Batmans Butler als Held: Pennyworth verdient trotz Fehlern eine Chance

Pennyworth bei StarzplayEpix
25.10.2019 - 16:30 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Was ist eigentlich die Geschichte von Batmans Butler Alfred? Das zeigt die neue Serie Pennyworth, die auf Amazons Channel Starzplay zu sehen ist. Trotz tiefgreifenden Mankos verdient sie eine Chance.

Vielversprechend musikalisch beginnen die ersten Minuten der neuen Serie zur Origin-Story von Bruce Waynes Butler Alfred. Die Rolling Stones singen ihren Hit-Song Paint it, Black, während eine Gruppe rot- und schwarzgekleideter Reiter mit Zylinderhut auf ihren Pferden mit einer Horde von Hunden durch eine wunderschön nebelige Landschaft reitet.

Das ist die gelungene Einführung der Serie Pennyworth in die Welt. Sie spielt in den 1960er Jahren in London, wo der Ex-Soldat der British Army Alfred Pennyworth (Jack Bannon) eine Sicherheitsfirma gründen möchte und schließlich beginnt, für Thomas Wayne (Ben Aldridge) zu arbeiten - dem späteren Vater von Batman. Leider halten zumindest die ersten drei Episoden nicht das Niveau der Anfangssequenz.

1. Folge Pennyworth: Eine To-Do-Liste von Ereignissen

Die erste Folge der Origin-Story offenbart unter anderem, wie Alfred den reichen Philanthropen Thomas kennenlernt und mit der Clubtänzerin und Schauspielerin Esme (Emma Corrin) eine Beziehung eingeht. Im Fokus steht die Liebe zu dieser Frau, die entführt wird und damit einen großen Einfluss auf die Handlung der ersten Folge hat.

Erstes Date: Esme (Emma Corrin) und Alfred (Jack Bannon)

Leider ist keinerlei Chemie zwischen Alfred und Esme zu spüren. Die Macher fokussieren sich nämlich darauf, die Stadien ihrer Liebesbeziehung im Schnelldurchlauf zu erzählen: erstes Date, erster Sex, erste Bekundungen á la "durch dich fühle ich mich lebendig", erstes Kennenlernen der Eltern und erste Auseinandersetzung.

All das wirkt wie die Abhandlung einer To-Do-Liste. Emotionen bleiben vollkommen auf der Strecke. Anstatt zu hören, wie viel sie einander bedeuten, wäre es schön, das zu sehen und zu fühlen.

Pennyworth: Wer ist Alfred eigentlich?

Möglicherweise ist die Liebesgeschichte nicht zu fassen, weil es schwierig ist, Alfred zu begreifen. Er wirkt steif, ausdruckslos und fahl. Seine Kriegstraumata, die hin und wieder kurz eingeblendet werden, erscheinen wie Mittel zum Zweck, um ihm eine Persönlichkeit zu geben. Doch es wird nicht viel mehr damit gemacht.

Alfred Pennyworth (Jack Bannon) ist vom Krieg gezeichnet.

Ständig sagt der Ex-Soldat beispielsweise, er wolle nicht gewalttätig sein, macht jedoch nicht den Anschein, als hätte er Probleme mit Gewalt. Seine Entscheidungen sind häufig nicht nachvollziehbar, wodurch es schwer ist, ihn zu verstehen und sich in seine Lage zu versetzen.

Pennyworth: Zu viele Nebenfiguren und kein Überblick

In den ersten drei Folgen kommen so viele Nebenfiguren zum Vorschein, die wichtig wirken, aber im nächsten Moment wieder verschwinden, dass es schwer wird, den Überblick zu behalten. Leider sind die Nebenfiguren außerdem entweder böse bis aufs Blut oder charakterlos.

Erstes Kennenlernen: Alfred (Jack Bannon) und Thomas (Ben Aldridge)

Alfreds Vater taucht beispielsweise in der ersten Folge auf und spielt in den beiden weiteren Episoden keine Rolle mehr. Thomas Wayne erscheint bei seiner Einführung so charakterlos und unsichtbar, dass er schon beim Zusehen vergessen werden kann. Und Esmes Vater taucht ganz plötzlich auf, nur um dem Paar einen Grund für einen Konflikt zu geben.

Pennyworth: Bet Sykes als psychopathische Hoffnungsträgerin

Brutal und hartherzig ist auch die psychopathische Schurkin Bet Sykes, gespielt von der Sängerin Paloma Faith. Mit ihrem ausdruckslosen Gesicht, der monotonen Stimme, ihrem Interesse an Tanz und Liebe, ist sie durchaus eine interessante Figur, die unberechenbar wirkt und daher überraschen kann. Das hat viel Potential.

Paloma Faith als Sykes

Leider tritt sie nicht so häufig auf, wie der Serie zu wünschen wäre. In der dritten Episoden müssen wir beispielsweise ganze 43 Minuten warten, bis sie in einem kurzen Auftritt endlich wieder in Erscheinung tritt. Es bleibt zu wünschen, dass die Macher in weiteren Folgen stärker auf ihre Psychospielchen setzen.

Pennyworth: visuell zwischen Realität und Comic

Visuell bewegt sich die Serie zwischen Realität und Comic. Die Farben sind intensiv, die Kontraste stark. Die Straßen von Gotham sehen zwar aus wie seelenlose Filmsets ohne Bewegung, in diesem Fall unterstreicht diese Tatsache jedoch das Comichafte und kann daher durchaus als Stilmittel verstanden werden.

Jack Bannon ist Alfred Pennyworth

Pennyworths Gotham ist gezeichnet von schonungsloser Brutalität. Schlägereien, Freiheitsberaubung, Folter, öffentlichen Hinrichtungen, welche die Bewohner abfeiern, sollen schockieren und entfalten durchaus ihre Wirkung - wenn auch manchmal willkürlich.

Es könnte sich lohnen, dranzubleiben

Pennyworth ist zwar schön anzusehen, doch leider ist es kaum möglich, sich in die Figuren hineinzudenken und eine Bindung zu ihnen aufzubauen. Das könnte dazu führen, dass der ein oder andere Zuschauer nicht über die dritte Episode hinausgehen möchte.

Hoffnungsträgerin ist die Schurkin Bet, deren Handlungen schwierig einzuschätzen sind, weswegen die Macher der Serie immerhin noch überraschen könnten.

Deshalb lohnt es sich vielleicht, doch noch dranzubleiben und darauf zu hoffen, dass sie ihr in weiteren Episoden mehr Raum geben und dabei nicht vergessen, die Persönlichkeiten der anderen Figuren weiter auszubauen.

Pennyworth läuft seit dem 25. Oktober 2019 auf dem Amazon Prime-Channel Starzplay.

Der Seriencheck basiert auf den ersten drei Folgen von Pennyworth.

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Diese Woche knöpfen sich Andrea, Jenny und Patrick im Moviepilot-Podcast Streamgestöber El Camino: Ein Breaking Bad-Film bei Netflix und Fleabag bei Amazon Prime vor.

Freut ihr euch auf Pennyworth? Was erwartet ihr von der Serie?

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