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Lana Wachowskis Bekenntnis zum eigenen Ich

Zu sich selber zu stehen fällt einigen Leuten aus unterschiedlichsten Gründen nicht leicht. Anderen gelingt es hingegen, offen zum Ich zu stehen. So wie Lana Wachowski. Ist das einen Preis und ein Lob wert? Ja, und zwar dann, wenn damit ein wichtige Botschaft verbunden ist.

Einblicke in die Gefühlswelt
Larry Wachowski war erfolgreich. Zusammen mit seinem Bruder Andy Wachowski schuf er den Kinohit Matrix sowie dessen Nachfolger The Matrix Reloaded und The Matrix Revolutions, machte die Guy-Fawkes-Maske durch V wie Vendetta populär. Aber trotzdem war er nie so richtig glücklich. Weil er kein „er“ war, sondern immer eine „sie“. Lange Zeit hatte Larry Wachowski nicht den Mut, zu seiner Identität zu stehen. Seit einiger Zeit bekennt er sich aber offen zu seiner Transsexualität. Nach all den Jahren des Zweifels, der Zerrissenheit, des Gefühlswirrwarrs begann das Leben als Lana Wachowski. Als selbstbewusste, glückliche Frau. Wie hart es für die Regisseurin war, zu sich zu stehen und so zu leben, wie sie einfach ist, verriet sie anlässlich der Verleihung des Visibility Award der amerikanischen Human Rights Campaign. In ihrer umfangreichen Dankesrede gewährt Lana Wachowski Einblicke in ihre Gefühlswelt, schildert ihr Ringen mit sich und ihrer Identität als Transsexuelle. Und sie macht deutlich, wie schmerzvoll es ist, nicht zu sich selber stehen zu können.

Berührende Rede
„Ich begann Stimmen in meinem Kopf zu glauben, dass ich ein Freak bin, dass ich nicht in Ordnung bin, dass etwas mit mir nicht stimmt, dass ich niemals liebenswert sein werde.“
Lana Wachowski benutzt in ihrer Rede berührende und aufrüttelnde Worte. Es geht einem zu Herzen, wenn sie davon erzählt, dass sie sich als minderwertig, als „kaputt“ empfunden hat. Mit diesem Empfinden steht sie nicht alleine da: Viele Menschen auf der Welt befinden sich im falschen Körper, besitzen ein nicht zu ihnen passendes Geschlecht. Der Unterschied ist, dass Lana Wachowski berühmt ist und ihre Geschichte damit stärker im öffentlichen Fokus steht, besonders jetzt, wo der unter anderem von ihr realisierte Film Cloud Atlas – Alles ist verbunden in den Kinos läuft. Warum Lana Wachowski also einen Preis überreichen, vor allen Dingen für das Bekenntnis zum eigenen Ich, was ja vollkommen normal sein sollte? Das fragte sie sich auch. Ihr Friseur gab aber die richtige Antwort, warum ausgerechnet sie ausgezeichnet wurde: weil sie als sie selber ziemlich gut ist. Die emotionale Rede zeigt, dass die Entscheidung richtig war, Lana Wachowski den Award zu verleihen.

Bekenntnis zum Ich
„Ich erinnere mich an die dritte Klasse, ich erinnere mich an den Wechsel von einer öffentlichen Schule auf eine katholische Schule. In der öffentlichen Schule spielte ich meistens mit Mädchen, ich hatte lange Haare und jeder trägt Jeans und T-Shirts. In der katholischen Schule tragen die Mädchen Röcke, die Jungs spielen in Hosen. Mir wird gesagt, ich muss meine Haare schneiden. Ich möchte Four Square mit den Mädchen zu spielen, aber jetzt bin ich einer von ihnen – ich bin einer von den Jungs.“
Wer von frühester Kindheit an dazu gezwungen wird, gegen seine eigenen Gefühle anzugehen, der hat wenig Chancen auf wahres Glück. Lana Wachowski macht deutlich, wie schwer die Last der falschen Identität ihr Leben lang wog. Dass sie Gott sei Dank nie den Freitod wählte, ist, sie schildert die Situation, dem eindringlichen Blick eines Mannes zu verdanken, der sie davon abhielt, vor einen Zug zu springen. Dass Lana Wachowski sich mittlerweile zu ihrer Transsexualität bekennt und ihr Erfahrungen teilt, ist nicht nur für sie ein wichtiger Schritt. Sie steht stellvertretend für viele Menschen, die nicht so leben können, wie sie es eigentlich wollen. Vielleicht hilft ihnen jedoch der mehr als lobenswerte Auftritt von Lana Wachowski, sich zu sich selber zu bekennen. Und womöglich tragen die Worte der Regisseurin auch dazu bei, dass Transsexuelle nicht mehr das Gefühl haben, sich verstecken zu müssen.

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