura 2008/11/09 14:34:47
Kommentar löschenAn sich kommt man nur auf Superlative, denkt man an Claude Lanzmanns legendären Dokumentarfilm "Shoah". Dabei hat dieser Film nichts mit einer Legende gemein, sondern ist eine 9 1/2 stündige Bestandsaufnahme der Überreste des Holocaust in der Gegenwart.
Lanzmann verzichtet auf alles, was einen Dokumentarfilm bekanntlich "unterhaltsamer" macht. Es gibt keine eingespielte Musik und keinen Off-Kommentator, nur bloße, weiße Schrift und die Stimmen der Zeugen, der Übersetzer und des Regisseurs.
Gerade die Interviews sind wahre Dokumente der vergangenen Verbrechen. Wenn die Kamera immer drauf hält, ohne einen Schnitt zu machen, wenn die Opfer mit ihren Erinnerungen ringen, sie verdrängen wollen und meinen so einen Schrecken nicht in Worte fassen zu können.
Ja, Lanzmann stellt auch die Frage nach der Beschreibbarkeit der Ereignisse. An sich würde sein Film in sich zusammen fallen, würde er zeigen, dass die Erzählung, dem Erlebten nie gerecht werden kann, was ja auch so ist, aber Lanzmann hat einen ganz anderen Anspruch. Ihm geht es darum überhaupt etwas medial zu konservieren, damit es nicht in Vergessenheit gerät und oft sieht man auch, wie schwer es den Zeitzeugen fällt sich zu erinnern. Es muss festgehalten werden, auch wenn es unvollständig ist.
Dabei interessiert sich Lanzmann kein bisschen für historische Aufnahmen, nur weil es auf Film gebannt ist, ist dass Verbrechen nicht glaubhafter, nein, Film ist manipulierbar. Was nützt die xte Wiederholung der schwarz-weiß-verrauschten Bilder der Wochenschau, nur in der bloßen Reduktion der filmischen Mittel, im einfachen Abbilden des Gesichts des Interviewten, ergibt sich so etwas wie dokumentarische Wirklichkeit und "Shoah" ist reines Dokument.
Besonders herrausragend ist die Fragetechnik Lanzmann und sein Einfluss auf die Zeugen. Zuerst zieht er eine Schlinge aus eher harmlosen Fragen und zieht sie bei gewonnenem Vertrauen immer enger, nur um dann immer wieder die direkte Frage zu stellen: Was ist mit den Juden passiert? Und überall die gleiche Antwort. So wird Geschichte sichtbar.
Angesicht der vielen geschriebenen und gesprochenen Worte, könnte man als Cineast denken, einen äußerst unfilmischen Film zu sehen zu bekommen. Das Gegenteil ist der Fall: Durch die Schilderung der Verbrechen im Zusammenspiel mit den Bildern der Ruinen der Lager, ergibt sich ein filmisches Kunststück, was erst wieder Lars von Trier mit "Dogville" aufgreifen wird. Das Sichtbarmachen durch das Weglassen wird bei "Shoah" zu einer besonders schmerzhaften Erfahrung.
Trotzdem und das hört sich auf den ersten Blick sehr widersprüchlich an, kam es mir so vor, als wolle Lanzmann alles vom Publikum, NUR nicht sein Mitgefühl. In keiner Sekunde will er einen kathartischen Effekt herbeiführen. Dafür sorgt schon sein eigenes Auftreten im Film. Bei jeder noch so harten Frage und bei jeder noch so harten Reaktion des Zeugen, bleibt Lanzmann ruhig. Er zieht an seiner Zigarette und beim Ausatmen fragt er, wie hoch die Leichenberge waren.
Das ist weder kalt noch arrogant. Es ist die Haltung des Dokumentaristen gegenüber dem Wahnsinn, der längst vergangen ist, aber dessen Wunden nie geheilt werden können. Obwohl, will Lanzmann überhaupt, dass diese klaffende Wunde der Weltgeschichte, der deutschen Geschichte, je geschlossen wird? Ich denke nicht, es sei denn sie hinterlässt eine große Narbe, wie ein Mahnmal.
Wie bei einem herausragenden Dokumentarfilm üblich, beleuchtet der Regisseur alle Seiten der Medaillen. Juden, Polen, Historiker und Deutsche werden befragt. Gerade in den Interviews mit Deutschen, merkt man wie schwer die Wortfindung fällt. Ob die Frau eines Nazis oder ein Wachmann, alle haben das Problem den Holocaust in die Worte zu fassen, die sie wollen. Mal schwächen sie ab, mal werten sie auf, aber immer betonen sie ihre Unschuld und Unwissenheit, was bei einem der letzten Interviews schon zu einer Tortur wird.
Lanzmann bohrt tief mit der Schuldfrage und sieht die Endlösung nur als das Ende einer Reihe von kleinen Schritten an, die vom deutschen Volk, bei vollem Bewusstsein, gebilligt wurden. Wie man selbst dazu steht, sei dahin gestellt, unrecht hat Lanzmann aber nicht.
Erschreckend kommt zu Lanzmanns Untersuchung dazu, dass nicht nur die Ruinen der Todeslager überlebt haben, sondern auch das Gedankengut mit dem sie gebaut wurden.
Der Zuschauer, der wird allein gelassen mit diesen Berichten, mit den endlosen Fakten, zwischen Anzahl der Leichen und der Höhe der Bäume um das KZ, und muss Eigenverantwortung für sich und die Geschichte tragen. Wenn man den Film im Kino gucken durfte, so wie ich, in voller Länge und nach 9 1/2 Stunden wieder die Lichter angehen und man nach draußen geht, dann spürt man die Kälte erst wirklich.
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filmbaum 2008/07/15 16:58:28
Kommentar löschenLässt sich mit keinem anderen Dokumentarfilm vergleichen. Nicht weniger gelingt Lanzmann als die Sichtbarmachung von Erinnerung. Dabei verzichtet er auf jedes "historische" Bild und lässt das Vergangene in der Erzählung und dem Blick auf das, was von der Geschichte blieb, präsent werden. Auch kein Film über Helden, Überlebende, obwohl sie im Bild sind und berichten, aber das Thema von "Shoah" ist das Sterben und der Tod.
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filmbaum 2009/11/03 14:34:08
Antwort löschenHinweis: Es gibt momentan eine günstige Sonderausgabe von "Shoah" auf DVD.
Kubrick_obscura 2009/11/03 16:49:46
Antwort löschenDanke!