Corona-Krise: Wenn Stars wie Madonna & Gal Gadot überschnappen

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© Warner Bros.
Gal Gadot als Wonder Woman
25.03.2020 - 08:55 UhrVor 13 Tagen aktualisiert
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Vom Coronavirus sind auch Stars betroffen, darunter Tom Hanks, Madonna und Gal Gadot. Doch statt Gemeinsamkeiten macht die Krise vor allem Unterschiede deutlich.

Rund zwei Wochen sind vergangen, seit Tom Hanks die Öffentlichkeit über seine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 informierte. Beinahe hatte es eine logische Konsequenz, dass ausgerechnet des Kinopublikums liebster Jedermann sich als erster Hollywood-Star mit bekannt gewordener Corona-Erkrankung erweisen sollte. Wer ein Leben lang Typen wie Du und Ich spielt, kann höchstes Identifikationspotenzial auch im Ernstfall abrufen.

Tom Hanks wird jetzt gewissermaßen zum doppelten Großkaliber. Jemand wie er hat das Zeug, noch dem letzten Zweifler die dramatische Lage aufzuzeigen. Mühelos kann er in sozialen Netzwerken nötigen Humor  mit berechtigter Sorge  verbinden, weil über Tom Hanks zu lachen genauso leicht fällt wie mit ihm zu fühlen. Weil es irgendwie Trost spendet, dass auch unantastbar erscheinende Stars nicht vom Virus verschont werden.

Vor dem Coronavirus sind (fast) alle gleich

Wenn prominente Corona-Infizierte wie Tom Hanks oder kurz nach ihm Idris Elba die Öffentlichkeit mit gesundheitlichen Updates, weisen Ratschlägen oder gar Videotagebüchern zu ihrem Befinden füttern, wirkt es fast ein bisschen so, als würden sie für uns (mit)leiden. Als stünden sie auch jenseits der Leinwand bereit, das Große im Kleinen nachvollziehbar werden zu lassen. Zigtausende Genesungswünsche und Solidaritätsbekundungen scheinen ihnen Recht zu geben.

Tom Hanks in Terminal

Das Coronavirus diskriminiere nicht, heißt es momentan vielerorts. Was schön klingt und zumindest biologisch auch stimmt: Der Erreger befällt Menschen unabhängig von Herkunft, Klasse oder Sexualität. Allzu lang hält dieser Atem viraler Gerechtigkeit jedoch nicht an. Sozioökonomisch sind wohlhabende Menschen freilich auch in Krisenzeiten besser gestellt. Sie haben Zugang, den wir nicht haben, und besitzen Ressourcen, die wir nie besitzen werden.

Wie die New York Times  berichtet, greifen jene Stars, die mancher als Corona-Leidensgenossen zu erkennen glaubt, auf wenig volksnahe Kriseninstrumente zurück. Oftmals verfügten sie über abrufbereit stehende Ärzte, die sich ihre umfänglichen Dienste einiges kosten lassen – im Rahmen einer auf Exklusivmitgliedschaft basierenden, rein privat organisierten Versorgung nämlich, der sogenannten Concierge Medicine.

Zur Not können Sonderbehandlungen dann auch öffentlich bestellt werden. Bei Instagram klagte Heidi Klum über die Schwierigkeit, an einen Coronavirus-Test zu gelangen. Der Beitrag schien Wunder zu bewirken, am Tag darauf verkündete sie bereits ihr negatives Resultat. Es sei nicht selbstverständlich, derart problemlos getestet zu werden, gestand Idris Elba immerhin auf Twitter . Ob alle Stars dieses Bewusstsein teilen?

Madonna & Gal Gadot: Die Corona-Stunde der Promi-Prediger

In der britischen Tageszeitung The Guardian  bemüht Jennifer Schaffer einen historischen Vergleich. Die Katastrophe der RMS Titanic mag alle Passagiere gleichermaßen betroffen haben, aber nicht alle von ihnen verließen das sinkende Schiff mit ebenjenen Rettungsbooten, die ausschließlich im oberen Bereich untergebracht waren. Das Coronavirus diskriminiert nicht, die Corona-Krise hingegen schon.

Besonders deutlich werden die Unterschiede durch Einlassungen übergeschnappter Stars wie Madonna. In einem mittlerweile gelöschten Video  predigte sie, aus ihrer Luxusbadewanne heraus, dass es beim Coronavirus keine Rolle spiele, wie "reich du bist, wie berühmt oder wo du wohnst". Covid-19 mache uns alle gleich, was "schrecklich und wunderbar" in einem sei. Übersetzung: Madonna sieht ihre Privilegien davonschwimmen.

Den Höhepunkt realitätsfremder Prominenz schossen jedoch Superhelden-Darstellerin Gal Gadot (Wonder Woman) und die von ihr animierten Berühmtheiten wie Jimmy Fallon (Tonight Show) oder Mark Ruffalo (Avengers: Infinity War) ab. Gemeinsam trällerten sie John Lennons zur ewigen Nachdenklichkeit bewegen wollenden Gassenhauer Imagine – ein buchstäblich viraler Hit, der allein bei Instagram  bislang rund 9 Millionen Mal angesehen wurde.

Gal Gadot in Wonder Woman

Während also überall um ihre Existenz bangende Menschen in 2-Zimmer-Wohnungen dem Quarantäne-Koller zu entrinnen versuchen, fragen Hollywood-Schwergerichte aus Palästen mit eigenem Sportplatz, ob wir uns eine Welt ohne Besitztümer vorstellen können ("Imagine no possessions, I wonder if you can"). Eine Form niedlicher Niedertracht, die ebenso zynisch wie überraschungsfrei ist.

Corona, Corona: Stars sind weder Freunde noch Idole

Obwohl manche Debatte um Diversity und andere gesellschaftliche Stellvertreterfunktionen steinreicher VIPs das Gegenteil vermitteln wollen, gilt auch und besonders im Zuge der Corona-Krise, dass Stars weder Freunde noch Idole sind. Sie kämpfen nicht den Kampf der Marginalisierten. Sie bunkern Vermögen  in Steueroasen und zahlen Bestechungsgelder , um ihre unqualifizierten Kinder in Elite-Universitäten einzuschleusen.

Wie stark das über Verbundenheit hergestellte Bekenntnis zur Vorbildfunktion von Millionären sein kann, zeigt die regelmäßige Entrüstung über sprachliche Vergehen beliebter Promis, bei der ganze Filterblasen in Glaubenskrisen stürzen. Ein ausgekramter alter Tweet genügt, um den heute mit Sehnsüchten nach Repräsentation aufgeladenen Star morgen schon in Ungnade fallen zu lassen.

Deshalb ein Gegenvorschlag in Zeiten prominenter Kümmergesten: Umarmen wir die virtuellen Trostspenden der Reichen und Schönen immer nur soweit, wie es der auch sonst gebotene Abstand zur Identifikation mit Berühmtheiten zulässt. Wer Stars einfach mal Stars sein lässt, wird gerade jetzt sehen, dass Helden nicht in der Unterhaltungsindustrie arbeiten.

Sucht ihr die virtuelle Nähe zu Hollywood-Stars?

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