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Zum 85. Geburtstag

Bud Spencer ist der Geilste

31.10.2014 - 09:15 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Ehre, wem Ehre gebührt.
© Universum
Ehre, wem Ehre gebührt.
Angeblich sei Bud Spencer nur plan- und ziellos durchs Leben gestolpert und hat trotzdem mehr erlebt als wir alle zusammen. Wir huldigen dem Schauspieler, Erfinder, Olympioniken, Modedesigner, Stuntman und Musikproduzenten anlässlich seines 85. Geburtstags.
Punkt 1: Wenn ich so ruck zuck aus dem tiefsten Schlaf gerissen werde, wie jetzt grad eben, dann kommen mir die Tränen. Zweitens: Und wenn ich merke, dass mir die Tränen kommen, krieg’ ich unheimlich Wut. Und wenn ich unheimlich Wut habe, dann richte ich mich auf, steige aus und mach’ den ganz großen Otto los!

Wir kennen Bud Spencer als aufbrausenden, leicht aus der Fassung zu bringenden Hünen, der einzigartige Dampfhammer verteilt. Niemand beherrscht ausgefeiltere Moves, keiner zieht Scheitel mit so viel Verve wie der Bärtige. Er tut es mit einer solchen Eleganz, dass das Zusehen eine wahre Freude ist. Sein Schaffen ist legendär: Nach eigener Aussage hat der Schauspieler in 104 Filmen mitgewirkt, viele davon in Kombination mit seinem gewitzten Kompagnon Terence Hill. Die vielen großartigen Filme verdanken wir allerdings nur einem glücklichen Zufall, denn der Italiener Carlo Pedersoli wollte eigentlich ganz was anderes machen.

Das hat er dann einfach trotzdem getan - immer wieder und in jeder Hinsicht. Es scheint unmöglich, in einem einzigen Menschenleben so viel zu erleben und dabei so wenig davon zu planen. Vielleicht ist das aber auch der einzig mögliche Weg, Schwimmer, Schauspieler, Sänger, Komponist, Modedesigner, Bauarbeiter, Sekretär, Olympionik, Stuntman und Erfinder zu sein. Sein Geheimnis: "Das Wichtigste ist", sagt Carlo Pedersoli dem Spiegel , "man darf keine Pläne machen. Wünsche muss man immer haben. Aber keine Pläne." In diesem Sinne machen wir uns schnell noch dem Anlass entsprechend schick...

... lassen die Korken knallen...

... und stoßen an, denn einer der größten Lebenskünstler unserer Zeit feiert seinen 85. Geburtstag. Dabei verehre ich den Mann natürlich auch aufgrund seiner Leistungen als Schauspieler, viel mehr jedoch noch für sein gesamtes Lebenswerk. Es ist auch nicht nur die schiere Masse oder Diversität der Erlebnisse und Tätigkeiten, sondern seine gewohnt lässige Herangehensweise an all das.

Carlo Pedersoli war nämlich ein anscheinend sehr sorgloser Lebemann, dem alles irgendwie zugeflogen ist. Der Olympionik rauchte schachtelweise Zigaretten, war faul und verzichtete auch nicht darauf, vor Wettbewerben mit seiner Frau zu schlafen. Trotzdem gewann er zahlreiche Preise als Schwimmer und feierte auch große Erfolge im Rugby und Wasserball. Nur Ballett-Tänzer und Pferderenn-Jockey war er nicht, sonst hat er angeblich jede Sportart betrieben. Er meldete als Erfinder sogar immer wieder unterschiedliche Patente an und studierte ursprünglich Chemie, nachdem er zwei Schulklassen übersprungen hatte.

Ich war ein berühmter Sportler, ein Champion, ein Olympionike, aber alle diese Dinge konnten mir nicht sagen, wer ich wirklich bin.

Als ihn das Gefühl beschlich, ihm könnte der Sportler-Ruhm zu Kopf steigen, ging er nach Südamerika und half beim Bau der Panamericana - einer Autobahn quer durch den Dschungel. Er hat sich dort nach eigenen Angaben selbst gefunden und viel über sich gelernt. Als Sportler war Carlo Pedersoli sogar so berühmt, dass er sich für seine erste größere Rolle im Film einen Künstlernamen zulegte, um seinen Ruf nicht zu schädigen. Bud Spencer existiert also eigentlich erst seit Gott vergibt - Django nie, dem ersten Film, der ihn mit Terence Hill auf der Leinwand vereint hat. Es war der Beginn einer fruchtbaren Kombination und die Fortsetzung einer langen Freundschaft: Die beiden Italiener kannten sich vom Schwimmen.

