Tödliches Kommando - The Hurt Locker - Kritik

The Hurt Locker

US · 2008 · Laufzeit 131 Minuten · FSK 16 · Drama, Thriller, Actionfilm · Kinostart
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    BenAffenleck 06.08.2016, 21:19 Geändert 06.08.2016, 21:20

    “Der Rausch des Kampfes wird oft zu einer mächtigen und tödlichen Sucht. Denn Krieg ist eine Droge.“

    Ähnlich wie den Bombenentschärfern in Kathryn Bigelows packendem Irak-Kriegs-Drama ging es der Regisseurin nach einer langen und erfolglosen Schaffensperiode wohl auch. Ein kleiner Fehler, den falschen Draht zwischen den Schneiden des Seitenschneiders, ein kaum merkliches Zögern oder Zittern im entscheidenden Augenblick, Schweiß in den Augen oder mit den Gedanken schon beim Abendbrot und ….. BUMMMMMMMMMM .....die ganze Scheiße fliegt dir um die Ohren. Bei einer Bombe ist wenigstens sofort Feierabend, in Hollywood hingegen ziehen dir die Geier lebendig das Fleisch von den gebrochenen Knochen.

    Sieben Jahre nach ihrem Millionen Dollar Grab K-19: SHOWDOWN IN DER TIEFE konnte Bigelow doch noch ein Studio überzeugen, ihr einige Dollar anzuvertrauen. Und sie hat damit das absolute Maximum herausgeholt. Wie gut das Endergebnis wirklich ist, wurde mir jetzt erst bei der Drittsichtung im Kellerkino bewusst. Ohne viel Action oder auf patriotische Gefühlsduselei gebürstet zu sein, ist man hier so dermaßen mittendrin statt nur dabei, dass man bei jeder Bombenentschärfung mit schwitzigen Fingern am Batteriefach der Fernbedienung herumfingert, die 2AA raus nimmt und neu einlegt, die Abdeckung wieder vorsichtig darüber schiebt, bis diese mit einem befriedigenden ...‘Klack’... wieder einrastet.

    Mir falschen Erwartungen kennt THE HURT LOCKER keine Gnade. Da werden sofort alle Kabel gekappt, die zum Action-Intermezzo führen. Dieser Film lebt von dem “Ungewissen ritt auf der Bombe” und den 3 verschiedenen Charakteren des Kampfmittelräumdienstes, welche wir einige Wochen bei ihrer Arbeit begleiten.
    Das wirklich wunderbare an TÖDLICHES KOMMANDO ist die Kunst, dass Bigelow alle Spots wirklich auf diese eine Bühne richtet, und das Ergreifen jeglicher Partei ziemlich außen vor lässt. Ich wollte selbst nach der Drittsichtung immer noch nicht jedem Iraker eine Kugel in den Kopf schießen, und habe mir auch noch keinen patriotischen Adler in Blitzform auf die linke Brust stechen lassen.

    Die Intensität zieht Bigelows Reanimationobjekt aus Boals Drehbuch, der ja aus erster Hand berichten konnte, und das Erlebte ungeschönt zu Papier brachte. Gerade auch diese ständig unterschwellige Bedrohung, wenn der Feind seine Uniform ablegt und sich feige unter das eigene Volk mischt, sorgt für eine angespannte Stimmung. Beim Zuschauer und bei den Jungs im Tarnanzug.
    Bei Letzteren nagt das und die grausamen Bilder so dermaßen an der Psyche, dass es für sie nur noch darum geht, den Einsatz “irgendwie” zu überstehen. Andere wiederum können nur noch unter diesem ständigen Druck aufblühen, entscheiden sich im Angesicht des Todes für den richtigen Draht, versagen aber zu Hause im Supermarkt an der Auswahl der Frükstückscerealien und der sicheren Ruhe der eigenen Vier Wände. Der Wahnsinn ‘Krieg’ ist ein Arschloch, dass wird hier wieder einmal eindrucksvoll unterstrichen.
    Ein weiterer Punkt des ++ Ich-bin-ein-Teil-des-Teams-Gefühl ++ geht auf die Kappe von Kameramann Barry Ackroyd. Genial, wie diese nervöse Kamera dem Film gut tut, dieser dreckige und staubtrockene Look . Gerade bei den Bedrohungsszenarien hat man alles im Blick, wähnt sich im Gefühl einer Rundumsicht, die Blicke kollabieren beinahe wie die der Soldaten. Alles im Überblick behalten … irgendwo eine Waffe? Wer zieht gerade sein Handy? Flirrende Hitze … dutzende Menschen … viel zu viele Eindrücke ... weit weg. Wieder ein Handy!! Handeln? Rufen? Schießen? Die Hitze und die Anspannung lassen fast meine Leinwand implodieren. Mit wie vielen Kameras haben die das gefilmt? Irre.

