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Darf das Kino reale Katastrophen ausbeuten?

Mr Vincent Vega (Rajko Burchardt), Veröffentlicht am 30.01.2013, 08:50

Erdbeben, Flutwellen, Schiffbrüche – nicht nur im Blockbuster-Kino werden reale Katastrophen gern effektvoll nachgestellt. Doch wie weit darf ein Film gehen, um tatsächliche Tragödien nicht lediglich im Schutzmantel der Unterhaltung auszubeuten?

The Impossible The Impossible © Concorde

Das Erdbeben im Indischen Ozean 2004 und die dadurch in Gang gesetzten Flutwellen kosteten etwa 230.000 Menschen das Leben. Jeder, der die Auswirkungen dieser medial nahezu vollständig dokumentierten Tsunami-Katastrophe an Weihnachten vor acht Jahren verfolgt hat, wird deren Bilder nicht mehr vergessen. Die amerikanisch-spanische Koproduktion The Impossible stellt die gewaltige Flutwelle mit immensen tricktechnischen Ambitionen und einer mittlerweile oscarnominierten Starbesetzung für die große Leinwand nach. Wenn das Familiendrama, based on true events, morgen in den deutschen Kinos anläuft, wird sich das Publikum unweigerlich fragen müssen, ob ein pietätvoller Umgang mit einer so beispiellosen Katastrophe zu Unterhaltungszwecken überhaupt annähernd möglich ist. Denn die erste halbe Stunde von The Impossible ist in ihrer brutalen Rekreation der Naturgewalt gleichermaßen erschütternd intensiv wie auch fürchterlich geschmacklos.

Clint Eastwoods CGI-Flutwellen in Thailand
Schon Clint Eastwood inszenierte zu Beginn seines Films Hereafter – Das Leben danach die Tsunami-Katastrophe in Südasien als mitreißendes Schicksalsereignis, das die Leben unterschiedlicher Menschen auf der ganzen Welt veränderte. Vermutlich rieben sich an der ebenfalls nicht unproblematischen, weil auf mitreißend und eindrucksvoll geeichten CGI-Interpretation der Tsunami-Wellen seinerzeit kaum Zuschauer, weil die Erinnerung an sie nach zwei spirituellen Stunden voller Kitsch mit Sahnesoße schon wieder verblasst war – Eastwoods Mystery-Drama verstand die Katastrophe eher exemplarisch, sie rückte nach den ersten Minuten auch durch die Ort und Zeit wechselnde Handlung in den Hintergrund. Die detailfreudige Nachstellung der Flutwellen in The Impossible geht da nun hingegen einen ganzen Schritt weiter: Gegenstände bohren sich ins Fleisch der vom Wasser mitgerissenen Opfer, während eine entfesselte Kamera anschaulich über die Wellen schnellt und das ausweglose Leid unter modrigem Schlamm und bergeweise Dreck ins rechte Bild rückt. Die computergenerierten Flutwellen werden anfangs sogar aus einer eigenen POV-Perspektive angekündigt – ganz so, als handele es sich bei ihnen lediglich um eine spannungsgeladene filmische Bedrohung wie beispielsweise in Der Weiße Hai.

Mehr: 7 Regisseure für den persönlichen Weltuntergang

Der Tsunami als Suspense-Blockbuster?
Diese befremdliche Verschränkung einer realen und noch dazu recht jungen Tragödie mit den Gepflogenheiten und Konventionen des Mainstream-Kinos sorgt für reichlich Magengrummeln. Will das jemand sehen, die Tsunami-Katastrophe als Blockbuster? Als Effektspektakel? Als Heldengeschichte mit Kinostars wie Ewan McGregor und Naomi Watts? Als schmalziges Familiendrama, das sein Happy End rückversichert, weil es sich an den wahren Begebenheiten einer überlebenden Familie orientiert? Als reißerisches Spannungskino, das eine reiche Ärztesippe aus England in den Mittelpunkt rückt, statt sich den eigentlichen, den weitgehend mittellosen und nicht privilegierten Opfern der Katastrophe zu widmen? Hunderttausende Betroffene und ein unermesslichen Ausmaß der Naturgewalt, formatgerecht herunter gebrochen auf ein zweistündiges Kinoerlebnis, das mit dickwanstiger Musik um Rührung bittet? Das uns die Überlebensfrage als einen Suspense-Moment mit Vielleicht-wird-doch-noch-alles-gut-Option verkaufen will?


