Better Call Saul - Staffel 3, Episode 4 im Recap

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Better Call Saul - Staffel 3, Episode 4: Sabrosito
03.05.2017 - 09:00 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Better Call Saul fühlt sich in Sabrosito an wie eine Breaking Bad-Episode. Gus Fring zieht den Hass Hector Salamancas auf sich, Kim und Jimmy feiern einen kleinen Erfolg.

In dem Moment, da Don Eladio diese Better Call Saul-Episode mit einem Kopfsprung in seinen Pool eröffnet, blickt er seinem Tod ins Gesicht. Thomas Schnauz führte bei Sabrosito Regie und Schnauz verlegte hier eines dieser tollen Better Call Saul-Wurmlöcher: Don Eladio taucht einige Jahre später mit sterbendem Gesicht in ebenjenen Pool ein und beendet damit seine Breaking Bad-Zeit. Schnauz erinnerte sich daran .

Don Eladio, zur Erinnerung, ist der Kevin Feige des Drogenkartells in Ciudad Juarez. Er kontrolliert die Geschäfte sowohl von Gus Fring (Giancarlo Esposito) als auch die von Hector Salamanca und hat ein Auge darauf, dass die Rädchen auch immer hübsch ineinander greifen. Rädchen Hector Salamaca lahmt ein wenig, jemand streut Sand (Koks/Crack/Meth) ins Getriebe. Die Drogenesel kommen nicht an ihr Ziel und der Stoff nicht an den Mann, weshalb der Geldhaufen, den Salamanca seinem Lehnsherrn darreicht, nicht nur unschöner aufbereitet, sondern auch bedeutend kleiner ist als jener von Gus Fring. Der liefert seinen Cash so ordentlich geschichtet und luftdicht verpackt ab wie einen Stapel Los Pollos Hermanos-Servietten. Die stilechten, aber eben unpraktischen Knäule von Salamanca können da nicht mithalten. Keine Gummis mehr, fordert der Don und watschelt poolwassertropfend im Los Pollos Hermanos-T-Shirt davon. Hier beginnt der Hass Hector Salamancas auf Gus Fring zu keimen, der gen Ende der 4. Staffel von Breaking Bad explodiert. Irgendwo ist ein helles Klingeln zu vernehmen, wie von einem Engel geschickt, als Hector allein am Pool zurückbleibt.

Gus Fring

Als beleidigter Rowdy lauert Hector Salamanca dem hochwasserhosigen Musterschüler Gus Fring bald in dessen Fast Food-Restaurant auf. Nach seinem heiseren Timbre dreht sich das halbe Fast Food-Restaurant um, als hätte Henry Fonda soeben einen Saloon betreten. Die ersten Gäste flüchten und drängeln sich an vor den Türen lungernden Handlangern vorbei. Der Assistant Manager (Barkeeper), der Hähnchenflügel ausgibt (Bier ausschenkt), sieht aus wie die Live Action-Version des krächzenden Spätpubertierenden, der bei den Simpsons immer die Dienstleistungsjobs ausfüllt. Er ist gänzlich hilflos, denn die Zivilisierten sind ohnmächtig gegenüber dem Kriminellen. Die höfliche Corporate Identity der Bedienung wird durchstochen von ungeschliffener krimineller Energie. Aber es ist schön, dass die Szene Lyle (der Assistant Manager, soviel Zeit muss jetzt sein) den Raum gibt, seine Loyalität zu beweisen. Auch wenn es nur leere Worte gewesen sein mögen, beweist Lyles geäußerter Unwille, den Chef den Eindringlingen zu überlassen, doch welch ein unwiderstehlicher Menschenfänger der bescheidene Gus Fring sein muss.

Dessen saubere Zweitidentität könnte ihm dem schäbigen Hector gegenüber zur Last werden. Hector könnte sie beschmutzen, wie er Gus' Schreibtisch mit abgekratztem Straßendreck beschmutzt. Er müsste einfach hin und wieder mit seiner Entourage im Los Pollos Hermanons aufkreuzen. Gus deeskaliert deshalb weitsichtig. Nach der Rede, die er für seine eingeschüchterten, aber eben loyalen Mitarbeiter schwingt, haben auch wir, die wir Gus' Erstidentität kennen, keinen Zweifel, dass er zu den rechtschaffenen Menschen Amerikas gehört. Better Call Saul hat in dieser Szene seinen dritten großen Protagonisten erschaffen. Das muss Gus auch sein, wenn er mit Mike Ehrmantraut zusammenarbeitet.

