An Education

Coming-of-Age-Film mit schwachem Ende

An Education
© Sony Pictures
An Education

England im Jahre 1961: Die 16jährige Jenny (Carey Mulligan) wächst in einer eintönigen Londoner Vorstadt auf. Ihr Ziel ist es, einen Studienplatz in Oxford zu bekommen, auf den sie dank fast durchgängig hervorragender Noten auch gute Chancen hat. Ihre konservativen Eltern, besonders ihr Vater Jack (Alfred Molina), setzen sie zusätzlich unter Druck und verbieten ihr fast alles, was nicht irgendwie die Chancen auf eine Aufnahme in Oxford verbessert. Als sie den Mittdreißiger David (Peter Sarsgaard) kennenlernt, sieht sie in ihm eine Chance, ihrem langweiligen Leben zu entfliehen. David schafft es sogar, ihre Eltern zu überzeugen, sie mit ihm zu Konzerten und Kunstauktionen gehen und sogar ganze Wochenenden mit ihm verbringen zu lassen. Jenny verliebt sich immer mehr in den charmanten David – sehr zum Entsetzen ihrer Lehrerin und der Schuldirektorin.

Kultautor Nick Hornby adaptierte für das Drehbuch zu An Education ein autobiographisches Buch der Journalistin Lynn Barber. Nick Hornby s Handschrift ist klar zu erkennen: Die Dialoge wirken äußerst lebensecht und wie die Charaktere seiner Romane ist auch Jenny – zumindest ihren Eltern gegenüber – smart und schlagfertig. In Gesellschaft von David dagegen ändert sich ihr Verhalten. Sie ist fasziniert von dem Mittdreißiger und der Welt, die dieser ihr offenbart und will diesem unbedingt gefallen.

Hauptdarstellerin Carey Mulligan spielt diese Rolle beeindruckend und lässt die Schwärmerei Jennys für David zu jedem Zeitpunkt glaubhaft wirken. Obwohl sie knapp zehn Jahre älter als ihre Figur ist, nimmt ihr der Zuschauer die trotzige 16-Jährige, die sich in ihrer Familie und der Schule beengt fühlt, jederzeit ab. Auch die anderen Darsteller überzeugen. Der Charme von Peter Sarsgaard hat nicht nur auf Jenny, sondern auch den Zuschauer eine große Wirkung. Alfred Molina spielt den konservativen Vater, dessen Wutausbrüche auch als eine Art Comic Relief funktionieren, überzeugend und trotzt dieser Funktion, ohne zur Karikatur zu werden.

Der Film nimmt sich Zeit, um die Annäherung der Figuren glaubhaft zu machen, dennoch bleibt er fesselnd. Zwar mag es etwas unglaubwürdig wirken, dass sich Jennys Eltern so schnell von David überzeugen lassen und später sogar einer Hochzeit der beiden zustimmen, letztlich zeigt es aber auch, dass Jennys Vater vor allem garantieren will, dass für die Zukunft seiner Tochter gesorgt ist – im Zweifelsfalle auch durch die Hochzeit mit einem wohlhabenden Mann. Die Inszenierung der dänischen Regisseurin Lone Scherfig ist unspektakulär, aber solide und unterstützt den ruhigen Aufbau der Geschichte.

An Education würde also durchgehend überzeugen – wäre da nicht das Ende. Dieses kommt zum Einen viel zu abrupt, so dass es dem Zuschauer schwer fällt, sich darauf einzulassen. Zum Anderen verkehrt es die Aussage des Films ins Negative. Können die Zuschauer den Film bis dahin auch als Kritik am zu konservativen Bildungssystem und dem Erfolgsdruck, den Jennys Eltern auf sie ausüben, verstehen, sagt das Ende letztlich aus, dass sich jeder in jedem System, und sei es noch so konservativ und beengend, unterordnen sollte. Jenny ist das brave Mädchen, das kurz vom Weg abgekommen ist und am Ende Einsicht zeigt – dass es Gründe für ihr Handeln gab, die eben auch bei den Eltern und der Schule zu suchen sind, lässt sich bestenfalls in einer emotionalen Szene mit ihrem Vater erahnen. Keine der anderen Figuren zeigt eine echte Entwicklung und auch Jennys Off-Kommentar am Schluss bietet keine Art von Reflexion, was in einem Coming-of-Age-Drama bedauerlich ist.

Dennoch: Dank der hervorragenden Darsteller und dem guten Drehbuch bietet An Education durchaus ein unterhaltsames, empfehlenswertes Kinoerlebnis – auch, wenn beim Ende eine Chance vergeben wurde.

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