    B U M M M M M M M

    Was für ein Sound, meine Bierpulle rollt vom Tisch und knallt mir auf den Hinterkopf. Volle Deckung, während ich mit einem Medikit zu meinem Subwoofer robbe. Tiefste Gangart.

    Über 6 Oscars (bei 9 Nominierungen) kann man sicherlich streiten, wie so oft. THE HURT LOCKER musste ich erst schätzen lernen, jetzt steht er an einem sicheren Platz in meiner Sammlung. Ein kleines trockenes TÖDLICHES KOMMANDO mit vielen großen Stars in beinahe aufopferungsvollen Nebenröllchen, um Jeremy Renners gnadenlos gute Performance erst möglich zu machen ... fiese Bombe!!!

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      HansNase 17.04.2016, 22:27 Geändert 18.04.2016, 17:03

      Kathryn Bigelows "The Hurt Locker" ist ein stark bebilderter, beengend spannender und in einzelnen Momenten psychologisch treffsicherer Film, der jedoch subtil Werbung für die militärische Einflussnahme der USA in der großen, weiten Welt macht.
      "Tödliches Kommando", so der deutsche Titel, tut dies aber nicht auf solch dümmlich naive Weise, wie es bei Clint Eastwoods "American Sniper" der Fall war - "The Hurt Locker" wählt eine Erzählung, scheinbar fernab der herkömmlichen Vorstellung des schießenden Soldaten. Es geht um den Kampfmittelräumdienst der US-Armee, um Bombenentschärfer im Irak-Einsatz. Da solle ein Bild vom harten Job dieser Männer gezeigt werden, es gehe darum, wie ein einzelner Messerschnitt durch einen Draht zwischen Überleben und Detonation entscheidet. So wie Wolfgang Petersens U-Boot-Helden nichts mit den Nazi-Schergen des Festlands zu tun haben, so könne man auch diesen verrückten Sprengstoff-Schnüfflern und in erster Linie Lebens-"Rettern" die Fragwürdigkeit des Irak-Kriegs nicht zum Vorwurf machen. Der Job-Alltag der u.a. von Jeremy Renner und Anthony Mackie gespielten Menschen wirkt in seiner Schilderung auch besonders eindringlich und ehrlich. Bigelows Film ist tatsächlich keiner dieser langweiligen Camouflage-Kostümfilme, die mit eintönigem Kugelhagel in den Schlaf wiegen. Hier stellt sich oft die Frage, ob sich hinter der verdächtigen Ruhe während einer Bombenentschärfung nicht doch die tödliche Gefahr eines feindlichen Fingers auf dem Fernauslöser verbirgt. Die psychologische Belastbarkeit der Protagonisten wird recht umfang- und einfallsreich diskutiert. Eine Kritik am Irak-Krieg wird dabei überhaupt nicht deutlich - Das sei ja auch nicht nötig, hier gehe es, wie erwähnt, bloß um die Kaltstellung von Sprengfallen.
      Doch an einer Stelle verwandelt sich die Kampfmittelbeseitigung plötzlich zu einem verdächtig klassischen Scharfschützen-Szenario. [SPOILER!] Dieser Wechsel erfolgt klammheimlich, erst durch einen Hinterhalt geraten die "Helden" in die Ausgangslage gewöhnlicher Hollywood-Soldaten - Auge in Auge, gefressen oder gefressen werden. Eldridge, einem eher unerfahren wirkenden Mitglied der Einheit wird von Sergeant James (Jeremy Renner), dem extrovertierten Kopf der Truppe, die Erschießung eines befeindeten Heckenschützen anvertraut, den Eldridge in einiger Entfernung ausgemacht hatte. Als dies gelingt, erfährt er eine nüchterne, unbeeindruckte Anerkennung von James und Zufriedenheit, Erleichterung, Stolz machen sich auf Eldridges Gesicht breit. [SPOILERENDE] Diese Szene zeige, so suggeriert es der Film, einen Menschen im Moment einer allgemeinen Bewusstwerdung. Einer Bewusstwerdung, wie Krieg funktioniere, welche Regeln man zu befolgen habe. Das ist der haarsträubende Euphemismus hinter Bigelows großem Oscar-Gewinner. Es ist die Beschönigung, dass das alles System habe und ohne dass man es so recht merkt, wird das positive Bild vom Job der Bombenentschärfer auf die gesamte Armee ausgeweitet. Bedenklich wird das allerdings erst in Einklang mit den Schlussszenen. [SPOILER!] Jeremy Renner steht dort, in die Heimat zurückgekehrt, vor dem riesigen, nicht enden wollenden Cornflakes-Regal eines Supermarkts. Vor dem Hintergrund dieses Reichtums wird sein inneres Bedürfnis nach der Rückkehr in den Irak begründet. Mit ebenjener endet der Film, begleitet von bekräftigender Musik. [SPOILERENDE] Nicht nur, dass damit und mangels der kritischen Töne eine Bejahung des Irak-Kriegs erfolgt - Die Begründung des Sergeants, den Menschen im umkämpften Land helfen zu müssen, stellt das Unterfangen sogar noch als so etwas wie einen humanitären Einsatz dar. Mithilfe des Cornflakes-Regals spricht Bigelow hier direkt zum US-amerikanischen Kinozuschauer - militante Werbung. Aus filmischer Sicht ist "The Hurt Locker" dennoch interessant - Bald metaphorisch anmutend werden die Bomben des Iraks mit seinen Menschen eins, Zeitlupen halten die anrüchige Ästhetik der Explosionen fest und nahezu ikonisch kommen sie daher - Die Kampfmittelräumer in ihren "Raumanzügen".

