Erste Eindrücke aus Tarantinos Django Unchained
annaberlin (Anna Sita Zinn), Veröffentlicht am 22.05.2012, 08:50
Django Unchained in Cancunn 2012
© moviepilot
Django Unchained – eine moderne Wagner-Ringsaga? Ja, ihr lest richtig. Quentin Tarantino gab seine erste Pressekonferenz zum nächsten Hammer nach Inglourious Basterds und schlug mit jedem einzelnem seiner Worte mit einem deftigen Hammer auf das erfürchtig pochende Herzlein anwesender Filmfans, sofern dieses noch in den elitär feuilletonierten Herzen der so genannten Filmjournalisten zum Erscheinen kam. Der Herr und Meister des Genremixes, das kreative Mastermind einiger der popkulturell wichtigsten Kinowerke seit den 1990ern, zog sich aus seinem Schildkrötenpanzer hervor und bemühte sich, den Fragen der ausländischen Presse eine gute Stunde bereitzustehen.
Und ich war dabei.
Das Ganze geschah zwar schon Ende April in Cancun, wo Sony Pictures (der weltweite Vertrieb des von Harvey Weinstein und Konsorten getriebenen Projektes) jährlich sein Line-Up vorstellte. Aufgrund der mittlerweile zuhauf geltenden Sicherheitsmaßnahmen darf ich euch jetzt erst mitteilen, wie es sich anfühlte, im selben Raum mit Gott aka Tarantino zu weilen. Und da sitzt er nun. Tarantino. Und spricht darüber, wie er in Japan auf Promotour für die Inglourious Basterds war und plötzlich der Funken in ihm drin zum Feuer wurde. Plötzlich setzt er sich hin, fängt an zu schreiben, kehrt nach Beverly Hills zurück und denkt sich alle zwanzig Seiten: “Hey, ruf Christoph an und frag ihn, was er darüber denkt”. Tja. Und Christoph kommt und sagt: “Cool. Mann.”
Was hätte er auch anderes sagen sollen, meint Christoph Waltz verschmitzt. Wenn ein Tarantino um die Meinung bittet, hat man lächelnd seinen Drink runterzukippen. Ohnehin sei es eine Ehre, unter seiner Regie zu spielen. Und was ich vom Footage erahnen kann, sagt mir: Verdammt ja. Zugegebenermaßen scheint Waltz wieder dieselbe Rolle zu spielen, auf die er mittlerweile in Hollywood gebucht ist. Aber hey: Er – und nur er – macht dies verdammt gut. Da gibt es diese Szene, sie muss zu Beginn des Films spielen. Wir sehen einen Sklavenzug irgendwo in den Sümpfen der Südstaaten, Leid, Qual, Django mittendrin. Da trottelt plötzlich eine Kutsche daher, obendrauf ein riesiger Wackelzahn und Doktor Waltz erscheint als lokaler Zahnarzt mit Pferd Fritz. Ein paar stilistisch überhöhte und extrem coole Sprüche – und bumm.
Natürlich ist auch hier Quentin Tarantino wieder in die Vollen gegangen und hat kein Risiko gescheut. Christoph Waltz spielt abermals den verbrämten Zyniker, dessen brutal-sadistisches Inneres unter einer fiesen Joker-Maske schlummert. Django (Jamie Foxx), der Held, muss erst lernen, Gewalt zu genießen. Und die schöne Brunhilde Kerry Washington wird sicherlich auch noch mehr Bedeutung erlangen, je weiter der Film voranschreitet. Leonardo DiCaprio wiederum könnte in Django Unchained packen, was ihm bislang noch nicht gelang: Angst einzuflößen. Obgleich im Footage noch nicht klar war, ob er tatsächlich eine eher ambivalente oder rigoros “böse Rolle” spielen wird: Hier kommt Leo zu noch nicht geahnten charakterlichen Tiefen. Und alle ballern sie auf die Hater, die Rassisten ein. Den KKK, die weiße Oberschicht, die widerlich angepassten 0815ler, die im Moment der Entscheidung dann doch die Republicans wählen. Es scheint, Quentin Tarantinos Keule schwinge durch die Jahrhunderte hinweg (und das sage ich wirklich nur noch wenigen Auszügen, die ich bislang sichten konnte).
Und dann war da noch dieser wundervolle Moment, an den ich gerne zurückdenke: Tarantino lief an mir vorbei und ich drückte ihm ganze zwei Sekunden die Hand.
Django Unchained startet leider erst am 31. Januar 2013 in unseren Kinos.
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Kommentare
über Erste Eindrücke aus Tarantinos Django Unchained
NewFilmkonsument Tue, 22 May 2012 20:12:19 -0000
Kommentar löschenDas nenn ich mal objektive Berichterstattung.
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derJones636 Tue, 22 May 2012 19:02:58 -0000
Kommentar löschenSagt mal, gibt's duffy etwa nicht mehr? Wie kann denn sowas?
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kaimueri Tue, 22 May 2012 19:48:18 -0000
Antwort löschenSoweit ich weiss hat er moviepilot ohne ein grosses Ding draus zu machen verlassen.
