Meine glorreichen Sieben

7 Tagträumer, die Juliane ins Herz geschlossen hat

08.08.2013 - 08:50 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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In meinen ersten glorreichen Sieben widme ich mich den oft unterschätzen, den zu Unrecht bemittleideten und gerade darum interessatesten Filmcharakteren. Kurz: den introvertierten Tagträumern.

In meinen persönlichen glorreichen Sieben möchte ich die Tagträumer unter den Filmcharakteren feiern. Jene ruhigen, in sich gekehrten Helden retten vielleicht nicht die ganze Welt mit Charme und Esprit; dafür zeigen sie uns und ihren extrovertierten Konterparts die Welt aus ihrem einzigartigen Blickwinkel und bringen sie nicht selten wieder zurück auf den richtigen Weg. Ohne die Einsiedler, Tagträumer und Verlorenen würde dem Kino eine große Portion Tiefgang, Fantasie und Perspektive fehlen. Darum erhebt die Gläser für diese Ode an die Introvertierten!

Seymour – Ghost World
Steve Buscemi ist großartig, man kann es nicht oft genug betonen. In Ghost World spielt er den einsamen Seymour. Er sammelt mit Leidenschaft Schallplatten und nostalgische Kunst, die er wie in einem Museum in seiner Wohnung präsentiert. Leider fehlt ihm jemand, der all das zu schätzen weiß. Seymour sehnt sich vor allem nach einer Person, die ihn versteht und nicht gelangweilt ist von seinem Musik-Nerdtum. Und das ist gar nicht so einfach, denn Seymour ist der Meinung zu 99% der Menschheit keinen Draht zu haben. Als die 18-jährige und damit viel zu junge Enid (Thora Birch) in sein Leben tritt, meint er das eine Prozent gefunden zu haben. Zwar ist Enid genauso misanthropisch veranlagt, doch auf eine viel impulsivere und zynischere Art, die das erste Mal Turbulenzen in Seymours Leben bringt, als sie versucht ihn zu verkuppeln.
Seymour-Zitat: “Denkst du, es ist gesund, Dinge wie ein Besessener zu sammeln? Leute mit Kontaktschwierigkeiten füllen ihr Leben mit Gegenständen. Ich bin wie all die anderen erbärmlichen Sammler.”

Joel – Vergiss mein nicht
Vergiss mein nicht ist eine tragische (oder hoffnungsvolle?) Liebesgeschichte eingebettet in ein cleveres Science-Fiction-Gerüst. Die beiden Protagonisten Joel (Jim Carrey) und Clementine (Kate Winslet) könnten nicht unterschiedlicher sein. Sie ist impulsiv, spontan und redet wie ein Wasserfall. Joel ist ihr polares Gegenteil: Emotional verschlossen, nachdenklich und künstlerische begabt. Trotzdem, oder gerade deswegen verfallen sie einander sofort. Was sie nicht wissen, sie waren schon ein Mal ein Paar, haben die Erinnerung aneinander von der mysteriösen Firma Lacuna Inc. auslöschen lassen. Im Gegensatz zu den vielen überdrehten Rollen von Jim Carry, ist Joel eine erfrischende Abwechslung. Er sagt nicht viel, ist aber der Held des Films, da er mit aller Macht versucht die Löschung seiner Erinnerungen aufzuhalten. Damit hat er sich mit Recht einen Platz in meinen glorreichen Sieben verdient.
Joel-Zitat: “Andauernd reden heißt noch lange nicht kommunizieren.”

Amélie – Die fabelhafte Welt der Amelie
Amélie (Audrey Tautou) lebt in ihrer eigenen Welt. Sie ist eine Träumerin und denkt durch ihre Gefühle. Sie bemerkt und erfreut sich stets an den kleinen und zu selten beachteten Dingen des Lebens. Durch ihre kindliche Phantasie und Neugier stolpert sie über die Box hinter der Badezimmerfliese. Sie ist verzaubert von der Vorstellung, was der Inhalt für den Besitzer bedeuten muss. Und so verändert sie ihre Umwelt mit ihren gänzlich einzigartigen Mitteln. Ihre reiche innere Welt steht etwas im Kontrast zu der Art und Weise, wie sie mit Nino umgeht. Obwohl sie etwas für ihn empfindet, spricht sie es nie direkt aus. Darum hat sich Die fabelhafte Welt der Amélie ihren Platz in meinen glorreichen Sieben redlich verdient. Amélie-Zitat: „Die Zeit hat nichts verändert. Amélie flüchtet sich noch immer in die Einsamkeit. Sie entwickel ein Vergnügen daran, sich idiotischen Fragen über die Welt oder über die Stadt zu stellen, in der sie lebt.“

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