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Zur Entwicklung Visueller Effekte Teil 5

Bilder aus dem Computer

01.10.2013 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Dieser Effekt in Terminator 2 ging unter die Haut
© Universal
Dieser Effekt in Terminator 2 ging unter die Haut
Im fünften Teil der Themenreihe beschäftigen wir uns heute mit der Geburt und dem Aufstieg der CGI-Effekte, die bis heute unser Bild der modernen Filmtricks bestimmen.

In den letzten Wochen haben wir uns hauptsächlich mit visuellen Effekten auseinander gesetzt, die noch in echter Handarbeit entstanden sind, wie zum Beispiel mit dem Stop-Motion-Verfahren, dem Matte Painting oder mit dem Alleskönner unter den Effekt-Spielereien: dem Optischen Printer. Doch wenn wir heutzutage an den Begriff Visuelle Effekte denken, gehören diese traditionellen Methoden zumeist nicht zu den Filmtricks, an die wir zuerst denken. Denn die Effekte, die uns in den Sinn kommen, sind zumeist digitaler Natur: 3D-Modeling, Texturing oder Morphing sind dabei nur einige Methoden, um Bilder digital zu manipulieren bzw. von Grund auf neu zu erschaffen. Dabei hatte die Erfolgsgeschichte der computergenerierten Bilder, kurz CGI, mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen, da sie mit den gewohnten Sehgewohnheiten des Publikums kollidierten. Wie sie es trotzdem schafften, nach und nach die herkömmlichen Filmtricks den Rang abzulaufen, könnt ihr im heutigen Teil der Themenreihe lesen.

Aller Anfang ist schwer
Jede neue Technik muss sich zu Anfang erst einmal beweisen und so wurden auch die digitalen Effekte erst nach und nach in Spielfilmen eingesetzt. Das Science-Fiction-Genre ist dabei immer das Zugpferd für den Einsatz neuer Filmtechniken gewesen, weshalb es auch nicht verwundert, dass die ersten Computereffekte in eben diesem Genre eingesetzt wurden. Die Ansicht eines Planeten in Zeitraffer in Star Trek II: Der Zorn des Khan stellt hierbei die erste vollständig computergenerierte Szene in einem Film dar und ebnete so den Weg für einen weitaus größeren Einsatz der neuen Technik. Schon wenige Wochen später hatten die CGI-Effekte im Cyberspace-Film Tron ihren ersten großen Auftritt. Insgesamt 15 Minuten des Scifi-Abenteuers entstanden am Rechner bzw. setzten sich aus einer Kombination von Computergrafiken und Realfilm zusammen. Doch trotz oder besser gesagt gerade wegen dieser neuen cineastischen Errungenschaft floppte der Film beispiellos. Das Publikum hatte keinen Sinn für die ungeheure Programmierarbeit und nahm die sehr glatte Ästhetik des neuen Mediums Computer nicht auf, reagierte vielmehr verstört auf das technisch noch nicht völlig ausgereifte Programm. Auch wenn sich hinter Tron aus heutiger Sicht ein tricktechnischer Meilenstein verbarg, mussten die CGI-Effekte für die Zuschauer erst noch verfeinert werden, damit ein weiterer finanzieller Flop ausblieb. Doch nachdem auch weitere CGI-Produktionen wie Starfight und 2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen an den Kinokassen scheiterten, versetzte das den digitalen Effekten vorerst den Todesstoß. Der Durchbruch der neuen Technik sollte noch fünf Jahre auf sich warten lassen.

Aufstieg durch Wasser und Flüssigmetall
Das Jahr 1989 läutete eine Wende im Umgang mit computergenerierten Effekten ein, denn allmählich wurde Publikum und Kritikern klar, welches Potential in der neuen Technik steckt. Den Anstoß hierfür gab der Unterwasser-Science-Fiction-Film The Abyss von Regisseur James Cameron, der mit seiner digitalen Darstellung des Wasserwesens für großes Aufsehen sorgte. Eine solch realistische Lichtbrechung und Transparenz einer Animation, die sich darüber hinaus noch beliebig verformen, Gesichter nachahmen und mit den Darstellern agieren konnte, wurde bis dato für unmöglich gehalten. Doch im Vergleich zu Camerons nächsten Streich waren die Alien-Darstellungen in The Abyss nur ein animierter Tropfen Wasser auf dem heißen Stein. Ihren ökonomischen Durchbruch erlangten die digitalen Effekte mit Terminator 2 – Tag der Abrechnung, bei dem vor allem die Morphing-Sequenzen des T-1000 das Publikum beeindrucken konnten. Und nicht nur die zeigten sich von dem Ergebnis überwältigt: Selbst der produktionseigene VFX-Supervisor hatte zu Beginn der Dreharbeiten seine Zweifel, ob die Shape-Shiftung-Effekte auch wirklich umsetzbar sind. Doch dank Motion Capturing und digitalem Compositing war es möglich, die aufwendigen Effekte zu realisieren und sie zum Star des Films zu machen. Terminator 2 überzeugte nun auch die letzten Skeptiker von den Fähigkeiten des neuen Mediums und ebnete den Weg für eine neue Art des Filmemachens.

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