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      • 2 .5

        diese verdammten iraker. kämpfen einfach gegen die amerikanische besatzungsmacht

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        • 8 .5

          Ein Anti Kriegsfilm der besonderen Sorte! Warum? Weil es bis dato noch keinen gab, der sich mit Bombenentschärfungen im Kriegsgebiet beschäftigt (zumindest kenne ich keinen) und das hat mich einfach gefesselt.
          Spannung pur! Ein super Jeremy Renner!!!
          Anschauen!

          • 9

            Jänsehaut-Gino!!!

            • 6

              Aha, mit sowas heimst man also sechs Oscars ein, inklusive der drei Hauptkategorien Film, Regie und Drehbuch. Angesichts der Konkurrenz, soweit ich die Nominierten gesehen habe, war es wohl das kleinste Übel. Man stelle sich nur vor, dass Cameron für seinen zusammengeklauten Avatar einen der großen Oscars kassiert hätte.

              Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ich sage nicht, dass Hurt Locker ein schlechter Film ist, aber wenn ich meinen Blick so über die Bewertungen schweifen lasse, hebt sich meine Augenbraue fast im Affekt. Für meinen Geschmack lässt der Film zu viel offen, vieles wird nur angerissen. Ich erwarte nicht, dass so ein Film klar Stellung bezieht, und die Neutralität, soweit man davon sprechen kann, ist auch nicht falsch. Allerdings wirkt das alles trotz der Länge unvollständig. Das Ergebnis überzeugt mich nicht richtig. Es ist, als hätte ich eine handvoll Tagebuchseiten bekommen, Fragmente, mit denen ich nur bedingt etwas anfangen kann. Zum Beispiel die Szene in der Bombenwerkstatt, in der eine noch brennende Zigarette entdeckt wird. Das wird festgestellt, aber keiner geht dem nach. Wieso nicht? Wieso sucht man die Person nicht, die nur wenige Meter entfernt sein könnte, um im richtigen Moment eine Bombe zu zünden? Es sind Dinge, Szenen wie diese, bei denen sich mein Bauch meldet, und wo ich mich frage, wieso der Film so hoch gehandelt wird. Offenbaren sich mir die Stärken nicht richtig, oder anderen die Schwächen? Wie dem auch sei, ich kann einen Film nur so bewerten, wie ich ihn gesehen und erlebt habe.

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              • 9 .5

                Sehr guter Anti-Kriegsfilm, könnte sogar mein Liebling in der Kategorie werden.
                Jeremy Renner spielt hier alles an die Wand.
                Dauerhafte Spannung ist garantiert und geht unter die Haut.

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                • 8

                  Hier kann man die Angst förmlich spüren und sehen, wo man sonst nur schauen kann.
                  Lest den Klasse Kommi von Jacker:
                  " ... ein Kriegsfilm wie er sein sollte. ..., denn eigentlich sollte es gar keine Kriegsfilme geben müssen, weil es keine Kriege geben muss. "

                  • 7 .5

                    Mal ein anderer kriegsfilm. Kaum geballer und kein nervender amerikanischer patriotismus, dafür verdammt spannend.

