Game of Thrones - 6. Staffel, 10. Folge im Recap

Game of Thrones
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

Es hat keinen White Walker gebraucht, keinen Drachen, ja nicht einmal eine komplett daneben liegende Rote Priesterin. Trotzdem trägt Cersei Lannister am Ende dieser 6. Staffel von Game of Thrones Mitschuld am Tod ihres Sohnes Tommen. The Winds of Winter (DT: Die Winde des Winters) lautet der Titel der 10. Folge und während George R.R. Martin noch fleißig an seinem gleichnamigen Roman schreibt, lassen die Showrunner David Benioff und D.B. Weiss den Winter in der Welt des Liedes von Eis und Feuer in mehrfacher Hinsicht ankommen. Im Norden wird Jon Snow als Weißer Wolf und König ausgerufen, im Südosten macht sich Daenerys Targaryen mit ihrer Flotte auf, um Westeros zu erobern. So wie es einst ihr Ahne Aegon I. getan hatte, der nach der Landung zunächst ein Fort auf einem Hügel errichtete: das spätere King's Landing. Dort wird dem Weißen Wolf eine Schwarze Königin entgegengestellt. Cersei hat die religiösen Fanatiker mit einem Wildfire-Anschlag auf die Septe vernichtet und mit ihnen die Tyrells, Kevan und Lancel Lannister, Pycelle und schließlich ihr einziges verbliebenes Kind. Die Maester von Oldtown mögen also den Winter in diesem famosen Finale einer durchwachsenen Staffel proklamieren. Die White Walker, die Drachen und auch das Klima haben den letzten Rest des Guten in Cersei allerdings nicht auf dem Gewissen. Wer nach dem Abgang von Ramsay Bolton über den nächsten großen Bösewicht von Game of Thrones spekulierte, wird auf dem Eisernen Thron fündig.

Mit ungewohnten Klaviertönen stimmt uns Komponist Ramin Djawadi auf den anstehenden Prozess des Jahrhunderts ein. Cersei (Lena Headey) soll nach ihrem Gang der Schande ein weiteres Mal erniedrigt werden: vor dem High Sparrow (Jonathan Pryce) sollen sie die Sieben Götter richten. Doch während der Geistliche der juristischen Vorspeise Loras Tyrell (Finn Jones) von der Strafe des Krieger-Gottes und der Gnade der Mutter berichtet, hat sich Cersei in der königlichen Festung für einen anderen Weg entschieden: Sie, die Mutter, ist eine Kriegerin. So werfen der König, der Maester, Margaery (Natalie Dormer), der High Sparrow und der Angeklagte ihre Gewänder, Kutten und Lumpen über, ohne auch nur einen blassen Schimmer davon zu haben, dass in der Red Keep eine dunkle Transformation vor sich geht. Unvermeidlich erscheint neben dem Klavier das Cello, der Chor und die Orgel. In der Komposition The Light of the Seven taucht schließlich das Game of Thrones-Thema auf, bevor eine Kerze literweise grünes Wildfire entzündet. Eine gewaltige Explosion verbrennt die Eingesperrten und legt das Gotteshaus in Schutt und Asche.

Djawadis Score ist integraler Bestandteil dieser beachtlichen Sequenz, die vieles von dem beinhaltet, was Game of Thrones großartig machen kann und dies manchmal auch schafft. Müsste ich einem Skeptiker erklären, warum ich Game of Thrones trotz aller Frustration weiterschaue, dann böten die knapp 20 Minuten am Anfang von The Winds of Winter eine nahezu perfekte Erklärung (obwohl Varys und Tyrion darin gar nicht vorkommen!). The Light of the Seven gibt den Takt einer sich anbahnenden Tragödie vor. Da werden die vielen Figuren mit ihren eigenen Strategien im Kampf um den Eisernen Thron zusammengeführt. Der High Sparrow wähnt sich auf dem Gipfel der Macht, Margaery und Loras versuchen einander durch Kollaboration mit dem Fanatiker zu retten, Vater Mace schnallt nix und Cersei macht allen cleveren Überlebenskünstlern einen leuchtend grünen Strich durch die Rechnung. Sie, die Ned Starks Hinrichtung vorbereitete und Tyrion (Peter Dinklage) vor Gericht brachte, erhebt sich mit einer wahnwitzigen Aktion über Götter und Gesetz. Passenderweise wird sie später vom Ex-Maester und Hand der Königin, Qyburn (Anton Lesser), gekrönt. Es ist die personifizierte selbsterfüllende Prophezeiung.

Die Macher haben sich zum Glück gegen eine wahnsinnig aufspielende Wahnsinnige entschieden. Cerseis Lächeln beim Anblick der brennenden Septe, ihr kurzes Bedauern vor dem Thron gegen Ende der Folge und die Bestimmtheit, mit der sie sich niederlässt - nach der Explosion braucht es keinen Ausbruch. Es genügen Lena Headey, ihr Talent und der glaubhaft suggerierte Schrecken ihrer Autorität. Der Wahnsinn hatte sich schon durch die Anfänge der 6. Staffel von Game of Thrones gezogen. Da bekleckerten sich die Autoren mit den überraschenden Taten der Sand Snakes, Ramsays und Eurons nicht gerade mit Ruhm. Ganz anders sieht es bei der Kulmination des Wahnsinns in Westeros aus. Im Auftakt von The Winds of Winter wird jeder relevante Tod, ob Lancels oder Margaerys, in einer Parallelmontage in der Tradition von Der Pate vorbereitet. Ebenso wurde Cerseis Handlungsstrang in dieser Staffel nachvollziehbar und einfühlsam bis zu dieser Eskalation verfolgt. Das begann bei Jaimes Heimkehr mit dem Leichnam von Tochter Myrcella. Es führte über Tommens Verführung durch den High Sparrow und schließlich zum Verbot des Gerichtskampfes durch den Sohn. Chaos ist eine Leiter und sechs Staffeln, nachdem ihr Geliebter Jaime einen Jungen aus dem Fenster stieß, steht Cersei auf der obersten Sprosse. Aber wie lange?


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