Eigentlich war Bud Spencer nur für einen Freund eingesprungen, der sich verletzt hatte und eine ähnliche Statur besaß. Dass daraus eine überaus erfolgreiche Schauspielkarriere erwachsen sollte, konnte niemand ahnen. Es wirkt fast so, als wäre Carlo Pedersoli einfach dazu bestimmt gewesen, Berühmtheit zu erlangen. Denn obwohl er nichts von alledem geplant hat, ist er überall irgendwie hineingestolpert - und es hat immer funktioniert. Heute kann der mittlerweile sanfte Riese noch immer kein Englisch und hat trotzdem um die 60 Filme in den USA gedreht. Auch in die Politik hat es Carlo Pedersoli verschlagen, allerdings mit weniger durchschlagendem Erfolg als bei seinen Filmen.

Insbesondere die vielen klamaukigen Werke mit Terence Hill werden jedoch für immer Bud Spencers Vermächtnis bleiben. Gerade in Deutschland - wo Carlo Pedersoli übrigens zwei Jahre studiert hat - erfreuen sich die Streifen aus den Siebzigern immer noch größter Beliebtheit. Die riesige Fangemeinde kennt und schätzt dabei in erster Linie die wahnwitzige deutsche Synchronisation, für die in weiten Teilen Rainer Brandt verantwortlich zeichnet. Titel wie Zwei außer Rand und Band, Zwei sind nicht zu bremsen, Zwei Asse trumpfen auf oder Zwei bärenstarke Typen sprechen bereits Bände und profitierten enorm von der Arbeit des Schauspielers und Synchronsprechers. Immer wieder legte er den beiden Hauptfiguren völlig abstruse Kalauer in den Mund, die mittlerweile kaum noch wegzudenken sind:

- Horsche mal, hast du so’n Fettschwabbel gesehen, so’n Zweischläfrigen mit Gesichtsmatratze?
- Jeden Morgen im Spiegel.
- Ahh, da haben wir ja den Drömel. Du hast mein Boot hergebracht, du warst derjenige welcher! Stimmt's, ja oder ja?

Mittlerweile hat sich der Film-Haudrauf Bud Spencer (eine Mischung aus Budweiser-Bier und Spencer Tracy) jedoch in den altersweisen und gutmütigen Carlo Pedersoli verwandelt. Er hat zwei Autobiographien veröffentlicht und verbringt einen Großteil seiner Zeit damit, Ausgaben dieser Bücher für Fans zu signieren. Dabei spart er nicht an guten Ratschlägen: "Es ist mir aber wichtig, den jungen Leuten mitzuteilen, dass ihr viel interessanter seid, viel interessierter an der Welt als ich." Was ich ernsthaft zu bezweifeln wage, denn das sagt ein Mann, der in seinen heute 85 Jahren einfach alles ausprobiert zu haben scheint, was ihm in den Sinn gekommen ist - überall auf der Welt.

Folgende Anekdote wirkt wie das perfekte Sinnbild für sein ganzes Leben: Carlo Pedersoli ist quasi der geborene Schwimmer, denn im Alter von fünf zarten Jahren wurde er von einem Seemann einfach ins Wasser geworfen und konnte sofort schwimmen. Als wahrer Lebenskünstler hat er sich diese Flexibilität bewahrt und sich in allem zurechtfinden können, was er angefangen hat. Eine derartige Anpassungsfähigkeit sowie Gelassen- und Zufriedenheit wünsche ich mir auch. Darum wird Plattfuß, Banana Joe, Der Dicke, Der Bomber, Buddy, Bud, der Ganovenschreck, kurz: der Big Man mit dem Lebensmotto "futteténne" (grob übersetzt: "Scheiß drauf!") einfach immer eines meiner größten Vorbilder bleiben. Carlo Pedersoli wünsche ich zu seinem 85. Geburtstag noch viele weitere ereignisreiche und gesunde Jahre sowie einen glücklichen Lebensabend, "frisch wie die Frühlingsgöttin bei der Holzkohlenernte".

Quellen: Spiegel , Zeit , Süddeutsche , Süddeutsche 

Welchen Bud-Spencer-Film mögt ihr am liebsten?

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