                    • 7

                      THE HURT LOCKER ist ein Kriegsfilm mit dokumentarischen Ansätzhen. Man erlebt mit den Männern des Kommandos Bravo mit, wie der Kriegsalltag aussehen kann. Man lernt, sie zu verstehen, man begreift, warum ihre Kommunikationsfähigkeit immer schwächer wird - sie kämpfen ums Überleben, sie haben ein tödliches Kommando. Das Zusehen macht nicht immer Freude, aber so ungefähr könnte man sich den Krieg wohl vorstellen :-; Wörter wie GUT oder BÖSE werden nicht verwendet, der Krieg ist für alle eine böse Zeit, das kann der Film gut aufzeigen :-)

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                      • 2 .5

                        Gute Ansätze aber leider schwach Umgesetzt hat mich etwas enttäuscht.

                        • 6 .5
                          wenzel.venohr 12.07.2015, 19:12 Geändert 12.07.2015, 19:13

                          Bester Film Oscars 2011! Meh… Um fair zu bleiben, The Hurt Locker ist alles andere als schlecht! Der dokumentarische Look ist super. Der Film zeigt auf, kommentiert dabei aber nicht und vermittelt so ein unglaublich realistisches Gefühl, keine gehetzte Ballerorgie, wie es noch Black Hawk Down war. Man taucht regelrecht ein in den Alltag dieser Soldaten. Das lange, angespannte warten bei Einsätzen, die drastischen Sicherheitsvorkehrungen, all das wirkt doch sehr authentisch. Nur versucht der Film viel zu sehr eine Doku zu sein, als ein Spielfilm. So geht der Streifen über zwei Stunden, ist im Endeffekt aber doch relativ substanzlos, da der rote Faden fehlt. Die Szenen an sich sind für sich alle gut und stimmig, hätte man was rausgeschnitten würde es aber keinen Unterschied machen. Ebenso werden die Figuren zu oberflächlich behandelt. Man lernt zwar alle halbwegs kennen, aber eben nur halbwegs. Am Ende des Films weiß ich nur: Ah, Jeremy Renner entschärft Bomben und hat ein Kind. Wieso er allerdings so ein kleiner Adrenalinjunkie ist, wird nie wirklich klar gemacht. Letztendlich kann man es so oder so betrachten: Schön dokumentarisch eingefangen oder aber einfach nur unterinszeniert? Das muss man irgendwo selbst entscheiden. Sehenswert ist das Ding finde ich trotzdem.

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                          • 9

                            Ich bin ohne jegliche Erwartungen an diesen Film gegangen.
                            Hatte zwar durch Empfehlungen schon von gehört, ihn mir dann aber spontan einen Abend angeschaut und ich war sehr positiv beeindruckt.
                            Ein gebrochener Mann, der so in seiner eigenen Welt lebt das er sich vom normalen Leben, seiner Familie und dem Alltag komplett distanziert,
                            Der einzige Mann der sich dem Platz nähert, von dem sich alle entfernen wen sie erfahren was los ist.
                            Jeremy Renner, super gespielt.
                            Mega cool!
                            Auch die Nebenbesetzng wie Ralph Fiennes und Anthony Mackie machen diesen Film zu einem Genuss.
                            Sehr gut gemacht.
                            Auch das Ende ist mal kein Klischee Ende, und sehr realistisch gestaltet.
                            Daumen hoch, schaue ich mir sicher noch das eine oder andere Mal an.

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                            • 7 .5