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Ivan Vanko

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das Kino: JA! RTL/deutsches Fernsehen: nein!

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TV Einheit

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hehe


nilswachter

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Ein weiterer toller Text, den ich zu fast 100% unterschreiben kann. Es fragt allerdings, ob dann Kriegsfilme wie Saving Privat Ryan, Black Hawk Down oder aber auch Schindler's Liste nicht auch heikle Verfilmungen sind? Diese bebildern ebenfalls Ereignisse, die bereits fotografisch oder auch filmisch festgehalten wurden und deren Grauen sehr gut dokumentiert worden war. Natürlich hängt letztlich immer alles von der Inszenierung ab, die vieles über einen respektvollen- oder losen Umgang mit Tragödien oder Kriegen aussagen kann. Letztlich werden solche Stoffe aber häufig gerade wegen ihrer Publikumswirksamkeit ausgewählt und deshalb immer auch ausgeschlachtet. Und man könnte im Falle von Titanic auch kritisiere, dass gerade die Tragödie ausgewählt wurde, um ein kitschiges Melodram für ein grosses Publikum wirkungsvoll aufzubereiten und dies besonders gelungen ist, weil die meisten Menschen sich nichts unter dem Untergang der Titanic vorstellen konnten. Natürlich kann man so auch keine Vergleiche mit dem realen Untergang ziehen und es bleibt reine Fiktion aber ausgeschlachtet wird das Ereignis nicht weniger deshalb. Man kann es sogar umso mehr "missbrauchen" weil keine Bezüge zur Realität bestehen. Ich bin aber auch der Meinung, dass dies im Falle von Impossible, dessen Trailer mir absolut reichte, um zu bemerken, dass hier eine Tragödie sondergleichen ausgewählt wurde, um kräftig auf die Träne zu drücken und mir wurde nur ab den wenigen Szenen beinahe schlecht. Ich denke, ausbeuten darf das Kino, wie auch jedes andere Medium, Katastrophen nicht. Aber sie verwenden, um eine Geschichte zu erzählen, muss erlaubt sein. Dass die Fiktion nie die Realität erreichen kann, ist klar und gerade deshalb muss entweder eine starke Abstraktion stattfinden oder eine zurückhaltende Art der Inszenierung gewählt werden. POV und wilde Kamerafahrten zum Zweck falscher Empathie sind definitiv die falschen Mittel dazu.

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cArLos4evEr

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Ohne groß deinen Text zu lesen, JA!

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cArLos4evEr

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Hab es gelesen, bleibe bei der Meinung!


maddes89

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Ich finde es immer problematisch wenn in Artikeln über eine Kunstform (z.B. Malerei, Literatur, Theater, Film) nach dem "Darf man..." gefragt wird. Es geht hier verdammt nochmal um Kunst. Wenn Kunst sich nun immer die Frage stellen muss was sie darf und was nicht, dann sind wir an einem Punkt angelangt an dem die Kunst nichts mehr Wert ist. Und Ja, "The Impossible" mag vielleicht geschmacklos sein, das weiß ich nicht ich habe ihn nicht gesehen. Aber gibt es auch nicht genügend andere Werke in der Geschichte die ihrerzeit als geschmacklos galten und heute Meisterwerke sind?

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HulktopF

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titanic steht weitaus überdiesen film würd ich meinen.
denn titanic hat drei ebenen: die romanze, die gesellschaftskritik, und der untergang des schiffes an sich. ich denke nicht, dass the impossible da mithält.