Weltenkind Wed, 23 May 2012 14:58:29 -0000
Antwort löschenAufwärmen? Ich war in der Annahme, dass es noch ganz heiß ist. Um metaphorisch zu bleiben.
MovieMonster Tue, 22 May 2012 14:48:04 -0000
Kommentar löschenWaaaas, du hast Quentin Tarantino die Hand geben dürfen?!?!?
Könnte ich bitte ein Autogramm von dir haben? :D
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annaberlin Tue, 22 May 2012 14:58:05 -0000
Antwort löschenBitte richten Sie einen frankierten Rückumschlag an moviepilot GmbH, Mehringdamm 33, 10961 Berlin :D
Le Samourai Tue, 22 May 2012 13:30:58 -0000
Kommentar löschenIch mag Annas Fangirl-Attitüde. Sehr sympathisch! :)
Ihr seid doch nur neidisch!
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Jason Born Tue, 22 May 2012 13:12:08 -0000
Kommentar löschenGing es nur mir so, so wie sie sich da in Pose setzt hab ich garnicht den Text im Hintergrund bemerkt:D
Freue mich ja auch auf Django, nur QT als Gott zu bezeichnen finde ich doch reichlich übertrieben.
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Suki93 Tue, 22 May 2012 12:00:20 -0000
Kommentar löschenJetzt wird sich wohl jemand ihr Leben lang nicht mehr die Hand waschen :D Aber Gott ist Tarantino noch lange nicht. Trotzdem freu ich mich sehr auf den Film! Und das noch ganze acht Monate lang :/
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Anton Chigurh Tue, 22 May 2012 12:00:18 -0000
Kommentar löschenIch will endlich den Trailer sehen.
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Andy Dufresne Tue, 22 May 2012 10:51:54 -0000
Kommentar löschenDieses "Tarantino ist Gott" Ding ist meins ja schon lange nicht mehr, freuen tu ich mich allerdings riesig auf "Django" und das Anna ein paar schöne Tage hatte freut mich auch, wenn ich dort gewesen wäre hätte ich dann sicher doch auch durchdrehen müssen im Genre "Tarantinoliebhaben" ;D
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Mein Senf Tue, 22 May 2012 11:07:38 -0000
Antwort löschen"Dieses "Tarantino ist Gott" Ding ist meins ja schon lange nicht mehr"
Ich weiß, was du meinst, aber: Sagst du das mit Stolz oder Bedauern?
Ich stehe Fankulten mittlerweile wieder recht aufgeschlossen gegenüber. Kino ist eben nicht nur Hirn, sondern in erster Linie auch Herz. Und das denkt nicht immer vollkommen rational. Genau das bringt der Artikel schön auf den Punkt.
brainchild Tue, 22 May 2012 11:11:58 -0000
Antwort löschenWie wäre es stattdessen mit: "Gott ist Tarantino"? ;)
Andy Dufresne Tue, 22 May 2012 11:58:24 -0000
Antwort löschen@Senf: Ich meine damit das ich Pulp Fiction für einen der allerallerbesten Filme aller Zeiten halte und das ich Reservoir Dogs für gelungen halte, so wie auch Jackie Brown und die Kill Bill Filme. IB halte ich für gut aber massivst überbewertet und es wird oft einfach so getan als ob ALLES was der gute Quentin macht IMMER genial,crazy,awesome usw. wäre. Das stimmt für mich einfach nicht.
Anna´s Artikel gefällt mir auch und ich schrieb ja das ich auch sofort zum Tarantinoliebhaber werden würde, wäre ich an ihrer Stelle gewesen :Und ja: Fankultur ist wichtig,ohne Herz ist alles nichts!
@Brainchild:Nö :D
annaberlin Tue, 22 May 2012 14:08:45 -0000
Antwort löschenAch, bei manchen Regisseuren darf man ruhig bisschen hormonell abheben und sie als Gott betiteln. Natürlich nicht im monotheistischen Sinne. Eher im hinduistischen Sinne. Tarantino ist da dann eben "ein Gott". Nicht wahr?
Looki Tue, 22 May 2012 09:49:00 -0000
Kommentar löschenund die vorfreude steigt und steigt!
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Hartigan85 Tue, 22 May 2012 09:40:23 -0000
Kommentar löschenHab grade gelesen, dass jetzt in Cannes 7 Minuten aus dem Film gezeigt wurden und die Kritiker sich mit Lobeshymnen überschlagen. Find ich richtig gut, "Django Unchained" ist immer noch mein meisterwarteter Film !!
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Mein Senf Tue, 22 May 2012 11:10:12 -0000
Antwort löschenHm, 2009 haben die "inglorious basterds" in Cannes noch in der Luft zerfetzt und heraus kam dann auch ein Meisterwerk. Was bedeutet das für "Django"? Totale Grütze oder Überfilm?
TheJoker Tue, 22 May 2012 19:04:54 -0000
Antwort löschenAlso wenn IB ein Meisterwerk ist, dann aber gute Nacht...
Hartigan85 Tue, 22 May 2012 20:34:55 -0000
Antwort löschen@Mein Senf: Na ich hoffe und glaube doch zweites.