                              Kriegspsychogramm und weniger Antikriegsfilm

                              Ich habe meine Probleme mit der Bezeichnung „Antikriegsfilm“. Ich habe das schon mehrmals versucht zu erläutern. Viele Kriegsfilme (egal welchen Krieg sie portraitieren) zeigen im Grunde Kriegsgeschehnisse, die eingebettet sind in eine Geschichte, die eben eine Geschichte ist. Will heißen, dass der Krieg im Film instrumentalisiert wird, um Szenen zu zeigen, die dramaturgisch aufgebaut sind. Um Emotionen zu wecken und etwas zu zeigen. Das Problem was bei mir besteht ist, dass Krieg formal nicht fassbar ist. Wir können zwar Bilder zeigen, wir können aber den Krieg nicht verstehen, weil er unfassbar ist. Weil er nicht in 2 Stunden abgehandelt werden kann. Weil Krieg eben nicht dramaturgisch aufbauend ist. Weil er sich der Logik des Lebens (sofern es eine gibt) entzieht. Und so sind Spielfilme über Kriege auch eher theatralische Ergüsse des Ausbeutens von Leid. Und damit habe ich eben ein Problem. Ein richtiger Antikriegsfilm müsste im Prinzip 2 Stunden lang nur reinste Kriegsgräuel zeigen. 2 Stunden permanentes Bombardement. Schüsse, Explosionen, Gedärm, Geschrei…..keine Geschichte. Keinen Aufbau. So wie Krieg eben ist: unlogisch und zerstörerisch. Wenn nun ein Film eine Geschichte einbettet in den Krieg, wird der Krieg nicht in seiner gesamten Perversität gezeigt, sondern er benutzt den Krieg um seine Handlungsdramaturgie voranzubringen. Und das stört mich ein wenig. Die erste halbe Stunde von „Der Soldat James Ryan“ wäre für mich ein Paradebeispiel für einen Antikriegsfilm. Hier wird Krieg gezeigt wie er ist. Und hier entsteht, nur durch Bilder und Geräusche eine Antikriegshaltung. Denn hier wird der Krieg dargestellt wie er ist. Es gibt auch andere Filme, die Ansätze davon zeigen. „The big Red One“ wäre so ein Beispiel. Auch „Platoon“ hat solche Elemente. Aber dennoch ist es eine Geschichte, die wir, die den Krieg so nicht miterlebt haben, nicht nachvollziehen können. Auswirkungen des Kriegsgeschehens sind da eher an der filmischen Tagesordnung. Einer der härtesten Filme über die Verrohung des menschlichen Geistes ist „Die Grauzone“. Und in diese Kerbe schlägt „The Hurt Locker“ auch ein. Es ist eher ein Psychogramm eines Kriegsversehrten der Seele. Kein Antikriegsfilm. Er beleuchtet den Menschen in einer Situation der geistigen Ohnmacht. Er zeigt, was der Krieg aus einen machen kann. Aber auch hier benutzt er den Krieg als Mittel zum Zweck. Würde man einfach die Handlungsorte wechseln, wäre das Ergebnis dasselbe gewesen. Statt Irak denke man sich einfach eine Großstadt vor. Statt Soldat ein Elitepolizist. Fertig wäre derselbe Film. Nur örtlich woanders gelagert. So ist dieser Film ein Psychogramm eines Menschen geworden in Extremsituationen aus denen er nicht mehr geistig rauskommt. Das ist zugegebenermaßen sehr gut inszeniert. Bigelow kennt ihr Handwerk. Jeremy Renner spielt sich die Seele aus dem Leib. Bekannte Darsteller tauchen nur für ein paar Minuten auf und verschwinden. So kann man sich mehr auf die Handlung konzentrieren. Die Kamera ist exzellent und siedelt sich eher im dokumentarischen an (der Kameramann kommt auch eher aus diesem Gewerbe). Also von der Inszenierung her gibt es nichts auszusetzen (obgleich ich mich frage ob der Oscar für die beste Regie gerechtfertigt war. Es gab inszenatorisch bessere Filme in diesem Jahr. Ich tippe eher auf eine politische Entscheidung: eine Frau war mal dran.). Dennoch. So gut er auch gedreht und geschauspielert wurde, hinterlässt er bei mir ein zwiegespaltenes Gefühl. Gut, aber austauschbar der Handlung wegen.

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                              • 9 .5
                                TheFilmkritikerHD 08.05.2015, 14:39 Geändert 09.06.2015, 22:52

                                starker Film und dazu kommt auch noch jeremy Renner, der hier auch ziemlich gut einen draufgengärischen bomben entschärfer spielt.
                                Auch ist der Film sehr realistisch gemacht.
                                10 punkte bekommt der Film von mir.

                                • 9

                                  Ein wirklich sehr guter Film! Vor allen Dingen ist er sehr realistisch und authentischt. Ich finde es beeindruckend wie differenziert der Film die Lage des Stabilisierungseinsatzes im Irak darstellt.Hier wird nichts schwarz/weiß gesehen. Weder werden die Soldaten als grausame Mörder, noch die Irakis als Terroristen pauschalisiert. Ich würde nicht, wie mancher hier, sagen, dass The Hurt Locker die Besetzung des Iraks als sinnlosen Krieg darstellt, allerdings hatte der vorangegangene Irakkrieg erst zu dieser Lage geführt, aber darauf will ich auch nicht eingehen. Vielmehr betrachtet er die Auswirkungen der extremen Situationen für die einzelnen Soldaten.