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ezemeze

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1.Danke für's hervorheben von den Absatzdingsis ( das erspart mir deine Texte zu lesen).
2. Der zweite Weltkrieg war auch ne Katastrophe, Katastrophen psychisch zu verarbeiten, sei es in Träumen oder Filmen o.a. ist ein menschliches Grundbedürfnis. Hätte man deswegen alle Filme, die davon handeln nicht produzieren sollen???
3. Over and Out

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ReubenCogburn

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Ja, das Kino darf alles.

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lieber_tee

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Ich finde es gibt Grenzen...


ReubenCogburn

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Wer sich selbst Grenzen setzt, beschneidet seine Möglichkeiten, aber jeder Zuschauer hat auch seine eigenen moralischen Vorstellungen. Es ist auch vollkommen nachvollziehbar, wenn jemand auf dieses Weise Anstoß an dem Film nimmt.
Aber das Kino selbst ist nur die Bühne, auf der sich alles abspielt.
Wenn sich also ein Künstler auf ihr daneben benimmt, sollte man da die Bühne in Frage stellen?
Abgesehen davon sind alle Katastrophenfilme scheiße, also warum dieser jetzt so besonders? ;)


Dom699

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das ist ja schon der zweite vernünftige vega-artikel nacheinander. was ist denn da los bei euch?

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Sigrun

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Hallo!? Jeder Film ist Fiktion.

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chuck jones

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Aber der Film ist doch gar nicht schlecht inszeniert, im Gegenteil. Er ist miserabel konzipiert. Und warum, das erklärt Vega sehr gut.


lieber_tee

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Neben einer inszenatorischen (formalen) Ebene gibt es halt auch eine inhaltliche. Auf die spricht Vega, hier sogar im Zusammenhang mit der Inszenierung, kritisch an. Finde das o.k.


Flibbo

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Mal überhaupt nicht aneckend, nur berechtigte, vernünftige Gedanken.
Die Argumente pro „Titanic“ hätte ich allerdings gern nochmal erklärt.

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Gabe666

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Zum ersten Mal, seit ich deine Kolumne lese, sprichst du mir wirklich aus der Seele, Vega. Ich hatte irgendwie schon ein mulmiges Gefühl, als ich von dem Film gelesen habe. Es wäre wohl besser gewesen, wenn sich nicht ausgerechnet Hollywood des Stoffes angenommen hätte. Oder wenn zumindest mehr die Zivilbevölkerung der davon betroffenen Länder und keine westlichen Touristen im Vordergrund der Handlung stehen würden.

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Tyler__Durden

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Das Kino darf alles! Es muss es nur richtig machen.

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maddes89

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@lieber_tee: Nein, der Künstler hat keine Verantwortung. Zumindest nicht den anderen gegenüber. Wenn, dann nur gegenüber sich selbst. Kunst die Angst hat, sie würde irgendwelche Verantwortungen verletzen ist eine sehr schlechte Kunst. Das ist dann Kunst die sich verbiegen muss um konform zu bleiben. Sowas bringt uns kein bisschen weiter, da würden wir uns nur im Kreis drehen.


lieber_tee

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Wenn der Künstler für sich Verantwortung übernehmen kann, dann kann er auch für für seine Kunst verantworten. Ist schon.o.k.


