A Stupid Place

Pssssssssst
© Paramount/moviepilot
Pssssssssst
20.10.2018 - 08:50 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Ihr habt euch erschrocken. Ihr habt mitgefiebert. Ihr habt die Luft angehalten und wart mucksmäuschenstill ... Aber hat A quiet Place wirklich diesen Wahnsinnserfolg verdient? Oder ist er in Wirklichkeit der dümmste Film der Welt?

Das habt ihr bestimmt alle an der ein oder anderen Stelle schon mal gehört: "Du musst dich nur drauf einlassen ..." - "Du hast den Film nur nicht verstanden ..." - "Wenn er dir nicht gefällt, dann guck ihn nicht ..." - "Mach du doch erstmal einen besseren Film ..." Ja ja, blah blah ... Wenn ihr einen Film nicht gut findet, findet ihr ihn nicht gut - da hilft auch kein passiv-aggressives Lamentieren von Fans, dass ihr böse seid und ihre Meinung nicht teilt. Ihr könnt euren Standpunkt schließlich begründen - manchmal mit Leidenschaft!

Und ganz ehrlich? Ihr müsst auch diese Meinung zu A Quiet Place nicht teilen - aber wenn ein Verriss mit so viel schwarzem Herzblut, so LAUT und so unterhaltsam, kurzum: so gut wie der hier von ArnoldWiseau geschrieben wurde ... dann solltet ihr euch unbedingt darauf einlassen!

Der Kommentar der Woche von ArnoldWiseau zu A Quiet Place

Um diesen Film zu mögen, so vermute ich mal, darf man sich KEINERLEI Fragen bezüglich seines Szenarios stellen, weil nun wirklich jedem halbwegs aufmerksamen Zuschauer sofort unendlich viele Absurditäten in Hinsicht auf die gesamte filmische Welt auffallen sollten. Aber das sei kein Problem, denn man müsse - so sagen, wie üblich, die Fans eines schwachsinnigen Films - "sich auf den Film einlassen". Seit Jahren frage ich mich nun schon: Was zum Teufel soll das bedeuten? Immer wieder höre und lese ich diese Formulierung und ich verstehe einfach nicht, was man mir damit sagen möchte. Ich darf also nicht mehr über ein filmisches Szenario und seine Nachvollziehbarkeit nachdenken? Wie soll ich dann dem Film folgen? Wie soll ich mich in die Lage der Figuren versetzen? Was soll ich überhaupt aus dem Werk ziehen?

Eine filmische Welt entwickelt Regeln, die für mich als Zuschauer verständlich sein müssen. Ich kann in einem Science-Fiction-Film hinnehmen, dass Menschen mit Überlichtgeschwindigkeit reisen, wenn die restliche fiktionale Welt noch verständlich bleibt. Wenn aber, wie hier, ein Szenario von vorne bis hinten NICHT IM MINDESTEN in sich schlüssig ist, wie in aller Welt soll ich dann im Geschehen involviert sein? Ein Film ist dann nichts weiter als "Zusammenhanglose Dinge geschehen - The Movie". A Quiet Place schustert sich eine völlig unschlüssige Welt zurecht, die mit ultra-speziell gestalteten Monstern aufwartet, sodass alles genau zu den beabsichtigten Konflikten führt - zumindest bis zu den etlichen Momenten, wo der Film einfach seiner eigenen Logik widerspricht oder einfach keine hat - ähm, und das ist leider immer.

1. Fangen wir mal locker an, quasi zum warm werden. Es scheint in dieser Welt also Strom zu geben - und den nicht zu knapp, denn unsere Familie kann problemlos ihren ganzen Hof von innen und außen beleuchten. Schon mal interessant, wo der herkommt, in ner dystopischen Welt. Dieselgeneratoren werden es wohl nicht sein und sie haben wohl auch kein Kohlekraftwerk im Keller. Windräder sind auch recht laut. Vielleicht Solarzellen? Das könnte man sich wohl noch vorstellen. Wär ganz nett gewesen, wenn der Film sich vielleicht darum geschert hätte, mir die Rahmenbedingungen des post-apokalyptischen Hoflebens zu erklären. Aber das ist das geringste der Probleme.