                                  Eine negative Sache ist mir allerdings doch aufgefallen: Der EOD-Trupp von Sgt. James scheint ein ziemlicher Alleskönner-Trupp zu sein, da er neben seiner eigentlichen Aufgabe auch anspruchsvolle infanteristische Aufgaben und sogar Scharfschützenduelle durchführen kann.

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                                  • 10
                                    ju.ku.750 11.04.2015, 21:30 Geändert 12.04.2015, 00:22

                                    „Der Rausch des Kampfes wird oft zu einer mächtigen und tödlichen Sucht. Denn Krieg ist eine Droge.“
                                    --Chris Hedges, Kriegs-Korrespondent und Journalist der New York Times.

                                    Dieses Zitat, mit dem der Film beginnt, beschreibt "The Hurt Locker" von Kathryn Bigelow wohl am besten.

                                    Auf keinen trifft diese Aussage mehr zu als auf die Figur, die Jeremy Renner verkörpert. Er ist süchtig nach dem Krieg, ein richtiger Adrenalin-Junkie, der im normalen Leben mit Frau und Kind nicht klarzukommen scheint. Die Sucht nach dem nächsten Kick zwingt ihn dazu, alle Vorsichtsmaßnahmen im Krieg zu umgehen, um das Risiko künstlich noch mehr zu erhöhen. Dabei weiß er selbst nicht, wieso er dem Drang, sein Leben immer wieder aufs Spiel zu setzen, nicht widerstehen kann.

                                    Das macht für mich den Film so faszinierend und sehenswert!

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                                      Ultraspannender Antikriegsfilm mit tollen Bildern und Schauspielern und einer Wahnsinns-Atmosphäre. Bin sehr beeindruckt und freue mich schon darauf, weitere Filme von Bigelow zu sichten.

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                                      • 9
                                        expendable87 28.03.2015, 15:09 Geändert 28.03.2015, 15:12

                                        mit 'The Hurt Locker' kreierte (wohl betont) regisseurIN-Bigelow (zero dark thirty) im wahrsten sinne des wortes, hochexplosiven und nervenzerfetzenden zündstoff, welcher ab der ersten minute tief unter die haut geht!!!
                                        das actionreiche und atmosphärische kriegsdrama besticht vor allem durch seine authentizität, welche mittels bildtechnischer perfektion, einer detailgetreuen inszenierung und bedeutender charaktertiefe, wie auch einem bombigen schauspiel (besonders das von Jeremy Renner, welchen ich seit '28 Weeks Later' immer wieder gerne seh), weit über das übliche maß hinausgeht!
                                        eine verschnaufpause sei einem nicht gegönnt, Bigelows 'Tödliches Kommando' hält das in die röhre starrende publikum mit seinem kontinuierlichen spannungsbogen von anfang bis ende in atem...
                                        ...in diesem fall ist der gebannte zuschauer dem brutalen krieg lediglich zwei stunden ausgesetzt, einen wimpernschlag vom tod entfernt, kämpfen (nicht nur amerikanische) soldaten hingegen über jahre hinweg, tag für tag ums überleben, dabei müssen sie stets schwierige entscheidungen treffen und alptraumhafte erlebnisse verarbeiten...von waghalsigen kämpfen merklich traumatisiert und im zivilen alltag deutlich überfordert, gelingt es einigen nicht ins 'normale leben' zurückzukehren! >Krieg Ist Eine Droge< ...mit dieser botschaft endet das aufwühlende spektakel auf dem bildschirm...doch im kopf, spielt es noch lange weiter!!!
                                        ...
                                        fazit: ich appelliere an genre-freunde, welche sich dieses nicht zu entschärfende meisterstück, das meiner meinung nach zurecht mit sechs oscars ausgezeichnet wurde, bis heute nicht zu gemüte geführt haben!
                                        Die Uhr Tickt!!!