doctorgonzo

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Es gibt also einen Kandidaten, der Camerons "Titanic" den Spitzenrang blöder Geschichttsverballhornung ablaufen will/soll? Klingt nach einem interessanten Experiment.
Aber mal im Ernst: Das Ausgraben von historischen Ereignissen und deren Recycling vor der Kamera sind so alt wie das Medium Film selbst. Es ist immer eine Frage des Umgangs und auch des Zuschauers.
Blöd ist blöd und klug ist klug, aber dazwischen gibt es massig Schattierungen.
Geschichte fasziniert Menschen und lockt sie natürlich auch ins Kino, nicht zuletzt deshalb, weil reale Geschichte schnell einen persönlichen Bezug zwischen Film und Konsument herstellt und sei es nur aufgrund des "davon hab ich mal in der Schule gehört" - Arguments.
Im Interesse der Geschichte und der tatsächlich daran beteiligten Menschen sollten die Macher allerdings darauf achten, bei aller künstlerischen Freiheit mit den Themen verantwortungsvoll umzugehen. Den Tod von 1502 Menschen auf der Titanic in eine platte Liebesgeschichte herabzuwürdigen ist für mich nicht besser, als wenn Stallone den Afghanistankrieg gegen die Sowjets gewinnt (beides übrigens ähnlich hochwertig geschauspielert, auch wenn bei "Rambo 3" die Dialoge besser sind).
Aber das Verwursten von Historie (oder was man dafür hält) funktioniert an den Kassen noch immer recht gut, ob nun romantisch bis dümmlich arrangiert ("Pearl Harbor"), erbärmlich gespielt ("Troja") oder mit gutem Spiel, aber Extrawucht Sentimentalität "Schindlers Liste").
Die besten Geschichten schreibt nun mal das Leben, das soll, darf und muss man nutzen. Die Verantwortung liegt bei Machern und Konsumenten gleichermaßen.

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Morissa

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Viel hochwertiger...
Kann deinen restlichen Text fast komplett übernehmen, stimme ich zu.


MrKatsumi

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Gut formuliert. Besonders der letzte Satz thront in meinen Augen über deinem Kommentar.


Punsha

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Wow, hast du von der Redaktion jetzt schon so einen kleinen Maulkorb bekommen oder hast du den dir selbst auferlegt? Schon das zweite Mal hintereinander kein bisschen provokant. Das macht deine Texte vielleicht weniger unterhaltsam, aber allemal sachlich orientierter und alles in allem lesenswerter. Ich würde fast sagen, das war der beste Text deiner Rubrik. Sehr schön. :)

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Mr Vincent Vega

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Es gibt keinen Maulkorb. Ich wähle die Themen selbst und bekomme auch keine inhaltlichen Auflagen oder ähnliches. Ob das im Ergebnis dann aneckt oder nicht, variiert eben hin und wieder - und zeigt letztlich nur, dass ich die Texte keinesfalls bloß mit der Ausrichtung schreibe, provozieren zu wollen. Das ist zwar der häufigste Vorwurf, der mir hier gemacht wird, richtig aber ist und war er nie. :-)


Punsha

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Hätte ja sein können, dass du die Facebooker nicht mehr allzu sehr verärgern sollst. ;) Naja, mir solls egal sein. Lese die Rubrik so oder so sehr gerne, wenn auch subtile Texte wie diesen einen Tick lieber. Verstehe aber auch, dass man auch mal auf die Pauke hauen muss, wenn man den Mob beispielsweise vom Dschungelcamp überzeugen will. ^^


Azazil

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Menschliches Leid wird auf so vielfältige Weise ausgebeutet, dass The Impossible auch nicht ins Gewicht fällt. Nebenbei frage ich mich womit die Grenze zwischen einer realistischen Darstellung, die einem das Grauen und die Gewalt dieser Flut überhaupt erst so richtig vermittelt, welche man ja sonst nur aus irgendwelchen Vogelperspektiven kennt, und einer ausbeuterischen Darstellung. Ich glaube diese gehen einfach Hand in Hand.
Folgenden Kritikpunkten muss ich allerdings klar zustimmen: Der Folus auf einer europäischen Familie offenbart doch deutlich den allgegenwärtigen Eurozentrismus. Man hätte hier zumindest an Kitsch-Szenen sparen (in denen wieder andere Europäer vorkommen) und mehr auf das thailändische Volk eingehen müssen. Ein Fokus auf Thailand wäre von Anfang an wünschenswert gewesen, aber wie Vega bereits gesagt hat, verkauft sich das nicht so gut.

Nichtsdestotrotz mochte ich diesen Film.

