Iron Sky wurde u.a. durch Crowdfunding finanziert
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Verfolgen wir die vorwiegend im Internet stattfindende Betrichterstattung, könnten wir das Crowdfunding für eine Wunderwaffe halten, die selbst die Space Nazis in Iron Sky beeindrucken dürfte. Der skurrile finnische Streifen feierte letzte Woche im Rahmen der Berlinale Premiere, kommt im April in die deutschen Kinos und darf sich auf ein langes Leben als Hauptprogrammpunkt der Filmabende dieser Welt gefasst machen. Das besondere an Iron Sky sind jedoch nicht die Nazis, die auf dem Mond wohnen, oder Sarah Palin als US-Präsidentin. Das hervorstechende Merkmal des satirischen Genrefilms ist seine Finanzierung. Die Produktion von Iron Sky wurde teilweise durch Fans gestemmt, welche von den Filmemachern über das Internet mobilisiert wurden.
Was ist Crowdfunding?
Beim Crowdfunding wird ein Projekt nicht durch einige wenige Investoren finanziert, sondern durch die breite Masse. Deswegen ist diese “Schwarmfinanzierung” auch ein klassisches Produkt des Internetzeitalters. Durch Kampagnen wird in der frühen Phase eines Projekts auf speziell eingerichteten Internetseiten oder Plattformen wie kickstarter und mySherpas eine möglichst große Aufmerksamkeit generiert. In der Regel gibt es ein Finanzierungsziel, das bei Stromberg: Der Film beispielsweise 1 Million Euro umfasste, bei den meisten Projekten aber wesentlich geringer ausfällt. Im Gegensatz zur klassischen Spende verspricht Crowdfunding eine Gegenleistung. So werden für kleinere Beträge DVDs, signierte Poster und ähnliches versprochen, bei höheren winken Nennungen im Abspann, Mittagessen mit den Beteiligten oder Anteile am Einspielergebnis.
Die Belohnungen sind der Kreativität der Macher überlassen, suggerieren aber stets eines: Du bist Teil dieses Films. So können sich Investoren von Stromberg – Der Film über Zertifikate ihrer Teilnahme freuen und, haben sie genügend bezahlt, kleine Nebenrollen in der Verfilmung der gefeierten TV-Serie übernehmen. Da ist es nicht überraschend, dass der Abspann von Iron Sky nur so überquillt vor Danksagungen. Crowdfunding wird deswegen vielfach als demokratisches Finanzierungsmodell beworben, bei dem die Macher sich nicht den Anforderungen einzelner beugen müssen und die Fans kleine oder große Rädchen im Getriebe einer Filmproduktion werden können.
Wie die Nazis fliegen lernten
Bereits 2008 machte das Projekt Iron Sky von sich Reden, als der Aufruf zur Finanzierung, gepusht von Concept Art und mehr, durch das Internet säuselte. Von Space Nazis auf dem Mond war die Rede. Nicht zuletzt diese ungewöhnliche Kombination ließ Iron Sky im Hinterkopf vieler Leser haften und einige öffneten ihren Geldbeutel für die Produktion. Etwa 10 Prozent der 7 Millionen Dollar teuren Produktion wurden in der Folge mit dem Crowdfunding-Modell gesammelt. Außerdem durften die Fans online Vorschläge einbringen, was das Crowdfunding mit Ansätzen des Crowdsourcing kombiniert, wie es etwa bei Wikipedia praktiziert wird. Ein Nebenprodukt dieser Jahre andauernden Kampagne ist hervorragende Werbung. Seit 2008 ist der Streifen mit den Mondnazis in Filmcommunities Thema und das, obwohl die Dreharbeiten damals noch nicht einmal begonnen hatten. Belohnt wird das Marketing nun mit einem Kinostart, statt einer DVD-Auswertung.
Die Crowdfunding-Kampagne für Stromberg – Der Film sorgte ebenfalls für Aufmerksamkeit, immerhin wurde innerhalb von einer Woche 1 Million Euro von Fans investiert. Iron Sky oder Stromberg sind in der Welt des Crowdfundings jedoch Ausnahmen. Denn für Millionenbeträge ist diese Art von Finanzierung eigentlich nicht ideal. Nur in den seltensten Fällen lässt sich schließlich so viel Aufmerksamkeit für ein Projekt generieren, das noch in der Drehbuchentwicklung steckt. Am meisten dürfte Crowdfunding für die wirklich kleinen Filme bringen. Beträge von 25.000 Euro entscheiden da, ob ein Streifen überhaupt zu Stande kommt und das ist nicht immer der Fall. Von den 15 deutschen Filmprojekten, die zwischen Mai 2010 und April 2011 eine Crowdfunding-Kampagne starteten, erreichten nur fünf das geplante Finanzierungsziel (Quelle: SZ).
