Beste Regisseure aller Zeiten - Platz 3: Quentin Tarantino

Der beste Regisseur aller Zeiten - Platz 3: Quentin Tarantino
© Sony Pictures
Der beste Regisseur aller Zeiten - Platz 3: Quentin Tarantino
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Wir nähern uns mit großen Schritten dem Finale der Top 250 der besten Regisseure, die sich aus dem Bewertungsdurchschnitt der moviepilot-Community ergeben. Auf dem 3. Platz thront ein sehr vertrautes Gesicht, dessen Erscheinen wohl unvermeidbar war: Quentin Tarantino. Insgesamt acht Filme hat er inszeniert, wenngleich er Kill Bill gern als ein Werk betrachtet. Darüber hinaus hinaus zeichnen ihn Kooperationen mit befreundeten Filmemachern und anderweitige Aktivitäten als Regisseur aus. Er inszenierte einen Teil des Episodenfilms Four Rooms und stemmte mit Robert Rodriguez das Projekt Grindhouse. Im Durchschnitt bewertet ihr Quentin Tarantinos mit beachtlichen 7,672 Punkten. Dennoch muss er sich oft verwerfen lassen, lediglich die Filmgeschichte zu kopieren. Das ist natürlich Quatsch - vielmehr erschafft Quentin Tarantino aus seinem Verständnis der Filmgeschichte etwas völlig Neues wie Aufregendes.

Dass Quentin Tarantinos Kino ein Kino der Referenzen und je weiter seine Filmographie voranschreitet auch der Selbstreferenzen ist, steht außer Frage und ist überhaupt nicht schlimm. Denn anstelle vertraute Motive mit dem aktuell zum Beispiel allzu beliebten Nostalgie-Gestus wieder aufleben zu lassen, handelt es sich bei Quentin Tarantinos Kreationen stetig um eine Verkettung von vielen verschiedenen Einflüssen, die wild durcheinander gewürfelt werden, am Ende aber trotzdem eine große Einheit bilden. Gerahmt wird all dies von Quentin Tarantinos unglaublichem Schreibtalent, das gleichermaßen spielerisch wie mit dem nötigen Gewicht versehen Figuren für die Unendlichkeit schafft und sie Abenteuer erleben lässt, die in ihrer neu entstandenen Verbindung selbst die Filmgeschichte beeinflussen und - stets im Bewusstsein des Kinos - für erstaunliche Momente sorgen.

Angefangen hat alles mit einer Gruppe junger Männer, die in schwarzen Anzügen in einem Café sitzen, sich über Trinkgeld und Madonna unterhalten und alleine dadurch zu Legenden der 1990er Jahre aufgestiegen sind. Wer einmal ein Drehbuch von Quentin Tarantino gelesen hat, der weiß, wie sicher er seine Helden und Bösewichte vorstellt - und wie gekonnt er Archetypen der Filmgeschichte in komplexe, vielschichtige Figuren verwandeln kann. Reservoir Dogs demonstriert diesen Prozess im wohl rohsten Zustand, denn das Kammerspiel erfreut sich in erster Linie einem enthüllenden Mechanismus und lebt alleine vom Zusammenspiel des Ensembles. Wo die meisten Autoren eine Handvoll Protagonisten entwerfen, um ihre Geschichte zu erzählen, arbeitet Quentin Tarantino von Anfang an mit einer beachtlichen Armada an ausgefeilten Charakteren, aus deren Präsenz die Geschehnisse entstehen.

Was Quentin Tarantino in den 1990er Jahren mit Pulp Fiction und der Elmore Leonard-Adaption Jackie Brown perfektionierte, ist auch in seiner Schaffensphase nach der Jahrtausendwende ein essentieller Bestandteil seiner Filme. Dennoch gibt es einzelne Facetten, die sich im Lauf der Zeit verändert haben. Entgegen sämtlicher Vorurteile ist Quentin Tarantino nicht stehen geblieben und wiederholt sowie zitiert sich nur noch selbst. Im Gegenteil: Bereits Kill Bill: Volume 1 und Kill Bill: Volume 2 markieren eine Wandlung seiner Werke, von dem sträflich unterschätzten Death Proof - Todsicher ganz zu schweigen. Spätestens aber, wenn Christoph Waltz in der ersten Szene von Inglourious Basterds als SS-Standartenführer Hans Landa ein Milchglas im Sturz leert, ehe er die Tötung einer jüdischen Familie autorisiert, soll die Welt der Filme von Quentin Tarantino nicht mehr die gleiche sein.

Auf einmal kristallisiert sich heraus, was sich schon lange zuvor in seinen Filmen angebahnt hat: Ein eigenwilliger Auteur, der mit filmischen Mitteln, historischen Stoffen und seiner eigenen Marke so leicht jongliert, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan. Auch Django Unchained und besonders The Hateful 8 zeugen von dieser klaren Sprache, die sich über die Jahre geformt hat und nun endlich messerscharf explodieren darf, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Wenn Samuel L. Jackson, Kurt Russell und Co. in Minnies Miederwarenladen die amerikanische Geschichte verhandeln, wirkt der Austausch über die wahre Bedeutung von Like A Virgin verhältnismäßig bedeutungslos. Das Schöne bei Quentin Tarantino ist jedoch, dass für ihn beide Seiten seines Schaffens den gleichen Stellenwert besitzen und der Übergang zwischen Reservoir Dogs und The Hateful 8 somit trotz auffälliger Veränderungen ein fließender ist.

Ausschlaggebend für diesen fließenden Übergang ist beispielsweise seine Verwendung von Musik, die sich in den meisten Fällen seiner Filme aus sorgfältig kuratierten Vertretern seiner persönlichen Plattensammlung zusammensetzt. Wenngleich jüngst Ennio Morricone nach einer ersten Komposition bei Django Unchained ganze 50 Minuten an Originalmusik zu The Hateful 8 beisteuern durfte, setzt sich der Soundtrack von Quentin Tarantinos Filme für gewöhnlich aus einer überaus illustren Runde an mannigfaltigen Interpreten zusammen, die in ihrer ungewohnten Kombination eine ganz besondere Dynamik entfalten. Quentin Tarantino verlässt sich dabei bewusst auf die Bedeutungen, die bereits mit den einzelnen Stücken verbunden sind, schafft aber trotzdem einen neuen, einen eigenen Kontext - vorzugsweise kontrapunktiert zum eigentlichen Geschehen auf der Leinwand. Daraus entstehen genauso verblüffende wie magische Kinomomente.

https://youtu.be/bnXth5fI3-Y

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