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oktoberskind

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Ich kann den Film auch irgendwo nicht ernst nehmen, weil man das Gefühl hat diese Thematik schon 10.000 mal auf Sat 1 gesehen zu haben, mit Veronica Ferres in der Hauptrolle.
In dieses Niveau passt das auch irgendwo rein, es hat etwas sehr reißerisches. Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass sich einfach mal kein Darsteller der Welt anmaßen sollte, so etwas darstellen zu können.

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Bob Loblaw

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Ich bin hier tatsächlich andere Meinung (trotzdem guter Text!!)
... Ich muss auch sagen, dass ich Impossible nicht gesehen habe.
Grundsätzlich bietet ein Tsunami viele gute Themen für einen Film (Die Flüchtigkeit der menschlichen Existenz, die Macht der Natur,, das Verhalten in extremen Situationen, usw.usw.). Ausserdem sind Filme auch eine (weitere) Möglichkeit solche realen Katastrophen zu verarbeiten und sich damit auseinanderzusetzen. Deshalb finde ich es grundsätzlich in Ordnung solche Filme zu machen. Auch über reale Katastrophen. Vielleicht gerade, wenn diese noch nicht so lange zurückliegen.
Die (mangelnde) Sensibilität der Filmemacher und deren Interpretation und Herangehensweise an das Thema liesse sich natürlich kritisieren. Aber ich denke dazu hat jeder eine andere Meinung. Ich käme z.B. bei solchen Filmen mit Emotionsverstärkern und Verkitschung der Realität klar und sehe das auch als legitime filmische Mittel.
Den Machern jetzt vorzuschreiben, welche Sub-Themen sie verarbeiten (z.B. sind die Protagonisten jetzt reich oder arm (Vorsicht: Armutspornogefahr!!) finde ich blöd. Ansonsten weist Vegas Text aber gut auf die Probleme/Fehler solcher Filme hin und hilft unerfahrenen Zuschauern dabei mit dem Film umzugehen. Ich würde den Film ganz gerne gucken, gehe aber nicht dafür ins Kino.

Worum es im Text ja auch noch geht ist ja die Frage, ob Unterhaltungsfilme sich mit ernsten Themen auseinandersetzen dürfen. Ich sage: Auf jeden Fall !!
Ich finde es z.B. gut, wenn auch ein Unterhaltungsilm z.B. das Thema Krebs verarbeitet (z.B. in 50/50) und ich denke nicht, dass sich davon betroffen Menschen jetzt daran stören. Die Diskussion hatte wir ja schon bei Holocaustfilmen wie "Schindlers Liste" und "Das Leben ist schön". Es ist unfair, wenn nur die relativ wenigen Kunstfilme alles dürfen und die Unterhaltungsfilme sich thematisch einschränken sollen. Sonst wird hier immer die Verblödung der Unterhaltungsfilme kritisiert... Jetzt wird sie plötzlich gewünscht !?!? Wollt ihr das wirklich ?? Wollt ihr, dass man den Anspruch aus ganz aus kommerziellen Filmen ausklammert, weil er sich nicht mit Geldmacherei vereinbaren lässt ???

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Bob Loblaw

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@rubelzar: Ich befürchte ja auch, dass er nicht soo toll ist.. deshalb nur im Fernsehen. :)
Ich habe das übrigens nicht ganz so gemeint... ich denke, dass ein Katastrophenfilm schon automatisch diese Themen hat (Flüchtigkeit der Existenz usw.)... Zumindest fange ich an, über so etwas nachzudenken, wenn ich eine Tsunamikatastrophe sehe... sogar in den Nachrichten.


Bob Loblaw

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@Freidenker: Ganz genau ! Es gibt allerdings häufig Meinungsverschiedenheiten (und interessante Diskussionen auf MP), wann denn ein schwieriges Thema jetzt würdevoll verfilmt wurde oder nicht. Z.B. hier:
http://www.moviepilot.de/news/verantwortung-und-verkitschte-geschichte-117977


FordFairlane

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Das ist doch schon seit Jahrzehnten so, es gibt fast keine Katastrophe oder wahre Begebenheit die nicht verfilmt wurden ist.