Der Mond ist aufgegangen
Crowdfunding ist kein Allheilmittel. Ein Film, der mit einem haarsträubendem Trashkonzept aufwartet oder eine bekannte Serie als Basis nutzt, hat natürlich bessere Chancen als ein künstlerisch ambitioniertes Projekt, das für Filmförderanstalten ebenso wenig attraktiv ist. Es kommt beim Crowdfunding schließlich darauf an, die Idee zu verkaufen und kreative Kampagnen in die Wege zu leiten. Dafür bieten sich kurz und bündig erklärbare High Concept-Ansätze (Nazis auf dem Mond!) eher an, als vor Komplexität strotzende Kunstfilme. Die deutsche Produktion Hotel Desire bestätigt diesen Eindruck. Beworben wurde der Film nämlich mit einer einfachen Tatsache: In den 45-Minüter haben die Schauspieler (u.a. Clemens Schick) echten Sex. Prompt sammelte das “porneografische” Werk 170.000 Euro durch Crowdfunding ein. (Quelle: Der Spiegel) Soviel Glück war einem anderen Berlinale-Film, Electrick Children, nicht beschieden. Der Jugendfilm konnte bei der Plattform Kickstarter.com nicht genügend Fans mobilisieren, doch immerhin kam darüber der Kontakt zu einem Produzenten zu Stande.
Das Crowdfunding ist sicher nicht das Allheilmittel des Independent-Films. Je höher das Finanzierungsziel, desto eingängiger muss die Idee aussehen und verkauft werden. Statt des Produzenten oder studio heads will nun die Masse überzeugt werden. Auch dürfte nach Iron Sky und der steigenden Beliebtheit des Modells die Grenze zwischen Marketing-Coup und notwendiger Finanzierung immer weiter verschwimmen. Doch gerade Low Budget-Filme können durch die demokratisch fundierten Investitionen die entscheidende Hürde vor der Realisierung nehmen. So bricht das Crowdfunding schrittweise die Barrieren zwischen Zuschauern und Filmemachern ein und das Internet wird zum Hort der filmverrückten Marktschreier.
Was denkt ihr: Ist Crowdfunding ein Finanzierungsmodell mit Zukunft?
the gaffer (Jenny Jecke) 2012/02/20 08:50:00
Jenny Jecke hat was mit Medien studiert und lebt in Berlin. Bei moviepilot spekuliert sie mit und für euch über die Zukunft des Kinos. Mit drei anderen Filmfans bloggt Jenny außerdem über alte, neue, hübsche und hässliche Filme. Für das Magazin AGM schreibt sie eine Action-Kolumne und via Twitter könnt ihr sie fragen, was das alles soll. Über Anregungen, Themenvorschläge oder Kritik freut sie sich immer.
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Kommentare
über Wie Crowdfunding Iron Sky zum Fliegen bringt
Kommentar schreibenIn_Ex_Fan 2012/02/21 07:50:34
Kommentar löschenWie wäre es mit Space-Nazis vom Mond die auf Dinosauriern reiten und die Apokalypse einleiten?
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xtheunknown 2012/02/20 21:09:49
Kommentar löschendefinitiv, nicht nur für filme.
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Rukus 2012/02/20 15:23:04
Kommentar löschenGrundsätzlich ist Crowdfunding eine tolle Sache. Die einzige Befürchtung, die ich hege, wenn auch nur leicht, ist, dass das ausgenutzt werden könnte, um Leute abzuzocken. Auf der anderen Seite ist die Chance für kleine Projekte, die richtig cool sind, und anders keine Möglichkeit hätten, realisiert zu werden, zu groß, um das Konzept selbst in Frage zu stellen.
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Narrisch 2012/02/20 14:42:29
Kommentar löschenFür Projekte dessen Budget nicht die 10 Millionen Marke sprengt ganz sicher eine gute Idee.
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stuforcedyou 2012/02/20 13:13:51
Kommentar löschenDas wird so lange gut gehen, bis ein oder zwei Projekte ordentlich in den Sand gesetzt werden. Ich würde ja für "the gaffer blickt voraus - Der Film" durchaus ein paar Euro locker machen. ;)
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Rukus 2012/02/20 15:18:37
Antwort löschenDa bin ich ja mal gespannt, wie das aussehen würde, das Projekt ... ;)
stuforcedyou 2012/02/20 15:21:21
Antwort löschenBin noch in Verhandlungen mit Gary Oldman, der den 3D-Trend in einer Nebenrolle verkörpern soll.
Rukus 2012/02/20 15:25:41
Antwort löschenFassbender wollte doch unbedingt mal was deutsches machen, oder? Wenn du ihn anlocken kannst, hast du gewonnen. Die Mädels werfen dir das Geld nur so in den Rachen und du könntest ihm sogar seine übliche Gage ohne Probleme zahlen. :D
the gaffer 2012/02/20 15:28:42
Antwort löschenUnd ich *verhandele* schon mit Colin Firth über die Hauptrolle... als Colin Firth.
stuforcedyou 2012/02/20 15:35:33
Antwort löschenHm, eigentlich hatte Morgan Freeman für die Rolle schon zugesagt.
the gaffer 2012/02/20 16:26:33
Antwort löschenDie dunkle Seite des Mondes fänd ich ganz cool. Muss mal gucken, wie da die Mieten sind...