@TheJoker: Die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. Dazwischen gibt es wohl nix.
benutzerbenutzer Tue, 22 May 2012 09:16:27 -0000
Kommentar löschenUnd wieder ein Artikel, in dem Tarantino hochgelobt wird, als hätte er persönlich das Kino erfunden. Dass er ein guter Regisseur ist steht außer Frage, und von allem Filmen, die ich bisher von ihm gesehen habe, war auch keiner schlecht, aber für mich hat er mit Pulp Fiction beziehungsweise dem meiner Meinung nach sogar noch etwas Besseren Reservoir Dogs seine bisherigen Meisterwerke abgeliefert. Gerade Death Proof und Inglorious Basterds hatten zwar einen gewissen Charme, vom magischen Gefühl der ersten Tarantino- Filme sind sie aber meilenweit entfernt.
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Mein Senf Tue, 22 May 2012 10:46:42 -0000
Antwort löschenIch war ehrlich positiv überrascht, dass sich hier ein Redakteur auch mal ganz unverhohlen als unkritischer Fanboy aka "Fangirl" outet.
Dass du bei "Deathproof" und "Inglorious Basterds" diesen "gewissen Charme" (was immer das auch genau heißt) vermisst, den Tarantinos Frühwerke angeblich auszeichnet, muss übrigens nicht zwangsläufig an Quentin Tarantino liegen. Du selbst und damit deine Art und Weise, Filme zu erleben, kann sich ebenfalls ändern. Nicht selten weicht die jugendliche Begeisterung erwachsener Abgeklärheit.
Tarantino zeichnet sich in dieser Hinischt auch deshalb aus, weil er sich bei allem Talent und bei aller Professionalität die kindlich-naive Begeisterung am Kino bewahrt hat. Darum beneide ich ihn ernsthaft und deshalb bin ich auch guter Dinger, "Django" ein guter Film werden wird.
benutzerbenutzer Tue, 22 May 2012 11:58:51 -0000
Antwort löschenAllgemein liegst du sicherlich richtig damit, dass sich die Art und Weise, Filme zu betrachten, im Laufe der Zeit durchaus verändert. In diesem speziellen Fall ist es allerdings so, dass ich alle Filme, die ich von Tarantino bisher gesehen habe, in einem relativ kurzen Zeitraum von vielleicht einem halben Jahr gesehen habe, weshalb ich nicht denke, dass sich die Art und Weise, mit der ich diese Filme betrachtet habe, in diesem Zeitraum gravierend verändert hat.
Allerdings hast du sicherlich Recht damit, dass sich Tarantino seine ursprüngliche Begeisterung bewahrt hat, insofern ist er natürlich schon ein besonderer Regisseur. Diese Motivation, immer wieder außergewöhnliche Filme machen zu wollen, fand ich zum Beispiel besonders schön bei den Interviews zu "Deathproof", hier war die von dir beschriebene "kindlich-naive Begeisterung" deutlich zu spüren.
Der Unterschied zwischen Charme und magischem Gefühl besteht für mich darin, dass die urkomischen Dialoge und bizarren Szenerien in den alten Filmen locker und ungezwungen wirken, sich teils sogar logisch aus der Handlung ergeben, während das Ganze in den neueren Filmen (auf mich jedenfalls) teilweise doch recht bemüht wirkt.
Vier Tue, 22 May 2012 08:59:24 -0000
Kommentar löschenIch kann hier gerade nichts zu schreiben außer, dass ich verdammt neidisch bin!
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oso Tue, 22 May 2012 07:59:25 -0000
Kommentar löschenfreu mich jetzt schon riesig :D danke Anna!
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Sheeeeep Tue, 22 May 2012 07:26:26 -0000
Kommentar löschenAh, deswegen so braun :D
Hört sich doch toll an, Vorfreude steigt!
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Gourellia Tue, 22 May 2012 07:18:30 -0000
Kommentar löschenAHHHHHHHHHHHHHHHHH Vorfreude pur!!!!!!!!
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Prechtl Tue, 22 May 2012 07:18:06 -0000
Kommentar löschenSchöner Kommentar! Eine Frechheit, dass wir noch so lange warten müssen...
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Mein Senf Tue, 22 May 2012 07:16:48 -0000
Kommentar löschenDas heißt, Christoph Waltz spielt die selbe Rolle, mit dem unterscheid, dass er diesmal ein Guter ist?. Das klingt äußerst vielversprechend.
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dbeutner Tue, 22 May 2012 16:01:25 -0000
Antwort löschenDas klingt äußerst uninnovativ. Aber Waltz kann ja scheinbar nichts anderes, siehe "Carnage". Hatte ich aber schon bei I.B. seinerzeit vermutet.
Mein Senf Fri, 25 May 2012 06:57:52 -0000
Antwort löschenIch glaub schon, dass er was anderes kann. In Hollywood ist er aber wahrscheinlich auf ewig auf das skurille, süffisante und dabei intellektuell leicht überhebliche Arschloch abonniert... und das macht er ja auch perfekt und ist immerhin besser, als auf gar nicht abonniert zu sein :-)
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Süßer Bericht. :)
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