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                                          „Der Rausch des Kampfes wird oft zu einer mächtigen und tödlichen Sucht. Denn Krieg ist eine Droge.“ Was das letztendlich mit dem Film zu tun haben soll, bleibt mir irgendwie noch ein Rätsel und ich finde dieses Zitat auch unpassend, denn das ist sicherlich nicht der Tenor des Films. Zwar ist Sergeant James ein relativ routinierter Hund und rattert seine Bomben-Entschärfungen nur so runter während seine beiden Partner ansatzweise menschliche Regungen wie Angst und Verzweiflung zeigen; bringt diese durch seinen, sagen wir mal Eifer und seine Sorglosigkeit immer mal wieder in Gefahr und scheint an allem auch noch irgendwie Spaß zu haben. So gesehen ist es keine Sucht, die ihn treibt, es ist mehr eine Fähigkeit, die er sich angeeignet hat, um in jenem alltäglichen lebensgefährlichen wie sinnlosen Treiben nicht durchzudrehen, was im Film auch dann und wann mal durchsickert. Dafür zahlt er letztendlich einen hohen Preis.

                                          Abgesehen davon, dass es hier in den Diskussionen oft auch schnell politisch wird ist "The Hurt Locker" gar kein politischer Film. Er diskutiert bzw. beleuchtet zu keinem Zeitpunkt die Intentionen der USA im Irak, die Ambitionen der Terroristen oder Menschen im allgemeinen dort und beurteilt so gut wie gar nicht. Er glorifiziert auch nie das Engagement der Soldaten dort, so wie man es aus vielen anderen amerikanischen "Anti"-Kriegsfilmen kennt. Er zeigt einen Alltag, der kaum einen Sinn ergibt und der den Soldaten fast zu jedem Zeitpunkt ihr Leben kosten kann und schafft es, dieses Gefühl in Form von Spannung auf den Zuschauer zu übertragen - und das ohne überbordende Kriegsaction und Materialschlachten. Auch wenn James ein wenig zu cool wirkt und am Ende nur einen Sinn im Leben sieht, schafft es der Film jene Kritik im Vorfeld zu entkräften, es könnte sich am Ende doch um eine Art "Werbefilm" für das heldenhafte amerikanische Soldatentum handeln.

                                          Was mir an dem Film dann letztendlich gefehlt hat ist eine überzeugendere Darstellung des "Abstumpfens" von Soldaten wie Sergeant James und jener Soldaten, die der psychischen und körperlichen Belastung eher weniger entgegen zu setzen haben - also einen deutlicheren Gegensatz herauszustellen. Aber wer von uns will beurteilen, wie so ein Alltag aussieht. Alles in allem ist "The Hurt Locker" ein überzeugender Film, der vor allem durch seine Spannung überzeugt. Am Ende bleibt die Aussage, dass weder das, was die Soldaten noch was die Terroristen dort tun irgendwie einen Sinn ergibt. Und das allein ist doch schon ein annehmbares Statement.

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                                            Wiese dieser jetzt der großer Abräumer bei den Oscars war kann ich mir nicht erklären.
                                            Denn sowohl "Avatar", als auch "Inglouriours Basterds", zähle ich zu einzigartigen Meilensteinen der Filmgeschichte.
                                            Das kann man von "The Hurt Locker" nicht behaupten.
                                            Der Anfang ist sensationell.
                                            Tolle Kamera, super Spannung und nervenzerfetzende Momente begleiten fast den gesamten Film.
                                            Man spürt die Angst der Bombenentschärfer.
                                            Man hört laut das Herz pochen.
                                            Man riecht förmlich ihren Schweiß.
                                            Das sind natürlich tolle Momente, die diesen Film auszeichenen.
                                            Jedoch zieht sich das über den ganzen Film, der auch einige Längen verborgen hat und macht aus ihm keinen Ausnahmefilm, sondern einfach einen guten Anti-Kriegsfilm mit guten Darstellern.
                                            Jeremy Renner und Anthony Mackie sehe ich sehr gerne, deshalb auch hier eher Pluspunkte.
                                            Kathryn Bigelow kann es aber besser.
                                            Das hat sie bereits mit "Strange Days" und vor allem mit "Gefährliche Brandung" gezeigt.

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                                            • 9

                                              Kategorie Antikriegsfilm. Starke Wirkung durch den Dokumentarfilm-Charakter; ich finde nicht (anders als huababuar vor 3 Mt.) , dass "der emotionale Aspekt leider komplett auf der Strecke bleibt und die Darsteller austauschbar wirken". Ganz im Gegenteil: Bigelow gelingen präzise Charakterisierungen und psychologische Profile, immer unter der Fragestellung: Was macht der Krieg mit jedem Einzelnen?

