Hacksaw Ridge auf Netflix ist ein brutaler Höllenritt - mit friedlicher Botschaft

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Hacksaw Ridge mit Andrew Garfield
01.10.2019 - 19:20 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Hacksaw Ridge ist kompromisslos, brutal und zu Recht voller Pathos. Erfahrt hier, warum ihr den Kriegsfilm von Mel Gibson jetzt auf Netflix nachholen solltet.

Mit Hacksaw Ridge feierte Mel Gibson 2016 sein Regie-Comeback, das durchaus umstritten war, hatte der australische Hollywood-Star doch Jahre zuvor mit antisemitischen Aussagen für Aufsehen gesorgt. Doch als ich ins Kino ging, um mir seinen Kriegsfilm über den pazifistischen Soldaten Desmond Doss (Andrew Garfield) anzusehen, wollte ich mein Urteil nicht von diesen Gedanken trüben lassen und die Geschehnisse auf der Leinwand für sich bewerten.

Was mich in den folgenden knapp 140 Minuten erwartete, hat seitdem kein anderer Kriegsfilm in dieser Intensität geschafft. Die Schlacht am titelgebenden Abgrund packte mich an der Magengrube, zog ihren Griff immer enger und ließ erst los, als ich körperlich völlig erschöpft auf den Abspann starrte, ohne zu realisieren, dass der Film eigentlich schon vorbei war. Jetzt gibt es Hacksaw Ridge auf Netflix und ich will euch erklären, warum ihr den sechsfach oscarnominierten Kriegsfilm unbedingt sehen solltet.

Hacksaw Ridge ist ein intensives Schlachtfest

Hacksaw Ridge ist nicht perfekt. Die erste halbe Stunde, in der wir den Pazifisten Desmond Doss in seiner friedlichen Heimat erleben, bietet eine konventionelle Liebesgeschichte, die zwar ganz süß ist, aber niemanden vom Sessel hauen wird. Doch trotz seiner Friedfertigkeit will Desmond Soldat werden und so zieht er in den Krieg. Als Sanitäter möchte er seinen Landsmännern helfen. Auf keinen Fall will er aber den Abzug einer Waffe drücken, das kommt für ihn nicht in Frage.

Hacksaw Ridge mit Andrew Garfield

Dieser innere Konflikt wird in der Schlacht von Okinawa auf die maximale Probe gestellt. Sobald der erste Schuss fällt, beginnt ein brutaler Höllenritt, der an Intensität kaum zu überbieten ist. Desmond befindet sich im ständigen Kugelhagel der zugegeben recht eindimensional dargestellten Japaner und zieht einen Verwundeten nach dem anderen aus dem Schlachtfeld.

Mel Gibson ist nicht bekannt dafür, an Brutalität zu sparen, und so müssen die armen Soldaten mit dem Verlust von Gliedmaßen, Gedärmen oder ihrer Schädeldecke klarkommen. Gewalt an sich mag keine Qualität eines Filmes sein, doch in Hacksaw Ridge dient sie dem Zweck, das ehrenvolle Anliegen von Desmond Doss zu unterstreichen.

Mel Gibson kombiniert Pathos mit schonungslosen Schrecken

Oft wird Mel Gibson für sein Pathos kritisiert, das er auch in Hacksaw Ridge an den Tag legt. Und ja, wenn Desmond Doss von seinen Gefährten auf einer Trage in den Himmel gestreckt wird und ein Licht um ihn erstrahlt, als wäre er ein Heiliger, dann ist das alles andere als subtil. Doch im Falle von Hacksaw Ridge ist diese Form der Inszenierung absolut angebracht. Denn die abstoßende Darstellung des Krieges setzt einen krassen Kontrapunkt zur plakativen Heldenverehrung.

Hacksaw Ridge mit Andrew Garfield

Hacksaw Ridge verherrlicht den Krieg in keinster Weise. Kompromisslos stellt er die mörderische Auseinandersetzung zwischen Japanern und US-Amerikanern als sinnloses Schlachtfest dar. Desmond Doss stürzt sich in diese menschengemachte Hölle, um sich für seine friedlichen Ideale einzusetzen. Dabei kann niemand sagen, ob seine Taten wirklich mehr Leben verschonen als sie fordern. Jeder der geretteten Soldaten könnte schon bald wieder zum Gewehr greifen und sich erneut blind in den Krieg stürzen.

Die Heldenverehrung in Hacksaw Ridge ist gerechtfertigt

Desmonds Handeln ist zwar naiv und der Nutzen seiner selbst auferlegten Mission fragwürdig. Doch ist das wirklich verwerflich, wenn der Kern seines Handelns in der größtmöglichen Wohltat besteht? Was könnte heldenhafter sein als das Retten von Menschen in einem Szenario, das menschliches Leben völlig entwertet?

Desmond Doss folgt einer strikten Gesinnungsethik und tut das Richtige, schlicht deshalb, weil es richtig ist. Trotz der widrigsten äußeren Umstände bleibt er standhaft, zwingt sich immer wieder in das Dauerfeuer um seinen friedlichen Idealen zu folgen. Wenn jemand Pathos verdient hat, dann der von Andrew Garfield gespielte, pazifistische Armee-Sanitäter.

Man kann die Heldenverehrung von Hacksaw Ridge verurteilen oder Desmond Doss als Inspiration nehmen, unsere eigene Ethik zu vereinfachen. Anstatt immer kompliziertere Ausreden zu finden, um Hilfe zu unterlassen, könnten wir einfach mal wieder Gutes tun - schlicht und einfach, weil es gut ist.

Hacksaw Ridge ist seit dem 1. Oktober 2019 bei Netflix zu finden.

Was haltet ihr von Hacksaw Ridge? Werdet ihr den Film bei Netflix schauen?

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