Rukus 2012/02/20 16:37:36
Antwort löschenHoffentlich haben die nach Iron Sky da aufgeräumt und nicht nach dem Motto "aus den Augen aus dem Sinn" ihr Gerümpel da liegen lassen.
bobo-lemon 2012/02/20 13:03:19
Kommentar löschenIch unterstütze Crowdfunding bisher nur im musikalischen Bereich und da auch nur für "No-Name-Indie-Punk-whatever-Bands", die sich auf anderem Wege wohl niemals 'ne professionale Aufnahme leisten könnten. Ich denke auch, dass dieses System zum überwiegenden Teil von wahren Fans genutzt wird und man vorerst keine Angst haben muss, dass damit auch kommerzieller Mist produziert wird.
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dustyOn3 2012/02/20 12:18:52
Kommentar löschenDie Zukunft des Kinos ist ganz klar die Hochtechnisierung. Leider.
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Rukus 2012/02/20 15:17:22
Antwort löschenDas würde ich so nicht unterschreiben. Es gibt genug hochwertige Filme, die Hightech nicht nötig haben.
Oberlaender 2012/02/20 15:28:40
Antwort löschenOptimistisch gesehen gebe ich dustyOn3 recht, aber im Moment laufen Sachen, wie Devil Inside, Chronicle etc. am gewinnbringendsten. Ich glaube, die Studios werden in Zukunft technisch eher zurückstufen, als weiterhin zu protzen.
Rukus 2012/02/20 15:34:23
Antwort löschenWobei man die Computertechnik oft nicht bemerkt. Man kommt ja eher nicht darauf, dass irgendwelche ordinären Strassenzüge komplett aus dem Rechner kommen.
dustyOn3 2012/02/20 22:39:20
Antwort löschenIch meine nicht unbedingt den aktuellen Standpunkt der Produzenten, sondern wonach die Masse schreit. Und da sind Kandidaten wie "Transformers", "Harry Potter" und "Twilight" ganz vorne mit dabei. Und da es sich in Hollywood schon seit Jahren fast nur noch um Geld dreht, dürfte es niemanden mehr verwundern wenn die Quote derartiger Filme deutlich zunimmt. Sicherlich gibt es Filme bei denen ein hoher Anteil an künstlich inszenierter Kulisse sinnvoll und auch gut erscheint, jedoch gilt es überwiegend die Menge mit Effekten und weniger mit Handlung zu beeindrucken.
Rukus 2012/02/20 22:47:42
Antwort löschenDie Leute wollen unterhalten werden, und das gerne seicht. Nachdenken ist zu anstrengend. ;)
Niveau und Botschaften muss man den Leuten unterschieben. In etwa so, wie man Kindern Gemüse, das sie nicht mögen zermanscht unter ihr Kartoffelpüree mischt. Oder Medikamente bei ner Schluckimpfung auf Zuckerwürfel träufelt. *gg*
chriskaps 2012/02/20 12:06:36
Kommentar löschenZukunft auf jeden Fall, aber wer unbekannt ist muss auch klein denken oder einen langen Atem haben (wie Iron Sky).
Das beeindruckenste Beispiel von Crowd Funding gabs jetzt grade mit einem angekündigten Adventure Spiel von den legendären Herren Tim Schafer (Full Throttle, Grim Fandango) und Ron Gilbert (Maniac Mansion, Monkey Island). Für ein neues Spiel wollten die in einem Zeitraum vom ca. 1. Monat $ 400.000 über Kickstarter generieren. Die Aktion läuft noch 22 Tage und sie haben bis dato knapp $ 2 Millionen gesammelt. Hammer. Und wer Spiele wie Monkey Island vermisst, kann sich freuen.
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mitcharts 2012/02/20 11:49:36
Kommentar löschenCrowdfunding funktioniert sehr gut, dass sieht man an vielen Projekten.
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HulktopF 2012/02/20 10:26:27
Kommentar löschenrichtig angewendet kann es sehr viel bringen.
nur muss halt das konzept und interesse stimmen, iron sky ist ja nun wirklich interessant: nazis aufn mond, ich meine, hallo? das will doch jeder sehn :D
für zombiefilme oder slasherfilme könnte dieses marketing auch vorteile bringen.
crowdfunding hat potential und kann großes bewirken.
PS:wäre nett wenn ihr erwähnt wieviel iron sky dadurch eingenommen hat um den film zu ermöglichen.
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the gaffer 2012/02/20 10:33:47
Antwort löschenHier findest du genaue Zahlen: http://www.ironsky.net/site/support/finance/








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