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                                              • 7 .5
                                                gassifan2410 10.01.2015, 00:02 Geändert 10.01.2015, 00:06

                                                "Kathryn Bigelow war die erste Frau die einen Regie-Oscar gewann. 2009 für The Hurt Locker"
                                                Zitat aus der mp Oscar Faktenflut

                                                ***Könnte SPOILER enthalten***

                                                Seitdem ich die gesehen habe, stand der Film auf meiner Anschau-Liste.
                                                Jetzt endlich gesehen.
                                                Die Frau schickt ihre Schauspieler in ein gutes Kriegsdrama mit dichter Atmosphäre.
                                                Gerade das Scharfschützenduell in der Mitte des Films ist unfassbar gut inszeniert und man fürchtet sich förmlich vor dem nächsten fallenden Schuss.
                                                Wenn die Jungs dann wegen der Trockenheit und Warterei durst kriegen, möchte man am liebsten auch etwas trinken.
                                                Die drei Hauptdarsteller, insbesondere der damals noch eher unbekannte Jeremy Renner, spielen ihre Rollen überzeugend. Man sieht, wie ihnen der Krieg an die Nieren geht.

                                                Insgesamt hat Frau Bigelow gute Arbeit abgeliefert. Ich sollte mir wohl mal ihre anderen Werke zu Gemüte führen.

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                                                • 3
                                                  brucelee76 28.12.2014, 19:03 Geändert 28.12.2014, 19:05

                                                  Hi Leute,

                                                  so jetzt ein paar schlechte und ein paar gute Nachrichten.

                                                  Die Schlechten (wahren): Seit der Unabhängigkeit und Einführung der neuen US-Dollar Note in Jahre 1912, MÜSSEN die U.S.A(rmy) globalen Krieg spielen. Sei es auch nur um Erdnüsse. Diese globale und profitable Kriegs-Rendite kommt für den lauen US-Haushalt immer zu Gute. Dank einer maroden Produktions-Industrie und Handwerkskammer die der einer Steinzeit gleichen. Dank der Kontrolle über Geschichtsbücher und Nachrichtendienste wird der Mensch mit solchen Irrglauben konfrontiert wie Terror, Kommunismus, Vogelgrippe, Kreditkarten, Waffengesetze und so etwas wie eine Mondlandung!

                                                  Die Guten: Nicht desto trotz steht Amerika für die individuelle Freiheit eines Menschen und hat das Land hat verdammt viel zu bieten!

                                                  Okay jetzt versteht auch der letzte Hinterwäldler was die U.S.A(rmy) im Irak zu suchen hat. Außer Erdöl und ein paar verzweifelte Selbstmord Bombenleger gibt es dort gar nichts. Aber ja die Weltpolizei USA, zeigt uns mal wieder wie toll und human die US-Army ist. Mit ihren ach so tollen und Ultra Modernen Anti-Bomben-Anzüge, die auf Patrouille ein paar missratene Terror-Buben entschärfen wollen. Liebe Amis ihr verwechselt da etwas, nicht die Hardcore-Terroristen sind die Aggressoren, sondern IHR seid es!

                                                  Für mich ein Skandal das dieser Pro-US-Kriegsfilm den Oscar als bester Film gewonnen hat.

                                                  Mein Fazit: Miss Bigelow, auch dieser Soldatenfilm ging in die Hose. Es wird in keinster weise Selbstkritik ausgeübt. Im Gegenteil, die den ganzen Schlamassel eingebrockt haben verschlimmern die Lage nur noch. Die Gier nach Erdöl wird euch noch teuer zu stehen kommen. In diesem Sinne Friede, Puste und Eierkuchen.

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                                                  • 9 .5

                                                    Lange hab ich diesen Film vor mir hergeschoben. Ich hatte Angst, dass er auf irgendeine Art zu trocken, ja zu "speziell" ist. Doch genau das Gegenteil war der Fall. "Tödliches Kommando" ist genau die Sorte Film, die ich liebe. Spannend, actionreich mit speziellen Charakteren. Der Film hat mich von der ersten Szene an gepackt und gefesselt. Die Story ist eher episodenhaft aufgebaut, was aber den Kriegsalltag mit seinen verschiedenen Facetten umso genauer darstellt, als es bei einer direkt linearen Story der Fall gewesen wäre. Die Action fügt sich perfekt in die Geschichte ein und die Darsteller sind völlig überzeugend. Vor allem Renner und Mackie spielen richtig grandios. Die Kameraführung ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, passt aber zum dokumentarischen Stil des Films. Ganz großes Kino, bei dem jeder Oscar zurecht gewonnen wurde.

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