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lieber_tee

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Ich denke es geht nicht um das Thema generell sondern um die art wie es verfilmt wurde...


The Director

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solange die nachfrage stimmt, sind solche filme kein verbrechen. genauso wie die posthume "ausbeutung" verstorbener stars. einfach mal an die eigene nase fassen, oder trägt die "Masse" etwa keine verantwortung?

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lieber_tee

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Bestimmt die Nachfrage das Bedürfnis oder das Bedürfnis die Nachfrage?


Kubrick_obscura

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Sehr schön :-)

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Hornblower

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Kino sollte (fast) alles dürfen! Der Film interessiert mich allerdings nicht.

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Hornblower

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Dass es gemacht wird ändert allerdings nichts an meinem Standpunkt. Aber ich fürchte, wir kommen hier nicht auf einen Nenner - muss ja auch nicht sein. :)


Bob Loblaw

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Aber ich finde "Kunstfilme" wie "Persona" auch durchaus unterhaltsam und kann "Unterhaltungsfilmen" wie "2 Fast 2 Furious" auch künstlerisch finden.... das meinte ich damit, wenn ich schreibe, es ist schwierig zu trennen.
@Trimalcho: Was und welche Filmkanones meinst Du? Das klingt interessant.


KrüppelGuido

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Warum nicht? Es werden doch auch reale Kriege cineastisch ausgebeutet.

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Donzaffi

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Ohne eine große Diskussion anfangen zu wollen, Kriege lassen sich vermeiden, ja, nur will man das nicht. Wieso auch es sichert euer aller Einkommen. (Nicht das ich ihn befürworte, es ist aber leider nunmal so)
Daher ist der inhaltliche Wert nur der den man vorgibt dort zu entdecken, den die Macher solcher Filme wissen genauso darüber bescheid.
Zu den Katastrophenfilmen, solange es Leute gibt die so etwas sehen wollen(egal wie krank das auch erscheint) werden solche Filme gemacht.


benjamin.svvs

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katastrophen lassen sich verhindern, siehe armageddon.


NotTooOldForThisShit

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Stimme ebenfalls vollkommen zu... Der Text ist auch ganz sicher von Vega?! :)

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dmtjdc

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People are people, so why should it be... wenn RTL morgen Live-Hinrichtungen aus Köln-Müngersdorf übertragen würde, wäre nur eine Sache größer als die Quote: Die geheuchelte und echte Empörung derjenigen, die es dann heimlich doch schauen (um sich zu informieren/auszutauschen/eine Meinung bilden zu können). Menschen sind in der Gruppe und in der Anonymität mehrheitlich schon immer oppurtunistische Arschlöcher gewesen, die sich am Leid anderer delektieren. Stichworte: Passiver Lerneffekt, Neurotizismus, Spiegelneuronen. Das ist genetisch bedingt, und kulturübergreifend populär. Wozu also das völlig sinnlose Gejammer? Nachfrage, Angebot, Cash In. Vega schreibt den Artikel ja auch nicht primär deshalb, weil ihm die armen Menschen in Südostasien so entsetzlich leid tun. Obwohl das ein putziges Bild wäre, ein Idealist im Mediendschungel ^^

