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Beklemmender Anti-Kriegsfilm mit Donald Sutherland

24.02.2014 - 15:01 Uhr
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Joe 'Johnny' Bonham (Timothy Bottoms / Johnny zieht in den Krieg)
© Arthouse/Kinowelt
Joe 'Johnny' Bonham (Timothy Bottoms / Johnny zieht in den Krieg)
Über die Wirren des Krieges wird auf vielfältige Weise berichtet. Mit dem Film Johnny zieht in den Krieg allerdings geht Regisseur Dalton Trumbo ein gutes Stück über den bloßen Bericht hinaus und präsentiert eine eindringliche Parabel.

Menschen und Medien haben ganz eigene Wege mit dem Krieg umzugehen. Das Medium Bewegtbild bietet da vielfältige Möglichkeiten. Filme wie M.A.S.H. verleiten zum Weinen und Lachen gleichermaßen. Die Serie Ein Käfig voller Helden erstickte das Thema in Comedy. Die Blechtrommel war wiederum in seiner Inszenierung so rigoros, dass streckenweise über guten Geschmack gestritten wurde. Der heutige TV-Tipp allerdings ist ein gänzlich anderes Kaliber. Johnny zieht in den Krieg von Dalton Trumbo lässt den Zuschauer am Ende mit einem schlechten Gefühl zurück, einem beklemmenden Gefühl. Nein, der Film macht keinen Spaß und es macht auch keinen Spaß, ihn anzuschauen, aber genau das macht ihn so wertvoll in der Filmlandschaft.

Der Film basiert auf dem Buch Johnny got his gun. Schon der Titel ist bloßer Sarkasmus, verwendete man doch anfang des 20. Jahrhunderts den Propaganda-Spruch “Johnny get your gun”, um junge US-Amerikaner zum aktiven Militärdienst zu bewegen.

Der junge, waffenbegeisterte Soldat Joe “Johnny” Bonham (Timothy Bottoms) wird in den letzten Tagen des ersten Weltkriegs von einem Artillerie-Geschoss getroffen. Die Konsequenz dessen ist eine totale Amputation aller Gliedmaßen. Des Weiteren verliert er seine Augen, seine Ohren, seinen Mund und seine Nase und verbleibt somit als hilfloser Torso in den Händen der Ärzte. Er ist aber sehr wohl bei Bewusstsein und beginnt nur langsam zu realisieren, was für ein Schicksal er erleidet. Unfähig mit seiner Außenwelt zu kommunizieren, beginnen Traum und Wirklichkeit für ihn zu verschwimmen. In seinen Träumen beginnt er, mit seiner Mutter zu reden oder auch mit Christus selbst (fantastisch: Donald Sutherland). Immer mehr wird ihm und dem Zuschauer klar, dass die Ärzte ihn nicht nur aus Nächstenliebe am Leben erhalten, sondern weil sie stolz sind auf ihre medizinischen Fähigkeiten und aus schierem Patriotismus.

Johnny zieht in den Krieg ist eine Parabel auf den Krieg und was er mit den Menschen anstellt. Der Film ist grandios in Szene gesetzt, lässt einen danach jedoch leider schwer einschlafen. Ihr werdet viel grübeln.

Was: Johnny zieht in den Krieg
Wann: 22:25 Uhr
Wo: arte

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