Better Call Saul

Bei Mike lässt sich das Geschiebe des akribischen Better Call Saul-Autorenteams auf der Charaktertektonik bestens nachlesen. Dass Mikes andauernder Feldzug gegen Salamanca tatsächlich rein egoistischer Natur ist, erschließt sich uns mit dem Telefonat, das er mit Schwiegertochter Stacey führt, der er ein schönes Haus in sicherer Nachbarschaft kaufen konnte. Seine Schäfchen sind im Trockenen. Mikes Agenda betrifft auf den ersten Blick ausschließlich eigensüchtige Ziele. Bei aller Würde, die Mike ausstrahlt und der Sympathie, die wir ihm entgegenbringen, müssen wir dennoch seine Motive befragen. Warum genießt er nicht seine Rente, warum nickt er beim Beschatten schwerer Gangster ein und nicht auf dem Sofa mit seiner Enkelin im Arm? Warum folgt er, nun ja, dem Walter White-Beispiel und lässt es nicht beim Erreichten bewenden?

Um Geld geht es ihm schon mal nicht. Das Honorar für den Anschlag auf Salamancas LKW darf Gus behalten. Mike und Gus treffen sich. Im Gespräch erfahren wir, Mike will "Salamanca aus dem Kopf kriegen". Mike ist stolz und definitiv gut und Salamanca hat ihn sowohl in seinem Stolz als auch in seinem Bedürfnis, das Gute zu bewahren, erschüttert. Jonathan Banks ist als Darsteller zu asketisch, zu felsig, dies schrankenlos zu offenbaren. Aber auch Walter White brachte Mike stets strenge Wachsamkeit entgegen. Mike durchschaut das Böse und verachtet es. Da Mikes seine Motive (und sein Stolz) jedoch mit den Problemlösungsstrategien von Gus Fring übereinstimmen, erwägen beide Parteien nun, die Synergien zu nutzen. Auch Fring offenbart sich in diesem Zuge: Eine Kugel im Kopf sagt er, wäre für den Unmenschen Hector Salamanca noch viel zu komfortabel gewesen. Deswegen untersagte er Mike, Salamanca zu töten.

Innerhalb dieses Moralmorasts, durch den die BCS-Figuren waten, kriegt nur das Schwein seine Nase an die Luft, das es vermag, seine Ideale zu bewahren. Das bedeutet auch, die Frage nach Richtig und Falsch wird in Better Call Saul unter ethisch-sozialen (natürlichen) Grundsätzen und Geboten diskutiert, die wir noch nicht kennen, die sich uns erst nach und nach erschließen. Sicher ist, immer und zu jedem gut zu sein, ist hier in etwa so unmöglich, wie unter Wasser zu atmen.

Das gilt für einen Streit unter Brüdern in besonderem Maße. Bei Chuck und Jimmy (Bob Odenkirk) geht es nicht um Recht oder Unrecht, Lüge oder Wahrheit. Es geht um viel mehr als das: Familie und verratenes Blut. Beim ersten Treffen unter gerichtlichen, also dienstlichen, Voraussetzungen wendet Chuck kaum den Großmut auf, über ein paar zerquetschte Cents hinwegzusehen; diese Art Hass ist nur unter Menschen möglich, die sich irgendwann mal sehr geliebt haben. Jimmy hat das scheinbar akzeptiert, was trotz allem natürlich schade ist, denn die Bruderliebe war ein letzter reiner, unschuldiger Teil seines eigentlich guten Charakters, den jetzt wohl nur noch Kim zusammenhält. Aber jeder Erfolg auf dem Weg zum Triumph über Chuck treibt ihn weiter von dieser Version seiner Selbst fort.

Anmerkungen:

  • Dass es bis zur Hälfte der Episodenlaufzeit dauert, bis wir Kim beim geduldigen Rumtelefonieren stören, liegt an der neu justierten Ausrichtung von Better Call Saul in der 3. Staffel. Die Serie, einst als Breaking Bad-Spin-off aufgefasst, wird immer mehr zum Breaking Bad-Prequel.
  • Angeblich ist Hank Schrader (Dean Norris) in Minute 08:10 im Hintergrund zu hören. Es braucht viel Glaube und Fantasie, aber ausschließen mag ich es nicht, dafür gefällt mir der Gedanke viel zu sehr.
  • "You, my friend, are the Ansel Adams of covert photography.” (Jimmy zu Mike)
  • Nachdem er die Tür in Chucks Wohnung repariert hat, schmökert Mike in seiner Kabine in einem Heimwerkermagazin.


Was bisher in der 3. Staffel von Better Call Saul geschah:

Better Call Saul - Staffel 3, Episode 3: Sunk Costs
Better Call Saul - Staffel 3, Episode 2: Witness
Better Call Saul - Staffel 3, Episode 1: Mabel


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