Aber mal realistisch: Das wichtigste Anliegen in der tollen neuen Welt scheint in allen Lebensbereichen letztlich immer nur Geld und Besitz zu sein. In diesem Fall über den Umweg Kontroversen und Klicks zu generieren. Idee: Einfach alles ignorieren, was einem nicht passt. Funktioniert extragut bei all den Millionen sterbenden, kranken und bettelarmen Menschen aller Alterklassen, die in den weniger sexy Regionen dieser Welt ohne Kamera und Off-Kommentar aber dafür mit unbestimmter Dead Line vor sich hin krepieren. Die bewährte Vogelstrauss-Taktik kann auch im Privaten sehr nützlich sein. Wenn Oma z.B. nach Eintritt einer schweren Krankheit zum Verrotten ins Horrorheim geschickt wird, und die Kinder bei den monatlichen Abbuchungen von Konto, dann immer so ein leicht komisches Gefühl beschleicht, dass aber jedesmal schwächer wird. Aus den Augen, aus dem Sinn, es ist supereasy. Und dieser polemische Erklär-Bär-Kommentar ändert an der verfahrenen Human-Kapital-Situation nichts, genausowenig wie Katastrophen-Filme, Angelina Jolie, Katastrophen-Filme von Angelina Jolie und alles andere. Amen.

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Donzaffi

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Naja er sagt seine Meinung, auch eine die ich wundervoll nachvollziehen kann, wir können immer so tun als seien wir besser doch wen wir ehrlich sind ertappen wir uns auch dabei genauso zu sein wie alle anderen. Wer glaubt er sei besser verschließt nur die Augen vor der Realität, ich z.B. schaue aus Prinzip kein RTL weil ich es dämlich finde, aber ab und zu erwische ich mich wie ich Two and Half man schaue was auch nicht besser ist.


Dom699

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ja, is schon echt super hart, das leben in deutschland 2013 XD


karma-karman

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Erstmal den Film sehen und dann urteilen. Ich habe nämlich schon ganz andere, sehr positive Kritiken lesen dürfen, zu denen ich eher tendiere.

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Max...

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Ich hätte nicht gedacht, dass ich je mit Mr. Vincent Vega einer Meinung bin. Hier bin ich es und das bereitet mir irgendwie Sorgen.

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nikl 1987

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Habe von dem Film bisher noch nix gehört, aber nach dem Artikel muss ich ihn mir auch nicht antun.

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Tina Scheidt

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Wenn ich von dem Absatz über Titanic absehe, finde ich den Artikel richtig gut geschrieben und ich stimme ihm voll und ganz zu.
Als einzigen Unterschied zu Titanic sehe ich den zeitlichen Abstand zu dieser Tragödie (letztes Jahr war das Unglück genau 100 Jahre her). Bei der Tsunami Tragödie finde ich die seelischen Wunden doch noch ziemlich früh, um sie auf diese Art und Weise als Blockbuster ins Kino zu zerren und auszuschlachten.
Ich kenne diesen Film hier nicht, aber wenn ich Mr. Vincent Vegas Aritkel lese, bekomme ich wirklich keine Lust, ihn mir anzuschauen.

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rubelzar

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ich bezog mich natürlich auf die von Cameron, weil Vega die explizit anspricht in seinem Text.


Tina Scheidt

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Und trotzem spielt der zeitliche Abstand eine Rolle. Überlebende der Tsunami Katastrophe, die Angehörigen, die Familien und Freunde sind emotional viel näher dran als bei Titanic, weswegen bei der Tsunami Verfilmung viele frische Wunden aufbrechen können. Da kommt es dann ganz besonders darauf an, wie das Ganze filmisch umgesetzt wird.
Bei dem Tsunami Unglück reagieren die Betroffenen und die Zuschauer noch viel empfindlicher, als sie es bei Titanic tun (auch wenn die Betroffenheit hier bei diesem furchtbaren Unglück jedes Mal bei jeder weiteren filmischen Umsetzung wieder hoch kommt, trotzdem erreicht es den Zuschauer nicht mehr so "frisch", wie bei einer der Gegenwart so nahen furchtbaren Tragödie.
Und wie gesagt kenne ich den Film nicht, muss mich hier auf das Urteil anderer verlassen.


rubelzar

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Der erste Vega Kommentar, dem ich in allem sofort zustimmen kann. Der Film ist menschenverachtender Müll. Warum jemand dafür Budget freigab und Gregor seinen Namen, ist mir in der Tat ein wunder.

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