2. Wo diese extrem abstrusen Monster herkommen, lässt der Film im Ungewissen, und damit kann man sich wohl noch abfinden. Aber: Diese irren Viecher haben also anscheinend die alte Weltordnung zum Einsturz gebracht. Und sie sind außerdem verwundbar durch... Schrotflinten... Bitte einmal alle zusammen tief Luft holen. Muss ich dazu wirklich noch irgendetwas sagen oder wollen wir einfach wild drauflos lachen? Also, wow, das ist echt... ich bin irgendwie sprachlos. Ist das das dümmste, was ich jemals in einem Film erlebt habe? Diese Viecher sind ja noch jämmerlicher als die Aliens in Signs, die nicht durch Holztüren kommen und durch einen Tropfen Wasser sterben. Ich hab mal so ne Idee. Wir setzen uns in einen Panzer, bauen vorne ne Kuhglocke dran, und mähen die Viecher mal ganz gepflegt nieder. Es dauert dann wohl so ca. ne Stunde bis das Monsterproblem global gelöst ist, denn ich vermute, dass die Viecher uns wie die Bekloppten vor die Rohre rennen. Die Konsequenzen jedenfalls, die unsere Figuren aus der allgegenwärtigen Bedrohung dieser Wesen ziehen, sind einfach nur völlig beknackt. Anstatt sein gesamtes Leben darauf auszurichten, nicht mal mehr versehentlich nen Zahnstocher fallen zu lassen, wär's vielleicht "ein wenig" klüger, vor allem langfristig gedacht, einen Wecker auf ne Wiese zu stellen und ne Granate daneben zu legen. Aber Granaten gibt's wahrscheinlich in dieser Welt nicht mehr, nur ne perfekte Stromversorgung... und Schrotflinten.

(2.1 Oder wir sagen einfach im Skript: die Monster sind durch Waffen unbesiegbar. Schon ein echt glaubwürdiges Konzept. Wir müssen die Monster also nicht nur als perfekt hörend und unendlich schnell konzipieren, sondern auch noch als unverwundbar - und blind, damit sie keine Götter sind. Außerdem funktioniert mit unbesiegbaren Monstern der ganze dritte Akt des Films nicht mehr, in dem unsere Figuren nun plötzlich immer mehr den Kampf aufnehmen statt sich zu verstecken. Allein der letzte Shot ist so unendlich dümmlich. Emily Blunt guckt cool in die Kamera und lädt die Flinte. Yeah, jetzt kriegen die Viecher was zurück! Ok, nur, ähm, das war also nicht das ERSTE was die Menschheit versucht hat, die Viecher einfach abzuknallen? Man ging zuerst in den Untergrund? Oh man, ey...)

3. Wenn man ein Geräusch macht, dann ist ein Monster anscheinend IMMER innerhalb weniger Sekunden an dem Ort, wo das Geräusch entstanden ist. Egal wo man selber ist, egal wo das Monster vorher war. Ja, sehr glaubwürdig. Man sieht die Viecher nie, aber egal wo man ist - sei es im Keller einer Hütte, irgendwo im Wald oder vermutlich auch auf dem Mount Everest: sie sind immer SOFORT da. Zack, BUMM. Wenn es nämlich mehr als fünf Sekunden dauern würde bis sie da sind, dann geh ich halt einfach mal ein paar Meter nach links und das Monster findet mich nicht mehr. Ziemlicher Fail irgendwie. Schon kacke, wenn man blind ist. Ähm, genau, diese Blindheit ist auch noch so ne Sache. Diese Monster rennen also schneller als der Wind - und sind blind (klingt gut, nech?). Ich möchte mal ein blindes Monster mit 500 km/h durch den Wald rennen sehen. Ich glaub ehrlich gesagt nicht, dass da noch viel bei mir ankommt.

(3.1 Ich fänd's übrigens echt ätzend, wenn mein persönliches Monsterrevier in nem Wald läge. Da fallen halt dauernd Kastanien von Bäumen und Blätter rascheln. Ich muss also den ganzen Tag wie ein Bekloppter von Baum zu Baum rennen und seh gleichzeitig nichts. Ziemlich armseeliges Leben, irgendwie. Und wie ist das eigentlich, wenn ein Monster durch sein hyperaktives Getrampel selbst Lärm macht? Kann ein anderes Monster hören, dass der Lärm von einem Artgenossen kommt? Ich fänd's ziemlich lustig, wenn dem nicht so wäre, denn dann würde sofort eine Kettenreaktion ausgelöst werden, die alle Monster auf der gesamten Welt in panisches Rumrennen versetzen würde. Ich fänd's witzig.)

