Bruce Willis wird 65 - John McClane ist nicht seine beste Rolle

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The Sixth Sense
19.03.2020 - 14:00 UhrVor 7 Monaten aktualisiert
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Mit John McClane hat sich Bruce Willis unsterblich gemacht. Zum 65. Geburtstag des Stars blicken wir auf die beste Rolle von Willis. Die findet sich nämlich nicht in den Stirb Langsam-Filmen.

Keine Frage, ikonischer als in Stirb langsam war Bruce Willis auf der Leinwand nie. Sein New Yorker Polizist John McClane hat Filmgeschichte geschrieben und Generation um Generation geprägt. Längst schon hat sich sein "Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke" in den allgemeinen Sprachgebrauch eingenistet. Seine beste Rolle allerdings ist eine gänzlich andere.

Auch wenn Stirb langsam zweifelsohne ein stilprägendes Meisterwerk seiner Klasse darstellt und Bruce Willis sich mit einem imponierenden Maß an Selbstverständnis die Coolness aneignete, die einst Steve McQueen hinterlassen hat: Besser als im Mystery-Drama The Sixth Sense von M. Night Shyamalan war Bruce Willis nie. Zum 65. Geburtstag des Schauspielers blicken wir zurück.

Ungewöhnliche Rollenwahl: Bruce Willis als feinfühliger Kinderpsychologe

In The Sixth Sense verkörpert Bruce Willis den Kinderpsychologen Dr. Malcolm Crowe, der sich der Betreuung des neunjährigen Cole (Oscar-nominiert: Haley Joel Osment) annimmt. Der Junge scheint von tiefen Ängsten geplagt zu werden, während sich auf seinem Körper immer wieder neue Wunden zeigen, über deren Ursprung sich Cole gegenüber Niemandem äußern möchte.

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Der Rest ist tatsächlich auch in diesem Fall Filmgeschichte. Nicht nur ist The Sixth Sense der wohl meistgespoilerte Film aller Zeiten. Auch hat er den Aufstieg von Twist-Guru M. Night Shyamalan eindrucksvoll in die Wege geleitet, der sich für seine hiesige Arbeit sogar Oscar-Nominierungen in den Kategorien Bester Film und Beste Regie abholen konnte. Ein Ritterschlag für den amerikanischen Autorenfilmer.

Außerhalb der eigenen Komfortzone: Bruce Willis ist eine leise Sensation in The Sixth Sense

Die Brillanz von The Sixth Sense aber liegt nicht in seinem allseits bekannten Twist. M. Night Shyamalan ist hier noch clever genug gewesen, um die Auflösung nicht von der Handlung zu isolieren, sondern sie als unabdingbaren Bestandteil dieser feingliedrigen Reflexion über das Leben, den Tod und die Akzeptanz der eigenen Sterblichkeit zu verstehen. Die wahre Sensation ist der Auftritt von Bruce Willis.

Ein Stück weit irritierend ist es schon, dass sich Bruce Willis hier nicht in seinen obligatorischen Komfortzonen des Action- oder Thriller-Kinos bewegt. Umso beeindruckender erweist sich in diesem Zusammenhang die pointierte Zurückgenommenheit seiner Performance, die der Figur des Dr. Malcolm Crowe eine ungeheuer sensible Autorität sowie ein unter der Oberfläche stetig brodelndes Leiden zugesteht.

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Erinnerungswürdig gestalten sich gerade die zärtlichen Momente, in denen Dr. Malcolm Crowe mit dem von Haley Joel Osment ebenfalls grandios gespielten Cole interagiert. Hier geht es nicht nur um das sukzessive Erlangen gegenseitigen Vertrauens. Die beiden Darsteller legen dank einer ebenso hervorragenden Schauspielführung seitens M. Night Shyamalan unzählige weitere Gefühls- und Deutungsebenen frei.

Genauso thematisiert The Sixth Sense die Angst vor Zurückweisung (auch von Gott), die zwischenmenschlichen Beklemmungen, die dysfunktionale Familien- und Ehekonstrukte an das Tageslicht befördern, und die Hilflosigkeit im Angesicht irrealer Todesängste. All das wird durch die nuancierte Darbietung Bruce Willis' zusammengehalten und geerdet, der den Kern eines sanften Diskurses darstellt, dessen Anliegen nicht der Horror, sondern der Trost ist.

The Sixth Sense: Eine mutige Image- und Kurskorrektur für Bruce Willis

Der klare Verzicht auf theatralische Gesten erhebt Dr. Malcolm Crowe zur ersten echten Charakterrolle von Bruce Willis. Obgleich John McClane auch deshalb zur Kinolegende wurde, weil er nicht nur eindimensionaler Action-Haudrauf gewesen ist, sondern von einer menschlichen Verletzlichkeit gezeichnet ist, hat sich Bruce Willis in The Sixth Sense einer wahrlich beachtlichen, durchaus mutigen Imagekorrektur angenommen.

Bei den Academy Awards seinerzeit sträflich unbeachtet geblieben, ist der faszinierende The Sixth Sense ein ergreifender Beweis des schauspielerischen Vermögens seitens Bruce Willis. Kein hemdsärmeliger Gesetzeshüter, kein sprücheklopfender Macho, sondern stiller Analyst, umsichtiger Beobachter und vor allem fühlendes, nachdenkliches Individuum. Und da soll nochmal jemand am Selbstbewusstsein von Bruce Willis zweifeln.

Bruce Willis wird heute, den 19. März 2020, 65 Jahre alt.

Welche Performance von Bruce Willis mögt ihr am liebsten?

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