4. Wie reagieren diese Dinger eigentlich auf viele Geräusche auf einmal bzw. Krach? Wäre das nicht die ultimative Reizüberflutung? Am Ende feuern unsere "Helden" z. B. ein Feuerwerk zur Verwirrung ab. Find ich ne gute Idee, ehrlich. Nur so ne Anmerkung: WARUM MACHEN WIR DAS NICHT JEDES EINZELNE MAL WENN WIR VERSEHENTLICH EIN GERÄUSCH MACHEN? Wir holen Dudelsäcke und Tröten raus und legen mal so richtig los, bis die Viecher VOR UNS weglaufen. Genau das kotzt mich bei diesem Film so an: Erst sind wir ach so hilflos gegen die Viecher - und plötzlich ist Abknallen ne Lösung. Und dann ist Krach zur Ablenkung auch noch ne Lösung. Alles passiert nur so, wie der Plot es gerade braucht. Nichts an der Welt ändert sich im Laufe der Handlung. Die Charaktere hätten sofort das sinnvollere Verhalten an den Tag legen können, das sie nur aufgrund jämmerlichen Screen-Writings erst im letzten Akt anwenden.

5. Einerseits soll ich glauben, dass diese Menschen jahrelang überlebt haben, ohne das kleinste, unbeabsichtigte Geräusch zu machen, aber gleichzeitig trampeln sie einfach ne alte Kellertreppe runter und stapfen in einen Nagel, oder hauen beim Monopoly Spielen mal eben ne Lampe um und machen damit ordentlich Krach und stecken das halbe Wohnzimmer in Brand. Wenn das eigene Leben davon abhinge, dann würde man sich offensichtlicherweise nicht so unbedacht verhalten. Man würde jede Bewegung hyper-vorsichtig und vermutlich in Zeitlupe ausführen. Und wenn man mir jetzt erwidert, dass wir Menschen alle nun mal hin und wieder Fehler machen, dann sage ich: Genau, und deswegen wäre in dieser Welt halt jeder ziemlich schnell tot. Und die Paar, die es vielleicht wirklich nicht wären, würden eben nie im Leben so dumme Fehler machen, wie die hier gezeigten - denn sonst wären sie schon lange weg vom Fenster. Gutes Character-Writing, erwähnte ich bereits. Und das Beste kommt ja noch: wir haben es hier teilweise mit Kindern zu tun - das führt mich zu:

6. Die Kinder rennen permanent alleine überall rum. Einmal gestolpert - TOT - einmal geniest - TOT - einmal Kopf gestoßen - TOT. Tot, tot, TOOOOOOT. Steck ein Kind einen Tag, ach was, zehn Minuten in diese Welt - einfach nur sowas von TOOOOOOOOT. Mal ehrlich, wie VERDAMMT NOCHMAL soll ich das dem Film abnehmen? Einmal verhalten sich die Kinder perfekt in Einklang mit den abstrusen Regeln dieser Welt, regen sich in Gebärdensprache auf und machen keinen Mucks, und im nächsten Moment wollen sie lieber mit nem blinkenden Space Shuttle spielen (zugegeben: das sah cool aus, hätte mich als Vorschüler auch fasziniert). Na ja, anscheinend kann man auch als kleiner Junge in dieser Welt mehrere Jahre überleben, bis man dann, ähm, so gerne mit nem Space Shuttle spielen will, dass man deswegen dann gleich TOOOOOOT ist. Was soll ich sagen, ich find's einfach nur endlos bescheuert. Dass Kinder in dieser Welt auch nur irgendeine mittelfristige Überlebenschance hätten, ist schlichtweg mehr als absurd. Und außerdem würde vermutlich kein Elternteil seinen Nachwuchs auch nur fünf Sekunden aus den Augen lassen, wenn EINE unbedachte Bewegung dessen Leben kosten könnte. Wahrscheinlich würde man die Kinder zu ihrem eigenen Schutz an einen Stuhl binden und knebeln. Und jetzt kommt abschließend mein Favorit:

7. Am Ende wird also ein schalldichter Raum für das Baby gebaut. Gute Idee, ja, ja, jaaaaa... ACH WIRKLICH? EIN SCHALLDICHTER RAUM?! Nur mal sone Idee, ähm, WIE WÄR'S WENN WIR DA ALLE EINZIEHEN? Vielleicht bauen wir ein schalldichtes HAUS? Anyone with me here? Den ganzen Film lang frag ich mich, warum man nicht einfach einen Raum/Haus mit richtig fetten Wänden baut UND DANN MACHEN SIE DAS. Argh. AAAARRRGGGGHHH. Es gibt also keine weitere haarsträubende Erklärung dafür, warum das in der Filmwelt nicht möglich ist. Wie viele Jahre habt ihr denn gebraucht, um auf diese völlig abwegige Idee zu kommen?

Meine Fresse, ich darf mich also an all dem nicht stören, wenn ich mich "auf den Film einlasse"? NICHTS davon ist hier in irgendeiner Weise ein Problem, ja? Was bleibt denn dann überhaupt noch übrig? Für mich ca. 0,1 Punkte für annehmbaren Look und akzeptable Darsteller. Dialoge waren nicht so geil.

Psssssst! Den Originalkommentar findet ihr HIER.

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